Verbreitung von Managementkonzepten: Neoinstitutionalistische Erklärungsansätze


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung: Problemstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Begriff des Managementkonzeptes

3 Grundlagen des Soziologischen Neoinstitutionalismus

4 Verbreitung von Managementkonzepten
4.1 Makroinstitutionalistische Analyse
4.1.1 Rationalitätsmythen und Legitimität
4.1.2 Institutioneller Isomorphismus: Mechanismen und Prozesse
4.1.3 Verbreitung durch isomorphistische Prozesse
4.2 Mikroinstitutionalistische Analyse
4.2.1 Organisationale Problemstellungen und Innovationen
4.2.2 Phasen von Institutionalisierungsprozessen
4.2.3 Verbreitung durch Institutionalisierungsprozesse

5 Zusammenfassende Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Überleben einer Organisation

Abb. 2: Teilprozesse der Institutionalisierung

1 Einführung: Problemstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit

Managementkonzepteals Konzepte der Unternehmensführung bieten Orientierung im Umgang mit unternehmerischen Problemstellungen. Bezugspunkte hierbei sind Struktur und Prozesse der (Unternehmens-)Organisation.1 Diese wiederum sind Gegenstand des Erkenntnisinteresses von Organisationstheorien , die Organisationen unter verschiedenen Blickwinkeln zu verstehen bzw. zu erklären suchen.2

Grundlage und Erkenntnisinteresse der neoinstitutionellen Organisationstheorie , deren Ursprung in den USA liegt und die heute zu den führenden Organisationstheorien gehört3, ist der Zusammenhang zwischen Umwelteinflüssen und der Struktur einer Organisation.4 Die makroinstitutionelle Richtung untersucht hierbei die organisationsübergreifende Verbreitung von

Strukturen, die mikroinstitutionelle Richtung betrachtet die Organisation selbst als Institution und untersucht organisationsinterne Diffusionsprozesse. Ziel dieser Arbeit ist, die Verbreitung von Managementkonzepten aus makround aus mikroinstitutionalistischer Perspektive zu analysieren.

In Kapitel 2 dieser Arbeit wird zunächst auf den Begriff des Managementkonzeptes eingegangen, bevor in Kapitel 3 die Grundlagen des Soziologischen Neoinstitutionalismus dargestellt werden. Kapitel 4 als Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Verbreitung von Managementkonzepten aus makround mikroinstitutionalistischer Perspektive.

2 Begriff des Managementkonzeptes

Der Begriff „Managementkonzept“ wird in Wissenschaft und Praxis nicht einheitlich verwendet. Einer Vielzahl von Bedeutungen stehen synonym verwendete Begriffe wie Managementmethode, -technik, -system u. a. gegenüber.5 Dennoch soll hier eine Begriffseingrenzung versucht werden.

Unter Management können „Aufgaben der Führung in einem zweckgerichteten sozialen System“6 verstanden werden. Ein Konzept bezieht sich auf eine zu gestaltende Zukunft und bildet mittels eines klaren Begriffssystems und einer anschaulichen Grundstruktur wesentliche Zusammenhänge und

Wechselwirkungen ab.7 Ein Managementkonzept stellt damit eine strategische Grundausrichtung dar, beruhend auf systematisch interpretiertem Erfahrungswissen, und beinhaltet Methoden und Instrumente zur Umsetzung in den einbezogenen Funktionsbereichen im Unternehmen.8

3 Grundlagen des Soziologischen Neoinstitutionalismus

Der Soziologische Neoinstitutionalismus in Soziologie und Organisationswissenschaften wendet sich, ausgehend von den Arbeiten Max Webers, Fragen der Legitimierung als rational angesehenen Handelns sowie kognitiven und kulturellen Erklärungen für organisationale Phänomene zu.9 Ausgangspunkt sind drei Aufsätze, in denen die grundlegenden theoretischen Annahmen getroffen werden:10 Meyer/Rowan (1977)11 sowie DiMaggio/Powell (1983)12 begründen die makroinstitutionalistische Perspektive, die sich zum bedeutenderen Ansatz entwickelt hat, Zuckers Beitrag (1977)13 bildet die Grundlage für die mikroinstitutionalistische Perspektive.

