Die innerbetriebliche verbale Kommunikation und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede


Seminararbeit, 1995

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vier Aspekte der verbalen Kommunikation
2.1 Die Information
2.2 Der Appell
2.3 Die Selbstdarstellung
2.4 Das Beziehungsgeschehen

3. Geschlechtsspezifische Gesprächsrituale
3.1 Das Entschuldigen
3.2 Kritik verteilen
3.3 Sich bedanken
3.4 Rituelles Streiten
3.5 Stellungsnahme der Mitarbeiter einholen
3.6 Der Small talk
3.7 Der Lob
3.8 Klagen als Solidarität
3.9 Der Humor

4. Geschlechtsspezifische Kommunikation in Besprechungen
4.1 Entscheidungsprozeß in Besprechungen
4.2 Leitung einer Besprechung
4.3 Wiederholungen
4.4 Sich Gehör verschaffen

5. Einstellungen und Beförderungen und ihre geschlechts- spezifischen Unterschiede
5.1 Einstellungsgespräche
5.2 Beförderungen
5.2.1 Gehaltsverhandlungen
5.2.2 Anerkennung versus Leistung
5.5.3 Die Arbeit und sich selbst präsentieren
5.5.4 Reden über die eigenen Leistungen

6. Die spezifische Situation von Frauen in Führungs- positionen
6.1 Das Bild der Autorität
6.2 Autorität aushandeln
6.3 Autorität herunterspielen
6.4 Das Dilemma
6.5 Der Führungsstil

7. Kritische Gesamtwürdigung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Untersuchungsgegenstand dieser Seminararbeit ist die inner- betriebliche verbale Kommunikation und ihre geschlechtsspezifi- schen Unterschiede.

Im Rahmen der Seminararbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, wie sich die verbale Kommunikation mit ihren ge- schlechtsspezifischen Unterschieden im Betrieb darstellt und welche Auswirkungen sich daraus für Frauen, Männer und die Un- ternehmen ergeben.

Ich werde die geschlechtsspezifischen Unterschiede aufzeigen, da die Lebenswelten von Frauen und Männern auf Grund der beste- henden Arbeits- und Funktionsteilung immer noch weitgehend ge- trennt sind, wonach die Frauen i.d.R. für den Reproduktionsbe- reich und die Männer für den Produktionsbereich zuständig sind. Durch die Frauenerwerbstätigkeit werden diese Bereiche jedoch ständig miteinander konfrontiert, wobei die Frauen diskrimi- niert werden. Darunter verstehe ich die unterschiedliche und ungerechte Behandlung von Frauen gegenüber Männern. Diskrimi- nierungen umfassen alle sozialen Vorurteile, Verhaltensweisen und Maßnahmen in Wort und Tat, die geeignet sind, Frauen herab- zusetzen oder auszugrenzen. Diese Diskriminierungen sind zu verstehen als Folge einer männlich-kapitalistisch strukturier- ten Gesellschaft, deren Ursache in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung liegen. Diskriminierungen wirken auf Frauen wie bewußte und unbewußte Strategien zur Stabilisierung dieser Ge- sellschaftsordnung.[1]

2. Vier Aspekte der verbalen Kommunikation

Unter Kommunikation wird im weitesten Sinne ein Übertragungs- prozeß von Nachrichten zwischen einem Sender und einem oder mehreren Empfängern verstanden. Im engeren Sinne handelt es sich um die soziale Kommunikation, die Verständigung bzw. Mit- teilung zwischen verschiedenen Personen. Sender und Empfänger teilen etwas miteinander, sie haben etwas gemeinsam, nämlich die Information.[2] Durch den Austausch von Informationen, mit der Absicht, bestimmte Handlungen und Verhaltensweisen zu bewirken, werden Tätigkeiten von Menschen koordiniert.[3]

Im Verlauf der Seminararbeit möchte ich mich hierbei hauptsäch- lich auf die gesprochene Sprache, konzentrieren. Um über Kommu- nikation reden zu können, erläutere ich zunächst ihre wesentli- chen Aspekte.

