In Zeiten, in denen Urheberrechtsverletzungen, Rücktritte nach Plagiatsvorwürfen und fake news nahezu täglich in den Nachrichten thematisiert werden, ist eine eingehendere Beschäftigung mit dem Umgang mit Zitaten erforderlich. Insbesondere in Bezug auf brisante und aktuelle Themen lassen sich einige unseriöse und teilweise inkorrekte Behauptungen finden. Bezogen hierauf stellt sich die Frage, inwiefern und zu welchen Zwecken Zitate instrumentalisiert werden.
Ausgehend von dieser Frage soll beantwortet werden, was die Bedingungen für einen erfolgreichen Akt des Zitierens sind, inwiefern Zitate fehlschlagen können und inwiefern man dabei von Lügen sprechen kann. Dazu soll zuerst der Akt des Zitierens sowie die Bedingungen für Lügen erläutert werden. Daraufhin werden zwei aktuelle Fälle des Zitierens vorgestellt und pragmatisch hinsichtlich der obigen Fragen analysiert. Die Untersuchung wird demnach empirisch vorgenommen. In einem abschließenden Resümee werden die Erkenntnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zitate
3. Konkrete Fälle
3.1 Corona-Verharmloser*innen
3.2 Annalena Baerbock
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Instrumentalisierung von Zitaten in aktuellen Diskursen und analysiert, unter welchen Bedingungen der Akt des Zitierens fehlschlägt oder als Lüge gewertet werden kann. Ziel ist es, durch die pragmatische Analyse konkreter Beispiele aufzuzeigen, wie durch den bewussten Entzug von Kontext oder die bewusste Falschzuschreibung politische Ziele verfolgt werden.
- Grundlagen und Definitionen des Zitierens
- Bedingungen für das Fehlschlagen von Zitaten
- Pragmatische Analyse von Lügen im Zitatkontext
- Fallstudie: Instrumentalisierung von Expertenmeinungen
- Fallstudie: Analyse von Falschzitaten im politischen Diskurs
Auszug aus dem Buch
3.1 Corona-Verharmloser*innen
Der erste Fall befasst sich mit den wiedergegebenen Äußerungen des Chefarztes der Infektio logie, Clemens Wendtner. Dieser hat zu Beginn der Corona-Pandemie im Februar vergangenen Jahres die Gefährlichkeit des Corona-Virus entsprechend dem damaligen Wissenstand mit der Influenza gleichgesetzt. Mittlerweile ist Wendtner aufgrund der aktuellen medizinischen Er kenntnisse, die die früheren Thesen widerlegen konnten, vom Gegenteil überzeugt und korri gierte seine früheren Aussagen bereits mehrmals (vgl. Kramliczek 2021).
Trotz Wendtners Sinneswandel wird seine damalige Position auch heutzutage des Öfteren zitiert. Problematisch an diesen Zitaten ist, dass diese nicht länger mit den Überzeugungen des Protagonisten übereinstimmen. Dass die Äußerungen bereits vor über einem Jahr getätigt wurden, wird in den Zitaten nicht kenntlich gemacht. Somit erhalten die Äußerungen in dem neuen Kontext eine neue Bedeutung und werden insofern instrumentalisiert, als dass Corona-Ver harmloser*innen damit falsche Aussagen über das Virus zu verbreiten und Widerstand gegen die Maßnahmen herbeizuführen versuchen.
Bei den Rededarstellungen der Corona-Verharmloser*innen handelt es sich um wahre Zitate, da Wendtner dies tatsächlich geäußert hat und seine Äußerung korrekt wiedergeben wird. Der Akt des Zitierens ist erfolgreich, da das Zitat und dessen Protagonist ausreichend kenntlich gemacht wird. Ebenso sind sie als faire Zitate zu bezeichnen, da der propositionale Gehalt, die Haltung sowie die Intention Wendtners entsprechend seiner damaligen Überzeugung korrekt wiedergegeben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Zitatproblematik ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Instrumentalisierung von Zitaten in Zeiten von Fake News.
2. Zitate: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Zitierens, die Bedingungen für ein erfolgreiches Zitat sowie die Definitionen für Lügen im pragmatischen Kontext.
3. Konkrete Fälle: Dieser Abschnitt wendet die erarbeiteten Kriterien auf zwei aktuelle Beispiele an, um das Fehlschlagen von Zitaten in der Praxis zu demonstrieren.
3.1 Corona-Verharmloser*innen: Hier wird analysiert, wie veraltete Aussagen eines Experten ohne Kontext als Instrument für politische Desinformation genutzt werden.
3.2 Annalena Baerbock: Dieses Kapitel untersucht ein konkretes Falschzitat und die damit verbundene Absicht der Diffamierung im Vorfeld einer Wahl.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und schlägt eine Erweiterung des Fairness-Prinzips bei Zitaten vor, um aktuelle und veraltete Überzeugungen besser zu differenzieren.
Schlüsselwörter
Zitate, Zitation, Plagiat, Instrumentalisierung, Pragmatik, Corona-Verharmloser, Annalena Baerbock, Falschzitat, Lüge, Rededarstellung, Fairness-Prinzip, Diskursanalyse, Expertenmeinung, Wahrheitsgehalt, Kontextualisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Instrumentalisierung von Zitaten und analysiert, wie durch manipulative Zitatpraxis Aussagen verfälscht oder für diffamierende Zwecke missbraucht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die pragmatischen Bedingungen für korrektes Zitieren, die Mechanismen von Falschzitaten und die Definition von Lügen im Rahmen von Rededarstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Zitate instrumentalisiert werden und unter welchen Umständen diese als Lüge zu klassifizieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirisch orientierte pragmatische Analyse angewandt, um konkrete reale Beispiele anhand theoretischer Modelle auf ihren Erfolg und ihre Fairness zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen dargelegt und zwei spezifische Fälle untersucht: die Verwendung veralteter Expertenmeinungen und die Verbreitung von Falschzitaten im politischen Raum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zitat, Instrumentalisierung, Pragmatik, Lüge, Kontextualisierung und das Prinzip der Fairness.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen fairem und unfairem Zitieren?
Die Arbeit nutzt das Prinzip der Fairness von Lang (1982), das fordert, dass der propositionale Gehalt und die Intention des Originalsprechers von der Interpretation des Zitierenden unterschieden werden können.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Fairness-Prinzips?
Die Autorin schlägt vor, das Fairness-Prinzip um eine zeitliche Komponente zu ergänzen, um zwischen veralteten Überzeugungen und aktuellen Meinungen eines Protagonisten unterscheiden zu können.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2021, Instrumentalisierung von Zitaten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176537