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Die Rolle des Rechts für die europäische Integration

Neofunktionalistische und Neoinstitutionalistische Theorien im Vergleich

Title: Die Rolle des Rechts für die europäische Integration

Term Paper , 2007 , 37 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dipl.-Soz. Gabriele Riedel (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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In dieser Arbeit soll die Wirkung der Rechtssprechung auf den Prozess der europäischen Integration untersucht werden. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) als wichtigsten Akteur im Integrationsprozess zu. Das Recht hat bisher eine entscheidende Rolle bei der europäischen Integration gespielt, da es als Gestaltungsmittel zur Umsetzung der Vertragsziele die politischen Akteure an ihre vertraglichen Verpflichtungen bindet. Wenn die Mitgliedsstaaten die Rechtsordnung der Europäischen Gemeinschaften und jetzt der Europäischen Union nicht einhalten, ist die Integration zum Scheitern verurteilt. Der EuGH wird in diesem Zusammenhang daher oft als „Motor der Integration“ bezeichnet, da ihm u.a. die rechtliche Kontrolle bei der Umsetzung von Rechtsakten zukommt. Es wird hier also die These vertreten, dass der Fortschritt der europäischen Integration nicht nur den Änderungsverträgen zu den Gründungsverträgen und der Gesetzgebung auf europäischer Ebene zu verdanken ist, sondern zu einem beträchtlichen Anteil auch der Rechtssprechung des EuGHs. Im Rahmen dieser Arbeit wird zunächst überblicksartig auf die Entwicklung des Neofunktionalismus und auf den Altmeister der klassischen Integrationstheorie Ernst B. Haas eingegangen und dessen Weiterentwicklung durch Burley/Mattli vorgestellt. Im Anschluss daran werden als Gegenposition bzw. als Weiterentwicklung zum Neofunktionalismus die Annahmen des Neoinstitutionalismus skizziert und hauptsächlich in seiner historischen Ausprägung nach Paul Pierson näher beleuchtet. Als Synthese aus beiden Theorierichtungen wird abschließend die mehrstufige Theorie von Richard Münch dargestellt und untersucht, inwieweit sie eine Brückenfunktion zwischen Neofunktionalismus und Neoinstitutionalismus einnimmt. Zwei Fragestellungen werden beim Vergleich der Theorien immer im Vordergrund stehen: wie beschreibt die jeweilige Theorie das Zusammenspiel zwischen EuGH und nationalen Akteuren und wie ist vor allem die Zurückhaltung der Mitgliedsstaaten gegenüber der expansiven Rechtssprechung des EuGH zu erklären, die ja in gewisser Hinsicht die Kompetenzen und Souveränitäten der Nationalstaaten beschneidet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. THEORIEN EUROPÄISCHER INTEGRATION

