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Bürgerkrieg und Völkermord in Ruanda - Erklärungen für das Scheitern einer humanitären Intervention

Title: Bürgerkrieg und Völkermord in Ruanda - Erklärungen für das Scheitern einer humanitären Intervention

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Sebastian Schoener (Author)

Politics - Region: Africa
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Bei einer humanitären Intervention handelt es sich per definitionem um „ein auf Gewaltmittel gestütztes Eingreifen eines oder mehrerer Staaten in einem anderen Staat […], um dort nennenswerten Bevölkerungsteilen, die durch besonders brutale Gewalt massiv bedroht werden, zu helfen“ (Zangl, 2002: 106). Eine solche Intervention in einen fremden Staat bezieht sich dabei auf völkerrechtliche Grundsätze. Innerhalb des Zeitraums vom 6. April 1994 bis Mitte Juli 1994 werden in Ruanda ungefähr 800 000 Menschen umgebracht. Die Brutalität und die Geschwindigkeit in der Art und Weise der Durchführung dieses erst spät als Genozid bezeichneten Massakers sucht seinesgleichen in der Geschichte. 100 Tage lang werden innerhalb jeder Minute durchschnittlich 5 ½ Menschen getötet. Dies übertrifft die Rate der Ermordung an den Juden durch die Nationalsozialisten, wobei man beim Völkermord in Ruanda von einer industriellen Vernichtung wie im Falle des Holocausts nicht sprechen kann (Barnett, 2002: 1). Es war ein staatlich organisierter Massenmord, bei dem das Volk zu Massenmördern wurde. Und trotz der eingangs zitierten Bedingung zur Durchführung einer humanitären Intervention hat die internationale Gemeinschaft, allen voran die Vereinten Nationen, sowie die politischen Führungen der hauptsächlich in die Vorgänge in Ruanda verwickelten Staaten, Belgien, USA und Frankreich, vergeblich auf eine adäquate Reaktion ihrerseits warten lassen. Gegenstand dieser Arbeit soll es sein, Erklärungen für das Scheitern einer humanitären Intervention in Ruanda zu liefern. Dabei wird das Augenmerk zunächst auf möglicherweise dafür verantwortliche interne Faktoren gelegt, ehe dahinter stehende externe Bedingungen näher erläutert werden. Zur Bewerkstelligung dessen bilden zuvor sowohl ein allgemein definitorischer Teil, als auch ein landeskundlicher und historischer Abriss Ruandas, sowie die Beschreibung der Konfliktentwicklung bis zum Jahre 1994 inklusive der daran beteiligten Parteien, den Einstieg in die Thematik. Die Abwägung eines Für und Wider humanitärer Interventionen findet in der vorliegenden Untersuchung allerdings keine weitere Beachtung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Definitorisches

1.1. Genozid

1.2. Humanitäre Intervention

2. Landeskunde und Historie

3. Gegenstand, Parteien und Voraussetzung des Konfliktes

4. Konfliktentwicklung

4.1. Hamitenhypothese und Kolonialverordnungen

4.2. Die Folgen

5. Gründe für das Scheitern der humanitären Intervention

5.1. interne Faktoren

5.1.1. schnelles Umsetzen des geplanten Völkermords

5.1.2. Taktik & Täuschung

5.2. externe Faktoren

5.2.1. die internationalen Akteure

5.2.2. die Vereinten Nationen

III. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für das Scheitern humanitärer Interventionen im Kontext des Völkermordes in Ruanda im Jahr 1994. Dabei wird analysiert, inwiefern interne Faktoren wie die strategische Planung des Massenmords und gezielte Täuschungsmanöver sowie das Verhalten externer Akteure und der Vereinten Nationen eine effektive Reaktion verhinderten.

  • Historische und soziale Hintergründe des Ruanda-Konflikts
  • Die Rolle der Hutu-Tutsi-Rivalität und koloniale Einflüsse
  • Strukturelle interne Faktoren, die den Genozid beschleunigten
  • Taktik, Propaganda und Desinformation durch das Regime
  • Die Passivität internationaler Akteure und der Vereinten Nationen

Auszug aus dem Buch

5.1.1. schnelles Umsetzen des geplanten Völkermords

Viele interne Faktoren, die ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft erschwerten und somit als Gründe für das Scheitern einer humanitären Intervention in Ruanda genannt werden können, resultieren in erster Linie aus der unfassbaren Geschwindigkeit, in der die bereits existierenden Planungen für den Völkermord in die Tat umgesetzt wurden. Dafür war eine Beteiligung der breiten Hutu-Bevölkerung unabdingbar. Einen wesentlichen Anteil an der Mobilisierung eben dieser hatte die gewaltige Propagandamaschinerie, deren Konstrukte mit Hilfe der Medien wirkungsvoll an den ‚Verbraucher’ gebracht werden konnten.

