Klingberg 2008 in der Geschichtsdidaktik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Didaktik
2.1 Definition und Aufgaben der Didaktik
2.2 Didaktische Modelle

3 Die dialektischen Didaktik

4 Der Unterrichtsprozess

5 Der Lernprozess
5.1 Lehrende
5.2 Lernende

6 Ziel-Inhalt-Methode-Relation

7 Realisierung der Ideen Klingbergs in der Geschichtsdidaktik
7.1 Die Unterrichtsplanung
7.2 Der Umgang mit dem Unterrichtsinhalt
7.2.1 Verknüpfung
7.2.2 Handlungsorientierung
7.2.3 Anwendung des neu erworbenen Wissens
7.3 Die Führung des Unterrichts

8 Schluss

9 Bibliografie
9.1 Primärliteratur
9.2 Sekundärliteratur
9.3 Internetquellen

1 Einleitung

Andreas Pudlat beurteilte 2008 in der Rubrik Mein pädagogischer Klassiker1 den Verdienst Lothar Klingbergs folgendermaßen: „Lothar Klingberg wird zuweilen zu den Persönlichkeiten gezählt, die im 20. Jahrhundert die Genese der Didaktik zu einer modernen Wissenschaft entscheidend vorangetrieben haben.2“ Er habe ein beeindruckendes und nachhaltiges Modell zur wechselseitigen Abhängigkeit von Führung und Selbsttätigkeit, Lehren und Lernen sowie Unterrichtsinhalt und Unterrichtsmedien geschaffen. Herausgestellt wurde weiterhin sein Drang zur Exaktheit und Prägnanz.3 Hilbert Meyer schrieb 2005: „Seine Didaktik ist diejenige, die sich am konsequentesten darum bemüht, dialektisch zu argumentieren. Keiner hat gründlicher als er die Kategorie der Didaktik definiert und ihre Relationen zu bestimmen versucht.4

Auch außerhalb der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik fand Lothar Klingberg Zustimmung bei seinen Kollegen, wie Hilbert Meyer anlässlich seines 70. Geburtstags formulierte:

Seit Ende der 70er Jahre warst du bei westdeutschen Didaktik-Kollegen so etwas wie ein Geheimtip - keineswegs wissenschaftliches “fast food", sondern für uns alle eine höchst anspruchsvolle, fordernde Kost. Wo westdeutsche Kollegen nur schnelle, wenig durchdachte Begrifflichkeiten produzierten, gab es bei Dir präzise Definitionen und Relationen. Das galt und gilt insbesondere für den Bereich der Unterrichtsmethodik, in dem wir alle viel von Dir gelernt haben. Dank dafür!5

Inwieweit werden die Ideen Lothar Klingbergs an die Lehramtsstudenten heutzutage herangetragen? Werden sie angehalten, seine didaktische Theorie im Unterrichtsalltag umzusetzen? Zu Beginn dieser Semesterarbeit wird das allgemeine Verständnis von Didaktik und ihren Theorien genauer erklärt. Anschließend werden die einzelnen, aber nicht alle Ansätze Lothar Klingbergs genauer Vorgestellt. Bei der Auswahl der einzelnen Aspekte geht es vor allem um den Bezug zum abschließenden Punkt – die Umsetzung der Theorien in die Praxis. Weiterhin finden auch der Wandel seiner früheren Ansichten und deren Modifikationen im Laufe der Zeit Eingang in diese Arbeit.

Abschließend wird, wie bereits oben angedeutet, ein praktischer Bezug zur heutigen Anwendung der Theorie Lothar Klingbergs vorgestellt: Die Geschichtsdidaktiker der Technischen Universität Dresden plädieren für die praktische Umsetzung der Ziel-Inhalt-Methode-Relation bei der Planung, Durchführung und Analyse von Unterricht.

2 Didaktik

Lothar Klingberg beschäftigte sich mit der Didaktik und stellte Theorien auf. Oder waren es Modelle? In den folgenden zwei Kapiteln sollen kurz die Aufgaben der Didaktik und die Eigenarten didaktischer Modelle vorgestellt werden.

