Die Radiokarbonmethode wurde ab 1949 als eine Methode zur Bestimmung des absoluten Sterbezeitpunktes von organischen Überresten entwickelt. Sie basiert auf dem Stopp des Kohlenstoffaustausches des toten Lebewesens mit der Atmosphäre, was zu einer messbaren Verschiebung des Isotopenverhältnisses des Kohlenstoffs innerhalb der Überreste des toten Lebewesens führt. Die Datierbarkeitsspanne liegt zwischen 0 und maximal 100.000 Jahren. Eichkurven, die durch die Dendrochronologie und mittels Uranseriendatierung erstellt wurden, ermöglichten es eine nicht konstante 14C-Konzentration in der Atmosphäre nachzuweisen, was die Genauigkeit der Radiokohlenstoffdatierung für manche Zeitabschnitte einschränkt. Die Radiokarbondatierung ist für absolutchronologische Aussagen speziell in der vorgeschichtlichen Archäologie von großer Bedeutung. Bis heute ist jedoch fundamentale Kritik an dieser Methode nicht verstummt.
Inhaltsverzeichnis
1. Absolute Chronologie der Vorgeschichte vor der Entwicklung der Radiokarbondatierung
2. Das Prinzip der unkalibrierten Radiokarbondatierung
3. Die ersten 14C-Messungen
4. Die grundlegende Kritik von Vladimir Milojčić und die Gegenkritik
5. Die Halbwertszeit von 14C
6. Suesseffekt
7. Kernwaffeneffekt
8. Die neue Zeitrechnung BP
9. Geeichte Radiokarbondaten
10. Wiggle Matching
11. Datierung durch Beschleunigermassenanalyse
12. 14C-Datierung und ihre Bedeutung für die Archäologie
12.1 Die Neolithisierung Mittel- und Südosteuropas
13. Das „Turiner Grabtuch“
14. Generelle Kritik heute
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die wissenschaftliche Anwendung der Radiokarbondatierung sowie deren Einfluss auf die absolutchronologische Einordnung prähistorischer Epochen, wobei kritische Debatten über die Methodik und Zuverlässigkeit im Zentrum stehen.
- Historische Entwicklung der C-14 Datierung seit 1949
- Methodische Herausforderungen wie Halbwertszeiten und Eichkurven
- Einfluss von Umweltfaktoren und menschlichen Einflüssen (Kernwaffentests, Suesseffekt)
- Fallbeispiele der archäologischen Anwendung (Neolithisierung, Turiner Grabtuch)
- Diskurs um wissenschaftliche Validität und fachinterne Kritik
Auszug aus dem Buch
Die grundlegende Kritik von Vladimir Milojčić und die Gegenkritik
1957 wurde von Vladimir Milojčić in der Zeitschrift „Germania“ ein Artikel veröffentlicht, der sich äußerst kritisch mit der Anwendbarkeit der Radiokohlenstoffdatierung in der Vorgeschichtsforschung auseinandersetzt. Dieser Artikel beweist, dass trotz der hohen Zahl der bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten 14C-Datierungen längst nicht alle Archäologen von der neuen Datierungsmethode überzeugt waren. Im Folgenden soll dieser Artikel, der sich als überaus bedeutend für die Akzeptanz der 14C-Datierung etwa für die darauf folgenden 30 Jahre innerhalb des deutschen Sprachraumes erwiesen hat, zusammengefasst werden.
In einem ersten einleitenden Teil versucht Vladimir Milojčić darzulegen, dass die archäologisch-historische Methode im Gegensatz zu den naturwissenschaftlichen Methoden (astronomische Berechnungen zur Datierung des Quartärs, Pollenanalyse und Varvenchronologie) eine sehr brauchbare Methode zur Erstellung einer absoluten Chronologie für die europäische Vorgeschichte sei. Nach einer kurzen Überleitung, in der unter anderem auch das Ziel des Aufsatzes, nämlich den Vorgeschichtsforscher durch „eine rechtzeitige kritische Auseinandersetzung mit den Schwächen, Schwierigkeiten und Fehlbestimmungen vor möglichen Irrwegen“ der 14C-Datierung, die „im Stande sind, den Forschungsfortschritt zu blockieren“, zu bewahren, genannt wird, formuliert Vladimir Milojčić sechs „Annahmen“, ohne deren Richtigkeit die Radiokarbondatierung unmöglich wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Absolute Chronologie der Vorgeschichte vor der Entwicklung der Radiokarbondatierung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die vorwissenschaftlichen Methoden der Datierung, insbesondere die archäologisch-historische Methode von Oskar Montelius.
2. Das Prinzip der unkalibrierten Radiokarbondatierung: Hier wird der physikalische Hintergrund der C-14 Bildung und der Zerfallsprozess in organischem Material erläutert.