Obwohl unterschiedliche Schwerpunkte setzend, liegt diesen drei Aufsätzen die gemeinsame Annahme zugrunde, dass zum Verständnis von Organisationen neben den Anforderungen an die Effizienz wesentlich institutionalisierte Erwartungen der gesellschaftlichen Umwelt mitbestimmend sind, denen die Organisation nachkommen muss, um sich Legitimität zu sichern.14

Institutionen sind hierbei „umfangreiche Muster oder Regelsysteme“15 und können sowohl Organisationen als auch Werte, Normen und Handlungen umfassen.16 Unter der Legitimität einer Organisation wird die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Daseinsberechtigung und Vertrauenswürdigkeitverstanden, die erst den Zugang zu überlebensnotwendigen Ressourcen eröffnet.17 Legitimität wird einem Unternehmen zugeschrieben, wenn es nach den vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen von Rationalität handelt, wenn es also dem „zumindest implizit ... regelhaften Zusammenhang zwischen sozial konstruierten Zielen bzw. Werten ... und Mitteln“18 nachkommt. Die relevante Umwelt der Organisation stellt das organisationale Feld dar, das sich aus weiteren Organisationen wie Lieferanten, Kunden, Konkurrenten, Banken und Behörden zusammensetzt.19

Meyer/Rowan gründen ihre Argumentation auf Symbole und Mythen der Rationalität. Legitimität erreichen Organisationen durch die symbolische Übernahme von institutionalisierten formalen Strukturen und Praktiken, die der Umwelt die rationale Unternehmensführung signalisieren. Erfordernisse der Legitimität und technischen Effizienz sind dabei nicht deckungsgleich, so dass Formalstruktur und Aktivitätsstruktur nur lose gekoppelt sind.20

DiMaggio/Powell führen diesen Ansatz weiter, legen ihren Schwerpunkt aber auf die Entstehung institutioneller Isomorphie in organisationalen Feldern. Sie beschreiben Mechanismen, die zu Angleichungsprozessen der Organisationen führen.

Für Zucker , die sich in ihrem Ansatz mit der Mikrofundierung des Neoinstitutionalismus beschäftigt, sind Organisationen selbst Institutionen. Ihr gelingt die Erklärung unterschiedlicher Grade der Institutionalisierung von

„offen für Veränderungen“ bis „veränderungsresistent“ mittels eines in Phasen unterteilten Institutionalisierungsprozesses.21

Weiterentwicklungen der neoinstitutionalistischen Theorie betreffen vor allem die unterschiedlich stark ausgeprägten, ein Kontinuum bildenden institutionellen und technischen Anforderungen an Organisationen22, strategisches Verhalten von Organisationen vor dem Hintergrund institutioneller Anforderungen23 und den Versuch der Erklärung von Deinstitutionalisie- rungsprozessen.24 Kritik bezieht sich auf die unscharfe und uneinheitliche

Verwendung zentraler Begriffe, die bisher unzureichende Erklärung von Deinstitutionalisierungsprozessen und institutionellem Wandel sowie die Betrachtung von Organisationen als übersozialisiert und passiv.25

4 Verbreitung von Managementkonzepten

4.1 Makroinstitutionalistische Analyse

4.1.1 Rationalitätsmythen und Legitimität

Abhängig vom bisherigen Verbreitungsgrad können die Gründe für den Einsatz neuer Strukturen und Konzepte in Organisationen unterschiedlicher Natur sein. Frühe Anwender erhoffen sich einen Beitrag zur Leistungsverbesserung; sobald die neuen Strukturen weitere Verbreitung gefunden haben, tritt dieser Aspekt in den Hintergrund.26 In unsicheren Umwelten nei- gen Organisationen dazu, andere Organisationen zu imitieren.27

Eine wesentliche Quelle der überlebensnotwendigen Legitimität einer Organisation ist die Anpassung an institutionelle Rationalitätsmythen (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Überleben einer Organisation28

Unabhängig von der tatsächlichen Eignung zur Steigerung von Leistung und Effizienz werden Strukturen eingesetzt, die Legitimität verleihen und der Organisation die zum Überleben notwendigen Ressourcenzuflüsse sichern.29 Um Legitimation in der Außendarstellung (gegenüber Stakeholdern) und Innendarstellung (Gründe und Verantwortung für Entscheidungen) zu errei- chen, verwenden Organisationen rational und fortschrittlich erscheinende Konzepte, die eine effiziente, zielgerichtete Unternehmensführung in Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen Rationalitätsnormen signalisieren.30

[...]


