Gegenstand dieser Arbeit ist die Analyse der Performance von deutschen Familienunternehmen.
Familienunternehmen spielen weltweit eine bedeutende Rolle. Ein Drittel der Unternehmen im Standard and Poor's 500 sind Familienunternehmen. In Deutschland wird der private Wirtschaftssektor von Familienunternehmen dominiert. Laut Untersuchungen des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mittelstandsforschung und der Stiftung Familienforschung handelt es sich bei etwa 86 Prozent aller deutschen Unternehmen um eigentümergeführte Familienunternehmen. Die gesellschaftliche Relevanz wird durch die hohe Anzahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen unterstrichen. Keineswegs dürfen Familienunternehmen nur als kleine oder mittelständische Unternehmen assoziiert werden. Rund 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Sie repräsentieren etwa 30 Prozent der Marktkapitalisierung im CDAX, dem breitesten Index des deutschen Kapitalmarkts.
Der Arbeit liegt folgende Forschungsfrage zugrunde: Wie wirkt sich der Einfluss von Familien auf die Performance von Aktiengesellschaften in Deutschland aus?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einfluss von Familien auf die Performance von Unternehmen
2.1 Überblick über bereits existierende Performance-Studien
2.2 Erklärungsansätze für Performanceunterschiede
3 Performance-Analyse börsennotierter Familienunternehmen
3.1 Datenbasis
3.2 Methodik
3.3 Ergebnisse
3.4 Diskussion
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Familien auf die Kapitalmarktperformance von Aktiengesellschaften in Deutschland, um zu klären, ob sich Familienunternehmen von Nicht-Familienunternehmen unterscheiden und welche Erklärungsansätze für etwaige Performancedifferenzen existieren.
- Theoretische Grundlagen zur Performance von Familienunternehmen
- Analyse der Principal-Agent-Theorie und Stewardship-Theorie
- Empirische Untersuchung mittels DAXplus Family und GEX
- Vergleich der Kapitalmarktperformance mit dem CDAX
- Diskussion von Limitationen und Timing-Effekten
Auszug aus dem Buch
2.2 Erklärungsansätze für Performanceunterschiede
Erklärungsansätze verbinden bestimmte Charakteristika von Unternehmen, Eigentümerstrukturen sowie Corporate Governance Systemen und versuchen hierdurch, die jeweilige Richtung und Stärke des Zusammenhangs von Familieneinfluss und Unternehmensperformance zu beschreiben. In der Familienunternehmenforschung existieren zwei grundlegende theoretische Modelle, die eine fundierte Betrachtung der Beziehungen zwischen Eigentümerfamilie, Managern sowie weiteren Share- und Stakeholdern eines Familienunternehmens ermöglichen: die Principal-Agent-Theorie sowie die Stewardship-Theorie. Die Trennung von Eigentum und Kontrolle hat ihren wissenschaftlichen Ursprung in der Berle/Means-Hypothese aus dem Jahr 1932. Ihren Ausführungen zufolge werden große US-amerikanische Unternehmen nicht von ihren Eigentümern geführt, sondern von angestellten Managern.
Lange Zeit blieben die Implikationen von Berle/Means unbeachtet, ehe Jensen/Meckling (1976) in „Theory of the firm“ die Auswirkungen der Trennung von Eigentum und Kontrolle modellierten und in ein wissenschaftliches Konzept, der Principal-Agent-Theorie, überführten. Die Principal-Agent-Theorie nach Jensen/Meckling beschreibt asymmetrische Ziele und Informationsverteilungen zwischen Individuen im Fall der Vertretung. Zwischen beiden Individuen liegt eine Vertragssituation vor, bei dem der Principal (Eigentümer) von der auszuführenden Handlung des Agent (Manager) abhängig ist. Der Principal ist sich dessen bewusst und versucht durch Kontroll-, Motivations- und Anreizsysteme dem opportunistischen Verhalten des Agent entgegenzuwirken. Das Ziel des Principals ist es, einen Zustand gleicher Zielpräferenzen und vollkommener Information herbeizuführen. Die zur Angleichung der Informationsasymmetrien entstehenden Aufwendungen für Corporate Governance Systeme werden als Agency-Kosten bezeichnet und müssen durch den Principal getragen werden. Agency-Kosten werden in der Literatur performancemindernd eingestuft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Familienunternehmen in der deutschen Wirtschaft ein, stellt das "family business definition dilemma" vor und formuliert die Forschungsfrage zur Performance von Familienunternehmen im Vergleich zum Gesamtmarkt.
