Die Wahrheits- und Versöhnungskommission sollte die gewalttäige Vergangenheit der südafrikanischen Apartheid aufarbeiten und die junge Demokratie in ihrem Aussöhnungsprozess stärken. Dabei wurden auch die Aktivitäten der Befreiungsorganisation des African National Congress (ANC) untersucht. Die Ergebnisse und das Selbstverständnis des ANC sind Gegenstand dieser Arbeit.
Gliederung
1 Einleitung
1.1 Problemdefinition, Fragestellung, Relevanz
1.2 Aufbau, Methode und Ziel der Arbeit
2 Hauptteil
2.1 Hintergrund: Die Wahrheits- und Versöhnungskommission
2.1.1 Arbeit, Funktion, Ergebnisse
2.1.2 Empfehlungen und Reaktionen
2.2 Der Befreiungskampf des ANC
2.2.1 Der ANC zwischen Moral und Völkerrecht
2.2.2 Die Konfliktlinien des ANC
2.3 Der Kampf im Spiegel der TRC
2.3.1 Die Ergebnisse der Kommission
2.3.2 Die Verantwortung des ANC
2.3.3 Die Stellungnahme des ANC
2.3.4 Bewertung des Abschlussberichts
3 Schlussbetrachtung
3.1 Zusammenfassung
3.2 Konklusion, Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Selbstverständnis des African National Congress (ANC) im Kontext der Aufarbeitung durch die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC), um kritisch zu bewerten, wie der ANC seinen Befreiungskampf legitimiert und wie er mit den Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen umgegangen ist.
- Rolle des ANC im Befreiungskampf gegen die Apartheid
- Die Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) als Aufarbeitungsinstrument
- Spannungsfeld zwischen gerechtem Befreiungskampf und völkerrechtlichen Verstößen
- Die interne Gewalt und Konfliktlinien des ANC in Townships und Exillagern
- Reaktionen des ANC auf die Erkenntnisse und Empfehlungen der TRC
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der ANC zwischen Moral und Völkerrecht
Mit der Unterzeichnung der Genfer Konvention und der Erklärung zur Einhaltung der darin enthaltenen Forderung zur Führung eines Befreiungskampfes durch Oliver Tambo verpflichteten sich der ANC und seine Anhänger, Angriffe lediglich auf militärische, nicht aber auf zivile Ziele zu verüben und dabei die Regeln der Konvention zu beachten. Die Ausweitung der rechtlichen Definition eines internationalen bewaffneten Konflikts in zwei Zusatzprotokollen von 1977 legitimierte zudem den Aufstand gegen „Kolonialherrschaft und fremde Besatzung sowie gegen rassistische Regimes in Ausübung ihres Rechts auf Selbstbestimmung.“ Zudem seien auch Angriffe auf militärische Ziele bei einer gleichzeitig hohen Wahrscheinlichkeit ziviler Opfer zu verbieten, wenngleich gerade hier sicherlich ein weiter Interpretationsspielraum geblieben ist. Dennoch stellen Ruge und andere fest, dass der ANC diese Protokolle „für sich und seine Befreiungsbewegung als verbindlich angesehen hat.“
Die Tatsache dass die Genfer Abkommen für alle Fälle „eines erklärten Krieges oder eines anderen bewaffneten Konflikts [gelten], auch wenn der Kriegszustand von einer dieser Parteien nicht anerkannt wird“, ist insofern von Bedeutung, als dass eine Leugnung des Kriegszustandes seitens der südafrikanischen Regierung aus völkerrechtlicher Perspektive damit für die Bewertung nicht mehr relevant ist. Zentral für das Selbstverständnis des ANC ist ein weiterer Text des Zusatzprotokolls von 1977, in dem es heißt: „Ein rechtswidriger Angriff ist dann nicht anzunehmen, wenn es um die Durchsetzung oder die Verteidigung des Selbstbestimmungsrechts der Völker geht. […] Die Rechtmäßigkeit eines gewaltsamen Befreiungskampfes ist dann gegeben, wenn entweder ein ganzes Staatsvolk oder eine Bevölkerungsgruppe in die Lage kommt, kein anderes Mittel mehr zu sehen, um ihre Autonomie oder auch ihre Menschenrechte zu schützen. Nur dann erscheint die Inanspruchnahme der Gewalt als rechtmäßig.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle des ANC bei der Vergangenheitsbewältigung zu beleuchten, und legt die methodische Vorgehensweise fest.
2 Hauptteil: Analysiert die Arbeit der TRC, den ANC im Spiegel dieser Kommission unter besonderer Berücksichtigung moralischer und völkerrechtlicher Fragen sowie interner Konfliktlinien.
3 Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und zieht das Fazit, dass der ANC trotz legitimen Kampfes bei der kritischen Aufarbeitung seiner eigenen Verbrechen scheiterte.
Schlüsselwörter
ANC, Apartheid, Wahrheits- und Versöhnungskommission, TRC, Befreiungskampf, Südafrika, Menschenrechtsverletzungen, Völkerrecht, Genfer Konvention, politische Gewalt, Aufarbeitung, Selbstverständnis, Versöhnungsprozess, Thabo Mbeki, Widerstandsbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Selbstverständnis des ANC während des Befreiungskampfes und wie dieses durch die Ergebnisse der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) in Südafrika reflektiert und hinterfragt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die völkerrechtliche Einordnung des ANC-Kampfes, die Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Exillagern und Townships sowie die kritische Auseinandersetzung des ANC mit den Befunden der TRC.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu klären, welches Bild die TRC von der Rolle des ANC zeichnete und welche Schlussfolgerungen aus den Reaktionen des ANC auf dieses Bild in Bezug auf die demokratische Entwicklung Südafrikas gezogen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer analytisch-deskriptiven Methode, bei der verschiedene Quellen und Erkenntnisse zur TRC und zum ANC zusammengeführt werden, um eine fundierte Diskussion und Konklusion zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Arbeit der TRC, eine Untersuchung der moralischen und völkerrechtlichen Legitimation des ANC-Kampfes, die Analyse von Konfliktlinien innerhalb der schwarzen Community sowie die detaillierte Bewertung der offiziellen ANC-Stellungnahmen zu den Ergebnissen der Kommission.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere ANC, Apartheid, Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC), Befreiungskampf, Menschenrechtsverletzungen, Völkerrecht und Versöhnungsprozess.
Warum war die Einordnung des Befreiungskampfes völkerrechtlich so schwierig?
Die Schwierigkeit lag in der wertfreien Differenzierung zwischen legitimen Befreiungskämpfern und Terroristen, da Begriffe wie Terrorismus normativ aufgeladen sind und die TRC zudem die Anwendung der Genfer Konvention als Bewertungsmaßstab heranziehen musste.
Wie reagierte der ANC auf die Vorwürfe der Kommission?
Der ANC lehnte die Gleichstellung seiner Aktionen mit denen des Apartheidregimes weitgehend ab und versuchte oft, die Verantwortung für begangene Menschenrechtsverletzungen durch Verweise auf äußere Zwänge und die Natur des gerechten Kampfes zu relativieren oder zu entziehen.
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- Jens Marquardt (Author), 2007, Der ANC zwischen Wahrnehmumg und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118780