Auch wenn es im heutigen Stadtbild oft schwer vorstellbar ist, so galt das römische Augsburg in seiner Blütezeit als eine der wichtigsten Handelsmetropolen des Voralpenlandes. Als glanzvolle Hauptstadt der Provinz Raetien war die Siedlung das mit Abstand größte zivile Zentrum der Region und ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenlebens in der Provinz.
In der vorliegenden Arbeit soll auf die verschiedenen Ausbaustufen und Raumkonzepte eingegangen werden, die das Herz der florierenden Siedlung erfuhr – von den Anfängen als Kastell vor dem Vierkaiserjahr bis zum prachtvollen Mittelpunkt der Provinzhauptstadt im zweiten Jahrhundert. Das römische Forum von Augusta Vindelicum soll dabei ebenso im Fokus stehen wie die zentralen, öffentlichen Gebäude.
Im Folgenden soll die Arbeit grob in die beiden Etappen des Ausbaus geteilt werden. Das erste Kapitel umreißt das historische Vorfeld bis zum Vierkaiserjahr des Jahres 69/70. Behandelt wird das Kastell, aber auch die Entwicklung des zivilen vicus soll angeschnitten werden. Das zweite Kapitel befasst sich einführend mit dem Ausbau des Forums und dessen Umgebung vom letzten Drittel des ersten Jahrhunderts bis in das zweite Jahrhundert hinein.
Hierbei wird auch ein geraffter Überblick zu der allgemeinen Stadtentwicklung miteingebunden. Anschließend erfolgt eine Binnengliederung in die verschiedenen Befundkomplexe, welche den postulierten Forumsbereich umgaben – zunächst der Platz an sich sowie folgend den südlich angrenzenden Statthalterpalast. Der letzte Unterpunkt befasst sich mit den öffentlichen Gebäuden, welche dieses Areal umgaben – also nicht direkt an das Forum grenzten, aber dennoch zum engeren Stadtkern zählen können und damit ohne Zweifel eine herausgehobene Rolle im gesellschaftlichen Leben der Siedlung spielten. Zu nennen wären hierbei die Markthalle im Norden, der Heilige Bezirk im Westen, die große Thermenanlage sowie kleinere Gebäudefunde. In diesem Zusammenhang soll auch kurz auf Gebäudetypen eingegangen werden, bei denen ein Befund zwar bislang ausblieb, deren Existenz von der Forschung allerdings als sehr wahrscheinlich angesehen wird. Ein Fazit rundet die Arbeit schließlich ab und trifft zusammenfassende Aussagen über die Dimensionen, Etappen und repräsentativ-stadtgeschichtlichen Sachverhalte des Forumsausbaus sowie der Gestaltung des Stadtkerns.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom Kastellvicus zur Provinzhauptstadt
2.1 Historisches Vorfeld – Kastell und Kastellvicus des ersten Jahrhunderts
2.2 Ausbau und Blütezeit – das Forum von Augusta Vindelicum
2.2.1 Postuliertes Forumsareal
2.2.2 Statthalterpalast
2.2.3 Öffentliche Gebäude des Stadtzentrums
2.2.3.1 Markthalle
2.2.3.2 Heiliger Bezirk
2.2.3.4 Thermenkomplex
2.2.3.5 Andere Gebäudetypen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die archäologischen Ausbaustufen und Raumkonzepte des antiken Augsburgs (Augusta Vindelicum) vom ersten bis zum zweiten Jahrhundert n. Chr., wobei ein besonderer Fokus auf der Entwicklung des Forums als städtischem Mittelpunkt sowie den zentralen öffentlichen Gebäuden liegt.
- Entwicklung von der militärischen Ansiedlung (Kastell) zur zivilen Provinzhauptstadt
- Strukturelle Analyse des Forums und angrenzender Funktionsbauten
- Untersuchung der architektonischen Entwicklung von Holz- zu Steinbauten
- Einordnung Augsburgs als Handelsmetropole im Voralpenland
- Diskussion über das Fehlen bestimmter monumentaler Standardbauten
Auszug aus dem Buch
2.1 Historisches Vorfeld – Kastell und Kastellvicus des ersten Jahrhunderts
Nach der Aufgabe des Militärlagers von Augsburg-Oberhausen in frühtiberischer Zeit wurde ein neuer Siedlungsbereich im heutigen Domviertel erschlossen. Von einer autochtonen Vorgängersiedlung, beispielsweise durch die keltische Urbevölkerung, kann nicht ausgegangen werden. Noch im zweiten Jahrzehnt des ersten nachchristlichen Jahrhunderts wurde ein Kastell in diesem Areal gegründet, dessen Belegungszeitraum sich Schätzungen nach von 5/15 bis 69/70 nach Christus erstreckte. Den Anfangspunkt setzte dabei der Umzug des Lagers Augsburg-Oberhausen, wohl nach einer Flutkatastrophe, wohingegen die Aufgabe des Kastells wohl durch eine Brandkatastrophe im Vierkaiserjahr erfolgte. Um das Vexillationslager konnte sich entlang der Ausfallstraßen ein florierendes Lagerdorf, ein vicus, entwickeln. Im ersten Jahrhundert kann der Charakter der Besiedlung also durchaus gleichermaßen als militärisch und zivil gelten – sowohl Soldaten als auch Handwerker und Händler gehörten zu den Bewohnern des frühen Augsburgs.
