Als politischer Faktor wird der Demos in der Komödie im Allgemeinen verspottet, er erscheint mehr oder weniger unwirklich und phantastisch. Das Volk, das in Wirklichkeit durch die Komödie spricht, das sind die Leute, die auf der Bühne stehen und die in den Rängen sitzen. Wir können in der Komödie ebenfalls die Stimme des Volkes hören. Hier ist die Wirklichkeit des Volkes nicht verschwunden, wie in der Distanz bei Thukydides.
Ich möchte mich bei dieser Untersuchung auf die aristophanischen Komödie „Die Ritter“ beschränken. Dieses Stück zeichnet sich wie kein anderes dadurch aus, den persönlichen Spott als zentrales, handlungstragendes Thema in sich zu tragen. Als Zielscheibe des beißenden Spotts gilt in Ritter der allgemein bekannte, athenischer Politiker Kleon. Durch die Auswertung der Sekundärliteratur und der Unterlegung der Veranschaulichung mit den jeweiligen Textpassagen aus dem Stück soll Aufschluss und möglicherweise neue Sichtweisen aus Aristophanes und seine Komödienfigur Kleon gegeben werden.
Um eine Vergleichsmöglichkeit zwischen Dichtung und Realität zu ermöglichen, soll nach der Darstellung des Kleons in den Rittern auch die reale Person des athenischen Strategen vorgestellt werden. Der direkte Vergleich gibt Auskunft über den Aussagewert der Verspottung und möglicherweise das angestrebte Ziel des Dichters.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
2.1. Die Gattung der alten Komödie
2.2. Der Peloponnesische Krieg
3. Komödie der Aristophanes
3.1. Aristophanes
3.2. Die Ritter
3.2.1. Handlungsverlauf
3.2.2 Der Paphlagonier
3.2.3. Pylos
3.2.4. Bereicherung und Bestechlichkeit
4. Der Politiker Kleon
5. Funktion der Verspottung
a) Private Feindschaft zwischen Kleon und Aristophanes
b) Politische Gegensätze zwischen Aristophanes und Kleon
c. Kleons Rolle als führender Demagoge
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion der persönlichen Verspottung prominenter athenischer Politiker im Werk des Aristophanes, wobei der Fokus exemplarisch auf der Komödie „Die Ritter“ und der dortigen Darstellung des Strategen Kleon liegt. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Dichtung und politischer Realität zu analysieren und zu klären, ob der Spott ein rein persönliches Motiv hatte oder als Instrument der politischen Meinungsbildung fungierte.
- Die Entwicklung und soziale Funktion der „Alten Komödie“ in Athen.
- Die Rolle des Peloponnesischen Krieges als Hintergrund aristophanischer Werke.
- Strukturelle Analyse der Komödie „Die Ritter“ und ihrer zentralen Karikatur Kleons.
- Vergleich der literarischen Darstellung Kleons mit dessen historisch überliefertem Wirken als Staatsmann.
- Die Funktion des Spotts als Medium der politischen Auseinandersetzung und Identitätsstiftung.
Auszug aus dem Buch
3.2.4. Bereicherung und Bestechlichkeit
Der Vorwurf der Bestechlichkeit in den Reihen der politischen Führung ist ein sehr beliebtes und häufig verwendetes Motiv des Spotts, und gehört nicht nur bei Aristophanes zum Standartrepertoire. So zieht sich auch in den Rittern dieser Vorwurf der Bereicherung im Amt durch das gesamte Stück. Kleon wird vorgeworfen, seine Macht für seine eigenen Zwecke auszunutzen (v. 75-80):
Ja, wenn`s der Paphlagonier nicht merkte!
Der sieht dir alles! Denn er steht in Pylos
Mit einem Fuß, den anderen in der Pnyx;
Und, spreizt er so allmächtig aus die Beine,
Ist höchst sein Hintrer über Steißlingen,
Die Hand in Stehlenau, sein Herz in Habsburg!
Der Paphlagonier gibt sich auch keine große Mühe, seine unkonventionellen Methoden Geld einzutreiben zu verbergen. Ganz im Gegenteil, er prahlt damit, als Mitglied des Rates die Kassen des Herrn Demos, und damit die des Staates, auf Kosten der reichen Athener gefüllt zu haben (v. 744-745):
Ich, der dir von Anfang zum Besten nur riet und Geld in
die Kassen die Fülle
Dir beliefert, indem ich die einen beschwatzt, die andern
geängstigt, gefoltert,
Das ist ein Teil der Taktik, wie der Paphlagonier versucht, seinen Herrn Demos zu beeindrucken, ihn auszutricksen und seine Gunst zu gewinnen.
