Neben dem Fachkräftemangel in der Pflege ist auch die Digitalisierung und digitale Dokumentation von Gesundheits- und persönlichen Daten der Patienten ein brandaktuelles und viel diskutiertes Thema im medizinischen Sektor. Viele Einrichtungen müssen dabei selbstständig entscheiden, inwieweit sie moderne Technik verwenden und effiziente Systeme entwickeln.
Wie kann die Digitalisierung verpflichtende Dokumentationen zum Krankheitsverlauf der Patienten und anderer wichtiger Informationen vereinfachen? Pflegende sollten durch weitere Digitalisierungsschritte nachhaltig entlastet werden. Eine Einschätzung des betriebseigenen Reifegrades der digitalen Pflegedokumentation ermöglicht eine Abkehr vom impulsiven und die Hinwendung zum strategischen, bedarfsorientierten und partizipativen Prozess der digitalen Transformation. Mit welchem Dokumentationssystem können die Einrichtungen vor allem bei der Langzeitpflege Zeit und Geldmittel einsparen? Wie weit entlastet digitale Dokumentation das Gesundheitssystem?
Diese und weitere Fragen beantwortet Dirk Sven Kircher in seiner Arbeit. Dabei geht er besonders auf die digitale Transformation der Langzeitpflege in der Schweiz ein. Neben qualitätssichernden Aspekten beleuchtet er auch strategische Managementüberlegungen und die Auswirkungen auf den Kernversorgungsprozess mit zeitlichen Entlastungen und monetären Einsparpotenzialen. Zudem gibt er Handlungsempfehlungen zur strategischen Unternehmensausrichtung und wendet sich damit vor allem an Pflegefachkräfte und Manager in der Langzeitpflege.
Inhaltsverzeichnis
1 DIGITALE DOKUMENTATION - Herausforderung Schweizer Gesundheitswesen
1.1 PDS – Evidenzbasierte Versorgung und Controlling-Schnittstellen
1.2 Digitale Gesundheit – Entwicklungsgrenzen der Konkordanzdemokratie
1.3 Forschungstreiber und Entwicklung der Digitalisierung
1.3.1 Praxisorientierter Forschungsansatz
1.3.2 E-Health Forschungsstand - Schweizer Langzeitpflege
1.4 Nursing 4.0 - Reifegradmodell mit strategischer Bedeutung
2 WISSENSCHAFTLICHES VORGEHEN - Zielsetzung und Hypothesen
2.1 Forschungsdesign, Methodik – Erhebung der digitalen Reife
2.2 Pflegekernprozess - Funktionen im PDS Reifegradmodell
2.3 Monetäre Auswirkungen und Investitionsbedarf
2.4 Business Framework - personenzentrierte Qualitätssicherung als Prozessbasis
2.5 PDS Weiterentwicklung
2.6 Stichprobenwahl - Fragenkatalog und Pretest
3 ANALYSE DER DATENERHEBUNG - zentrale Ergebnisse
3.1 Analyse quantitativer Angaben und Reifegradergebnisse
3.1.1 Auswertung und Interpretation quantitativer Ergebnisse
3.1.2 Administrativer Aufwand
3.1.3 Zeitersparnispotenziale
3.1.4 Zeitlicher Mehraufwand
3.1.5 Monetärer Ansatz
3.2 Analyse qualitativer Angaben
3.2.1 Vorgehen qualitative Auswertung
3.2.2 Ergebnisse der qualitativen Auswertung
3.2.3 Resümee zur qualitativen Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die digitale Reife der Pflegedokumentation in Schweizer Langzeitpflegeeinrichtungen, um Potenziale für administrative Entlastung, Qualitätssicherung und Kostenreduktion durch den Einsatz eines Reifegradmodells zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten.
- Entwicklung eines anwenderzentrierten Reifegradmodells für PDS in der Langzeitpflege.
- Analyse der administrativen Belastung vor und nach der Digitalisierung.
- Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, Prozessqualität und Ressourceneinsparungen.
- Einfluss der IT-Infrastruktur und Personalqualifikation auf den digitalen Reifegrad.
- Empfehlungen zur strategischen Unternehmenssteuerung und Prozessoptimierung mittels Lean-Management-Ansätzen.
Auszug aus dem Buch
1 DIGITALE DOKUMENTATION – Herausforderung Schweizer Gesundheitswesen
Nach einer erweiterten Einführung in die relevanten Begrifflichkeiten und Teilbereiche der digitalen Pflegedokumentation wie Controllingaspekte, gibt das folgende Kapitel einen ersten Überblick zur aktuellen Entwicklung, Forschungsstand und Entwicklungsgrenzen. Das vorliegende Forschungsthema zur digitalen Dokumentation in der Pflege, subsumiert sich vor allem unter die Begriffe E-Health, digitales Patientendossier und Nursing 4.0. Als essentielle E-Health Bestandteile ist eine klare Abgrenzung ohne Schnittstellen nicht möglich.