Der als gesichert geltende Verlauf von via praetoria und via principalis innerhalb des Grabenverlaufs offenbart eine Kastellausrichtung nach Westen, in Richtung des vicus. Mehrere Grabungen belegen einen von Osten nach Westen verlaufenden Spitzgraben, der ebenfalls in das erste Jahrhundert datiert. Mit einer Tiefe von etwa 2,60 Meter umschließt er ein Areal von 320 Meter in nord-südlicher Ausdehnung und 140 beziehungsweise 160 Meter in ost-westlicher Richtung. An der Ostseite verlief der Graben strategisch günstig entlang der Kante der Augsburger Hochterrasse. Auf der Westseite scheint eine Toranlage auf der Höhe der zusammentreffenden Ausfallstraßen nach Nordwesten und Südwesten wahrscheinlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung Augsburgs als Provinzhauptstadt ein und erläutert die archäologische Quellenlage sowie die methodische Gliederung der Untersuchung.
2. Vom Kastellvicus zur Provinzhauptstadt: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Entstehung und Entwicklung der Stadt, beginnend beim frühen Kastell über den zivilen vicus bis hin zum monumentalen Ausbau des Forums und der öffentlichen Gebäude in der römischen Kaiserzeit.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Stadtentwicklung zusammen und konstatiert, dass Augsburg spätestens im zweiten Jahrhundert trotz fehlender Belege für bestimmte Standardbauten eine wohlhabende, repräsentative Metropole von hoher Lebensqualität war.
Schlüsselwörter
Augusta Vindelicum, Augsburg, Römisches Reich, Provinzhauptstadt, Forum, Kastellvicus, Archäologie, Stadtentwicklung, Monumentalarchitektur, Grabungsberichte, Handelsmetropole, Raetien, Infrastruktur, Römische Antike.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die städtebauliche Entwicklung und die architektonischen Ausbaustufen von Augsburg in der römischen Antike, insbesondere den Übergang von einem Militärstandort zu einem zivilen Zentrum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die archäologische Rekonstruktion des Forums, die Erforschung öffentlicher Gebäude wie Markthallen und Thermen sowie die Analyse der Stadtstruktur vom ersten bis zum zweiten Jahrhundert.
Welches ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, die verschiedenen Stadien der baulichen Entwicklung des Stadtkerns aufzuzeigen und die Rolle Augsburgs als Provinzhauptstadt und Handelszentrum durch archäologische Befunde zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Der Verfasser stützt sich primär auf die Auswertung archäologischer Grabungsberichte, die Analyse von Fundkontexten sowie den Vergleich mit ähnlichen römischen Siedlungsstrukturen in anderen Provinzen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Kastellvorgängers, die detaillierte Analyse der Forumsanlage (mit Basilika, Statthalterpalast) und die Untersuchung weiterer öffentlicher Bauwerke des Stadtzentrums.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Augusta Vindelicum, Forum, Kastellvicus, Archäologie, Monumentalarchitektur und Provinzhauptstadt.
Warum war das genaue Forumsgelände lange Zeit schwierig zu identifizieren?
Aufgrund der kontinuierlichen Besiedlung und der damit einhergehenden Zerstörung antiker Bausubstanz im heutigen Augsburger Stadtgebiet sind die Grabungsbedingungen sehr erschwert, was die Identifikation verlässlicher Fundkontexte lange Zeit verhinderte.
Welche Bedeutung hat das Fundmaterial von Wandmalereien für die Forschung?
Die qualitätsvollen Funde von Wandmalereien und Dekorationselementen dienen als wichtige Indikatoren für den steigenden Wohlstand und den Prestigewunsch der städtischen Bevölkerung im zweiten Jahrhundert.
Was unterscheidet Augsburg laut Autor von anderen Siedlungen in Raetien?
Die Ernennung zur Provinzhauptstadt und die Verleihung des römischen Stadtrechts machen Augusta Vindelicum zu einer historisch einzigartigen Metropole in der Region.
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- M.A. Christian Schaller (Autor), 2016, Vom Kastellvicus zur Provinzhauptstadt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215482