2 Einfluss von Familien auf die Performance von Unternehmen: Das Kapitel erläutert den aktuellen Forschungsstand und theoretische Erklärungsmodelle wie die Principal-Agent-Theorie und die Stewardship-Theorie, um den Zusammenhang zwischen Familieneinfluss und Unternehmenserfolg zu begründen.
2.1 Überblick über bereits existierende Performance-Studien: Hier werden verschiedene Definitionen von Familienunternehmen sowie die Vielfalt an Performance-Messgrößen und empirischen Ergebnissen in der wissenschaftlichen Literatur kritisch dargestellt.
2.2 Erklärungsansätze für Performanceunterschiede: Dieser Abschnitt widmet sich den theoretischen Ursachen für Performanceunterschiede, insbesondere durch Agency-Konflikte sowie die Interest-Convergence- und Entrenchment-Theorien.
3 Performance-Analyse börsennotierter Familienunternehmen: Dieses Kapitel bildet den empirischen Kern der Arbeit, in dem die Kapitalmarktperformance deutscher Familienunternehmen anhand spezifischer Indizes untersucht wird.
3.1 Datenbasis: Es werden der DAXplus Family Index und der German Entrepreneurial Index (GEX) als Untersuchungsgrundlage vorgestellt sowie deren Aufbau und Eignung zur Performancemessung erläutert.
3.2 Methodik: Der methodische Ansatz zur Berechnung von Rendite und Risiko sowie die Anwendung statistischer Kennzahlen wie Sharpe Ratio und Treynor Ratio werden hier dargelegt.
3.3 Ergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die empirischen Erkenntnisse zur Wertentwicklung, Volatilität und Korrelation der untersuchten Familienindizes im Vergleich zum CDAX.
3.4 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, wobei Limitationen wie Timing-Effekte und die Eignung der gewählten Indizes hinterfragt werden.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass kein einheitlicher Nachweis für eine durchgehend positive oder negative Performance von Familienunternehmen erbracht werden kann.
Schlüsselwörter
Familienunternehmen, Kapitalmarktperformance, DAXplus Family, GEX, CDAX, Agency-Theorie, Stewardship-Theorie, Rendite, Risiko, Volatilität, Sharpe Ratio, Treynor Ratio, Corporate Governance, Familienbesitz, Blockanteilseigner
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich der Einfluss von Familien auf die Kapitalmarktperformance von börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Fundierung der Performancedifferenzen von Familienunternehmen sowie einer empirischen quantitativen Analyse mittels spezifischer Aktienindizes.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, die konträren Literaturmeinungen zu ordnen und durch eine eigene empirische Analyse zu prüfen, ob Familienunternehmen eine höhere risikoadjustierte Rendite erzielen als der Gesamtmarkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet deskriptive Statistik und lineare Regressionsanalysen sowie kennzahlenbasierte Performancemaße wie Sharpe Ratio und Treynor Ratio.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Literaturüberblick zu Definitionen und Erklärungsansätzen sowie eine eigene empirische Analyse des DAXplus Family und GEX gegenüber dem CDAX.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Familienunternehmen, Kapitalmarktperformance, Agency-Theorie, Sharpe Ratio und Eigentümerstruktur definiert.
Warum schneidet der GEX im Vergleich zum DAXplus Family anders ab?
Die Diskussion deutet darauf hin, dass die Indexkonstruktion des GEX, die Unternehmen mit einem Post-IPO-Alter von über 10 Jahren ausschließt, die Ergebnisse durch den Verlust an "Generationenidee" beeinflussen könnte.
Welche Rolle spielen Timing-Effekte in der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass der Start- und Endpunkt des Untersuchungszeitraums signifikante Auswirkungen auf die Performance-Ergebnisse hat, weshalb eine 6-jährige Verkürzung andere Resultate liefert als der 11-jährige Zeitraum.
Ist der Einfluss von Familien nun positiv oder negativ?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass kein eindeutiger, allgemeingültiger Nachweis erbracht werden kann; die Ergebnisse sind so heterogen wie der bestehende Forschungsstand.
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- Tobias Winkler (Autor), 2021, Die Performance von Aktiengesellschaften im Familienbesitz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1180254