Slacklinen, eine junge, aufstrebende Bewegungsform, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. In letzter Zeit erschienen verstärkt Berichte in elektronischen Medien, Printmedien und Fernsehberichterstattungen, welche sich mit diesem bisher relativ unbekannten Trend auseinandersetzen. Was genau zeichnet nun Slacklinen aus und rechtfertigt eine intensive Beschäftigung mit dieser neuen Bewegungsform?
In dieser Arbeit wird sowohl die bisherige Entwicklung des Slacklinens betrachtet, als auch eine Prognose für die zukünftige Entwicklung dieser Bewegungsform soll versucht werden. Es steht die Frage im Raum, ob Slacklinen zu den Trendsportarten gezählt werden kann oder lediglich ein kurzlebiger Sporttrend bleibt.
Zuerst wird eine historische Betrachtung des Slacklinens vorgenommen. Die junge Bewegungspraxis wird hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte dargestellt und die verschiedenen Disziplinen werden aufgelistet und erläutert, sowie eine Definition erörtert.
Im zweiten Kapitel werden die gesellschaftlichen Hintergründe für die Ausbreitung von Trendsportarten dargestellt, Veränderungen hinsichtlich der Werte einer Gesellschaft beleuchtet und diskutiert, warum sich Menschen Trendsportarten zuwenden.
Eine Verknüpfung der Theorien des Trendsports mit dem Slacklinen findet im Anschluss statt. Die charakteristischen Merkmale von Jürgen Schwier, durch die sich möglicherweise Trends im Feld des Sports auszeichnen, werden dargestellt und auf Slacklinen übertragen.
Zwei häufig angewandte Modelle aus der Trendsportforschung werden anschließend vorgestellt und auf ihre Relevanz für die Entwicklung des Slacklinens untersucht. Zum einen das semiotische Modell nach Jürgen Schwier, zum anderen das an einem Produktlebenszyklus orientierte Modell nach Lamprecht & Stamm.
Abschließend kommt ein Konzept von Volker Nagel zur Anwendung, welches ursprünglich zur Analyse des Trendsports Inlineskaten entwickelt wurde. Dessen Fragen werden modifiziert in der empirischen Untersuchung auf Slacklinen bezogen.
Für diese Arbeit wurde eine schriftliche Befragung unter Slacklinern durchgeführt. Mit einem Fragebogen soll sowohl einen Bezug zu den charakteristischen Merkmalen als auch zu den Akzeptanz-Kriterien hergestellt werden. Die im Anschluss ausgewerteten und interpretierten Ergebnisse stützen entweder die theoretische Analyse im ersten Teil der Arbeit oder führen zu einer Verwerfung der aufgestellten Hypothesen zu Slacklinen als Trendsport.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Slacklinen
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Darstellung und Eigenschaften unterschiedlicher Slacklines
2.2.1 Lowlines
2.2.2 Highlines
2.3 Diskussionsansatz zur Definition des Slacklinens
3 Trendsport
3.1 Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf den Sport allgemein
3.2 Begriffsproblematik „Trendsport“
3.3 Trends als Metaphern
4 Ansätze und Modelle zur Zuordnung von Sportarten zum Trendsport
4.1 Charakteristische Merkmale von Trendsportarten im Allgemeinen und Slacklinen im Besonderen
4.2 Modelle zur Entwicklung von Trendsportarten
4.2.1 Phasenmodell nach Schwier
4.2.2 Trendsportentwicklung nach Lamprecht und Stamm
4.2.3 Akzeptanz – Kriterien nach Volker Nagel
5 Problemstellung
5.1 Anwendung des Modells von Schwier auf Slacklinen
5.2 Anwendung des Modells von Lamprecht und Stamm auf Slacklinen
6 Untersuchungsdesign
6.1 Explorative Umfrage zum Slacklinen im deutschsprachigen Raum
6.2 Durchführung der Befragung und Auswertung
6.3 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
6.3.1 Soziodemographische Merkmale
6.3.2 Fakten bezüglich Slacklinen
6.3.3 Hintergrundwissen über Slacklinen
6.3.4 Fragen zu Merkmalen eines Trendsports nach Jürgen Schwier
6.3.5 Fragen nach Volker Nagel
6.3.6 Funktionsfragen
6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Slacklinen als aufstrebende Bewegungsform und analysiert, ob diese als Trendsportart klassifiziert werden kann. Dabei werden sowohl die historische Entwicklung als auch aktuelle Trendsport-Modelle und empirische Daten zur Nutzerstruktur herangezogen, um den Stellenwert und das Verbreitungspotenzial des Slacklinens zu bewerten.
