„Das Heptaméron ist eine psychologische Studie des Themas ‚Liebe und Ehe’ in all seinen Variationen“ und wahrscheinlich liegt auch genau darin der Reiz, den diese Novellensammlung auf seine Leser ausübt. Über die Jahrhunderte fand es, seit seinem Erscheinen, Mitte des 16. Jahrhunderts, immer wieder Liebhaber, sei es wegen der Rahmenhandlung, der freizügigen Themen aufgrund deren es lange verpönt wurde, oder aber durch die Nähe, zumindest äußerlich, zu Boccaccios Decamerone, beschreibt es doch, wie sich zehn Reisende, die vor einem Unwetter geflüchtet sind, sieben Tage mit dem Erzählen von Novellen die Zeit vertreiben und so insgesamt nicht ganz die ursprünglich angestrebten hundert Novellen berichten. Diese Arbeit wird sich nun fast ausschließlich mit der 21. Novelle befassen, die am dritten Tag des Heptamerons erzählt wird. Neben einer Interpretation der Novelle und dem Erörtern möglicher realer Hintergründe, soll das Hauptaugenmerk vor allem auf der erzählenden Person, Parlamente, und ihrer Interaktion mit den anderen Devisants liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die 21. Novelle des Heptameron
2.1. Die 21. Novelle – Inhaltsangabe
2.2. Einordnung der Novelle in den Erzählzusammenhang
3. Analyse der Hauptfiguren
3.1. Rolandine – la femme honnête
3.2. Der Edelmann
3.3. Rolandines Vater und die Königin
3.4. Das Dienstpersonal
4. Interpretation
4.1. Analyse der Erzählsituation – die Devisants
4.2. Parlamente als Erzählerin der 21. Novelle
4.3. Die Abschlussdiskussion
4.4. Reale Hintergründe
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Analyse der 21. Novelle aus Marguerites von Navarras Heptaméron. Ziel ist es, die Charakterentwicklung der Hauptfigur Rolandine sowie die erzählerische Rolle der Figur Parlamente in ihrem Interaktionsgeflecht mit den anderen Devisants zu untersuchen und dabei den Bezug zu realhistorischen Hintergründen zu prüfen.
- Untersuchung der tugendhaften Lebensführung Rolandines
- Analyse des ambivalenten Charakters des Edelmanns
- Herausarbeitung der Erzählperspektive von Parlamente
- Deutung der gesellschaftlichen Rahmenhandlung und Geschlechterdebatte
- Vergleich der Novellenhandlung mit historischen Gegebenheiten um Anne de Rohan
Auszug aus dem Buch
3.1. Rolandine – la femme honnête
In der Novelle wird Rolandine, die Hauptfigur, direkt am Anfang als sehr kluge und tugendhafte Frau vorgestellt, die jedoch nicht besonders schön ist. Wie auch schon in vorhergehenden Novellen, so wird auch hier die Schönheit bzw. deren Absence wieder gesondert hervorgehoben. Man könnte vermuten, dass dies die Stimme Marguerite de Navarres ist, die uns so darauf hinweisen will, dass es auch noch andere Tugenden neben der Schönheit gibt, die es gilt hervorzuheben.
Rolandine lebt am Hofe der Königin, steht jedoch in der Gunst der Königin an unterer Stelle. Zum Zeitpunkt der Novellenerzählung ist sie bereits dreißig Jahre alt, jedoch immer noch unverheiratet, was der damaligen gesellschaftlichen Norm eindeutig widerspricht. Als Gründe für ihr Ledigsein werden einmal die Entscheidungen ihres Vaters und zum anderen ihre schlechte Stellung bei der Königin angegeben, aufgrund deren sich kein Bewerber auftut. Rolandine ist sich ihrer unschicklichen Lage durchaus bewusst und zieht sich bewusst zurück und lebt „fromm wie eine Heilige“:
„Mit der Zeit grämte sie sich darüber, nicht so sehr weil sie gerne hätte heiraten wollen, als vielmehr weil sie sich schämte, nicht verehelicht zu sein; sie hielt völlige Einkehr in Gott und ließ die weltlichen Freuden und den eitlen Tand des Hofes.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Heptaméron als psychologische Studie und Vorstellung der Zielsetzung bezüglich der 21. Novelle.
2. Die 21. Novelle des Heptameron: Zusammenfassung der Handlungsereignisse und Einbettung der Novelle in den Erzählablauf des dritten Tages.
3. Analyse der Hauptfiguren: Detaillierte Betrachtung der Protagonisten Rolandine, des Edelmanns, der Autoritätsfiguren und der unterstützenden Dienstboten.
4. Interpretation: Untersuchung der erzählerischen Rahmensituation, der spezifischen Rolle von Parlamente sowie Diskussion und historische Einordnung des Stoffs.
5. Schlusswort: Fazit zur Realisierbarkeit vollkommener Liebe und zur literarischen Spiegelung der gesellschaftlichen Zwiespältigkeit durch die Autorin.
Schlüsselwörter
Heptaméron, Marguerite de Navarre, 21. Novelle, Rolandine, Parlamente, vollkommene Liebe, Tugend, Devisants, Erzählsituation, Geschlechterdiskurs, Anne de Rohan, Höfische Gesellschaft, Moral, Religion, Ehe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die 21. Novelle des Heptaméron von Marguerite de Navarre mit einem Fokus auf die Hauptfigur Rolandine und die Erzählerin Parlamente.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Tugendhaftigkeit, das Ideal der vollkommenen Liebe, eheliche Moral sowie das Spannungsfeld zwischen göttlichem Anspruch und menschlicher Realität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Rolandines Verhalten, das Erzählkonzept von Parlamente sowie die historischen Parallelen zum Leben von Anne de Rohan kritisch zu hinterfragen.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf Interpretation, Figurencharakterisierung und dem Vergleich mit historischem Kontext basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figuren-, Erzählsituations- und Diskursanalyse sowie eine Untersuchung möglicher realer Hintergründe der Novelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Heptaméron, vollkommene Liebe, Tugend, Rolandine und die spezifische Rolle der Devisants.
Inwiefern beeinflusst Parlamente als Erzählerin die Wahrnehmung der Novelle?
Parlamente fungiert als moralische Instanz, die durch ihre eigene, teils selbsttäuschende Sichtweise auf Treue und Liebe die Erzählung und deren Glaubwürdigkeit beeinflusst.
Welche Bedeutung hat der Tod des Edelmanns für das Ende der Geschichte?
Der Tod des untreuen Liebhabers wird als gottgegebene Lösung interpretiert, die Rolandine aus ihrer leidvollen Situation erlöst und ihre Tugendhaftigkeit bestätigt.
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- Julia Paternoster (Author), 2006, Die 21. Novelle des Heptameron, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121824