PISA und die Folgen

Der Versuch einer Erklärung


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. PISA – Grundlagen, Methoden und Ergebnisse
2.1. Grundlagen und Methoden der PISA – Studien
2.2. Analyse einiger Ergebnisse der Studien im Vergleich
2.3. Die Leistungen der Schüler mit Migrationshintergrund bei PISA

3. Probleme und Ursachen von PISA
3.1. Allgemeine Probleme der Vergleichbarkeit
3.2. Aussagefähigkeit von Schülerangaben zu ihrer sozialen Herkunft
3.3. Erklärungsansätze für die schlechten schulischen Leistungen von Schülern mit Migrationshintergrund:
3.4. Höhe der Bildungsaussagen in der Bundesrepublik Deutschland

4. Lösungsansätze der Bundesregierung zur Verbesserung der Bildungssituation

5. Fazit:

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Über kaum ein Thema wurde in den letzten Jahren so viel diskutiert wie über das „Programme for International Student Assessment“, besser bekannt unter dem Namen „PISA“. Vor allem die erste PISA – Studie im Jahr 2000 sorgte aufgrund des schlechten Abschneidens der Bundsrepublik Deutschland für viel Interesse in den Medien. Zwar zeigten sowohl PISA 2003 als auch PISA 2006 einen kontinuierlichen Anstieg der deutschen Ergebnisse im internationalen Vergleich, die öffentliche Kritik am deutschen Bildungssystem blieb aber weiterhin bestehen. In der nun vorliegenden Hausarbeit werde ich daher zum einen untersuchen, inwieweit diese Kritik gerechtfertigt ist, und zum anderen ausführlich auf mögliche Gründe für die vorliegenden Ergebnisse eingehen.

Beginnen werde ich die Hausarbeit allerdings mit einer kurzen Übersicht über den Aufbau und Ablauf von Pisa sowie einer kurzen Zusammenfassung der allgemeinen Ergebnisse. Um den vorgegebenen Rahmen der Hausarbeit nicht zu sprengen und aufgrund der in den letzten Jahren bereits ausführlich geführten Diskussion in den öffentlichen Medien, werde ich mich hier aber auf die grundlegenden Informationen beschränken. Vielmehr möchte ich mich in diesem ersten Teil auf das von PISA aufgedeckte, aber bislang wenig diskutierten Problem der großen Leistungsunterschiede zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülern[1] konzentrieren. Dabei ist es besonders notwendig, genauer auf die Ergebnisse derjenigen Schüler mit Migrationshintergrund einzugehen, deren Leistungen bei allen drei PISA – Studien in Deutschland deutlich schwächer waren, als in den meisten anderen teilnehmenden Ländern.

Im zweiten Teil werde ich mich dann näher mit möglichen Gründen für das schlechte Abschneiden Deutschlands bei PISA beschäftigen. Hier werde ich mich vor allem mit dem Problem der Vergleichbarkeit verschiedener Nationen mit unterschiedlichen Schulsystemen befassen und somit versuchen den tatsächlichen Aussagegehalt von PISA etwas genauer zu umreißen. Auch werde ich in diesem Teil auf die Frage eingehen, welchen tatsächlichen Informationsgehalt die PISA - Studien in Bezug auf den Zusammenhand zwischen Leistung und sozialem Hintergrund der Schüler haben und welche Probleme hier auftreten könnten.

Ein weiterer wichtiger Punkt der in der Öffentlichkeit häufig als Ursache für die schwachen Leistungen deutscher Schüler genannt wird sind die im internationalen Vergleich relativ geringen finanziellen Aufwendungen der Bundesrepublik Deutschland für Bildung. Daher erscheint es mir notwendig, zumindest kurz auf die Bildungsausgaben Deutschlands einzugehen und diese mit denen anderer Nationen zu vergleichen.

Im abschließenden letzten Teil werde ich dann noch einen Ausblick auf geplante oder bereits begonnene Maßnahmen der Bundesregierung eingehen, die eine Verbesserung der Bildungssituation in Deutschland zum Ziel haben. Zu nennen seien hier insbesondere die „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“, sowie in diesem Zusammenhang die Verbesserung frühkindlicher Erziehung und Bildung.

