„Es gibt etwas mehr erziehungswissenschaftliche Anteile, aber fast keine Aus-weitung der Praxis - angehende Lehrer verbringen während ihres gesamten Studiums nur zehn Wochen in der Schule.“
Das sagt Klaus Klemm, Erziehungswissenschaftler und Beirat der Kultusministerkonferenz zur Bildungsberichterstattung im Interview mit einer überregionalen Tageszeitung. Klemm spricht damit einen der seit etlichen Jahren geäußerten Hauptkritikpunkte an der in Deutschland durchgeführten Lehrerausbildung an. Es herrscht nach wie vor eine strikte Trennung zwischen theoretischer Studienphase und Praxiserwerb. Landesregierungen und Universitäten reagieren darauf zwar ständig, aber keine der bisher durchgeführten Reformen hat etwas Prinzipielles verändert. Dementsprechend lautet Klemms nüchterne Antwort auf die Frage, ob Lehrerinnen und Lehrer heute besser vorbereitet an die Schulen gehen würden als 1972: „Nein, eigentlich nicht.“
Diesem Ansatz folgend, wird diese Arbeit nun einen Blick auf die gängige Kri-tik an der Lehrerausbildung an den deutschen Universitäten werfen, den status quo beleuchten, Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen und innovative Aus-bildungsakzente vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Lehrerausbildungskritik im 20. Jahrhundert
3. Lehrerausbildung in der Kritik
3.1 Ansehen der Lehrerausbildung in der Universität
3.2 Kritik an der Ausbildungspraxis
3.3 Vielfältigkeit der Reformvorschläge
3.4 Eine Reform, der Reform Willen ?
4. Universitäre Ausbildungsinstitutionen und deren Zusammenarbeit
4.1 Fachwissenschaften
4.2 Fachdidaktik
4.3 Pädagogik
4.4 Zusammenarbeit
4.5 Fehlende Mitte des Studiums
4.6 Praktikum und Praxisbezug
5. Neue Akzente der Lehrerbildung
5.1 Aufbau neuer Routinen
5.2 Eine neue Lernkultur
5.3 Integration von Theorie und Praxis
5.4 Verstärkte Methoden- und Problemorientierung
6. Schluss
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende Kritik an der universitären Lehrerausbildung in Deutschland, beleuchtet den aktuellen Status quo und stellt innovative Ansätze zur Professionalisierung angehender Lehrkräfte vor. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Theorie-Praxis-Kluft durch den Aufbau neuer didaktischer Routinen und eine verbesserte Zusammenarbeit der Ausbildungsinstitutionen überwunden werden kann.
- Historische Entwicklung der Ausbildungskritik im 20. Jahrhundert
- Analyse der universitären Ausbildungsinstitutionen (Fachwissenschaften, Fachdidaktik, Pädagogik)
- Herausforderungen in der Kooperation und Praxisanbindung
- Strategien zur Förderung berufsrelevanter Schlüsselkompetenzen
- Implikationen für eine zukunftsorientierte Lernkultur
Auszug aus dem Buch
3.1 Ansehen der Lehrerausbildung in der Universität
Ungeachtet dessen, dass es einige Querverbindungen zum Image des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit gibt, ist unverkennbar, dass die Lehrerbildung in den Universitäten ebenfalls nicht hoch angesehen ist.
Besonders deutlich macht sich dies in den Fachwissenschaften, in denen generell die reine Wissenschaft angesehener ist als die angewandte und die Forschung angesehener ist als die Lehre. Dementsprechend gelten hier die Magister- und Diplomstudenten als wichtigere und attraktivere Adressatengruppe des Lehrangebots. Folglich ist der Stellenwert der Lehramtsstudiengänge eher gering. Eine Konsequenz daraus ist, dass die Lehramtsstudenten so eine Atmosphäre vorfinden, die ihre Berufswahl nicht bestätigt, die das Selbstgefühl nicht hebt, die der Studienmotivation nicht förderlich ist und die dem Aufbau einer Identifikation mit dem künftigen Beruf während der Studienzeit abträglich ist. Eine Untersuchung an Philologiestudenten bestätigt diese Entfremdung:
„Je länger also der zukünftige Lehrer studiert, desto mehr wird er einer seiner Berufsaufgaben entfremdet.“
Viele Studenten würden so im Laufe des Studiums in Richtung Fachwissenschaft umerzogen. Sofern ein Student sich dennoch bemühe, sein Studium mit Blick auf den künftigen Beruf zu gestalten, so wirke sich das im Hinblick auf ein erfolgreiches Abschneiden im Staatsexamen laut Möllers eher ungünstig aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen theoretischer Ausbildung und schulischer Praxis und steckt den Rahmen für die Untersuchung der universitären Lehrerbildung ab.