Jede Aussage hat vier Bestandteile, die aufeinander bezogen und oft eng miteinander verbunden sind. Diese vier Aspekte des Sprechens sind: Information, Appell, Selbstdarstellung und Be- ziehungsgeschehen, die ich im Folgenden näher darstellen werde.

2.1 Die Information

In der Information geht es um die Sachlichkeit und Verständ- lichkeit der Aussage.[4] Sie bezeichnet die Beseitigung von Unwis- sen bzw. die Unsicherheit in bezug auf Wissen. Durch die Infor- mation soll die Möglichkeit entstehen, Entscheidungen sachge- recht zu treffen. Dies setzt jedoch auch eine vollständige und wahrhaftige Information voraus, was nicht immer gegeben ist, da ein Irrtum bzw. Mißverständnis die Information verfälschen kann.[5]

Das betriebswirtschaftliche Interesse sollte im gegenseitigen Verstehen der Mitteilungen liegen.

2.2 Der Appell

Mit einem Appell wird eine Aufforderung zum Handeln an jemanden gerichtet. So hat meist jede Nachricht, bewußt und/oder unbe- wußt, die Wirkung Einfluß auszuüben.[6]

In unserer arbeitsteiligen Gesellschaft sind Koordinationen und damit Entscheidungen nötig, in denen Appelle verborgen sind. Das bedeutet, Führen und Appellieren sind unmittelbar miteinan- der verbunden.[7]

Hierbei sollte ein Miteinander-Sprechen, einen gegenseitigen Austausch im Sinne von aufeinander Einfluß nehmen, bedeuten.

2.3 Die Selbstdarstellung

In jeder verbalen Kommunikation teilt ein Mensch auch etwas von und über sich selbst mit. Diese Selbstmitteilung kann offen sein, wenn jemand direkt etwas über sich selbst erzählt; ist aber meist noch durch unbewußte Ausdrucksmittel, verschlüsselt. Diese sind u.a. das Wie des Sprechens, also der Tonfall, die Lautstärke, die Sprechgeschwindigkeit, die Mimik, etc.[8]

2.4 Das Beziehungsgeschehen

Zwischen Sender und Empfänger besteht immer irgendeine Art von Beziehung, die sich durch den Aspekt des Sprechens ändert. Die Vielfalt der Beziehungsmöglichkeiten läßt sich auf die beiden Hauptdimensionen Dominanz versus Unterwerfung und Freundlich- keit versus Feindseligkeit reduzieren. Im Beziehungsgeschehen geraten Konkurrenz und Kooperation leicht in Widerspruch zuein- ander.[9]

Es sollte darauf geachtet werden, daß die Sachebene (Informati- on) nicht mit der Beziehungsebene verwechselt wird. Für eine erfolgreiche Kommunikation auf der Sachebene, ist es auch wich- tig, daß die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter im Be- trieb Berücksichtigung finden, da es sich für den Sachverhalt negativ auswirken kann, wenn diese vernachlässigt werden.[10]

Im Unternehmen ist die Kommunikation ein Führungsmittel zur Be- einflussung der Motivation der Mitarbeiter.[11]

Den geschlechtsspezifischen Unterschied der innerbetrieblichen Kommunikation, werde ich im Folgenden an verschiedenen berufli- chen Situationen aufzeigen, in denen Sender und Empfänger meist mit gesellschaftlichen Bewertungen und stereotypen Vorstellun- gen konfrontiert werden und es um die Durchsetzung von Zielen und Interessen, um das übernehmen oder ablehnen von Verantwor- tung und um Macht geht.

