Der Untersuchungsgegenstand dieser Seminararbeit ist die innerbetriebliche verbale Kommunikation und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Im Rahmen der Seminararbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, wie sich die verbale Kommunikation mit ihren geschlechtsspezifischen Unterschieden im Betrieb darstellt und welche Auswirkungen sich daraus für Frauen, Männer und die Unternehmen ergeben.
Ich werde die geschlechtsspezifischen Unterschiede aufzeigen, da die Lebenswelten von Frauen und Männern auf Grund der bestehenden Arbeits- und Funktionsteilung immer noch weitgehend getrennt sind, wonach die Frauen i.d.R. für den Reproduktionsbereich und die Männer für den Produktionsbereich zuständig sind. Durch die Frauenerwerbstätigkeit werden diese Bereiche jedoch ständig miteinander konfrontiert, wobei die Frauen diskriminiert werden. Darunter verstehe ich die unterschiedliche und ungerechte Behandlung von Frauen gegenüber Männern. Diskriminierungen umfassen alle sozialen Vorurteile, Verhaltensweisen und Maßnahmen in Wort und Tat, die geeignet sind, Frauen herabzusetzen oder auszugrenzen. Diese Diskriminierungen sind zu verstehen als Folge einer männlich-kapitalistisch strukturierten Gesellschaft, deren Ursache in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung liegen. Diskriminierungen wirken auf Frauen wie bewußte und unbewußte Strategien zur Stabilisierung dieser Gesellschaftsordnung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vier Aspekte der verbalen Kommunikation
2.1 Die Information
2.2 Der Appell
2.3 Die Selbstdarstellung
2.4 Das Beziehungsgeschehen
3. Geschlechtsspezifische Gesprächsrituale
3.1 Das Entschuldigen
3.2 Kritik verteilen
3.3 Sich bedanken
3.4 Rituelles Streiten
3.5 Stellungsnahme der Mitarbeiter einholen
3.6 Der Small talk
3.7 Der Lob
3.8 Klagen als Solidarität
3.9 Der Humor
4. Geschlechtsspezifische Kommunikation in Besprechungen
4.1 Entscheidungsprozeß in Besprechungen
4.2 Leitung einer Besprechung
4.3 Wiederholungen
4.4 Sich Gehör verschaffen
5. Einstellungen und Beförderungen und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede
5.1 Einstellungsgespräche
5.2 Beförderungen
5.2.1 Gehaltsverhandlungen
5.2.2 Anerkennung versus Leistung
5.5.3 Die Arbeit und sich selbst präsentieren
5.5.4 Reden über die eigenen Leistungen
6. Die spezifische Situation von Frauen in Führungspositionen
6.1 Das Bild der Autorität
6.2 Autorität aushandeln
6.3 Autorität herunterspielen
6.4 Das Dilemma
6.5 Der Führungsstil
7. Kritische Gesamtwürdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der innerbetrieblichen verbalen Kommunikation und deren Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg von Frauen und Männern sowie auf die Unternehmensorganisation. Ziel ist es, durch die Analyse von Gesprächsritualen und Kommunikationsstilen aufzuzeigen, wie unterschiedliche Sprechweisen zu Diskriminierungen führen können.
- Analyse der vier Aspekte verbaler Kommunikation (Information, Appell, Selbstdarstellung, Beziehungsgeschehen).
- Untersuchung geschlechtsspezifischer Gesprächsrituale wie Entschuldigungen, Kritik und rituelles Streiten.
- Betrachtung von Kommunikationsdynamiken in Besprechungen und deren Einfluss auf Entscheidungsprozesse.
- Zusammenhang zwischen Selbstdarstellung, Einstellungsgesprächen und Beförderungschancen.
- Die spezifische Situation von Frauen in Führungspositionen und das damit verbundene Spannungsfeld zwischen Autorität und geschlechtsspezifischer Erwartungshaltung.
Auszug aus dem Buch
3.4 Rituelles Streiten
Ein unter Männern verbreitetes Ritual, das von Frauen oft wörtlich genommen wird, ist der rituelle Streit, der mit Streit im wörtlichen Sinn nichts zu tun hat. Jeder Redner vertritt eine bestimmte Position und versucht alle möglichen Argumente für diesen Standpunkt zu sammeln, während er gleichzeitig mit allen Tricks die Argumente der anderen Seite zu entkräften und anzugreifen versucht. Der Sprecher tut dies unabhängig von seinen persönlichen Überzeugungen und unabhängig von seiner Fähigkeit, die Position der anderen Seite zu verstehen.
