Inwiefern unterscheiden sich Quasi-Indikatoren und logophorische Pronomina? Um diese Frage zu beantworten, werden zunächst die beiden Begriffe erläutert und die Merkmale der beiden Phänomene betrachtet. Mittels empirischer Untersuchungen verschiedener Sprachen sollen die Eigenschaften und Verwendungsweisen von Quasi-Indikatoren und logophorischer Pronomina hinsichtlich ihrer formalen Eigenschaften, Referenzen und Lesarten miteinander verglichen werden.
In der direkten Rede ist die Bedeutung eines Indikators im Regelfall eindeutig, wohingegen in der indirekten Rede, insbesondere wenn der Sprecher versucht, eine Überzeugung einer ausstehenden Person zuzuschreiben, Problematiken auftreten können. Dieser Perspektivwechsel wird durch verschiedene Ausdrücke erzeugt, die sich je nach Sprache bzw. ebenso innerhalb von Sprachen je nach Verwendungsweise unterscheiden. Während manche Sprachen sogenannte logophorische Pronomina verwenden, um diesen Perspektivwechsel zu ermöglichen, nutzen andere Sprache sogenannte Quasi-Indikatoren. Auf den ersten Blick gleichen sich logophorische Pronomina und Quasi-Indikatoren, wohingegen bei genauerer Betrachtung Unterschiede in den Eigenschaften und Zwecken zu erkennen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quasi-Indikatoren
3. Logophorische Pronomina
4. Vergleich
4.1 Formale Eigenschaften
4.2 Referenz
4.3 Lesarten
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Phänomene der Quasi-Indikatoren und logophorischen Pronomina, um deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich ihrer formalen Eigenschaften, Referenzmechanismen und erzeugten Lesarten in der indirekten Rede zu analysieren.
- Phänomenologische Abgrenzung von Quasi-Indikatoren und logophorischen Pronomina
- Empirische Analyse der formalen Markierung von Logophorizität
- Untersuchung der Referenzmöglichkeiten (Personen, Orte, Zeitpunkte)
- Differenzierung zwischen de se- und de re-Lesarten in der Rededarstellung
Auszug aus dem Buch
2. Quasi-Indikatoren
Als Indikatoren bezeichnet man Ausdrücke wie ich, hier und jetzt, deren semantische Bedeutung kontextabhängig ist, d.h. nicht aus dem Äußerungskontext (ÄK) herausgelöst werden kann (vgl. Pape & Leisinger 1988: 199). Unter ÄK versteht man die Situation der Äußerung mit bestimmtem Sprecher, Adressat, Ort und Zeitpunkt der Äußerung sowie die gegebenen Fakten (vgl. Löbel 2015: 6).
Je nach ihrem Verhalten in direkter und indirekter Rede werden zwei Indikatoren unterschieden: (reine) Indikatoren und Quasi-Indikatoren. Während (reine) Indikatoren keine indexikalische Bezugnahmen einer anderen Person darstellen können, ist dies durch Quasi-Indikatoren möglich (vgl. Castañeda 1982: 139). Die Verwendung von Quasi-Indikatoren unterscheidet sich demnach von Indikatoren, insofern Quasi-Indikatoren „den subjektiven Gehalt der Äußerung einer Person aus der Perspektive einer anderen Person darstellen“ (Pape & Leisinger 1988: 208f.).
Wird der Satz Ich bin Millionär zu einem bestimmten Zeitpunkt t durch den Herausgeber von Soul geäußert, lässt sich folgende Rededarstellung formulieren (1).
(1) Der Herausgeber von Soul glaubt (zum Zeitpunkt t), daß er (selbst) ein Millionär ist. (Castañeda 1982: 58)
Als Redekennzeichnung bezeichnet man den Teil einer Rededarstellung, der Angaben zum ÄK der dargestellten Rede macht (vgl. Dirscherl & Pafel 2016: 12). Dies entspricht in (1) dem Teil der Herausgeber von Soul glaubt (zum Zeitpunkt t). Die indirekte Rede in (1) gibt die Überzeugung des Herausgebers wieder und umfasst den Teil daß er (selbst) ein Millionär ist. Der Ausdruck er (selbst) wird in (1) als Quasi-Indikator verwendet und bezieht sich auf das Antezedens der Herausgeber von Soul in der Rededarstellung, das wiederum auf den Herausgeber von Soul als Person referiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Perspektivwechsels in der indirekten Rede ein und stellt die Forschungsfrage nach den Unterschieden zwischen Quasi-Indikatoren und logophorischen Pronomina.
2. Quasi-Indikatoren: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Quasi-Indikators und erarbeitet anhand von Merkmalen dessen Funktion, den subjektiven Gehalt einer Äußerung aus fremder Perspektive wiederzugeben.
3. Logophorische Pronomina: Hier werden logophorische Pronomina eingeführt und deren Rolle bei der Identifikation des Individuums, dessen Gedanken oder Worte wiedergegeben werden, erläutert.
4. Vergleich: Dieser Hauptteil analysiert vergleichend die formalen Eigenschaften, die Referenzbereiche sowie die entstehenden Lesarten beider Indikatortypen.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede der beiden Phänomene zusammengefasst werden.
Schlüsselwörter
Quasi-Indikatoren, logophorische Pronomina, Semantik, Referenz, indirekte Rede, Rededarstellung, de se-Lesart, de re-Lesart, Perspektivwechsel, Antezedens, linguistische Kontextabhängigkeit, Sprachvergleich, Ewe, Reflexivpronomina, Subjektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der semantischen Analyse von Ausdrucksformen, die in der indirekten Rede dazu dienen, Gedanken oder Aussagen einer Person aus der Perspektive einer anderen Person wiederzugeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition und Abgrenzung von Quasi-Indikatoren und logophorischen Pronomina, deren grammatikalische Realisierung und deren referenzielle Eigenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu ermitteln, inwiefern sich Quasi-Indikatoren und logophorische Pronomina in ihren formalen Eigenschaften, ihrem Referenzverhalten und den erzeugten Lesarten voneinander unterscheiden oder überschneiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische, deskriptive Analyse durchgeführt, die auf empirischen Beispielen aus verschiedenen Sprachen und dem Vergleich bestehender theoretischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der beiden Phänomene, wobei insbesondere die grammatikalische Form, die Art der Referenz auf Protagonisten und die Differenzierung zwischen de se- und de re-Lesarten untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Quasi-Indikatoren, logophorische Pronomina, Rededarstellung, Referenz und die Unterscheidung von de se- sowie de re-Lesarten.
Welche Rolle spielt die Sprache Ewe in der Analyse?
Ewe dient als wichtiges Fallbeispiel für logophorische Pronomina, da die Sprache diese Phänomene formal deutlich durch spezielle Pronomina markiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen de se- und de re-Lesarten wichtig?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, um zu verstehen, ob ein Pronomen oder ein Quasi-Indikator sich zwingend auf die bewusste Selbstwahrnehmung des Protagonisten bezieht (de se) oder ob auch eine indirekte, unbewusste Referenz möglich ist (de re).
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- Miriam Schiele (Author), 2020, Inwiefern unterscheiden sich Quasi-Indikatoren und logophorische Pronomina?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176540