3. Die ersten 14C-Messungen: Die Anfänge der experimentellen Anwendung der Methode durch W.F. Libby werden anhand der ersten erfolgreichen Messungen dargestellt.
4. Die grundlegende Kritik von Vladimir Milojčić und die Gegenkritik: Die Arbeit behandelt die methodische Kontroverse zwischen dem Archäologen Milojčić und naturwissenschaftlichen Befürwortern der Datierung.
5. Die Halbwertszeit von 14C: Die Problematik der Bestimmung eines präzisen Halbwertszeit-Wertes für Radiokohlenstoff steht im Mittelpunkt dieses Abschnitts.
6. Suesseffekt: Die Auswirkungen der industrialisierten Verbrennung fossiler Energieträger auf den C-14 Gehalt werden erklärt.
7. Kernwaffeneffekt: Dieses Kapitel beschreibt die durch Atomwaffentests verursachte künstliche Erhöhung der C-14 Konzentration in der Atmosphäre.
8. Die neue Zeitrechnung BP: Die Einführung und Definition des „Before Present“ (BP) Standards wird hier thematisiert.
9. Geeichte Radiokarbondaten: Die Notwendigkeit der Eichkurven mittels Dendrochronologie zur Korrektur von Messfehlern wird dargestellt.
10. Wiggle Matching: Das Verfahren zur Datierung von Material, das in nicht-monotonen Bereichen der Eichkurve liegt, wird erläutert.
11. Datierung durch Beschleunigermassenanalyse: Die technische Weiterentwicklung der AMS-Methode zur Verringerung benötigter Probenmengen wird vorgestellt.
12. 14C-Datierung und ihre Bedeutung für die Archäologie: Die praktische Anwendung der Methode zur Klärung der Neolithisierung wird analysiert.
13. Das „Turiner Grabtuch“: Ein prominentes Fallbeispiel für die Interpretation und Kritik von C-14 Ergebnissen wird diskutiert.
14. Generelle Kritik heute: Zusammenfassende Betrachtung der dauerhaften methodischen Skepsis in Teilen der archäologischen Forschung.
Schlüsselwörter
Radiokarbondatierung, C-14, Vorgeschichte, Archäologie, Dendrochronologie, Halbwertszeit, Absolute Chronologie, Suesseffekt, Kernwaffeneffekt, AMS, Turiner Grabtuch, Vladimir Milojčić, Kalibrierung, Neolithisierung, Chronologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Radiokarbondatierung, ihre physikalischen Grundlagen, die damit verbundenen methodischen Herausforderungen und die archäologische Bedeutung sowie die anhaltende fachinterne Kritik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die physikalische Datierung von organischen Überresten, die Rolle von Eichkurven, der Einfluss von Umwelteinflüssen wie Kernwaffentests und die archäologische Anwendbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der C-14 Datierung nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sie die Vorstellungen über die absolutchronologische Einordnung prähistorischer Kulturen maßgeblich beeinflusst hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit analysiert die C-14 Methode, die Dendrochronologie, die Thorium-Uran-Datierung sowie die Beschleunigermassenanalyse (AMS).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in technische Grundlagen (Halbwertszeit, Eichkurven) und archäologische Anwendungsprobleme, inklusive detaillierter Fallbeispiele zur Neolithisierung und zum Turiner Grabtuch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Radiokarbondatierung, Absolute Chronologie, Dendrochronologie, Eichkurven, Kontamination und wissenschaftlicher Diskurs.
Warum wird die „Libbysche Halbwertszeit“ weiterhin verwendet?
Obwohl präzisere Werte existieren, wurde die Libbysche Halbwertszeit von 5568 Jahren als Standard beibehalten, um die Vergleichbarkeit von Radiokarbondaten weltweit zu gewährleisten.
Welche Rolle spielt die Beschleunigermassenanalyse (AMS) für die Archäologie?
Die AMS-Technik ermöglicht es, wesentlich kleinere Probenmengen zu datieren, was insbesondere die Untersuchung seltener oder wertvoller archäologischer Objekte ermöglicht.
Was besagt die Kritik am „Turiner Grabtuch“ im Kontext der C-14 Datierung?
Kritiker führen an, dass das Probenmaterial durch Brände oder bakterielle Kontamination verunreinigt gewesen sein könnte, was den Datierungswert des Spätmittelalters in Frage stellt.
Warum bleibt die Methode trotz Nobelpreis umstritten?
Die Methode ist teilweise von Annahmen abhängig, deren Veränderlichkeit (z.B. durch Schwankungen des Erdmagnetfeldes) die Genauigkeit beeinträchtigt, was bei einigen Forschern zu einer grundsätzlichen skeptischen Haltung führt.
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- Robert Holzner (Author), 2008, Geschichte der Radiokarbondatierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121505