Die Hausarbeit wird sich dieser Frage nach der Bedeutung von Kunst in dem von Peter Weiss verfassten Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ annehmen. Dabei soll besonders darauf eingegangen werden, welche Bedeutung der Kunst für den Widerstand zukommt. Vor allem der schon angeführte Pergamonaltar soll in der Arbeit herangezogen werden, um die Bedeutung der Kunst für die Schaffung einer kollektiven Identität, welche wiederum für den Widerstand der Protagonisten wichtig ist, zu untersuchen.
Um einen besseren Eindruck des komplexen Werkes von Peter Weiss zu erhalten, soll zunächst eine Einführung in den Roman passieren, in welcher ein grober Abriss der Intention und des Inhalts, insbesondere des ersten Bandes, stattfinden wird. Das nächste Kapitel steigt mit der Fragestellung der Arbeit ein und beschreibt, welche Bedeutung der Kunst in „Die Ästhetik des Widerstands“ zukommt. Hier soll insbesondere auf den Zweck, welchem die Kunst für die Protagonisten und ihren Widerstand dient, eingegangen werden. Daran schließt sich das Kapitel über den Pergamonaltar an, welches sich in zwei Unterkapitel teilt. Das erste Unterkapitel geht zunächst auf den historischen Hintergrund des Pergamonaltars ein, hier soll die tatsächliche Ausstellung des Pergamonaltars sowie der Mythos der Gigantomachie thematisiert werden. Das zweite Unterkapitel befasst sich mit dem Pergamonaltar im Roman selbst und damit, welche Wirkung dieser auf die Protagonisten und deren Widerstand hat. Abschließend wird im letzten Kapitel ein Resümee gezogen, in welchem eine letzte kritische Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Kunst in dem von Peter Weiss verfassten Roman stattfinden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. „DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS“: EINE EINFÜHRUNG
3. KUNST IN „DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS“
4. DER PERGAMONALTAR
4.1 HISTORISCHER HINTERGRUND
4.2 DER PERGAMONALTAR IN „DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS“
5. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Kunst in Peter Weiss' Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ und fokussiert dabei insbesondere auf die Funktion von Kunstwerken für die Schaffung einer kollektiven Identität innerhalb der Arbeiterklasse. Die Forschungsfrage leitet sich aus der Beobachtung ab, dass der Erzähler trotz der Schwierigkeiten bei der Rezeption intensiv und detailreich Kunst beschreibt, um diese als Instrument zur Aufklärung und zum politischen Widerstand gegen Unterdrückung und Klassengesellschaft zu nutzen.
- Die Funktion von Kunst als Mittel des Widerstands gegen die Klassengesellschaft.
- Die Aneignung von kulturellem Wissen durch die Arbeiterklasse als Akt der Auflehnung.
- Die Analyse des Pergamonaltars als zentrales Motiv im Roman.
- Die Wirkung der Götter- und Gigantendarstellung auf das Identitätsverständnis der Protagonisten.
- Der Zusammenhang zwischen Bildung, Kunst und Machtverhältnissen.
Auszug aus dem Buch
Der Pergamonaltar in „Die Ästhetik des Widerstands“
Nun soll sich wieder dem Roman zugewendet werden und die Darstellung sowie Deutung des oben beschriebenen Gigantenfries im Roman analysiert werden. Besonderes Augenmerk soll dabei darauf gelegt werden, in welcher Weise dieser zu einer gefühlten kollektiven Identität der Protagonisten beiträgt.
