Die Verspottung in der aristophanischen Komödie am Beispiel von Kleon


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund
2.1. Die Gattung der alten Komödie
2.2. Der Peloponnesische Krieg

3. Komödie der Aristophanes
3.1. Aristophanes
3.2. Die Ritter
3.2.1. Handlungsverlauf
3.2.2 Der Paphlagonier
3.2.3. Pylos
3.2.4. Bereicherung und Bestechlichkeit

4. Der Politiker Kleon

5. Funktion der Verspottung
a) Private Feindschaft zwischen Kleon und Aristophanes
b) Politische Gegensätze zwischen Aristophanes und Kleon
c. Kleons Rolle als führender Demagoge

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer einmal die Komödien der Aristophanes gelesen hat, wird schnell merken, dass sie für sich genommen, als reine Kunstwerke, nur schwer verständlich sind. Zu zahlreich sind die zeitgebundenen Anspielungen und zu fremd erscheint die in den Stücken geschilderte Lebenswelt. Was aus aufführungstechnischer Sicht bedauernswert sein mag, macht die Komödie aber gerade für Historiker besonders interessant. So kam schon in den 40er Jahren Victor Ehrenberg auf die Idee, auf der Grundlage der Komödien des Aristophanes eine sozialgeschichtliche Arbeit über die athenische Gesellschaft des 5. Jahrhunderts zu schreiben. Gerade weil die Komödie nicht wie die Tragödie den Mythos, sondern auf dem Alltagsleben der Bürger in Athen aufbaut, schien sie ihm für eine solche Arbeit besonders geeignet.

Von Aristophanes waren 40 Stücke bekannt. Jedoch sind nur elf Werke des Dichters erhalten geblieben, die ziemlich genau datiert werden können. Von den restlichen existieren nur noch Fragmente.

Fast alle der aristophanischen Komödien entstanden während der Zeit des Peloponnesischen Krieges, der oft auch Thema und Mittelpunkt der Werke war. A. hat das Landvolk, seine Nöte und Friedenssüchte mit sichtlicher Anteilnahme und bewundernswerter Sicherheit und Lebendigkeit oft geschildert. Die Komödien des A. haben in der gegenwärtigen Forschung im Bereich des sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Griechen einen hohen Stellenwert als auch einen besonderen Wert als historische Quelle. Jedoch muss man dazu sagen, dass zu den auffallenden Merkmalen der Komödien von A. der persönliche Spott zählt. Und der Komödienspott wird von A. als ein Medium der Auseinandersetzung in der athenischen Gesellschaft. Die Begebenheiten des Sozial- und Wirtschaftslebens dienen ausschließlich als Folie und haben keinen anderen Zweck als Atmosphäre zu schaffen. Es müssen dabei alle nur möglichen Fehlerquellen in Betracht gezogen werden, sowie komische Übertreibungen und Verdrehungen, unwahrscheinliche und unmögliche Vorkommnisse, typische Figuren und Situationen. Aber auch dann liefert uns die Komödie noch ausgezeichnetes Tatsachenmaterial, vor allem aus dem Bereich der allgemeinen Lebensbedingungen, die ja den Hintergrund der komischen Handlung bilden, einen gewissen Hintergrund, der für den Dichter und sein Publikum selbstverständlich war. Es handelt sich für uns also um etwas ganz anderes als um einen Versuch, aus der Komödie neue Aufschlüsse über politische Ereignisse oder Zustände zu gewinnen. Außerdem ist es falsch in dem Komödiendichter A. einen Mann zu sehen, der feste politische Ansichten verkünden möchte. Denn allein schon die Tatsache, ein Verfasser von Komödien zu sein, den Dichter zwang, sich gegen die Regierung zu stellen. A. schrieb jedoch nicht gegen die Demokratie.

Die Fragen nach dem Sinn und der Funktion des Personenspotts in der Alten Komödie sind zwar bereits seit jeher Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, dennoch sind die Positionen in der Komödienforschung immer noch sehr kontrovers. Dabei führt die Vielzahl der unterschiedlichen Meinungen und Interpretationsmöglichkeiten der Aristophanischen Komödien letztendlich zu keiner einheitlichen Antwort. Die Fragen nach dem Aussagewert dieser Gattung über die athenische Gesellschaft und vor allem nach dem Wesen und der Funktion der persönlichen Verspottung von prominenten Athenern ist immer wieder Thema der altertümlichen Forschung.

Neuerdings schwankt man in der Deutung des eigentlichen Wesens der Komödie zwischen zwei Extremen: auf der einen Seite scheint der Komödiendichter als bloßer Spaßmacher, auf der anderen Seite als ernsthafter Erzieher und kritischer Moralist. Vieles spricht aber für die Ansicht, dass er kein Politiker war, sondern ein Dramatiker, ein Künstler. Jedoch ist wichtiger danach zu fragen, nicht in wieweit wir die Komödie ernst zu nehmen haben, sondern viel mehr wie weit sie die Wirklichkeit spiegelt? Und die Wirklichkeit meint hier im Wesentlichen das Volk, also wirkliches Leben des Volkes. Und die Komödie schildert hier am besten die soziale und wirtschaftliche Wirklichkeit.

