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Zur Funktion der stalinistischen Gesellschaftsordnung 1928 bis 1940

Politische Integrationsangebote als ein weiteres konstitutives Element totalitärer Herrschaftssysteme

Title: Zur Funktion der stalinistischen Gesellschaftsordnung 1928 bis 1940

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 27 Pages

Autor:in: Lars Wegner (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Dieser Aufsatz wird auf den industriell-städtischen Bereich der ehemaligen Sowjetunion, genauer auf dessen slawisch-europäisches Kerngebiet, der Jahre 1928-40 fokussieren. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei folgenden Gruppen und deren charakteristischen Verhaltensweisen unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen sozial-ökonomisch-politischen Umgebungsbedingungen zukommen, erstens der sowjetischen Arbeiterschaft und zweitens den aus dieser hervorgehenden Führungskadern in Industrie und Wirtschaft. Ferner sollen die ungeheuren verschiedenartigen Transformationsprozesse der dreißiger Jahre erfasst und ihre Auswirkungen auf das situationsspezifische Verhalten der genannten Gruppen aufgezeigt werden. Ziel einer solchen Darstellung soll die Identifikation der Arbeiterschaft und Eliten als weitere wesentliche herrschaftsstabilisierende und konstituierende Elemente des stalinistischen Systems sein.
Dieses realpraktische Wirksamkeit entfaltende sozialgeschichtliche Moment kann, so die Annahme, bei der Erweiterung des bestehenden, primär den politischen Raum oberer Ebene analysierenden Totalitarismuskonzepts helfen und auf diese Weise zur Klärung der Entwicklungsbedingungen ‚moderner Diktaturen’ beitragen. Als alles entscheidende Fragen könnten sich dabei, die nach dem ‚Wie?’ und ‚Warum?’ von Identifikation, Partizipation und Integration der genannten Bevölkerungsschichten erweisen. Letztlich sollte sich derart belegen lassen, dass die stalinistisch geprägte Gesellschaftsordnung trotz ihrer massenhaften Opfer eine funktionierende war. Der eigentliche historische Erkenntnisgewinn könnte dabei in der Bestätigung folgender Annahme bestehen, der dass dieses ‚Funktionieren’ grundsätzlich positiv konnotiert war. Sollte sich diese Hypothese als wahr erweisen, müssten dieser Gesellschaft zugleich zwei konträre aber dennoch wesenhafte Merkmale zugeordnet werden. Zum einen der zielgerichtete Terror , durch Zwang gekennzeichnet und generell negativ besetzt. Zum anderen die anscheinend ständig vorhandenen Möglichkeiten zur ‚freiwilligen’ Integration , z. B. über die Bereitstellung von massenhaften Aufstiegschancen, verstanden als periodische Verschmelzung verschiedener Interessen zu einer sich uniform gestaltenden ‚Gesamtbewegung’, in der weder der Sozialismus als System noch die politische Führung als Machtfaktor in Frage gestellt wurden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Die sowjetische Arbeiterschaft während des 1. und 2. Fünfjahresplans

2.1 Die massive Wandlung der sowjetischen Arbeiterschaft von 1928 bis 1935

2.2 Integration via Leistung: Die ‚Stachanov-Bewegung’

2.2.1 Zur Formierung und Zusammensetzung der ‚Stachanov-Bewegung’

2.2.2 Politisches Bewusstsein und Mentalität

2.2.3 Widerstand, Krise und Wandel des ‚Stachanovismus’

2.3 Integration per Parteibillet: Zur Entstehung ‚Neuer Eliten’

3 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den industriell-städtischen Bereich der Sowjetunion zwischen 1928 und 1940, um die Rolle der Arbeiterschaft und der Führungseliten als herrschaftsstabilisierende Elemente innerhalb des stalinistischen Systems zu identifizieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Identifikation, Partizipation und Integration trotz massiver Repression und systemischer Zwänge funktionierten und inwiefern diese Prozesse das Herrschaftssystem legitimierten und festigten.

