Der gewaltsame Tod Albrechts von Wallenstein am 25. Februar 1634 zählt in vielerlei Hinsicht zu den bedeutendsten Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges. Einerseits erregten die Vorkommnisse in der böhmischen Grenzstadt Eger sowohl auf katholischer als auch auf protestantischer Seite bereits zeitgenössisch große Aufmerksamkeit und führten zu einer scharfen publizistischen Kontroverse. Andererseits wurde die Wallenstein-Frage seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem der beherrschenden Themen in der deutschsprachigen Historiographie. Worin diese Bedeutung genau liegt ist dabei in der Forschung umstritten, zumal in der Beantwortung dieser Frage oftmals bereits eine Stellungnahme in Hinblick auf die weiterreichende Frage nach der Schuld Wallensteins bzw. nach der Richtigkeit des kaiserlichen Vorgehens gegen ihn liegt. [...] Im Rahmen dieser Hausarbeit wird darauf aufbauend untersucht werden, wie in der Geschichtsforschung die Frage nach der Schuld des Generalissimus zu unterschiedlichen Zeiten beantwortet wurde. Welche Bedeutung wurde entscheidenden Faktoren wie den Göllersdorfer Abmachungen oder dem 1. Pilsener Revers zugemessen? Eine zweite Leitfrage soll die nach der rechtshistorischen Legitimität des kaiserlichen Vorgehens sein. Dabei ist grundsätzlich fraglich, wie dieses juristisch überhaupt zu klassifizieren ist. Während in der Forschung immer wieder von einem in Wien abgehaltenen Geheimprozess gegen den Herzog gesprochen wird , wendet etwa Christoph Kampmann dagegen ein, dass von einem solchen Untersuchungsverfahren nicht gesprochen werden könne. Anders formuliert: inwieweit ist der Fall Wallenstein überhaupt als politischer (Straf-) Prozess einzustufen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wallenstein – Aufstieg und erste Entlassung 1630
3. Das 2. Generalat
3.1 Die Göllersdorfer Abmachungen
3.2 Konfliktpunkt Kaiser – Wallenstein 1632/1633
4. Der Weg nach Eger (1634)
4.1 Der 1. Pilsener Revers
4.2 Die kaiserliche Reaktion – Das 1. und 2. Absetzungspatent
4.3 Der 2. Pilsener Revers, Flucht und Tod Wallensteins
5. Das rechtliche Nachspiel
6. Die Frage nach der Schuld Wallensteins im Spiegel der Historiographie
7. Fazit und Ausblick
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und rechtliche Einordnung des Verfahrens gegen Albrecht von Wallenstein im Jahr 1634, wobei die zentrale Forschungsfrage die rechtshistorische Legitimität des kaiserlichen Vorgehens sowie die Analyse der Schuldfrage des Generalissimus im Kontext der zeitgenössischen Historiographie ist.
- Analyse der Göllersdorfer Abmachungen als Ausgangspunkt für die Machtfülle Wallensteins
- Untersuchung des 1. und 2. Pilsener Revers und deren Bedeutung für den Sturz Wallensteins
- Bewertung der kaiserlichen Vorgehensweise und der Rechtmäßigkeit der Ächtung
- Diskussion der historiographischen Interpretationen von Wallenstein als Verräter oder Friedensstifter
Auszug aus dem Buch
4.1 Der 1. Pilsener Revers
Wesentlich zur Beschleunigung der Ereignisse Anfang 1634 trug der so genannte 1. Pilsener Revers bei.50 Hintergrund dieses Schlusses war, dass Wallenstein in Anbetracht der Spannungen mit dem Kaiserhof ankündigte, sein Amt niederlegen zu wollen. Seine Generäle eilten daraufhin nach Pilsen, um den Generalissimus vom Gegenteil zu überzeugen, hauptsächlich da sie im Falle eines Rücktritts des Oberbefehlshabers um ihre Geldforderungen beim Kaiser fürchteten. Wallenstein ließ sich schließlich überreden, verlangte im Gegenzug aber einen schriftlichen Treueid seiner Offiziere.51 In dem daraufhin in der Nacht vom 11. auf den 12. Januar aufgesetzten und letztlich von insgesamt 42 der 49 anwesenden Offiziere (darunter auch einige der Anführer der späteren Verschwörung gegen Wallenstein im Heer, namentlich Piccolomini, Gordon und Butler) unterschriebenen Revers versicherte der Herzog trotz der schlechten Behandlung durch den Kaiser im Amt zu verbleiben.52 Zugleich verpflichteten sich die Generäle
„[…] anstadt eines corperlichen Aydts hiemit […], bey Hochgedachter Ihr Fürstl. Gn. [etc.] diesfalß erbar undt getreü zue halten, auf keinerlei weiß von deroselben unß zue separieren, zue trennen noch trennen zu laßen […] undt für dieselbe alles unßere bies den lezten Blutstropffen ungesbarter aufzuesezen, wie wir dan auch, im fahl einer oder der ander unßers mittelß diesem zuewieder handele unndt sich absondern wolte, sambtlich undt ein ieder innsonderheit den oder dieselbe wie treuloße, Aydts vergeßene Leuth zuverfolgen undt an deßen Haab undt Güethern, Leib undt Leben unß zurechnen schuldieg undt verbunden sein sollen undt wollen.“53
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Todes Wallensteins für den Dreißigjährigen Krieg dar und definiert die Leitfragen zur Schuld des Feldherrn sowie zur rechtlichen Legitimität des kaiserlichen Handelns.
