Lawrence Kohlberg, US-amerikanischer Psychologe und Professor für Erziehungswissenschaften, war, so kann man zu Beginn einmal festhalten, neben Baldwin, Mead, McDougall, Hobhouse und Piaget ein wichtiger Vertreter einer entwicklungsbezogenen Herangehensweise an die Moralpsychologie und hat mit seiner Theorie moralischen Urteilens entschieden zu der Untersuchung der Moralentwicklung beigetragen.
Wer war Lawrence Kohlberg? Was hat er entwickelt bzw. was genau beinhaltet eigentlich seine Theorie? Und was hat es dabei mit den Dilemmata auf sich?
In meinen nun folgenden Ausführungen über die Entwicklungsstufen moralischen Denkens und Handelns werde ich unter anderem anhand dieser Fragestellungen die Theorie Kohlbergs, welche auf einem Stufenmodell moralischen Urteilens basiert, das jeder Mensch im Laufe seines Lebens durchlaufen muss, erläutern.
Da diese Arbeit auf einem von mir bereits gehaltenen Referat zu demselben Thema beruht, werde ich ähnlich dem Aufbau des Referates verfahren und mit seiner Biografie beginnen, damit man zuerst einmal einen Eindruck über das Leben und den Lebensweg Lawrence Kohlbergs bekommen kann.
Anschließend werde ich kurz unter dem Punkt `Einordnung in die Theorielandschaft´ seine eigenen Einflüsse und Wertvorstellungen erläutern, die seine Denkweise und mithin seine Theorie geprägt haben, bevor es dann darum gehen wird, seine Stufentheorie vorzustellen, d.h. sein Stufenmodell und dessen charakteristische Eigenschaften und Merkmale. Dabei wird unter anderem auch der Einfluss verschiedener anderer Faktoren eine Rolle spielen, die die moralische Entwicklung nach Kohlberg begünstigen.
Zum Abschluss werde ich dann noch auf die Bedeutung der Dilemmata Kohlbergs in Bezug auf seine Theorie eingehen und anhand einiger Beispiele verdeutlichen, wie man sich die Struktur des Modells von Kohlberg konkret vorzustellen hat. Dabei wird auch sein berühmtes Heinz-Dilemma maßgeblich sein, welches ich kurz erläutern werde.
Bevor ich nun im Einzelnen auf die genannten Aspekte eingehen werde, kann man schon einmal festhalten, dass Kohlberg mit seiner Theorie den Versuch unternommen hat, die moralische Entwicklung im Menschen darzustellen und zu begründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Biografie
3. Stufentheorie
3.1 Einordnung in die Theorielandschaft
3.2 Stufenmodell
3.3 Merkmale und Besonderheiten
4. Dilemmageschichten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, Lawrence Kohlbergs Theorie der moralischen Entwicklung, welche auf einem Stufenmodell des moralischen Urteilens aufbaut, detailliert darzustellen und zu erläutern. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich das moralische Denken und Handeln im Laufe eines menschlichen Lebens entwickelt, welche psychologischen Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie diese Entwicklung mittels hypothetischer Dilemmata wissenschaftlich untersuchbar wird.
- Biografische Hintergründe von Lawrence Kohlberg
- Theoretische Einordnung im Kontext von Piaget und Dewey
- Detaillierte Analyse des Sechs-Stufen-Modells der Moralentwicklung
- Bedeutung von Dilemmageschichten wie dem „Heinz-Dilemma“ für die moralische Urteilsbildung
- Einflussfaktoren wie Rollenübernahme und soziale Interaktion
Auszug aus dem Buch
3.3 Merkmale und Besonderheiten
Das Ziel moralischer Entwicklung ist nach Kohlberg insofern eine Moral der universellen Gerechtigkeit. Mit seinem Stufenmodell liegt hierbei ein Versuch der Begründung von Moralität, allerdings unter idealen sozialen Bedingungen vor, anhand derer er die Entwicklung jedes einzelnen festzulegen versuchte. Seine kulturvergleichende Forschung zeigte dabei auf, dass sich der Gerechtigkeitssinn in verschiedenen Kulturen etwa gleichartig mit dem Alter dahingehend entwickele, „daß die Bedürfnisse und Gefühle anderer Menschen zunehmend mehr Beachtung finden und komplexere Vorstellungen von Reziprozität und Gleichheit erkennbar werden“ und gleichzeitig unter anderem die Achtung vor der Autorität und vor den Regeln der Erwachsenengesellschaft unter Beachtung der Prinzipien Gleichheit, Gleichbehandlung und Eingehen auf menschliche Bedürfnisse verstärkt werden.