  • Sozialhistorische Analyse der Transformation der sowjetischen Arbeiterschaft
  • Untersuchung der ‚Stachanov-Bewegung’ als Instrument der Leistungssteigerung und Integration
  • Analyse der Entstehung ‚neuer Eliten’ durch Rekrutierung aus der Arbeiterschaft
  • Erweiterung des Totalitarismuskonzepts durch sozial-ökonomische Perspektiven
  • Untersuchung von Verweigerungsstrategien und sozialen Konfliktkonstellationen

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Zur Formierung und Zusammensetzung der ‚Stachanov-Bewegung’

Arbeiter oder Brigaden, die sporadisch die Normen brachen, waren, wie oben beschrieben, kein gänzlich neues Phänomen. In der Presse kursierten häufig Artikel über individuelle Planübererfüllungen einzelner Arbeiter, die vom Management, obwohl sie grobe Verstöße gegen die aktuelle Produktionsordnung darstellten, oft geduldet und geschickt zur Erfüllung der Planvorgaben eingesetzt wurden. Das neue Moment, das nun hinzutrat, bestand in der politischen Rehabilitation und expliziten stalinistischen Autorisation der ‚Delinquenten’, so avancierten sie über Nacht zu einem betrieblichen Machtfaktor, dem die Leitung desselbigen, ohne sich Ärger einzuhandeln, nichts entgegenzusetzen vermochte.

Dem Hauer Alexej Stachanov war es vorbehalten, den Heldentypus des Stoßarbeiters abzulösen. Sein Name sollte die daraufhin entstehende ‚Bewegung’ prägen, wobei sich der Begriff ‚Stachanov’ rasch vom eigentlichen subjektiven Träger löste und programmatisch für den parteilosen Arbeiter stand. Durch das Beiwort der ‚Bewegung’ sollte die Natürlichkeit des Leistungswillens suggeriert und zugleich der Eindruck einer politisch gesteuerten Aktion vermieden werden. Da eine einheitliche Definition des Begriffs ‚Stachanovist’ zu keinem Zeitpunkt erfolgte und vermutlich viele der vorhandenen Zahlenangaben an ‚chronischer sozialistischer Überhöhung’ leiden, ist eine Deutung des statistischen Materials bezüglich dieser Bewegung immens erschwert. Ende 1935 dürfte der Stachanovisten-Anteil bereits 3-4 % unter den Arbeitern in Industrie, Transport und Bauwesen betragen haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Fragestellung: Die Einleitung definiert den Untersuchungszeitraum und das Ziel, die Arbeiterschaft und Eliten als stabilisierende Faktoren des stalinistischen Systems unter Einbeziehung sozialgeschichtlicher Aspekte zu erfassen.

2 Die sowjetische Arbeiterschaft während des 1. und 2. Fünfjahresplans: Dieses Kapitel analysiert die tiefgreifenden demografischen und sozialen Veränderungen der Arbeiterschaft infolge von Industrialisierung und Kollektivierung.

2.1 Die massive Wandlung der sowjetischen Arbeiterschaft von 1928 bis 1935: Hier wird untersucht, wie die rasche Industrialisierung die Zusammensetzung der Arbeiterschaft veränderte und warum die Arbeiter trotz verschlechterter Bedingungen systemkonform blieben.

2.2 Integration via Leistung: Die ‚Stachanov-Bewegung’: Das Kapitel betrachtet die ‚Stachanov-Bewegung’ als ein staatliches Instrument, um durch Leistungsanreize und Aufstiegschancen soziale Integration zu erzielen.

2.2.1 Zur Formierung und Zusammensetzung der ‚Stachanov-Bewegung’: Es wird die Genese des ‚Stachanovismus’ und dessen Rolle bei der Rekrutierung neuer Vorzeige-Arbeiter beschrieben.

2.2.2 Politisches Bewusstsein und Mentalität: Dieser Abschnitt beleuchtet die Motivationen und die soziale Mentalität der Stachanovisten innerhalb des stalinistischen Herrschaftsrahmens.