Zwar gibt der Paphlagonier vor, allen im Dienst und für das Wohl des Demos gehandelt zu haben, doch die Beschuldigung der Machenschaften (Habgier und Bestechung) hängen ihm auch im weiteren Verlauf des Stückes nach (v.831-836):
Was sprudelst du so mit den Rudern im Sumpf?
So abscheulich wie du hat am Volk von Athen
Sich noch keiner versündigt; Belege sind da,
Und, so wahr ich leb`, ich beweise es dir gleich,
Daß mir vierzig Minen und mehr du dich ließt
Von den Mytilenäern bestechen!
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der aristophanischen Komödien als historische Quelle und Darlegung der Zielsetzung der Untersuchung.
2. Historischer Hintergrund: Überblick über die Entstehungsgeschichte der Alten Komödie und die Bedeutung des Peloponnesischen Krieges für das attische Lebensumfeld.
3. Komödie der Aristophanes: Detaillierte Betrachtung des Dichters Aristophanes sowie eine inhaltliche Analyse des Stücks „Die Ritter“ unter Berücksichtigung von Kleon.
4. Der Politiker Kleon: Darstellung der historischen Person Kleon als Demagoge und Vertreter der Kriegspartei im Kontext der thukydideischen Überlieferung.
5. Funktion der Verspottung: Untersuchung der Motive für den Spott, unterteilt in private Feindschaft, politische Gegensätze und die Rolle Kleons als führender Demagoge.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der politischen Ausrichtung des Aristophanes und der Funktion der komischen Verspottung.
Schlüsselwörter
Aristophanes, Die Ritter, Kleon, Alte Komödie, Peloponnesischer Krieg, Verspottung, Demos, Demagoge, Athen, politische Satire, Pylos, Gesellschaftskritik, Komödiendichter, Antike, Staatsführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Aristophanes den Politiker Kleon in seiner Komödie „Die Ritter“ verspottet und welche tieferen Funktionen diese satirische Darstellung für das athenische Publikum und die Gesellschaft hatte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die soziale und politische Rolle der Komödie im antiken Athen, das Wirken von Kleon als Demagoge sowie die Analyse von literarischem Spott als Mittel zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, inwiefern der Spott gegen Kleon in den „Rittern“ gezielte politische Kritik darstellte oder eher durch den Wunsch des Dichters motiviert war, das Publikum durch Zerrbilder der Realität zu unterhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Auswertung relevanter Sekundärliteratur in Kombination mit einer philologischen Analyse ausgewählter Textpassagen aus „Die Ritter“ und einem Vergleich mit historischen Fakten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Kontextes, eine detaillierte Inhaltsanalyse der Komödie „Die Ritter“ mit Fokus auf die Kleon-Figur und eine dreigliedrige Analyse der Ursachen für die Verspottung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Aristophanes, Die Ritter, Kleon, Alte Komödie, Demagoge und das Verhältnis von Politik und Satire im antiken Athen.
Warum wird Kleon in der Komödie nicht beim Namen genannt?
Die Arbeit erläutert, dass die Verwendung des Decknamens „Paphlagonier“ ein Stilmittel der Karikatur ist, um Kleon durch die Assoziation mit einem „barbarischen“ und unangenehmen Charakter in seiner politischen Rolle herabzusetzen.
Welche Rolle spielte der Peloponnesische Krieg für die Komödien des Aristophanes?
Der Krieg bildete den prägenden Hintergrund und oft den Mittelpunkt der Werke, da die Nöte und Friedenssehnsüchte des Volkes unter den Folgen des Konflikts direkt die Themen der Stücke beeinflussten.
War Aristophanes ein politischer Parteimann?
Basierend auf der Analyse und dem Zitat von Viktor Ehrenberg kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Aristophanes kein „Parteimann“ war, sondern als Dramatiker die Regierung aus der Natur der politischen Komödie heraus kritisierte.
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- Natalie Dillmann (Author), 2006, Die Verspottung in der aristophanischen Komödie am Beispiel von Kleon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119858