2. Entwicklung der Lehrerausbildungskritik im 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Kontext nach, in dem sich die Kritik an der Lehrerbildung von reinen Forderungen nach Praxisbezug hin zu einer umfassenden Systemkritik entwickelt hat.
3. Lehrerausbildung in der Kritik: Hier werden das geringe Ansehen der Lehrerausbildung im universitären Kontext sowie die generellen Mängel in der Ausbildungspraxis und der Reformansätze detailliert analysiert.
4. Universitäre Ausbildungsinstitutionen und deren Zusammenarbeit: Das Kapitel untersucht die Rollen von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Pädagogik sowie die Defizite in deren struktureller Kooperation und Praxisorientierung.
5. Neue Akzente der Lehrerbildung: Es werden konkrete Ansätze wie der Aufbau neuer Routinen, eine moderne Lernkultur und die Integration von Theorie und Praxis zur Verbesserung der Lehrerbildung vorgestellt.
6. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst die Notwendigkeit zusammen, die universitäre Ausbildung stärker am Berufsalltag auszurichten, um Lehrkräfte handlungssicherer auf ihre komplexe Tätigkeit vorzubereiten.
Schlüsselwörter
Lehrerausbildung, Universität, Schulpraxis, Reform, Fachdidaktik, Pädagogik, Berufsfeld, Kompetenzaufbau, Theorie-Praxis-Transfer, Lernkultur, Routinen, Lehrerbildungskritik, Hochschullehre, Professionalisierung, Referendariat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der anhaltenden Kritik an der Qualität und Ausrichtung der universitären Lehrerausbildung in Deutschland und untersucht, warum der Praxisbezug bisher nur unzureichend integriert werden konnte.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Ausbildungsinstitutionen (Fachwissenschaften, Fachdidaktik, Pädagogik), die historische Entwicklung der Reformdebatte sowie innovative Ansätze für eine praxisorientierte Didaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von Schwachstellen im aktuellen Ausbildungssystem und die Aufarbeitung von Reformstrategien, die zu einer besseren Identifikation und Vorbereitung angehender Lehrkräfte auf ihren Beruf führen sollen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Literaturarbeit, der Auswertung von Fachgutachten und empirischen Untersuchungen zur Lehrerausbildung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Bestandsaufnahme der universitären Institutionen, die Analyse der Zusammenarbeit zwischen diesen Bereichen und die Vorstellung neuer Akzente wie dem Aufbau didaktischer Routinen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Lehrerausbildung, Schulpraxis, Reformbedarf, didaktische Routinen, Theorie-Praxis-Integration und Professionalisierung.
Warum wird das Referendariat in dieser Arbeit nur am Rande erwähnt?
Der Fokus der Arbeit liegt explizit auf der ersten, universitären Phase der Lehrerbildung, da hier die grundlegenden Weichen für die spätere Identifikation mit dem Lehrerberuf gestellt werden.
Welche Rolle spielt die Fachwissenschaft in der aktuellen Kritik?
Die Fachwissenschaften werden kritisiert, da sie oft zu stark forschungsorientiert sind und den Aspekt der Lehrerbildung als nachrangig betrachten, was zu einer Entfremdung der Studenten von ihrem künftigen Berufsfeld führen kann.
Was ist mit dem „Aufbau neuer Routinen“ gemeint?
Damit ist die Notwendigkeit gemeint, angehenden Lehrern nicht nur theoretisches Fachwissen, sondern handlungspraktische Kompetenzen und methodische Sicherheitsroutinen zu vermitteln, um den Herausforderungen des Schulalltags gewachsen zu sein.
- Citar trabajo
- Stefan Schusterbauer (Autor), 2004, Lehrerausbildung an der Universität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120990