Peter Weiss orientiert sich bei seiner Beschreibung des Pergamonaltars sehr nah an der originalen Ausstellung, welche tatsächlich am 22.09.1937 gesehen werden konnte. Dies soll im Folgenden anhand der im Roman stattfindenden Beschreibung des in Abbildung 2 zu sehenden Friesabschnittes verdeutlicht werden, auch soll dadurch noch einmal die ausführliche und detailreiche Beschreibung des Pergamonaltars im Roman gezeigt werden:
[H]ier stieg die Dämonin der Erde auf, das Gesicht weggehackt unter Augenlöchern, die Brüste massiv in dünner Umhüllung, den losgerissnen Klumpen der einen Hand suchend erhoben, die andre Hand um Einhalt bittend ragte aus der Steinkante, und hinauf zum profilierten Vorsprung streckten sich langgliedrige knotige Finger, als wären sie noch unter der Erde und wollten das Gelenk der offnen daumenlosen weiblichen Hand erreichen [...]. Die Wellen des aufgelösten Haars umflossen sie. Auf der Schulter trug sie eine Schale voll Granatäpfel [eigentlich ein Fruchthorn]. Blattwerk, Weintrauben rankten an ihrem Nakken. In der seitwärts nach oben gewandten rohen Fläche des Gesichts war der Ansatz des um Gnade flehenden Munds zu erkennen. Eine Wunde klaffte vom Kinn bis zum Kehlkopf. Alkyoneus, ihr Lieblingssohn, drehte sich, ins Knie sinkend, schräg von ihr weg. Der Stumpf seiner linken Hand tastete nach ihr. Sein linker Fuß, am gedehnten zersplitterten Bein hängend, rührte sie noch an. Schenkel, Unterleib, Bauch und Brust spannten sich in Konvulsionen. Von der kleinen Wunde, die ihm das giftige Reptil zwischen die Rippen geschlagen hatte, strahlte der Todesschmerz aus. Die weit ausgebreiteten Schwingen des Eisvogels, die ihm aus der Schulter wuchsen, verlangsamten seinen Sturz. Der Umriß des abgeborstnen Gesichts über ihm, mit der harten Linie des Halses, des hochgebundnen, unter den Helm gestreckten Haars, sprach von der Unerbittlichkeit Athenas. Im Schwung der Bewegung flog ihr weites gegürtetes Kleid zurück. Unter [eigentlich über] der niedergleitenden Umhüllung wurde an ihrer linken Brust der Schuppenpanzer sichtbar, mit dem kleinen aufgeblähten Antlitz der Medusa. Das Gewicht des runden Schilds, in dessen Riemen ihr Arm steckte, zog sie voran, zu neuen Taten. Nike, aufschnellend, mit mächtigen Flügeln, lockeren luftigen Röcken, hielt ihr den Kranz, unsichtbar, doch aus der Geste zu erraten, übers Haupt. (Weiss 2016, S. 10-13)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Das Kapitel führt in das Thema ein, stellt Peter Weiss' Roman vor und begründet die Relevanz der Kunstbetrachtung als Widerstandsmethode.
2. „DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS“: EINE EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel gibt einen groben Abriss über den Roman, seine Bände und die zentralen Charaktere sowie deren Ausgangslage.
3. KUNST IN „DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS“: Hier wird untersucht, warum die Protagonisten Kunst zur Bildung nutzen und wie diese Aneignung als Widerstand gegen die Klassengesellschaft fungiert.
4. DER PERGAMONALTAR: Dieses Kapitel teilt sich in eine historische Einordnung des Altars und eine spezifische Analyse seiner Bedeutung für die Protagonisten im Roman.
5. RESÜMEE: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale Rolle der Kunst als Ausdrucksform von Unterdrückung sowie als Mittel zur Befreiung.
Schlüsselwörter
Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands, Kunst, Widerstand, Arbeiterklasse, Pergamonaltar, Gigantomachie, Klassengesellschaft, Identität, Bildung, Antike, Faschismus, Unterdrückung, Befreiung, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Kunst in Peter Weiss' Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ als Mittel für politische Aufklärung und Widerstand innerhalb der Arbeiterklasse.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Bildung und Klasse, die Rolle der Kunst in politischen Widerstandsbewegungen und die Bedeutung von antiken Kunstwerken, konkret des Pergamonaltars, für die Identitätsfindung der Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kunst von den Figuren im Roman genutzt wird, um sich aus ihrer sozialen Ausgrenzung zu befreien und eine kollektive Identität zu formen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans sowie eine historische Kontextualisierung der erwähnten Kunstwerke.
Was behandelt der Hauptteil der Publikation?
Der Hauptteil beleuchtet die Rolle der Kunst für die Arbeiterklasse, bietet einen historischen Hintergrund zum Pergamonaltar und analysiert dessen spezifische Rezeption und Wirkung auf die Romanfiguren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Kunst, Widerstand, Arbeiterklasse, Klassengesellschaft, Pergamonaltar und Identität.
Warum spielt gerade der Pergamonaltar eine so wichtige Rolle im Roman?
Der Pergamonaltar mit seiner Darstellung der Gigantomachie dient den Protagonisten als Spiegel ihrer eigenen sozialen Lage; sie identifizieren sich mit den unterdrückten Giganten im Kampf gegen die privilegierten Götter.
Wie interpretieren die Protagonisten die Götterschlacht auf dem Altar?
Sie deuten die Götterschlacht als einen „Kampf zwischen den Klassen“, wobei die Götter die Unterdrücker und die Giganten die unterdrückten Mitglieder der Arbeiterklasse repräsentieren.
Welche Bedeutung kommt der Figur des Herakles im Kontext des Altars zu?
Da Herakles als Sterblicher ein Teil der Arbeiterklasse war, aber auf der Seite der Götter kämpfte, wird sein Fehlen auf dem Fries von den Protagonisten als schlechtes Omen interpretiert und er wird für seine Parteinahme kritisiert.
- Citation du texte
- Jan Dissemond (Auteur), 2018, Zur Bedeutung von Kunst in "Die Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187503