2.1 Definition und Aufgaben der Didaktik

Was ist Didaktik? Es gibt viele Definitionsansätze, an dieser Stelle soll der von Hilbert Meyer angeführt werden: „Die Didaktik ist die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens.6“ Hierbei geht es um die Untersuchung des spannungsvollen Mitund Gegeneinanders von Lernenden und Lehrenden und der zentrale Gegenstand ist ihr didaktisches Handeln. Als Ergebnis sollten von ihr praktisch folgenreiche Handlungsorientierungen für alle Lehrer gegeben werden.7 Die Didaktik befasst sich also laut Hilbert Meyer und Hanna Kiper „[…] mit der Analyse und der Gestaltung von Unterricht.8“ Mit den W-Fragen formuliert: „Die Didaktik befasst sich mit der Fragestellung, wer, was, mit wem, warum und wozu, wo, wann, wie und womit lernen soll.9“ Klingberg sieht als Grundfrage der Didaktik „[…] das Problem der Positionen von Lehrenden und Lernenden im Unterrichtsprozeß.10“ Die Aufgaben der Didaktik definierte Hilbert Meyer bereits 1972: Sie soll allgemeine Gesetzmäßigkeiten des Lehrens und Lernens erforschen und die gewonnenen Erkenntnisse in systematischen Zusammenhang bringen. Diese Zusammenhänge sollen dann eine theoretisch-wissenschaftliche Grundlage für die Unterrichtsarbeit des Lehrers bilden. Indem sie die Erkenntnisse verallgemeinert und versucht, in einen systematischen Zusammenhang zu bringen, leistet sie einen Beitrag zur Unterrichtstheorie. Diese Anleitung soll den Lehrenden helfen, die Lehrkunst zu beherrschen (Unterrichtlehre). Letzteres soll die Didaktik relevante Gesetzmäßigkeiten des Unterrichtsprozesses erforschen und den Lehrenden so didaktische Prinzipien und Regeln geben.11 Die Didaktik ist eine Teildisziplin der Erziehungswissenschaften und wird in Teilgebiete eingeteilt, welche sich teilweise überschneiden und aufeinander Bezug nehmen: Allgemeine Didaktik, Stufendidaktik, Schulformdidaktik, Bereichsdidaktik, Fachdidaktik u.v.a.

2.2 Didaktische Modelle

Modelle in ihrer Allgemeinheit besitzen bestimmte Merkmale: Reduktion, Akzentuierung, Transparenz, Perspektivität und Produktivität. Ihre Möglichkeiten liegen vor allem darin, dass komplexe Sachverhalte auf die wesentlichen Aspekte reduziert werden können und Rationalität besitzen. Somit können sie Grundlagen legen und Hilfestellungen liefern. Didaktische Modelle sind Entwürfe und Abbilder, bzw. Rekonstruktionen der Unterrichtswirklichkeit.12 Wie jedoch Ingbert von Martial ausführt, handelt es sich bei didaktischen Modellen um eine vereinfachte, ausschnittsweise Darstellung von Unterricht. Im Gegensatz zur Theorie, die eine endgültige Gestalt wissenschaftlicher Erkenntnis verdeutlicht, symbolisiert ein Modell die Unabgeschlossenheit, Offenheit, Aspekthaftigkeit, zeitlich begrenzte Geltung und Vorläufigkeit.13 Zum Ziel der Modellbildung äußerst sich Ingbert von Martial folgendermaßen: „Die Bildung von Modellen zielt auf die Darstellung und Erforschung des Unterrichts in seiner Gesamtheit ab.14

Lothar Klingberg entwickelte die Strukturund Prozesstheorie des Unterrichts und stellte die Prozesskomponenten des Unterrichts in einem Modell dar (siehe Punkt 5).

3 Die dialektischen Didaktik

„Der Unterrichtsprozeß ist ein dialektischer, d.h. widersprüchlicher, komplizierter und konfliktreicher Vorgang.15“ Auf dieser Grundlage basiert die Allgemeindidaktische Theorie Lothar Klingbergs. Widersprüche während des Unterrichtsprozesses entstehen einerseits durch die didaktische Führung des Lehrers und andererseits durch die Selbsttätigkeit der Schüler, sowie zwischen dem früher erworbenen Wissen und dem neuerworbenen Wissen.16 Dieser dem Unterricht innewohnende Widerspruch kann, bzw. muss vom Lehrenden zur Triebkraft des Unterrichts genutzt werden. Weitere Widersprüche, die während des Unterrichtsprozesses auftreten, bestehen zwischen der allgemein frontalen Vermittlung des Unterrichtsinhalts und dem im Wesentlichen individuellen Charakter der Aneignung des Bildungsgutes. Ebenso bestehen sie zwischen den Kenntnissen und Erkenntnissen der Lernenden, ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten und letzteres zwischen ihrem Wissen und den Überzeugungen und ihrem Verhalten. Aufgabe des Lehrenden ist es nun, diese Widersprüche als Triebkräfte des Unterrichts wirken zu lassen.17 Dabei stellte Lothar Klingberg heraus, dass Widersprüche in diesem Fall keineswegs negativ, destruktiv und schädlich zu werten sind, sondern auf dialektische Art und Weise gelöst werden können, beziehungsweise müssen.18 Dies geschieht, indem die Lernenden vor Aufgaben gestellt werden, die ihrem wachsenden Leistungsvermögen entsprechen und die sie in wachsendem Maße selbstständig arbeiten lassen. Die Voraussetzung dafür ist die systematische Führung des Lehrers.19