2. ENTSCHEIDUNGSKOMPETENZEN DES EUROPÄISCHEN GERICHTSHOFS

3. EUROPÄISCHE INTEGRATION VOR DEM HINTERGRUND NEOFUNKTIONALISTISCHER THEORIEN

3.1 Entwicklung des Neofunktionalismus

3.2 Erklärungsansatz von Burley/Mattli

3.2.1 Akteure und Motive

3.2.2 Prozess der Integration

3.2.3 Politik im Prozess der Integration durch Recht

4. EUROPÄISCHE INTEGRATION VOR DEM HINTERGRUND NEOINSTITUTIONALISTISCHER THEORIEN

4.1 Varianten des Neoinstitutionalismus

4.2 Erklärungsansatz von Pierson

4.2.1 Konzept der Pfadabhängigkeit

4.2.2 Entstehung von Divergenzen

4.2.3 Unfähigkeit zur Schließung von Lücken

5. EUROPÄISCHE INTEGRATION IM MEHRSTUFIGEN THEORIEAUFBAU VON MÜNCH

5.1 Entwicklungsdynamik: Kräfte der Veränderung, „spillover“-Effekte

5.2 Funktionale Ausdifferenzierung als soziale Konstruktion

5.3 Entwicklungsdynamik gegen Entwicklungspfade: Kräfte der Beharrung, Trägheit und Pfadabhängigkeit

5.4 Latenter Entwicklungskonflikt

6. DER HISTORISCHE INSITUTIONALISMUS ALS WEITERENTWICKLUNG DES NEOFUNKTIONALISMUS ?

7. MÜNCHS MEHRSTUFIGER THEORIEAUFBAU ALS BRÜCKE ZWISCHEN INSITUTIONALISMUS UND NEOFUNKTIONALISMUS ?

8. SCHLUSSBEMERKUNGEN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle der Rechtsprechung für den Prozess der europäischen Integration. Dabei wird insbesondere analysiert, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) als Akteur die Integration vorantreibt und warum Mitgliedsstaaten diesen Kompetenzverlust akzeptieren. Die Arbeit stellt neofunktionalistische und neoinstitutionalistische Theorien vergleichend gegenüber und ergänzt diese um den mehrstufigen Theorieaufbau von Richard Münch.

  • Wirkung der Rechtsprechung auf den europäischen Integrationsprozess
  • Vergleich neofunktionalistischer und neoinstitutionalistischer Ansätze
  • Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs als supranationaler Akteur
  • Analysen zur Verselbständigung von Institutionen und Pfadabhängigkeit
  • Die Synthese im mehrstufigen Theorieaufbau von Richard Münch

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Akteure und Motive

Als treibende Kräfte im Prozess der rechtlichen Integration identifizieren die Autoren, wie vom Neofunktionalismus vorausgesagt, supranationale und nationale Akteure. Die entscheidenden Akteure auf supranationaler Ebene sind dabei die (unabhängigen) EuGH-Richter und -Generalanwälte sowie das juristische Personal der Kommission. Auf nationaler Ebene werden als wichtigste Akteure Einzelpersonen als Klageführer, deren Anwälte sowie die unteren Gerichte identifiziert.

Der Gerichtshof agierte nach Burley/Mattli im Gewand eines unpolitischen Akteurs und ermöglichte durch pro-europäische Rechtsfortbildung (Vorrangthese, Direktwirkung, Vorabentscheidungsverfahren) den Zugang Dritter zum Gemeinschaftsrecht. Durch diese völkerrechtlich unübliche, horizontale Öffnung des Gemeinschaftsrechts bleibt die neofunktionalistische Prämisse divergierender Interessenstrukturen durch private Kläger erhalten. Diese Akteure sind keinesfalls überzeugte Europäer mit integrativen Absichten, sondern sehen lediglich durch das Gemeinschaftsrecht eine weitere Möglichkeit eigene Interessen geltend zu machen.

„ (...) the history of the direct effect doctrine is the history of carving individually enforceable rights out of a body of rules apparently applicable only to states. In neofunctionalist terms, the Court created a procommunity constituency of private individuals by giving them a direct stake in promulgation and implementation of community law” (ebd., S. 60).

Zusammenfassung der Kapitel

1. THEORIEN EUROPÄISCHER INTEGRATION: Einleitung in die Thematik der europäischen Integration und die Bedeutung der Rechtsprechung des EuGH als Integrationsmotor.

2. ENTSCHEIDUNGSKOMPETENZEN DES EUROPÄISCHEN GERICHTSHOFS: Untersuchung der Kompetenzen des EuGH und seiner Rolle bei der Konstitutionalisierung der Verträge durch teleologische Auslegung.

3. EUROPÄISCHE INTEGRATION VOR DEM HINTERGRUND NEOFUNKTIONALISTISCHER THEORIEN: Darstellung des Neofunktionalismus und des Ansatzes von Burley/Mattli, die Recht als Instrument der Integration betrachten.

4. EUROPÄISCHE INTEGRATION VOR DEM HINTERGRUND NEOINSTITUTIONALISTISCHER THEORIEN: Analyse der neoinstitutionalistischen Perspektive, insbesondere durch Paul Pierson und dessen Konzept der Pfadabhängigkeit.