1 vgl. Teichert, T./Talaulicar, T.: Diskurs, 2002, S. 410.

2 vgl. Kieser, A./Walgenbach, P.: Organisation, 2007, S. 31.

3 vgl. Walgenbach, P.: Organisationstheorie, 2002, S. 157.

4 vgl. Joerges-Süß, K./Süß, S.: Ansätze, 2004, S. 316.

5 vgl. Hofmann, E: Managementkonzepte, 2002, S. 5-6.

6 Hofmann, E: Managementkonzepte, 2002, S. 6.

7 vgl. Höllermann, S.: Auswahlproblem, 2004, S. 34-35.

8 vgl. Hofmann, E: Managementkonzepte, 2002, S. 7.

9 vgl. DiMaggio, P./Powell, W: Introduction, 1991, S. 8; Hasse, R./Krücken, G.: Neo- Institutionalismus, 2006, S. 13; Scott, W.: Institutions, 2001, S. 152.

10 vgl. Hasse, R./Krücken, G.: Neo-Institutionalismus, 2006, S. 22, S. 27.

11 vgl. Meyer, J./Rowan, B.: Structure, 1977.

12 vgl. DiMaggio, P./Powell, W.: Iron Cage, 1983.

13 vgl. Zucker, L: Persistence, 1988.

14 vgl. Walgenbach, P.: Organisationstheorie, 2002, S 159-160.

15 Hasse, R./Krücken, G.: Neo-Institutionalismus, 2006, S. 8.

16 vgl. Senge, K./Hellmann, K.: Einleitung, 2006, S. 18.

17 vgl. Joerges-Süß, K./Süß, S.: Ansätze, 2004, S. 317.

18 Scherm, E./Pietsch, G.: Erfolgsmessung, 2005, S. 50.

19 vgl. DiMaggio, P./Powell, W.: Iron Cage, 1983, S. 148.

20 vgl. Hasse, R./Krücken, G.: Neo-Institutionalismus, 2006, S. 22-24; Walgenbach, P.: Organisationstheorie, 2002, S. 160-161.

21 vgl. Hasse, R./Krücken, G.: Neo-Institutionalismus, 2006, S. 24-28.

22 vgl. Meyer, J./Rowan, B.: Structure, 1977, S. 354; Scott, W.: Institutions, 2001, S. 43.

23 vgl. Scott, W.: Institutions, 2001, S. 75.

24 vgl. Hasse, R./Krücken, G.: Neo-Institutionalismus, 2006, S. 66.

25 vgl. Walgenbach, P.: Organisationstheorie, 2002, S. 163-165.

26 vgl. DiMaggio, P./Powell, W.: Iron Cage, 1983, S. 148.

27 vgl. Oliver, C.: Responses, 2001, S. 170.

28 vgl. Meyer, J./Rowan, B.: Structure, 1977, S. 353.

29 vgl. DiMaggio, P./Powell, W.: Iron Cage, 1983, S. 148; Meyer, J./Rowan, B.: Structure, 1977, S. 351.

30 vgl. Abrahamson, E.: Fashion, 1996, S. 261-262; Nicolai, A./Simon, F.: Kritik, 2001, S. 513-514.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Verbreitung von Managementkonzepten: Neoinstitutionalistische Erklärungsansätze
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V118179
ISBN (eBook)
9783640207855
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbreitung, Managementkonzepten, Neoinstitutionalistische, Erklärungsansätze, Seminar
Arbeit zitieren
Claudia Trabold (Autor), 2007, Verbreitung von Managementkonzepten: Neoinstitutionalistische Erklärungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118179

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