Diese Arbeit widmet sich dem vermeintlichen Widerspruch in der Erziehung, zur Freiheit zu führen unter gleichzeitiger Einschränkung selbiger. Es soll gezeigt werden, inwieweit der Eingriff in die Freiheit des Zöglings legitim ist und wo die Grenzen eines solchen Eingriffes gezogen werden. Oder bleibt die Anwendung von Zwang in der Erziehung ein unauflösbarer Widerspruch?
Solange der Gebrauch der eigenen Freiheit nicht zum erklärten Erziehungsziel wird, besteht auch keine Notwendigkeit zur Legitimation der Anwendung von Zwang in der Erziehung. In einer so verstandenen Pädagogik würde Disziplinierung zum Mittel, um den Willen des Kindes durch Zwang zu unterdrücken. Eine moderne Erziehung hingegen verfolgt, neben den Zielen den Zögling zur Selbstbestimmung und Mündigkeit zu erziehen, das Ziel den Gebrauch der eigenen Freiheit zu schulen. Die heutigen Erziehungsziele haben somit ihre ideengeschichtlichen Wurzeln in der Philosophie der Aufklärung.
In der Aufklärung wurde nach Freiheit, Mündigkeit und Unabhängigkeit gestrebt. Man strebte ein selbstbestimmtes Denken an, unabhängig von religiösen, gesellschaftlichen und politischen Traditionen. Es galt sich der eigenen Vernunft zu bedienen. Besonders die deutsche Aufklärung war dabei von der Allmacht der Erziehung überzeugt. Immanuel Kant formulierte in seiner Schrift Über Pädagogik: „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung“. Das Ziel der aufklärerischen Erziehung war es, einen freien Menschen zu schaffen, der in der Lage war, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen.
In einer solchen Erziehung, welche Freiheit zum Ziel hat, stellt sich, anders als in der zu Beginn angeführten dominanten Erziehung, mit dem Ziel den Willen des Zöglings zu brechen, die Frage, ob die Anwendung von Zwang durch die Erziehung nicht im Widerspruch zum erklärten Erziehungsziel stehe. Denn Erziehung impliziert auch immer die Anwendung von Zwang, welche einen Eingriff in die Freiheit des Zöglings bedeutet. Dieses pädagogische Paradoxon beschrieb Immanuel Kant seinerseits als „eines der größten Probleme der Erziehung“. Gleichzeitig führt er an: „Zwang ist nötig!“.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- ZUR LEGITIMATION VON ERZIEHUNG
- ZUM ERZIEHUNGSBEGRIFF NACH IMMANUEL KANT
- DIE PÄDAGOGIK DER AUFKLÄRUNG
- DIE ERZIEHUNG ZUR FREIHEIT
- DAS VERHÄLTNIS VON FREIHEIT UND ZWANG
- DIE MITTEL DER GUTEN ABRICHTUNG NACH MICHEL FOUCAULT
- RESÜMEE
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das pädagogische Paradoxon der Anwendung von Zwang in der Erziehung im Kontext der Freiheit. Sie analysiert, inwiefern die Einschränkung der Freiheit eines Zöglings durch Erziehungsmaßnahmen legitim ist und wo die Grenzen liegen. Der Fokus liegt auf der Verbindung von Freiheit und Zwang in der Pädagogik und den damit verbundenen ethischen Herausforderungen.
- Legitimation von Zwang in der Erziehung
- Erziehungsbegriff nach Immanuel Kant
- Verhältnis von Freiheit und Zwang in der Erziehung
- Disziplinierungsmittel nach Michel Foucault
- Das pädagogische Paradoxon der Anwendung von Zwang
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung erläutert die Problematik der Legitimation von Zwang in der Erziehung, insbesondere im Hinblick auf die Verbindung von Freiheit und Zwang. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wodurch Erziehung legitim wird. Hier werden die historischen und gesellschaftlichen Beweggründe für die Notwendigkeit von Erziehung diskutiert. Das dritte Kapitel analysiert den Erziehungsbegriff nach Immanuel Kant, bezieht sich auf die Pädagogik der Aufklärung und beleuchtet Kants Vorstellungen über eine Erziehung zur Freiheit. Zudem wird das Verhältnis von Freiheit und Zwang in Kants pädagogischem Denken beleuchtet.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die zentralen Themen der Legitimation von Zwang in der Erziehung, den Erziehungsbegriff nach Immanuel Kant, das Verhältnis von Freiheit und Zwang in der Erziehung sowie die Analyse der Disziplinierungsmittel nach Michel Foucault. Im Fokus stehen die ethischen Herausforderungen und das pädagogische Paradoxon der Anwendung von Zwang im Kontext der Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Ist Zwang in der Erziehung ein Widerspruch zur Freiheit?
Immanuel Kant beschrieb dies als pädagogisches Paradoxon: Zwang ist nötig, um den Zögling zur künftigen Nutzung seiner eigenen Freiheit zu befähigen.
Wie sah Immanuel Kant den Zweck der Erziehung?
Nach Kant kann der Mensch nur durch Erziehung zum Menschen werden; Ziel ist ein freies Individuum, das sich seiner eigenen Vernunft bedienen kann.
Wann ist Disziplinierung in der Pädagogik legitim?
Sie ist dann legitim, wenn sie nicht der Unterdrückung des Willens dient, sondern als Mittel zur Erreichung von Selbstbestimmung und Mündigkeit eingesetzt wird.
Was sind Foucaults „Mittel der guten Abrichtung“?
Michel Foucault analysierte Disziplinierungstechniken wie Überwachung und Normierung, die den Körper und Geist formen sollen.
Welchen Einfluss hatte die Aufklärung auf moderne Erziehungsziele?
Die Aufklärung legte den Grundstein für Ziele wie Mündigkeit und Unabhängigkeit von religiösen oder politischen Traditionen im Bildungswesen.
- Quote paper
- Jan Dissemond (Author), 2019, Zur Legitimation von Disziplinierung in der Erziehung. Das Verhältnis von Freiheit und Zwang bei Immanuel Kant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176510