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"Laufender Schwachsinn" - Zur Komik bei Eckard Henscheid

Title: "Laufender Schwachsinn" - Zur Komik bei Eckard Henscheid

Examination Thesis , 2008 , 77 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Florian Dülks (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Leute, gebt mir jeder zehn Mark, und wenn genügend zusammen ist, bekommt
ihr von mir einen Roman geschrieben.1
So ungewöhnlich diese Aufforderung an seine Leserschaft erscheinen
mag, der Roman Die Vollidioten von Eckard Henscheid, der aus diesem
Aufruf entstand, führte zu noch gesteigerter Verwunderung. Der Roman
bildet den ersten Band der Trilogie des laufenden Schwachsinns2. In
den folgenden Jahren erschienen der zweite (Geht in Ordnung -
sowieso -- genau ---) und dritte Band (Die Mätresse des Bischofs), der
Trilogie.
Beim Publikum ruft die Trilogie seither polarisierende Meinungen hervor:
Ein Teil des Publikums reagierte affirmativ begeistert, der andere mit schroffer
Ablehnung. Von der Kritik wurde Henscheid als Autor und Redakteur der Zeitschriften
„pardon“ und „Titanic“ einseitig als Nur-Humorist, als Nur-Satiriker
gelesen, der zudem im „Alternativ-Ghetto“ (Ralph Gätke) des Zweitausendeins-
Verlags publizierte, dem das deutsche Feuilleton ohnehin distanziert
gegenüberstand.3
Selbst diejenigen Literaturkritiker, die Henscheids Texte als ausgesprochen
gelungen bezeichnen, haben augenscheinlich Schwierigkeiten, ihr
positives Lesegefühl in Worte zu kleiden:
Ich habe Tränen gelacht und würde am liebsten mein Kritiker-Besteck fallen
lassen […]. Doch um meine Begeisterung unter die Leute zu bringen, muß ich
mich wohl näher erklären.4
Die anschließenden Erklärungsversuche der Feuilletonisten reichen von
politischer Satire, über Nonsens, bis zu einem klassischen Schelmenroman.
Der Gesamtkonzeption der Romane können solche Klassifizierungen
aber keinesfalls gerecht werden, da Henscheids Trilogie
weit mehr beinhaltet als eine komische Stilrichtung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen des Komischen

2.1 Vorbedingungen zur Beschreibung komischer Wirkung

2.2 Zur Theorie der Komik und des Witzes

2.3 Zur Theorie der Satire und der Parodie

3. Komik in der Kritik

3.1 Die Wichtigkeit der Nichtigkeiten

3.1.1 Humoristischer Realismus

3.2 Henscheids Romane in der Kritik

3.2.1 Die Tücken des komischen Genres

3.3 Das Lachen als genuines Laster des Komischen

4. Konstruktionsformen der Komik bei Eckard Henscheid

4.1 Authentizität

4.1.1 Erzählebenen

4.2. Erzählformen

4.2.1 Naivität

4.2.2 Subjektivismus

4.2.3 Erzählerische Beliebigkeit

4.2.3.1 Die Unverhältnismäßigkeit der erzählerischen Mittel

4.3 Inkongruitäten

4.3.1 Kontraste

4.4 Satire und Parodie

4.4.1 Satire

4.4.2 Parodie

4.5 Sprachwitz

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Romantrilogie des laufenden Schwachsinns von Eckard Henscheid, um die Mechanismen und die literarische Qualität seiner komischen Schreibweise zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, warum Henscheids Werke von der Literaturkritik oft verkannt werden und inwiefern der Einsatz spezifischer komischer Stilmittel und eine komplexe Textkonzeption über gängige Genremuster hinausgehen.

  • Analyse der Rezeption von Henscheids Trilogie in der Literaturkritik
  • Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Komik, Witz, Satire und Parodie
  • Identifikation und Beschreibung der spezifischen Konstruktionsformen der Komik (Authentizität, Erzählformen, Sprachwitz)
  • Herausarbeitung der Kontrastfunktion des Ich-Erzählers
  • Darstellung der Problematik komischer Literatur im Kontext des literarischen Kanons

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Lachen als genuines Laster des Komischen

[…] häufiges Lachen [gilt] als Zeichen eines Geistes, der sich allzuviel mit Nichtigkeiten aufhält und deshalb einem ‚Manne von Reflexion’ nicht ansteht. Jutzik beschreibt hier im Geiste Hegels ein zusätzliches Manko, das die komische Literatur in deren Akzeptanz behindert. Die verzerrte Mimik, das zu laute Geräusch, die unkontrollierten Zuckungen; es schickt sich im Kreise seriöser, niveauvoller Menschen nicht zu lachen. Warum es sich nicht schickt zu lachen, ist ein Phänomen, das sich aus den Charakteristika des Lachens ableiten lässt.

Das Lachen als physiologische Reaktion des Körpers besitzt nichts Stilvolles, nichts Erhabenes, keine Sittlichkeit. Im Volksmund sind Situationen des Lachens als ‚Lachsalven’ oder ‚Lachkrämpfe’ bekannt. Diese Lachanfälle sind affektive Reaktionen, die der bewussten Kontrolle des Menschen entgehen: Man beschließt nicht zu lachen, man muß lachen. Das Lachen bricht aus - und ein. Es bringt die körperliche Ordnung durcheinander. Es unterbricht ebenso Denkvorgänge, setzt Affekte wie auch moralische Urteile außer Kraft. Solches Durchbrechen von Ordnungen macht auch Lust: Chaoslust. Es gibt nichts, worüber nicht gelacht werden kann - das Lachen berührt das Höchste und Niederste im Menschen -, und es scheint keinen Affekt zu geben, mit dem sich das Lachen nicht verbinden könnte.

