Welchen Stellenwert nimmt die Erzählung beziehungsweise Verschriftlichung des Abenteuers in Hartmanns „Iwein“ und Ransmayrs „die Schrecken des Eises und der Finsternis“ ein und inwiefern lässt sich die Wirkung eben dieser Berichte vom Abenteuer in den beiden Romanen vergleichen?
Zunächst erfolgt eine Begriffsbestimmung von Narrativität beziehungsweise Erzählung, um die allgemeine Gewichtigkeit von Narration zu verdeutlichen. Anschließend soll die Unverzichtbarkeit der Erzählung für die mittelalterliche Aventiure erörtert werden, wozu zunächst eine allgemeine Bestimmung des mittelalterlichen Aventiure-Begriffs erfolgt. Auf dieser Grundlage wird dann die Unverzichtbarkeit der Erzählung der Aventiure in Hartmann von Aues „Iwein“ näher analysiert. Da es sich bei der zweiten Textgrundlage um einen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung von Narrativität / Erzählung
3. Die Unverzichtbarkeit der Erzählung für die mittelalterliche Aventiure in Hartmann von Aues „Iwein“
3.1 Der mittelalterliche Aventiure-Begriff
3.2 Die Unverzichtbarkeit der Erzählung der Aventiure in Hartmann von Aues „Iwein“
4. Die Bedingung der Überlieferung des Abenteuers im neuzeitlichen Abenteuerroman
4.1 Der neuzeitliche Abenteuerbegriff
4.2 Die Bedingung der Überlieferung des Abenteuers in Ransmayrs „die Schrecken des Eises und der Finsternis“
5. Vergleich der Voraussetzung der Erzählung zur Entstehung des Abenteuers in Hartmanns „Iwein“ und in Ransmayrs „die Schrecken des Eises und der Finsternis“
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die fundamentale Bedeutung von Narration und Überlieferung als Voraussetzung für das Entstehen eines Abenteuers. Anhand des mittelalterlichen Artusromans „Iwein“ von Hartmann von Aue und des postmodernen Romans „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ von Christoph Ransmayr wird analysiert, wie Erzählungen Handlungsweisen initiieren und Strukturen stiften.
- Die Rolle von Narration als Motor für ritterliches oder abenteuerliches Handeln
- Vergleichende Analyse mittelalterlicher Aventiure und neuzeitlicher Abenteuerbegriffe
- Die Funktion von Überlieferung als Voraussetzung für den Aufbruch in das Ungewisse
- Der Zusammenhang zwischen Identitätsbildung und der Erzählung erlebter oder gelesener Berichte
Auszug aus dem Buch
3.2 Erzählung als Voraussetzung für Aventiure in Hartmann von Aues „Iwein“
Wie bereits in der Begriffsbestimmung angedeutet, ist die Aventiure nicht ohne eine Erzählung von eben dieser verstehen. Im Folgenden wird erörtert, inwiefern in Hartmann von Aues „Iwein“ die Erzählung des herausfordernden Erlebnisses eine Rolle spielt und somit die Wichtigkeit der mündlichen Überlieferung für die Aventiure im Artusroman bestimmt. Der Artusritter Kalogrenant erzählt nach zehn Jahren von seinem Erlebnis am Brunnen, bei welchem er im ritterlichen Zweikampf das Duell verlor. Er berichtet den anderen Artusrittern von seiner nicht ehrenvollen Suche nach Aventiure und seiner „schmählichen Niederlage“ gegen den stärkeren Ritter. Kalogrenant rafft sich nach dieser langen Zeit auf, von seiner Niederlage zu erzählen, da „erst durch das retrospektive Erzählen am Artushof, im Kreis der Ritter, die Suche nach etwas Unbekanntem, Unerhörten, in Raum und Zeit gegliedert wird […]“. In einer Artusgesellschaft, in welcher sich Ordnung und Macht an erster Stelle befinden, kann die Niederlage Kalogrenants nur als Schmach betrachtet werden, weshalb das Geschehene unbedingt berichtet werden muss. Aus diesem Grund beschließt Iwein ebenfalls zur Aventiure loszuziehen, um „die Schande seines Vetters zu rächen“ und das Brunnenrätsel zu lösen. Für Iwein wird der Aventiure-Bericht seines Verwandten damit zum maßgeblichen Beweggrund selbst zur Aventiure aufzubrechen und nach Ehre zu streben. Es lässt sich bereits an dieser Stelle festhalten, dass „Kalogrenants Abenteuer in Hartmanns von Aue Iwein eine Erzählung ist, die in ein Abenteuer, dasjenige Iweins, umschlägt, was wiederum erzählt wird […]“. Demnach ist ein gewisser Kreislauf von Erzählung und Handlung erkennbar, da die „âventiure-Erzählung“ im Artusroman meist zu einer „âventiure-Handlung“ führt. Die Ritter des Artushofs sehen sich durch die Erzählung der Aventiure zur Bewältigung der Herausforderung berufen und setzen bei der Heimkehr die Handlung wiederum in eine Erzählung um.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche den Stellenwert von Erzählung und schriftlicher Überlieferung als Voraussetzung für das Abenteuer in „Iwein“ und „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ hinterfragt.