Im Folgenden werde ich auf die unterschiedlichen Gesprächsstile von Frauen und Männern im Berufsleben eingehen, wobei das Ge- schlecht nur einer von vielen Einflüssen auf die Sprache ist. Es gibt auch keine grundsätzlich männliche oder weibliche Sprechweise, aber es soll verdeutlicht werden, daß ein großer Prozentsatz von Frauen und Männern auf eine bestimmte Weise re- det.

Dabei werde ich die Mißverständnisse aufzeigen, die durch die unterschiedlichen Gesprächsstile entstehen können.

3. Geschlechtsspezifische Gesprächsrituale

Um deutlich zu machen, welche Rolle Gespräche im Arbeitsleben spielen, erkläre ich nun die Funktionsweise des Gesprächsstils, den rituellen Charakter von Gesprächen und die Irritation, die entsteht, wenn Rituale nicht geteilt und nicht als solche er- kannt werden.[12]

3.1 Das Entschuldigen

Der Satz „Tut mir leid“ wird oft gesagt, obwohl kein Grund für eine Entschuldigung, aufgrund eines Fehlers, besteht. Es ist eine Floskel, die Bedauern über ein Geschehen ausdrücken soll, ohne sich selbst oder anderen die Schuld dafür zu geben. Dies ist ein Mittel, um Verständnis und Rücksichtnahme für eine an- dere Person zu zeigen und das Gleichgewicht in einem Gespräch wiederherzustellen. Frauen wird oft davon abgeraten, da es auch als Selbstherabsetzung verstanden werden kann.[13]

Rituelle Entschuldigungen und auch andere Gesprächsrituale funktionieren gut, wenn beide Seiten von denselben Vorausset- zungen ausgehen. Jedoch können Personen, die oft rituelle Ent- schuldigungen verwenden, wenn andere es nicht tun, den Eindruck erwecken, daß sie Verantwortung für Mißgeschicke übernehmen, die nicht ihr Fehler sind. Und wenn sie teilweise verantwort- lich erscheinen, könnten sie auch als die Alleinschuldigen gel- ten.

Der rituelle Gebrauch von Entschuldigungen kann Teil eines Sprechstils sein, der die eigentliche Kompetenz verdeckt oder zumindest nicht zur Schau stellt.

Relativ viele Frauen benutzen rituelle Entschuldigungen, die als Selbstherabsetzung aufgefaßt werden können. Unterlassen sie dieses Ritual jedoch, werden sie für irgendwie unfreundlicher und härter gehalten.[14]

3.2 Kritik verteilen

Kritik kann mit oder ohne freundliche Umschreibung oder Abmil- derung geäußert werden. Ob sie nun besser offen und direkt ge- äußert wird oder abgeschwächt und freundlich umschrieben, um

nicht grob zu erscheinen, ist auch eine Frage der Konvention. Offene Kritik besagt soviel wie: „Geschäft ist Geschäft; Gefüh- le haben da nichts zu suchen. Es geht hier nur um die reine In- formation“. Der zwischenmenschliche Aspekt findet hingegen in der umschriebenen Kritik eher seine Berücksichtigung.[15]

3.3 Sich bedanken

„Danke“ wird auch gesagt, wenn andere einem keinen Gefallen er- wiesen haben. Es handelt sich dabei, um eine ritualisierte Me- thode mit der ein Gespräch beendet wird.

Ebenso wie bei einer rituellen Entschuldigung eine entsprechen- de Gegenentschuldigung erwartet wird, wird auch bei einer ritu- ellen Danksagung eine entsprechende Reaktion des anderen erwar- tet. Bleibt diese Reaktion aus, so kann das ärgerlich für den der sich bedankt hat sein, da der andere ihn in der unterlege- neren Position hängenläßt[16]