Wird sich der Schüler dem inneren Widerspruch bewusst, ist dies ebenfalls eine Triebkraft des Unterrichts.20 Besonders herausgestellt wird bei Klingberg 1990 die Dialektik zwischen der Objektund Subjektposition des Lernenden (siehe Punkt 6.2). Diese Objektund Subjektposition der Lernenden ist laut Lothar Klingberg auffallend, da es sich um ein Subjekt eines didaktisch vermittelnden Aneignungsprozesses in einem pädagogisch intendierten und instrumentierten Objektbezug handele.21 Dieser Widerspruch müsse theoretisch und praktisch ausgetragen werden und könne nicht einfach gelöst werden, sondern müsse immer wieder neu gelöst werden.22

[...]


1 Pudlat, Andreas: „Mein pädagogischer Klassiker – ll. Lothar Klingberg“, in: PÄD Forum - Zeitschrift für soziale Probleme, pädagogische Reformen und alternative Entwürfe, 36/37 (2008), S.30 – 38, S.30.

2 ebd., S.30.

3Vgl.: ebd., S.30

4 Jank, Werner/ Hilbert Meyer: Didaktische Modelle, Berlin 20057, S.241. Im Folgenden: Jank/ Meyer: Didaktische Modelle.

5 Meyer, Hilbert: Grußwort zum Ehrenkolloquium für Lothar Klingberg anlässlich des 70. Geburtstages am Freitag, 19. April 1996. In: www.kobv.de vom 29.07.2008 (http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2005/479/pdf/MEYGRUSS.pdf).

6 Jank/ Meyer: Didaktische Modelle, S.14.

7 Vgl.: ebd., S.14 f.

8 Kiper, Hanna/ Hilbert Meyer (Hgg.): Einführung in die Schulpädagogik, Berlin 2002, S.56. Hervorhebung durch die Autoren, Auslassung: Annegret Jahn (AJ)

9 Jank, Werner/ Hilbert Meyer: Didaktische Modelle, Frankfurt a.M. 1991, S.16.

10 Klingberg, Lothar: Lehrende und Lernende im Unterricht. Zu didaktischen Aspekten ihrer Position im Unterrichtsprozeß, Berlin 1990, S.21. Hervorhebung durch den Autor, Auslassung: AJ. Im Folgenden: Klingberg: Lehrende und Lernende.

11 Vgl.: Meyer, Hilbert: Einführung in die Curriculum-Methodologie. Mit einem Vorwort v. Herwig Blankertz, München 1972, S.44 f.

12 Vgl.: Kiper, Hanna: Einführung in die Schulpädagogik, Weinheim/ Basel 2001, S.121 f.

13 Vgl.: von Martial, Ingbert: Einführung in didaktische Modelle, Baltmannsweiler 2002, 2., überarbeitete Auflage, S.123.

14 ebd., S.124.

15 Klingberg, Lothar: Abriß der Allgemeinen Didaktik, Berlin 1968, S.60. Im Folgenden: Klingberg: Abriß der Allgemeinen Didaktik.

16 Vgl.: Klingberg: Abriß der Allgemeinen Didaktik, S.139.

17 Vgl.: Klingberg: Abriß der Allgemeinen Didaktik, S.60 f.

18 Vgl.: Klingberg, Lothar: Unterrichtsprozeß und didaktische Fragestellung. Studien und Versuche, Berlin 19863, S.64 f. Im Folgenden: Klingberg: Studien.

19 Vgl.: Klingberg, Lothar: Einführung in die Allgemeine Didaktik. Vorlesungen, Berlin 19722, S.139. Im Fol-

genden: Klingberg: Einführung in die Allgemeine Didaktik.

20 Vgl.: Klingberg: Einführung in die Allgemeine Didaktik, S.140.

21 Vgl.: Klingberg: Lehrende und Lernende, S.54.

22 Vgl.: Klingberg: Lehrende und Lernende, S.74.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Klingberg 2008 in der Geschichtsdidaktik
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Schilpädagogik und Grundschulpädagogik)
Veranstaltung
Didaktische Theorien
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V119441
ISBN (eBook)
9783640231485
ISBN (Buch)
9783640231669
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klingberg, Geschichtsdidaktik, Didaktische, Theorien
Arbeit zitieren
Annegret Jahn (Autor), 2008, Klingberg 2008 in der Geschichtsdidaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119441

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