2. Begriffsbestimmung von Narrativität / Erzählung: Das Kapitel definiert den Begriff der Erzählung als eine grundlegende menschliche Tätigkeit, die zur Ordnung von Erfahrungen und zur Kommunikation von Ereignissen dient.
3. Die Unverzichtbarkeit der Erzählung für die mittelalterliche Aventiure in Hartmann von Aues „Iwein“: Hier wird analysiert, wie mündliche Erzählungen im Artusroman als auslösender Moment für ritterliche Handlungen und zur Wahrung der höfischen Ordnung fungieren.
4. Die Bedingung der Überlieferung des Abenteuers im neuzeitlichen Abenteuerroman: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel des Abenteuerbegriffs in der Moderne und wie schriftliche Dokumente den Protagonisten in Ransmayrs Roman zum Aufbruch motivieren.
5. Vergleich der Voraussetzung der Erzählung zur Entstehung des Abenteuers in Hartmanns „Iwein“ und in Ransmayrs „die Schrecken des Eises und der Finsternis“: Der Vergleich zeigt, dass in beiden Epochen das Erzählen beziehungsweise Überliefern die notwendige Voraussetzung für das Entstehen von Abenteuern und die Identitätssuche bleibt.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass ungeachtet der zeitlichen Distanz und der unterschiedlichen Gattungen, die Narration in beiden Werken die essenzielle Basis für den Aufbruch in das Abenteuer bildet.
Schlüsselwörter
Aventiure, Abenteuer, Erzählung, Narrativität, Hartmann von Aue, Iwein, Christoph Ransmayr, Überlieferung, Artusroman, Identität, Zweikampf, Polarexpedition, Gattungsgeschichte, ritterliche Ordnung, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Erzählungen und Überlieferungen als zwingende Voraussetzung für das Entstehen von Abenteuern in literarischen Werken unterschiedlicher Epochen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Funktionen der Narration, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen mittelalterlicher Aventiure und modernem Abenteuer sowie die Rolle der Überlieferung für das Handeln der Protagonisten.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage lautet, welchen Stellenwert die Erzählung beziehungsweise Verschriftlichung eines Abenteuers für dessen Entstehung hat und wie diese die Wirkung auf die beiden untersuchten Romane beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Begriff der Narrativität theoretisch fundiert und diese Theorie im komparatistischen Vergleich auf zwei spezifische Romane anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung der mittelalterlichen Welt bei Hartmann von Aue sowie eine Analyse der modernen Welt bei Ransmayr, gefolgt von einem direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Aventiure, Abenteuer, Erzählung, Narrativität, Artusroman, Überlieferung sowie Identitätsbildung durch Narration.
Warum spielt die Figur des Kalogrenant eine so wichtige Rolle für Iwein?
Die Erzählung des Kalogrenant dient als Katalysator; durch sein Scheitern und dessen Bericht fühlt sich Iwein berufen, die Schande zu rächen, was seinen eigenen Abenteueraufbruch legitimiert.
Wie unterscheidet sich die Motivation der Protagonisten zwischen beiden Werken?
Während Iwein motiviert ist, eine ritterliche Ordnung und Familienehre am Hof wiederherzustellen, sucht Mazzini bei Ransmayr eher eine Flucht aus seinem Alltag und versucht, durch die Rekonstruktion historischer Dokumente eine eigene, fiktive Identität in der Arktis zu verwirklichen.
- Quote paper
- Hanna Kley (Author), 2021, Kein Abenteuer ohne Narration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185541