Anlässlich des Seminars „Leo Perutz“ handelt diese Hausarbeit von zwei seiner Werke: „Der schwedische Reiter“ und „Turlupin“. Die beiden Romane weisen den Klappentexten nach zu urteilen auf den ersten Blick inhaltlich keine großen Gemeinsamkeiten auf. Im schwedischen Reiter täuscht ein ehemaliger Dieb jahrelang seine Familie und Angestellten und erfährt dafür letztendlich doch noch seine „gerechte“ Strafe, während im Turlupin ein närrischer Perückenmacher „versehentlich“ die Französische Revolution um 150 Jahre nach hinten verschiebt.
Allerdings durchzieht die Handlung in beiden Fällen ein interessanter Identitätstausch. Beide Male auf eine unterschiedliche Art und Weise, aber beide Male faszinierend und wirkungsvoll. Die Vergleichbarkeit, die Gemeinsamkeiten und auch die Unterschiede sollen in dieser Hausarbeit ausgearbeitet und besprochen werden.
Die Arbeit ist so aufgebaut, dass in Punkt 2 zunächst ein Hintergrundwissen in Form einiger biografischer Informationen zum Autor Leo Perutz geschaffen wird. Mit dem Rollen-/Identitätstausch befasst sich dann Punkt 3. Hier wird jeweils der Inhalt des schwedischen Reiters und Turlupins zusammengefasst, um das zentrale Thema des Identitätstauschs in einen Kontext einzubetten. Außerdem wird das Thema des Tausches für beide Romane zunächst getrennt besprochen, um sie dann im Unterpunkt 3.3 einander direkt gegenüber zu stellen und zu vergleichen.
Ein abschließendes Fazit wird in Punkt 4 stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leo Perutz
2.1 Biografie
2.2 Werke
3. Der Identitätstausch
3.1 Der schwedische Reiter – Inhalt
3.2 Der schwedische Reiter – Identitätstausch
3.3 Turlupin – Inhalt
3.4 Turlupin – Identitätswechsel
3.5 Vergleich der Punkte 3.2 und 3.4
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Motiv des Identitätstausches bzw. -wechsels in den Romanen „Der schwedische Reiter“ und „Turlupin“ von Leo Perutz. Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Herangehensweisen des Autors an dieses Motiv aufzuzeigen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Umsetzung herauszuarbeiten und die Motive der Protagonisten für ihre Rollenwechsel zu analysieren.
- Biografische Hintergründe zum Autor Leo Perutz
- Inhaltliche Zusammenfassung und Analyse der beiden Romane
- Untersuchung der Mechanismen und Voraussetzungen von Identitätstausch und -wechsel
- Direkter Vergleich der literarischen Motivumsetzung
- Reflexion über die Konsequenzen der Identitätsannahme für die Romanhelden
Auszug aus dem Buch
3.2 Der schwedische Reiter –Identitätstausch
Zunächst ist anzumerken, dass der Begriff „Tausch“ nur eingeschränkt verwendet kann, denn normalerweise gibt es bei einem Tausch mindestens zwei Tauschpartner, die gegenseitig etwas austauschen, sodass nach dem Tausch beide etwas aus dem Tausch mitnehmen. Beim Identitätstausch im Schwedischen Reiter nimmt der Dieb die Identität Christian von Tornefelds an, dieser aber nimmt nicht die Identität des Diebs an. Allerdings tauschen sie immerhin (vorläufig) ihren Werdegang. Während der Dieb fortan am Gutshof der adligen Maria Agneta lebt, was eigentlich von Tornefeld vorbestimmt war, geht dieser für den Dieb in die Hölle des Bischofs. Man kann also von einem eingeschränkten Tausch sprechen.
Charakteristisch für diesen Tausch ist, dass erst einmal nur der Dieb davon profitiert. Von Tornefeld muss im Lager des Bischofs hart schuften und kommt von dem Weg zum schwedischen Heer zu gehen, immer weiter ab. Dass dieser Tausch so einseitig ist, liegt unter anderem daran, dass er durch den Dieb initiiert ist. Deshalb legt er die ganze Geschichte so aus, dass er einen größtmöglichen persönlichen Vorteil aus der Sache ziehen kann. Außerdem ist es wichtig zu sagen, dass der Tausch nicht in gegenseitigem Einverständnis passiert, denn der Dieb verfälscht durch seine Lügen die Tatsachen und überredet von Tornefeld in Anbetracht dieser zur scheinbar einzigen Alternative.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Identitätstausches bei Leo Perutz ein und erläutert den Aufbau der Hausarbeit sowie die behandelten Werke.
2. Leo Perutz: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Abriss über den Autor sowie eine Übersicht zu seinem literarischen Schaffen und dessen Rezeption.
3. Der Identitätstausch: In diesem Hauptteil werden die Inhalte der beiden Romane sowie die spezifischen Mechanismen der Identitätswechsel detailliert analysiert und miteinander verglichen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont, dass Perutz das Thema Identitätstausch auf zwei grundlegend verschiedene Arten meisterhaft in seinen Werken verarbeitet hat.
Schlüsselwörter
Leo Perutz, Identitätstausch, Identitätswechsel, Der schwedische Reiter, Turlupin, Literaturanalyse, Romanmotiv, Rollenspiel, Motivik, Identitätsverlust, Maskerade, Literaturwissenschaft, österreichische Literatur, Erzählstruktur, Romanfiguren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des Identitätstausches in den Romanen „Der schwedische Reiter“ und „Turlupin“ des Autors Leo Perutz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die literarische Ausgestaltung von Identitätswechseln, die Motivation der Protagonisten sowie die unterschiedliche Rezeption und das Schicksal der Figuren in den jeweiligen historischen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein vergleichender Überblick, der aufzeigt, wie Perutz ein scheinbar gleiches Motiv in zwei Werken völlig unterschiedlich aufbaut und bearbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf der inhaltlichen Zusammenfassung und interpretativen Gegenüberstellung der beiden Primärquellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Darstellung beider Romane, eine Analyse der spezifischen Identitätsmechanismen und einen abschließenden Vergleich dieser Prozesse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Identitätstausch, Identitätswechsel, Rollenannahme, Motivik sowie die spezifischen Werktitel und der Autor Leo Perutz.
Wie unterscheidet sich der Identitätstausch im „schwedischen Reiter“ vom Identitätswechsel in „Turlupin“?
Während der Identitätstausch im „schwedischen Reiter“ ein geplanter, aktiver Akt des Diebes zur persönlichen Bereicherung ist, gerät die Titelfigur Turlupin eher passiv und durch naive Vorstellungen in ihren Identitätswechsel.
Warum wird der Begriff „Tausch“ bei Turlupin als weniger treffend als „Wechsel“ eingestuft?
Der Begriff Wechsel ist passender, da Turlupin nicht aktiv mit einem anderen Charakter tauscht, sondern die Identität eines verstorbenen Mannes annimmt, ohne dass dies ein gegenseitiger, vereinbarter Prozess ist.
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- Julia Patricia Kluth (Author), 2008, Der Identitätstausch in "Der schwedische Reiter" und "Turlupin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118517