Frauen gehen seltener in rituelle Opposition. Sie haben eher eine Abneigung dagegen, weil sie den rituellen Charakter der verbalen Opposition nicht erkennen. Sie empfinden solche Herausforderungen oft als persönliche Angriffe und zweifeln dabei an ihrem Wissen. Wenn Frauen ihre Ansichten äußern, greifen Sie zu vorsichtigen Formulierungen, um potentielle Angriffe von vornherein abzuwehren, was ihre Argumente jedoch geschwächt und geringfügig darstellt. Ironischerweise provozieren Frauen mit diesem Verhalten mehr Angriffe von oppositionellen Kollegen als durch eine kämpferische Haltung.
Unternehmen legen mehr oder weniger Wert auf verbale Opposition und Streitgespräche. Jedoch gibt es in jedem Unternehmen Personen, die zum oppositionellen Stil neigen. Für Mitarbeiter, die einen anderen Stil haben, wird es immer schwierig sein ihre besten Leistungen zu zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes der innerbetrieblichen Kommunikation und der Relevanz geschlechtsspezifischer Unterschiede im Kontext einer männlich geprägten Gesellschaft.
2. Vier Aspekte der verbalen Kommunikation: Definition der Grundlagen der Kommunikation unterteilt in Information, Appell, Selbstdarstellung und Beziehungsgeschehen.
3. Geschlechtsspezifische Gesprächsrituale: Analyse verschiedener Kommunikationsformen wie Entschuldigen, Small Talk und Humor, die bei Frauen und Männern unterschiedlich genutzt und interpretiert werden.
4. Geschlechtsspezifische Kommunikation in Besprechungen: Untersuchung der Dynamiken in Meetings, insbesondere wie Entscheidungsprozesse und das Erlangen von Gehör durch unterschiedliche Gesprächsstile beeinflusst werden.
5. Einstellungen und Beförderungen und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede: Erörterung der Auswirkungen von Selbstdarstellung und Verhandlungsgeschick auf Karriereschritte wie Einstellungen und Beförderungen.
6. Die spezifische Situation von Frauen in Führungspositionen: Analyse des Spannungsfeldes von Autorität und Weiblichkeit sowie der Herausforderungen durch gesellschaftliche Erwartungshaltungen.
7. Kritische Gesamtwürdigung: Fazit über die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kommunikation zu erkennen, um ein besseres Verständnis und einen reibungsloseren Arbeitsalltag zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Innerbetriebliche Kommunikation, Verbale Kommunikation, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Gesprächsrituale, Führungspositionen, Frauenerwerbstätigkeit, Diskriminierung, Besprechungen, Selbstdarstellung, Autorität, Arbeitsalltag, Kommunikationsstile, Feedback, Beförderungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der verbalen Kommunikation in Unternehmen unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Kommunikationsrituale, die Dynamik in Besprechungen, die Rolle der Selbstdarstellung bei Beförderungen sowie die besonderen Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedlich Frauen und Männer kommunizieren und wie diese Unterschiede zu Diskriminierungen im Arbeitsumfeld führen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse basierend auf fachspezifischer Literatur zur Kommunikationspsychologie, um die Arbeitswelt aus einer geschlechterkritischen Perspektive zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Gesprächsrituale, das Verhalten in Besprechungen, Einflüsse auf Einstellungen und Beförderungen sowie die Problematik von Frauen in Führungspositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie geschlechtsspezifische Kommunikation, Diskriminierung, Gesprächsrituale und Führungskultur charakterisiert.
Warum haben Frauen in Besprechungen oft Nachteile?
Aufgrund ihrer Sozialisation wählen Frauen häufig eine eher kooperative Sprache, während in männlich dominierten Besprechungskulturen oft ein durchsetzungsstarker, konfrontativer Stil als kompetenter bewertet wird.
Was bedeutet das "Double-bind" für Frauen in Führungspositionen?
Es beschreibt die Kommunikationsfalle, in der Frauen sich befinden: Zeigen sie sich autoritär, gelten sie als unweiblich und unbeliebt; verhalten sie sich den gesellschaftlichen Erwartungen gemäß höflich, wird ihre Kompetenz und Autorität in Frage gestellt.
- Citation du texte
- Petra Pardun (Auteur), 1995, Die innerbetriebliche verbale Kommunikation und ihre geschlechtsspezifischen Unterschiede, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11965