Die Rituale des Entschuldigens, Abmilderns von Kritik und Dan- kens finden sich häufiger in der Sprache der Frauen. Sie basie- ren alle auf Gegenseitigkeit. Wenn eine Person sich entschul- digt und die andere die Entschuldigung einfach annimmt, oder wenn eine Person sich nur alleine bedankt, kommt es zu einem Ungleichgewicht und einem sogenannten Gesichtsverlust. Viele Rituale, die für Gespräche mit Frauen typisch sind, hängen da- von ab, daß der andere die Selbstherabsetzung nicht wörtlich nimmt und das Gleichgewicht wiederherstellt. Sehr oft kommt es jedoch dazu, daß diese Rituale von männlichen Arbeitskollegen wörtlich genommen werden.[17]

3.4 Rituelles Streiten

Ein unter Männern verbreitetes Ritual, das von Frauen oft wört- lich genommen wird, ist der rituelle Streit, der mit Streit im wörtlichen Sinn nichts zu tun hat. Jeder Redner vertritt eine bestimmte Position und versucht alle möglichen Argumente für diesen Standpunkt zu sammeln, während er gleichzeitig mit allen Tricks die Argumente der anderen Seite zu entkräften und anzu- greifen versucht. Der Sprecher tut dies unabhängig von seinen persönlichen Überzeugungen und unabhängig von seiner Fähigkeit, die Position der anderen Seite zu verstehen. Es ist eine Her- ausforderung für Personen, die anderer Meinung sind, die Argumente zu entkräften. So kann festgestellt werden, ob die eigenen Ideen standhalten.

[...]


[1] Vgl. Schlüter, Anne: „Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe“ – Zur Geschichte und zu heutigen Formen von Frauen- diskriminierung in der Wissenschaft. In: Brigitte Emig (Hrsg.): Frauen in der Wissenschaft. Darmstadt 1988, S. 160 f.

[2] Vgl. Gabler Wirtschafts-Lexikon. Gabler Verlag:Wiesbaden, Band 3, 1988, S. 2871.

[3] Vgl. Högy, Tatjana/Weiß, Horst: Kommunikation und Information. Moritz Diesterweg Verlag: Frankfurt am Main 1973, S. 34.

[4] Vgl. Neuhäuser-Metternich, Sylvia: Kommunikation im Berufsalltag. Verstehen und Verstanden werden. C.H. Beck Verlag: München 1994, S. 138.

[5] Vgl. Lay, Rupert: Führen durch das Wort. Langen-Müller/Herbig Ver- lag: München 1978, S.149.

[6] Vgl. Neuhäuser-Metternich, 1994, a.a.O., S. 141.

[7] Vgl. Lay, 1978, a.a.O., S. 173 ff.

[8] Vgl. Lay, 1978, a.a.O., S. 152 ff.

[9] Vgl. Neuhäuser-Metternich, 1994, a.a.O., S. 146 ff.

[10] Vgl. Neuhäuser-Metternich, 1994, a.a.O., S. 159 ff.

[11] Vgl. Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschafts- lehre. Vahlen Verlag: München 1986, S. 120.

[12] Vgl. Tannen, Deborah: Job-Talk. Wie Frauen und Männer am Arbeits- platz mit einander reden. Kabel Verlag: Hamburg 1994 (a), S. 18.

[13] Vgl. Tannen, 1994 (a), a.a.O., S. 42 ff.

[14] Vgl. Tannen, 1994 (a), a.a.O., S. 46 ff.

[15] Vgl. Tannen, 1994 (a), a.a.O., S. 52 f.

[16] Vgl. Tannen, 1994 (a), a.a.O., S. 54 ff.

[17] Vgl. Tannen, 1994 (a), a.a.O., S. 56 f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die innerbetriebliche verbale Kommunikation und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede
Hochschule
Universität Kassel  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Personalmanagement und Frauenerwerbstätigkeit
Note
2,0
Autor
Jahr
1995
Seiten
23
Katalognummer
V11965
ISBN (eBook)
9783638179911
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Personla, Frauen, geschlechtsspezifisch
Arbeit zitieren
Petra Pardun (Autor), 1995, Die innerbetriebliche verbale Kommunikation und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11965

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