- Historische Entwicklung und Ursprünge des Slacklinens
- Soziologische und sportwissenschaftliche Trendsport-Theorien
- Charakteristische Merkmale von Slacklinen im Kontext von Trendsport
- Entwicklungsmodelle für Trendsportarten und deren Anwendung auf Slacklinen
- Empirische Analyse der Slackliner-Community im deutschsprachigen Raum
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Entwicklung
Die historischen Wurzeln des Slacklinens lassen sich auf das Ende der 1970er Jahre zurückverfolgen. Bis dahin balancierten Kletterer schon seit den 60er Jahren im Yosemite Nationalpark in den USA (Kalifornien) zum Zeitvertreib an Ruhe- und Regentagen auf Tauen und Absperrketten an Parkplätzen. Aufgrund des lockeren Durchhangs nannten sie ihr neu entdecktes ‚Sportgerät’ slackchain. Anfangs erschien es den Protagonisten unmöglich auf der lockeren Kette zu laufen. Nach intensivem Üben wurde es zur Routine und die Kletterer suchten sich neue Herausforderungen. Kurze Zeit später wurden die ersten Tricks und Übungselemente entwickelt, wie beispielsweise das Drehen, Hinsetzen, Liegen und auch das Surfen, d.h. stehend auf der Kette hin und her schaukeln (vgl. Müller, 2007, S.3-4).
Scott Balcom, ein junger Kletterer, schreibt in seinem Buch Walk the Line von der Beobachtung zweier junger Männer im Yosemite-Tal im Sommer 1983, die auf einem fix gespannten Stahlseil im Wald balancierten. Seine besondere Aufmerksamkeit galt jedoch nicht dem gespannten Stahlseil, sondern dem daneben gespannten Band, welches die jungen Männer zu Trainingszwecken nutzten. Balcom und sein Freund Chris Carpenter, der ihn begleitete, waren sofort fasziniert von den federnden Eigenschaften des Bandes. Balcom selbst war nach eigenen Aussagen bei dem Versuch, ein Band zum Balancieren zu spannen, gescheitert, daher schienen ihm die Leistungen der beiden unglaublich: „Here was Adam Grosowski and Jeff Ellington with a command over the squirrellyness that made it look like a dance“ (Balcom, 2005, S.114).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Sportart Slacklinen ein und skizziert die Fragestellung, ob Slacklinen als neuer Trendsport bezeichnet werden kann.
2 Slacklinen: Dieses Kapitel behandelt die Ursprünge und die historische Entwicklung des Slacklinens sowie die Unterteilung in verschiedene Disziplinen.
3 Trendsport: Hier werden gesellschaftliche Hintergründe der Sportentwicklung sowie die theoretische Definition und Problematik des Begriffs „Trendsport“ erörtert.
4 Ansätze und Modelle zur Zuordnung von Sportarten zum Trendsport: Dieses Kapitel verknüpft Slacklinen mit wissenschaftlichen Modellen und Merkmalen zur Bestimmung von Trendsportarten.
5 Problemstellung: Basierend auf den vorherigen Analysen werden hier Hypothesen aufgestellt, die in der empirischen Untersuchung überprüft werden.
6 Untersuchungsdesign: Das Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise der durchgeführten Befragung von Slacklinern und präsentiert sowie interpretiert die Ergebnisse.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung des Slacklinens gegeben.
Schlüsselwörter
Slacklinen, Trendsport, Bewegungsform, Sportwissenschaft, Balancieren, Highline, Lowline, Individualisierung, Trendsportentwicklung, Schwier, Lamprecht und Stamm, Nagel, Community, körperliche Entwicklung, psychische Faktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob Slacklinen als echte Trendsportart einzustufen ist oder ob es sich um eine kurzlebige Erscheinung handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Slacklinens, soziologische Trendsport-Theorien und die empirische Untersuchung der Slackliner-Szene.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob Slacklinen basierend auf wissenschaftlichen Modellen und Kriterien als Trendsport definiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Analyse sportwissenschaftlicher Literatur wurde eine explorative Online-Befragung unter 102 Slacklinern durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Ansätze zur Trendsport-Klassifikation (nach Schwier, Lamprecht, Stamm und Nagel) vorgestellt und auf Slacklinen angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Slacklinen, Trendsport, Bewegungsform, Balancieren, Highline, Lowline und Community sind die Kernbegriffe.
Welche Rolle spielt das Highlinen in der Arbeit?
Highlinen wird als Disziplin betrachtet, die insbesondere die Aspekte der Extremisierung und des psychischen Faktors innerhalb der Trendsporttheorie verdeutlicht.
Warum ist Slacklinen für Institutionen wie Schulen interessant?
Slacklinen fördert soziale Interaktion in Gruppen, Konzentrationsfähigkeit sowie die allgemeine psychomotorische Entwicklung der Teilnehmenden.
Wie ist die Altersstruktur der Slackliner in der Studie?
Die Mehrheit der befragten Slackliner ist zwischen 19 und 29 Jahren alt, mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren.
- Citation du texte
- Patrick Engel (Auteur), 2008, Slackline. Ein neuer Trendsport?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117291