Das Lachen ist ein Bedürfnis nach Auflösung, nach Zerstörung der Konventionen, eine Methode um das lauernde Chaos hinter der Ordnung der Dinge freizulassen. Lachen signalisiert, dass der in Moral-, Gedanken- und Sozialordnungen verdrängte gemaßregelte Triebgrund stets anwesend ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die polarisierte Rezeption von Henscheids Trilogie und führt in die Fragestellung ein, ob Henscheids Werk lediglich komisch oder von höherer literarischer Qualität ist.

2. Formen des Komischen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe und Wirkmechanismen von Komik, Witz, Satire und Parodie theoretisch hergeleitet und definiert.

3. Komik in der Kritik: Hier werden die Gründe für die Fehlurteile der Literaturkritik untersucht, insbesondere das Missverständnis, Komik sei die Verneinung von Seriosität.

4. Konstruktionsformen der Komik bei Eckard Henscheid: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Stilmittel und strukturellen Besonderheiten der Trilogie, wie Authentizität, Naivität, Subjektivismus und Sprachwitz.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Henscheids Werke als komplexe künstlerische Komik anzusehen sind, die sich von zweckgebundener Genreliteratur abhebt.

Schlüsselwörter

Eckard Henscheid, Trilogie des laufenden Schwachsinns, Komik, Literaturkritik, Literarische Hochkomik, Satire, Parodie, Naivität, Ich-Erzähler, Sprachwitz, Inkongruität, Genreproblematik, Erzählformen, Authentizität, Frankfurter Schule

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Analyse der Romantrilogie von Eckard Henscheid und untersucht, wie Henscheid durch spezifische komische Verfahren künstlerische Qualität erzeugt und sich damit von trivialer Genreliteratur absetzt.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Theorie der Komik, das Spannungsfeld zwischen Humor und literarischem Anspruch, die Problematik der literaturkritischen Rezeption komischer Texte sowie die Analyse spezifischer Erzähl- und Sprachstrukturen in Henscheids Werk.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Henscheids Komik kein bloßes Genreprodukt ist, sondern eine komplexe, handwerklich präzise geplante Textkonzeption darstellt, die den Leser kritisch fordert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse von Primärtexten, der Anwendung komiktheoretischer Ansätze (u.a. Bergson, Freud, Gernhardt) und der Auswertung zeitgenössischer Literaturkritik basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die konkreten Konstruktionsformen der Komik bei Henscheid – wie Authentizität, Erzählebenen, Naivität, Subjektivismus, Inkongruitäten und Sprachwitz – detailliert anhand von Textbeispielen analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie literarische Hochkomik, Genreablösung, Inkongruität, Diskursvermischung, Ich-Erzähler und die kritische Auseinandersetzung mit der literarischen Wertung komischer Literatur charakterisiert.

Warum wird Henscheid oft nur als Nur-Humorist oder Nur-Satiriker gelesen?

Die Arbeit führt dies auf ein tiefgreifendes Missverständnis der Literaturkritik zurück, die Komik fälschlicherweise als Gegensatz zu Ernst und Seriosität betrachtet und daher Schwierigkeiten hat, Henscheids Werk in den Kanon der Hochliteratur einzuordnen.

Welche Rolle spielt der Ich-Erzähler für die komische Wirkung bei Henscheid?

Der Ich-Erzähler fungiert als entscheidender Kontrastpunkt: Er reflektiert auf hohem intellektuellem Niveau, verstrickt sich jedoch gleichzeitig in banales, oft stumpfsinniges Geschehen, wodurch eine konstante Inkongruität entsteht, die das Lachen beim Leser auslöst.

Wie unterscheidet sich Henscheids Satire von der klassischen Satire?

Im Gegensatz zur klassischen Satire, die häufig ein positives Gegenbild anstrebt, verweigert Henscheid eine solche Eindeutigkeit. Er nutzt elliptische Erzählstrategien, um jede moralische Zielrichtung zu verwischen und stattdessen die Ambivalenz des Dargestellten zu betonen.

Was bedeutet der Begriff „literarische Hochkomik“ in dieser Arbeit?

Der Begriff beschreibt eine Form der Komik, die sich von den zweckgerichteten Fesseln trivialer Genres befreit hat. Sie ist reich an Stilmitteln und Anspielungen und besitzt einen eigenständigen literarisch-ästhetischen Wert, der nicht zwingend auf eine Pointe zielt.

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Details

Title
"Laufender Schwachsinn" - Zur Komik bei Eckard Henscheid
College
University of Münster
Grade
2,3
Author
Florian Dülks (Author)
Publication Year
2008
Pages
77
Catalog Number
V118202
ISBN (eBook)
9783640217601
ISBN (Book)
9783640217748
Language
German
Tags
Laufender Schwachsinn Komik Eckard Henscheid
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Dülks (Author), 2008, "Laufender Schwachsinn" - Zur Komik bei Eckard Henscheid, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118202
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