In der vorliegenden Arbeit werden die Mitgliedstaaten Ungarn, Polen und Rumänien im Hinblick auf ihre Wechselbeziehung zur Europäischen Union näher beleuchtet und Diskurse untersucht, die eine Reproduktion von Machtstrukturen innerhalb dieser Institution deutlich werden lassen. Kann von einer Hegemonie der Europäischen Kommission gegenüber den Mitgliedstaaten gesprochen werden? Außerdem soll erläutert werden, inwiefern zugewiesene Rollen (strategisch) hergestellt werden und wie sich diese Dynamiken in der politischen Arena des Europäischen Parlaments manifestieren. Zudem soll analysiert werden, welche Argumentationsstränge die jeweiligen Abgeordneten verwenden, welche Bilder sie dabei entwerfen, was sie gemeinsam haben und voneinander unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Parlamentarische Kommunikation: Das EU-Parlament als politische Arena
2.2 Diskursanalytische Verfahren: Performativität, Bedeutung und Wissen
2.3 Kritische Diskursanalyse: Hegemonie, Ideologie und Machteffekte
3. Methode
3.1 Datengrundlage
3.2 Kritische Diskursanalyse institutioneller Interaktion
4. Analyse
4.1 Ungarn
4.2 Polen
4.3 Rumänien
5. Fazit und Ausblick
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht mittels Kritischer Diskursanalyse die Wechselbeziehung zwischen drei osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten (Ungarn, Polen, Rumänien) und der Europäischen Union, um Machtstrukturen sowie die Konstruktion nationaler und supranationaler Identitäten in parlamentarischen Debatten offenzulegen.
- Analyse der Rolle des EU-Parlaments als politische Arena und Diskursraum.
- Untersuchung rhetorischer Strategien zur Konstruktion von "In-Groups" und "Out-Groups".
- Hinterfragung der Machtverhältnisse und des Hegemonieanspruchs der EU-Kommission.
- Erforschung der unterschiedlichen Interpretationen von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit.
- Vergleichende Analyse der Argumentationsmuster in den Debatten zu Ungarn, Polen und Rumänien.
Auszug aus dem Buch
2.1 Parlamentarische Kommunikation: Das EU-Parlament als politische Arena
Die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak stellt sich in ihrem Buch The Discourse of Politics in Action (2009) die Frage, in wie fern die Europäische Union eine Institution darstellt, in der immerzu um Macht, Wissen und Kompetenzen diskutiert wird. Dies wird von der Idee begleitet, die Europäische Union wiederkehrend definieren zu müssen, um eine potenzielle europäische Identität einzurahmen. Dieser Prozess des „European soul searching“ (Wodak 2009: 58) basiert auf dem Versuch eine „community of values“ (ebd.) und eine Form des „civic statehood“ (ebd.) zu kreieren. Dennoch darf nach Wodak allerdings nicht ignoriert werden, dass dabei Spannungen entstehen, die die Beziehung zwischen Nationalstaaten und der Europäischen Union tangieren: „national traditions, Weltanschauungen, and European, transnational ideas, strategies and policies“ (Wodak 2009: 59) stehen sich gegenüber. Dadurch entwickeln sich unterschiedliche Formen der Europäischen Union, die sich in ökonomische, soziale, rechtliche und geographische Sektionen unterteilen lassen (ebd.). Demnach sei es nicht verwunderlich, wenn Themen wie „legitimation, responsiveness and representation“ (Wodak 2009: 60) die Diskussion über die Europäische Union dominieren. Dabei spielt auch die Position von Abgeordneten im Europäischen Parlament eine zentrale Rolle:
„Of course, all MEPs experience role conflicts and loyalty conflicts in specific settings, for example when decision-making prioritizes the European dimension or, conversely, the respective national dimension.” (ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Polarisierung in der EU sowie das Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und europäischen Integrationsprozessen in den untersuchten Ländern.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel verknüpft parlamentarische Kommunikation mit diskursanalytischen Verfahren und der Critical Discourse Analysis nach Teun A. van Dijk, um Machtverhältnisse und Ideologien theoretisch zu fundieren.
3. Methode: Es wird die Datengrundlage basierend auf ausgewählten Plenardebatten des EU-Parlaments erläutert sowie der methodische Ansatz der Kritischen Diskursanalyse zur Untersuchung institutioneller Interaktion definiert.
4. Analyse: In diesem Hauptteil werden die spezifischen Debatten zu Ungarn, Polen und Rumänien detailliert diskursanalytisch untersucht und hinsichtlich ihrer rhetorischen Strategien und Machtdynamiken hinterfragt.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Identitätskrise der EU zusammen und betont die Notwendigkeit der Dekonstruktion des eigenen Selbstverständnisses aller Akteure.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Kritische Diskursanalyse, Parlamentarische Kommunikation, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Souveränität, Machtstrukturen, Ideologie, Identitätskrise, Rechtspopulismus, Ungarn, Polen, Rumänien, Europäisches Parlament, Hegemonie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie osteuropäische EU-Mitgliedstaaten und die EU in parlamentarischen Debatten übereinander sprechen und dabei Machtstrukturen sowie Identitätsvorstellungen reproduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, nationale Autonomie versus EU-Integration sowie die Rolle von Werten in der europäischen Gemeinschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die diskursive Konstruktion von Machtverhältnissen und die Wahrnehmung von Identität in den Debatten zwischen EU-Organen und den Regierungen von Ungarn, Polen und Rumänien offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Kritischen Diskursanalyse (CDA) nach Teun A. van Dijk angewendet, um sprachliche Muster, rhetorische Mittel und deren ideologische Hintergründe zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Plenardebatten des EU-Parlaments zu den genannten Ländern und arbeitet heraus, wie Begriffe wie "Freiheit" oder "Rechtsstaatlichkeit" je nach politischem Standpunkt unterschiedlich interpretiert und strategisch genutzt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Machtstrukturen, Europäische Identität, Rechtsstaatlichkeit, Diskursanalyse und Souveränität.
Wie unterscheidet sich die Debatte um Rumänien von denen um Ungarn und Polen?
Während bei Ungarn und Polen eine konfrontative, antagonistische Haltung dominiert, zeigt die rumänische Regierung in den untersuchten Protokollen eine stärkere Tendenz, die EU-Zusammenarbeit auch ökonomisch zu begründen und Fehlverhalten teilweise einzuräumen.
Welche Rolle spielen historische Bezüge in der Argumentation?
Historische Bezüge, etwa zu Ost-West-Distanzierungen oder nationalen Transformationserfahrungen, werden von den Akteuren genutzt, um ihre jeweilige Position zur EU-Integration entweder zu legitimieren oder als bevormundend darzustellen.
- Quote paper
- Antonia Skiba (Author), 2019, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Freiheit. Osteuropäische EU-Mitgliedstaaten im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176193