2.2.3 Widerstand, Krise und Wandel des ‚Stachanovismus’: Hier werden die Grenzen der Mobilisierung sowie die ökonomischen Kriseneffekte und sozialen Spannungen aufgezeigt, die den Wandel der Bewegung erzwangen.

2.3 Integration per Parteibillet: Zur Entstehung ‚Neuer Eliten’: Dieses Kapitel analysiert den sozialen Aufstieg von ungelernten Arbeitern in Führungspositionen durch die Partei und das damit verbundene System des ‚vydviženie’.

3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Schaffung integrativer Angebote ein konstitutives Element des stalinistischen Herrschaftssystems war und fordert eine Erweiterung der Forschung um sozial-ökonomische Aspekte.

Schlüsselwörter

Stalinismus, Sowjetunion, Arbeiterschaft, Stachanov-Bewegung, Industrialisierung, Fünfjahresplan, soziale Integration, Partizipation, politische Führung, neue Eliten, Totalitarismuskonzept, sozialer Aufstieg, Planwirtschaft, Herrschaftsstabilisierung, Kollektivierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion der sowjetischen Gesellschaftsordnung und die Rolle verschiedener Bevölkerungsschichten, insbesondere der Arbeiterschaft und der neuen Führungskader, für die Stabilisierung des stalinistischen Herrschaftssystems zwischen 1928 und 1940.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Im Fokus stehen die massiven Transformationsprozesse durch die Industrialisierung, die Rolle von Leistungsanreizen wie der ‚Stachanov-Bewegung’ zur Integration und die Rekrutierung neuer Eliten innerhalb der Partei und Wirtschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Arbeiterschaft und die aufsteigenden Eliten als konstituierende Elemente des stalinistischen Systems zu identifizieren und zu belegen, dass die Gesellschaftsordnung trotz massiver Opfer in gewisser Weise funktionsfähig war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine sozialgeschichtliche Analyse angewandt, die den politischen Rahmen des Totalitarismuskonzepts um eine sozial-ökonomische Perspektive erweitert und primär die Interaktion zwischen politischer Führung und der gesellschaftlichen Basis untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Wandlung der sowjetischen Arbeiterschaft, die Etablierung des Stachanovismus als Integrationsinstrument und die Entstehung neuer, loyal zur Parteilinie stehender Eliten durch gezielte Aufstiegsprogramme.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Stalinismus, Stachanov-Bewegung, soziale Integration, gesellschaftliche Transformation, Partizipation, Industrialisierung und das Totalitarismuskonzept.

Wie reagierte die Arbeiterschaft auf die Stachanov-Bewegung?

Die Reaktion war zwiegespalten: Während ein Teil der Arbeiterschaft durch Aufstiegschancen und materielle Anreize motiviert wurde, formierte sich in anderen Teilen Widerstand, der sich jedoch häufig passiv oder durch Verweigerungsstrategien äußerte.

Warum musste sich das Herrschaftssystem laut Autor um soziale Aspekte erweitert werden?

Der Autor argumentiert, dass das traditionelle Totalitarismuskonzept zu stark auf die politische Ebene fokussiert ist. Die Einbeziehung der sozial-ökonomischen Integrationsangebote ist zwingend, um die tatsächliche Funktionsweise des Systems besser zu verstehen.

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Details

Title
Zur Funktion der stalinistischen Gesellschaftsordnung 1928 bis 1940
Subtitle
Politische Integrationsangebote als ein weiteres konstitutives Element totalitärer Herrschaftssysteme
College
Martin Luther University  (Geschichte)
Course
Diktaturen im 20. Jahrhundert. Ergebnisse und Perspektiven der internationalen Forschung.
Author
Lars Wegner (Author)
Publication Year
2008
Pages
27
Catalog Number
V118817
ISBN (eBook)
9783640221394
ISBN (Book)
9783640223367
Language
German
Tags
Funktion Gesellschaftsordnung Diktaturen Jahrhundert Ergebnisse Perspektiven Forschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars Wegner (Author), 2008, Zur Funktion der stalinistischen Gesellschaftsordnung 1928 bis 1940, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118817
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