Als politischer Faktor wird der Demos in der Komödie im Allgemeinen verspottet, er erscheint mehr oder weniger unwirklich und phantastisch. Das Volk, das in Wirklichkeit durch die Komödie spricht, das sind die Leute, die auf der Bühne stehen und die in den Rängen sitzen. Wir können in der Komödie ebenfalls die Stimme des Volkes hören. Hier ist die Wirklichkeit des Volkes nicht verschwunden, wie in der Distanz bei Thukydides.

Ich möchte mich bei dieser Untersuchung auf die aristophanischen Komödie „Die Ritter“ beschränken. Dieses Stück zeichnet sich wie kein anderes dadurch aus, den persönlichen Spott als zentrales, handlungstragendes Thema in sich zu tragen. Als Zielscheibe des beißenden Spotts gilt in Ritter der allgemein bekannte, athenischer Politiker Kleon. Durch die Auswertung der Sekundärliteratur und der Unterlegung der Veranschaulichung mit den jeweiligen Textpassagen aus dem Stück soll Aufschluss und möglicherweise neue Sichtweisen aus Aristophanes und seine Komödienfigur Kleon gegeben werden.

Um eine Vergleichsmöglichkeit zwischen Dichtung und Realität zu ermöglichen, soll nach der Darstellung des Kleons in den Rittern auch die reale Person des athenischen Strategen vorgestellt werden. Der direkte Vergleich gibt Auskunft über den Aussagewert der Verspottung und möglicherweise das angestrebte Ziel des Dichters.

Doch zunächst geht es darum, die politisch-kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorzustellen, innerhalb derer die Komödien des Aristophanes entstanden sind.

2. Historischer Hintergrund

Im folgenden Kapitel geht es darum eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte der Alten Komödie zu geben.

Der Kontext, indem eine Gattung sich entwickelt hat, erweist sich als hilfreich bei der Interpretation und der Suche nach der möglichen Funktion dieser Art von Meinungsäußerung.

Um die Spitze aristophanischen Kritik an seinen Zeitgenossen richtig verstehen und deuten zu können, bedarf es außerdem eines kurzen Vorstellens des geschichtlich-politischen Hintergrundes. Da Krieg und Frieden in den Komödien von Aristophanes oft thematisiert werden, wird auch ein kurzer Überblick über den Peloponnesischen Krieg gegeben.

2.1. Die Gattung der alten Komödie

Über die Entstehungsgeschichte der Gattung „Alte Komödie“ gibt es keine einheitliche Meinung. Es gibt jedoch eine plausible Theorie, welche die Etymologie der attischen Komödie „aus einer Verbindung der volkstümlichen dor. (dor.?) Posse mit dem vom Phallos geprägten komoi entstanden“[1] sieht.

Unter den komoi versteht man die seit dem frühen 7. Jahrhundert auf Vasen dargestellte Umzüge von Tänzern in Trikots und Tierkostümen, die mit Gesängen herum zogen und die Zuschauer mit Gesängen neckten. Diese Umzüge stehen in Verbindung mit den beiden Festen Dionysien und Lenäen, welche zu Ehren des Wein -, und Fruchtbarkeitsgottes Dionysos gefeiert wurden. Zum festen Programm dieser Feierlichkeiten gehörten Wettkämpfe (Agon) sowohl sportlicher als auch kultureller Art. So wetteiferten neben den Tragödien-, auch Komödiendichter wie Aristophanes im Agon der Dichter mit allen Mitteln der Komik um die Gunst der Zuschauer und somit um den Sieg.

Die Bühnenstücke wurden allein für solche Wettkämpfe geschrieben und wurden dem aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehen in Athen angepasst. Nur in den seltensten Fällen wurden die Komödien ein weiteres Mal aufgeführt.

Die ausschließlich männlichen Komödiendarsteller trugen neben den Charaktermasken auch ein enganliegendes Trikots mit ausgestopften Bauch und Hinterpartien und waren mit einem überdimensionalen ledernen Phallus geschmückt. Diese überaus markante Kostümierung passte gut zum allgemein derben Charakter der alten Komödie, deren Späße viel mit Sex und Körperausscheidungen zu tun hatten und sich einer sehr unverblümten Sprache bedienten.

[...]


[1] Nesselrath 1999, S.693.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Verspottung in der aristophanischen Komödie am Beispiel von Kleon
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Thukydides und der Peloponnesische Krieg
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V119858
ISBN (eBook)
9783640239375
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verspottung, Komödie, Beispiel, Kleon, Alte, Geschichte
Arbeit zitieren
Natalie Dillmann (Autor), 2006, Die Verspottung in der aristophanischen Komödie am Beispiel von Kleon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119858

Kommentare

  • Gast am 17.1.2011

    Viele Rechtschreibfehler, außerdem Sätze wie: "Bei Thukydides ergibst sich ein Bild des militärisch kompetenten und durchaus tapferen
    Kleon" sind vollkommen falsch. Thukydides will aufzeigen, dass Kleon reines Glück auf Sphakteria hatte und Kleon eben nicht tapfer in den Krieg zog, sondern vom athenischen Volk dazu getrieben wurde! Viele kleine Fehler in der Arbeit und die gewählten Abkürzungen finde ich auch nicht akzeptabel.

  • Gast am 17.1.2011

    Um den Text nicht allzu schlecht dastehen zu lassen: Das Ende - die Funktion der Verspottung - finde ich sehr gelungen. Vieles um Kleon und den Rittern hast du angerissen, als Einstieg finde ich den Text gut, aber vielleicht hättest du dich mehr fokossieren sollen.

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