2. Wallenstein – Aufstieg und erste Entlassung 1630: Hier werden der Lebensweg Wallensteins bis zu seiner ersten Absetzung auf dem Regensburger Kurfürstentag und die Umstände seines Aufstiegs zum Herzog von Friedland beleuchtet.
3. Das 2. Generalat: Das Kapitel behandelt die Wiederaufnahme Wallensteins in den kaiserlichen Dienst, die kontroversen Göllersdorfer Abmachungen und die zunehmenden Spannungen zwischen Kaiser und Generalissimus.
4. Der Weg nach Eger (1634): Dieses Kapitel detailliert den Prozess der Entfremdung, die Bedeutung der Pilsener Revers, das kaiserliche Vorgehen durch Absetzungspatente sowie die Flucht und Ermordung Wallensteins.
5. Das rechtliche Nachspiel: Hier wird untersucht, wie der Kaiserhof nach Wallensteins Tod versuchte, das Vorgehen juristisch durch die Konstruktion der "notorischen Reichsrebellion" zu rechtfertigen.
6. Die Frage nach der Schuld Wallensteins im Spiegel der Historiographie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Wandel der Bewertung Wallensteins in der Geschichtsschreibung, von der stilisierteren Rolle als idealistischer Friedensstifter bis zur modernen quellenkritischen Analyse.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont, dass eine abschließende Klärung der Schuldfrage aufgrund der unvollständigen Quellenlage kaum möglich ist.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur und Quellensammlungen.
Schlüsselwörter
Albrecht von Wallenstein, Dreißigjähriger Krieg, Kaiser Ferdinand II., Generalat, Göllersdorfer Abmachungen, Pilsener Revers, Reichsacht, Reichsrebellion, politische Strafjustiz, Eger, Verrat, Historiographie, Rechtsgeschichte, habsburgische Monarchie, Offiziersverschwörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den politischen und rechtlichen Untergang des kaiserlichen Generalissimus Albrecht von Wallenstein im Jahr 1634 und analysiert die Hintergründe sowie die spätere historische Bewertung dieses Ereignisses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die militärische und politische Machtstellung Wallensteins, die juristische Rechtfertigung seiner Absetzung durch den Kaiserhof sowie die historiographische Kontroverse um sein Handeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die rechtshistorische Legitimität des kaiserlichen Vorgehens gegen Wallenstein zu klären und die Frage nach der Schuld des Feldherrn unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Epochen der Geschichtsschreibung zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und historischer Quellen zur Wallenstein-Forschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Wallensteins Aufstieg und Entlassung, die Abmachungen von Göllersdorf, den Weg in die Katastrophe von Eger, das kaiserliche Vorgehen (Absetzungspatente) und die anschließende rechtliche Aufarbeitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Reichsacht, Verrat, Generalat, Rechtmäßigkeit, Friedensverhandlungen und die Historiographie des Dreißigjährigen Krieges.
Welche Bedeutung hatten die Göllersdorfer Abmachungen für die spätere Entwicklung?
Sie werden in der Forschung kontrovers diskutiert; einige Historiker sehen darin eine Ermächtigung zum Diktator, während andere sie als begrenzte militärische Absprachen interpretieren, die den Grundstein für das spätere Misstrauen bildeten.
Warum war das 1. Pilsener Revers für den Sturz Wallensteins so entscheidend?
Der Revers diente dem Kaiser als Beweis für eine konspirative Gruppierung im Offizierskorps, was die rechtliche Grundlage für die Ächtung Wallensteins als "notorischen Reichsrebellen" lieferte.
Wie bewertet die moderne Forschung die "Schuld" Wallensteins?
Der aktuelle Forschungsstand weist die These eines geplanten Hochverrats weitgehend zurück und betont stattdessen, dass Wallensteins Friedensbemühungen ehrlich gemeint waren und der Kaiserhof das "Verrats-Narrativ" gezielt politisch instrumentalisierte.
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- Florian Greiner (Autor), 2006, Das Verfahren gegen Albrecht von Wallenstein (1634), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119928