Da jedoch die Analphabetenrate in Ruanda hoch war, sendete zudem „seit August 1993 […] der von Hutu-Hardlinern gegründete Radiosender Radio Télévision des Mille Collines (RTLM) sein Programm, teilweise sogar auf Frequenzen des staatlichen Senders Radio Rwanda und phasenweise offenbar mit Strom […] aus der Residenz des Präsidenten“. Es war schließlich auch das genannte Radio Ruanda, das die erste offizielle Bestätigung des Todes von Präsident Juvénal Habyarimana nach dem Abschuss seines Flugzeuges bekannt gab und damit folglich gewissermaßen das Signal zum Töten erteilte.

Insgesamt stellte das Radio ein „Instrument zum Aufbau des Feinbildes und Katalysator direkter Gewaltanwendung“ dar. Dementsprechend beschränkte sich der Sender RTLM während des Völkermords „nicht nur auf Propaganda, sondern funktionierte sogar als Organ zur Aufspürung einzelner, namentlich genannter Opfer“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der humanitären Intervention und umreißt die katastrophalen Ereignisse des Völkermords in Ruanda, um die Forschungsfrage nach den Gründen für das Ausbleiben einer wirksamen internationalen Hilfe zu begründen.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert fundiert die Begriffe Genozid und humanitäre Intervention, beleuchtet die historische Genese des Konflikts und untersucht sowohl interne Faktoren wie Propaganda und bürokratische Organisation des Mordens als auch das Versagen der internationalen Gemeinschaft.

III. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die koloniale Ideologie und die systematische Instrumentalisierung der Bevölkerung das Fundament für den Genozid bildeten, und unterstreicht, dass trotz theoretischer völkerrechtlicher Möglichkeiten keine militärische Rettungsintervention erfolgte.

Schlüsselwörter

Ruanda, Völkermord, Humanitäre Intervention, Genozid, Hutu, Tutsi, Bürgerkrieg, Vereinte Nationen, UNAMIR, Propaganda, Radio Télévision des Mille Collines, Habyarimana, RPF, Kolonialismus, Internationale Beziehungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Ursachen und Hintergründe des Völkermordes in Ruanda 1994 mit einem besonderen Fokus auf die Gründe, warum die internationale Gemeinschaft nicht erfolgreich intervenierte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit umfasst die definitorischen Grundlagen von Genozid und Intervention, die historische Entwicklung in Ruanda, die Rolle der Volksgruppen sowie die Analyse interner und externer Faktoren des Konflikts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Erklärungen für das Scheitern einer humanitären Intervention in Ruanda zu liefern, indem sowohl interne Bedingungen des Regimes als auch das Handeln der internationalen Akteure analysiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die existierende Fachliteratur und offizielle Dokumente (wie UN-Resolutionen) auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, einen historischen Abriss, die Darstellung des Konflikts und eine detaillierte Untersuchung der internen Faktoren wie Propaganda und der externen Faktoren wie die Rolle der UN.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ruanda, Genozid, humanitäre Intervention, Hutu, Tutsi, Vereinte Nationen und Propaganda.

Warum spielte das Radio RTLM eine so entscheidende Rolle bei dem Völkermord?

Das Radio diente als Propagandainstrument, das Hass gegen Tutsi und moderate Hutu schürte und sogar als logistisches Mittel zur Aufspürung und Benennung konkreter Opfer fungierte.

Wie beeinflusste das Arusha-Abkommen die Situation in Ruanda?

Obwohl das Abkommen den Übergang zur Demokratie und Friedenssicherung einleiten sollte, wurde es von Hutu-Hardlinern instrumentalisiert und von der RPF als Bedrohung wahrgenommen, was die Spannungen weiter eskalierte.

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Details

Title
Bürgerkrieg und Völkermord in Ruanda - Erklärungen für das Scheitern einer humanitären Intervention
College
University of Mannheim
Course
Humanitäre Intervention: Ein neues Phänomen in den Internationalen Beziehungen?
Grade
2,3
Author
Sebastian Schoener (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V117683
ISBN (eBook)
9783640200573
Language
German
Tags
Bürgerkrieg Völkermord Ruanda Scheitern Beziehungen Humanitär Internationale Vereinte Nationen UN Humanitäre Intervention Genozid
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Schoener (Author), 2006, Bürgerkrieg und Völkermord in Ruanda - Erklärungen für das Scheitern einer humanitären Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117683
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