Insofern weisen die Stufen Kohlbergs eine beständige Struktur auf, die einer konsistenten Entwicklung moralischen Urteilens der Individuen entspricht. Jedes Individuum muss die einzelnen Stufen durchlaufen, jeder in seinem Tempo. Des Weiteren bilden die Stufen eine „invariante Sequenz“. Die Bewegung geht demnach immer vorwärts zur nächstfolgenden Stufe, nie rückwärts. Gleichzeitig kann keine Stufe übersprungen werden. Die Stufen ähneln insofern einer Leiter, bei der man jede Stufe besteigen bzw. erklimmen muss, um höher zu kommen.
Das heißt aber nicht, dass man nur gemäß seinem derzeitigen Entwicklungsstand urteilen kann. Denken auf einer höheren Stufe schließt Denkelemente der niedrigeren Stufen mit ein, auch wenn man betonen muss, dass die Individuen die höchste verfügbare Stufe bevorzugen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Bedeutung von Lawrence Kohlberg als Vertreter der Moralpsychologie und umreißt den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Biografie: Es wird der Lebensweg von Lawrence Kohlberg nachgezeichnet, wobei Einflüsse seiner Ausbildung und prägende Ereignisse während seines Wirkens an der University of Chicago und Harvard University beleuchtet werden.
3. Stufentheorie: Dieses zentrale Kapitel ordnet Kohlbergs Ansatz in die Theorielandschaft ein, erläutert das komplexe Stufenmodell moralischer Entwicklung in seinen Ebenen und definiert die wesentlichen Merkmale der invarianten Stufenabfolge.
4. Dilemmageschichten: Hier wird die Funktion von Dilemmata wie dem „Heinz-Dilemma“ analysiert, um aufzuzeigen, wie sie als Instrument zur Messung und Förderung moralischer Urteilsstrukturen dienen.
Schlüsselwörter
Lawrence Kohlberg, Moralentwicklung, Stufenmodell, moralisches Urteilen, Heinz-Dilemma, Rollenübernahme, Gerechtigkeit, präkonventionelle Ebene, konventionelle Ebene, postkonventionelle Ebene, Moralpsychologie, Sozialisation, Kognitive Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie der Moralentwicklung von Lawrence Kohlberg und analysiert sein bekanntes Stufenmodell moralischen Urteilens.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Biografie Kohlbergs, die theoretische Fundierung seines Modells, die Definition der einzelnen Stufen der Moralentwicklung sowie die Anwendung von Dilemmata in der Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Struktur der moralischen Entwicklung bei Menschen darzustellen und aufzuzeigen, durch welche Faktoren moralisches Urteilen beeinflusst und begründet wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet Kohlberg laut der Arbeit?
Kohlberg nutzt die Methode der hypothetischen Dilemmageschichten, um Befragte mit moralischen Konfliktsituationen zu konfrontieren und ihr begründetes Urteilsverhalten zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretische Einordnung in die Forschung von Piaget und Dewey sowie die detaillierte Ausarbeitung der sechs Entwicklungsstufen und deren Merkmale, wie die invariante Sequenz, behandelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Moralentwicklung, Stufenmodell, Gerechtigkeitsverständnis, Rollenübernahme und das Heinz-Dilemma.
Was unterscheidet die postkonventionelle Ebene von den vorangegangenen Ebenen?
Auf der postkonventionellen Ebene werden gesellschaftliche Normen erstmals als begründungsbedürftig angesehen und das Individuum orientiert sich an selbst gewählten ethischen Prinzipien statt an externer Autorität.
Warum ist die „Rollenübernahme“ für das Modell von entscheidender Bedeutung?
Die Rollenübernahme ist eine notwendige kognitive Fähigkeit, um die Perspektiven anderer einzunehmen, was eine Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung zu höheren moralischen Stufen darstellt.
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- Christina Busch (Author), 2008, Lawrence Kohlberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120034