5. EUROPÄISCHE INTEGRATION IM MEHRSTUFIGEN THEORIEAUFBAU VON MÜNCH: Vorstellung der Theorie von Richard Münch, die den Integrationsprozess durch funktionale Ausdifferenzierung erklärt.

6. DER HISTORISCHE INSITUTIONALISMUS ALS WEITERENTWICKLUNG DES NEOFUNKTIONALISMUS ?: Diskussion der Verbindung zwischen historischem Institutionalismus und Neofunktionalismus zur Erklärung von Integrationsprozessen.

7. MÜNCHS MEHRSTUFIGER THEORIEAUFBAU ALS BRÜCKE ZWISCHEN INSITUTIONALISMUS UND NEOFUNKTIONALISMUS ?: Untersuchung, inwieweit Münchs Ansatz als Synthese zwischen den beiden theoretischen Strömungen fungieren kann.

8. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Fazit zur Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze zur Erklärung des komplexen Phänomens der europäischen Integration durch Recht.

Schlüsselwörter

Europäische Integration, Europäischer Gerichtshof, Neofunktionalismus, Neoinstitutionalismus, Historischer Institutionalismus, Rechtsprechung, Spillover-Effekte, Pfadabhängigkeit, Supranationalität, Richard Münch, Vorabentscheidungsverfahren, Konstitutionalisierung, Gemeinschaftsrecht, Mehrebenensystem, Rechtssetzung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Rechtsprechung und des Europäischen Gerichtshofs für den europäischen Integrationsprozess im Vergleich verschiedener theoretischer Ansätze.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen neofunktionalistische und neoinstitutionalistische Erklärungsmodelle sowie der mehrstufige Theorieaufbau von Richard Münch im Kontext der europäischen Integration.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, wie der EuGH durch seine Rechtsprechung Integrationsprozesse vorantreibt und wie das Verhalten der Mitgliedsstaaten gegenüber diesem Kompetenzzuwachs theoretisch erklärt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der verschiedene politikwissenschaftliche und soziologische Integrationstheorien gegenübergestellt und auf ihre Erklärungskraft für das Handeln des EuGH geprüft werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Neofunktionalismus (Burley/Mattli), des Historischen Institutionalismus (Pierson) und des mehrstufigen Theorieaufbaus von Münch, wobei jeweils die Rolle des Rechts im Integrationsprozess beleuchtet wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Europäische Integration, EuGH, Neofunktionalismus, Neoinstitutionalismus, Pfadabhängigkeit, Spillover-Effekte und Rechtsintegration.

Wie erklärt der Neofunktionalismus die Integration durch Recht?

Er betrachtet Recht als ein Instrument, das durch Spillover-Effekte – initiiert durch Akteure wie Richter und Anwälte – supranationale Kooperationen in neue Bereiche ausweitet.

Was bedeutet das Konzept der Pfadabhängigkeit bei Pierson?

Pfadabhängigkeit besagt, dass aktuelle politische Strukturen und Entscheidungen stark von zeitlich vorgelagerten Prozessen geprägt sind und eingeschlagene Entwicklungswege nur schwer wieder verlassen werden können.

Wie bewertet die Arbeit Richard Münchs Ansatz?

Die Arbeit sieht in Münchs Ansatz eine interessante, wenn auch eklektizistische Synthese, die den Integrationsprozess als eine funktionale Ausdifferenzierung und soziale Konstruktion interpretiert.

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Details

Title
Die Rolle des Rechts für die europäische Integration
Subtitle
Neofunktionalistische und Neoinstitutionalistische Theorien im Vergleich
College
University of Bamberg
Course
Soziologische Institutionenanalyse
Grade
1,7
Author
Dipl.-Soz. Gabriele Riedel (Author)
Publication Year
2007
Pages
37
Catalog Number
V121357
ISBN (eBook)
9783640255887
Language
German
Tags
EuGH Europäischer Gerichtshof Neofunktionalismus Neoinstitutionalismus Münch Burley Mattli europäische Integration
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Soz. Gabriele Riedel (Author), 2007, Die Rolle des Rechts für die europäische Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121357
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