Im Rahmen der gemachten Recherchen zur Problemstellung und Stand der Forschung wird ebenso der theoretische Hintergrund anhand in der Schweiz etablierten Qualitäts- und Changemanagement-Modellen analysiert. Anschliessend können klare Ziele gesetzt sowie Forschungsfragen erstellt werden. Das Forschungsdesign und die Methodik werden mit einem Zeit- und Arbeitsplan konkretisiert. Erfasst werden soll der aktuelle Reifegrad des Pflegedokumentationssystems von Pflege- und Altenheimketten in der deutschsprachigen sowie vorwiegend östlichen Schweiz. Ein strategischer Erkenntnisgewinn kann mit der Interpretation und abschliessenden Handlungsempfehlungen im Fazit für die Praxis erreicht werden. Die aktuellen Herausforderungen und Problemstellungen werden nachfolgend beleuchtet.
Schweizer Pflege- und Altenheimeinrichtungen sind gesetzlich verpflichtet, sich bis 2022 der Gemeinschaft der digitalen Patientendokumentation anzuschliessen. Im Jahr 2018 betrug der Anteil an digitalen Daten im Vergleich zum Gesamtvolumen mit analogen Daten nur 1 %.
Zusammenfassung der Kapitel
1 DIGITALE DOKUMENTATION - Herausforderung Schweizer Gesundheitswesen: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen der digitalen Pflegedokumentation, E-Health und Nursing 4.0 im Schweizer Kontext ein und beleuchtet aktuelle Herausforderungen sowie gesetzliche Rahmenbedingungen.
2 WISSENSCHAFTLICHES VORGEHEN - Zielsetzung und Hypothesen: Hier wird das Forschungsdesign, die Erhebungsmethodik sowie die Entwicklung des Reifegradmodells beschrieben, inklusive der Hypothesenbildung zur administrativen Entlastung und Prozessqualität.
3 ANALYSE DER DATENERHEBUNG - zentrale Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Datenauswertung, interpretiert den administrativen Aufwand sowie Zeitersparnispotenziale und diskutiert die Erkenntnisse im Hinblick auf die Forschungsfrage.
Schlüsselwörter
e-Health, PDS, EPD, Pflegedokumentation, Digitalisierung, Digitaler Reifegrad, Digitale Strategie, Langzeitpflege Schweiz, Pflege 4.0, HealthCare Management, digitale Transformation, administrative Entlastung, Qualitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der digitalen Reife der Pflegedokumentation in Schweizer Langzeitpflegeeinrichtungen und untersucht deren Einfluss auf administrative Prozesse und die Versorgungsqualität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die digitale Transformation der Pflege, die Entwicklung eines Reifegradmodells für Pflegedokumentationssysteme (PDS) sowie die ökonomische und qualitative Analyse von Digitalisierungsprozessen in Schweizer Pflegeheimen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein anwenderzentriertes Reifegradmodell zu entwickeln und zu evaluieren, um aufzuzeigen, wie digitale Dokumentationssysteme Pflegepersonal administrativ entlasten und zur Qualitätssicherung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Forschung nutzt einen explorativen, induktiven Ansatz, bestehend aus einer quantitativen Datenerhebung mittels Online-Fragebögen in Schweizer Pflegeeinrichtungen sowie einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Forschungsfragen, die methodische Konzeption (Reifegradmodell), die Durchführung der Datenerhebung sowie die detaillierte Auswertung und Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich Zeitaufwand, Kosten und Prozessoptimierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie e-Health, PDS, Pflegedokumentation, digitaler Reifegrad, Pflege 4.0, administrative Entlastung und digitale Transformation geprägt.
Wie unterscheidet sich der administrative Aufwand vor und nach der Digitalisierung?
Studien zeigen, dass der administrative Aufwand vor der Digitalisierung durchschnittlich ca. 47% der Arbeitszeit beanspruchte und durch digitale Systeme um ca. 65 Minuten pro Acht-Stunden-Schicht reduziert werden kann.
Welche Bedeutung hat das Reifegradmodell für die Pflegeheime?
Das Reifegradmodell dient als Benchmarking-Tool für die Selbstevaluation der betrieblichen digitalen Reife, unterstützt die strategische Prozesskontrolle und hilft, Verbesserungspotenziale innerhalb der digitalen Transformation zielgerichtet zu adressieren.
- Citar trabajo
- Dirk Sven Kircher (Autor), 2021, Digitale Dokumentation. Reifegradmodell in der Langzeitpflege am Beispiel ausgewählter Schweizer Pflegeeinrichtungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190309