2. PISA – Grundlagen, Methoden und Ergebnisse

2.1. Grundlagen und Methoden der PISA – Studien

Weltweit und insbesondere in Deutschland für Aufsehen sorgte im Jahr 2000 der erste Teil der sogenannten PISA – Studie. Ziel der von der OECD gestarteten Studie war es, Schülerleistungen international zu erfassen und zu vergleichen und somit Hinweise auf die Qualität und mögliche Schwächen innerhalb der Bildungssysteme der teilnehmenden Länder zu erhalten[2]. Unterteilt war die Studie in drei Teilstudien, die im Abstand von drei Jahren, also in den Jahren 2000, 2003 und 2006 durchgeführt wurden. Zielgruppe der Befragung waren jeweils 15-jährige Jugendliche, deren Kompetenzen in den drei Schlüsselbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften abgefragt wurden. Jeder der drei Teilstudien war dabei eine Schwerpunktskompetenz zugeordnet, die etwa 50 Prozent der zu beantwortenden Fragen ausmachte. Diese Schwerpunkte lagen bei der ersten PISA – Studie auf der Lesekompetenz, bei PISA 2003 auf Mathematik und zuletzt bei PISA 2006 auf dem Bereich der Naturwissenschaften. Alle Aufgaben zeichneten sich insbesondere dadurch aus, dass weniger kurzfristig erlerntes Wissen abgefragt wurde, sondern vielmehr die Fähigkeit erwartet wurde, grundlegende fachliche Kenntnisse auf realitätsnahe Problemstellungen anzuwenden. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf internationaler Ebene zu gewährleisten bestand ein Großteil der Studie aus Multiple-Choice-Aufgaben. Nur ein geringer Bestandteil der Aufgaben war offen gestellt und ließ somit den Korrektoren Interpretationsmöglichkeiten.

Neben dem Ziel die fachlichen Kompetenzen der Schüler zu erfassen, lag ein weiterer Schwerpunkt der Studie darin, die Leistungen der Schüler in einen bestimmten Zusammenhang mit dem entsprechenden sozialen Umfeld zu bringen, aus dem die Schüler stammen. Hieraus erhofften sich die teilnehmenden Staaten Erkenntnisse darüber, in wieweit das jeweilige Bildungssystem in der Lage ist, auch Schülern aus bildungsfernen und sozial schwachen Elternhäusern ähnliche Zukunftsaussichten zu ermöglichen, wie dies bei privilegiert Schülern aus einem starken sozialen Umfeld der Fall ist. Somit war es letztlich nötig, neben den kompetenzbezogenen Informationen auch Informationen über den sozialen und kulturellen Hintergrund der Schüler zu erhalten. Dies wurde versucht dadurch zu erreichen, dass neben dem eigentlichen Wissenstest noch drei weitere, allgemeine Fragebögen an die Schüler ausgegeben wurden. Dabei handelte es sich zum einen um einen internationalen Schülerfragebogen und zum anderen um einen, den internationalen Schülerfragebogen ergänzenden, in Deutschland entwickelten, Zusatzbogen. Mit Hilfe des dritten Fragebogens wurden die Eltern der Schüler angesprochen. Um auch diejenigen Eltern anzusprechen, die nicht oder nur wenig Deutsch sprechen, wurde dieser Elternfragebogen zusätzlich in insgesamt acht verschiedene Sprachen, darunter türkisch, italienisch und russisch, übersetzt.

Hauptbestandteil aller drei Fragebögen waren Fragen, die sich auf das alltägliche Leben der Schüler, sowie auf die berufliche und somit soziale Stellung der Eltern bezogen. So wurde unter anderem nach dem Beruf der Eltern, den Wohnverhältnissen, dem Geburtsland oder der zu Hause gesprochenen Sprache gefragt. Anschließend wurden diese Daten mit Hilfe verschiedener Kodierungssysteme international vergleichbar gemacht, um somit soziale und kulturelle Vergleiche zwischen den Nationen anstellen zu können[3].

2.2. Analyse einiger Ergebnisse der Studien im Vergleich

Die kompetenzbezogenen Ergebnisse der einzelnen PISA – Studien sind hinlänglich bekannt und wurden bereits ausführlich in den Medien debattiert. Der erste Teil der Studie, PISA 2000, zeigte eklatante Schwächen deutscher Schüler in allen drei getesteten Kernkompetenzen. Insbesondere der Bereich der Lesekompetenz, der von Experten als wichtigster Bestandteil für die spätere persönliche und berufliche Entwicklung der Schüler angesehen wird[4], war im internationalen Vergleich weit hinter dem OECD-Durchschnitt angesiedelt. Mit 484 Punkten belegte Deutschland hier nur den 21 Platz der insgesamt 31 teilnehmenden Staaten. Der vorgegebene OECD Durchschnittswert lag bei 500 Punkten. Noch auffälliger als das insgesamt schlechte Abschneiden war allerdings die sehr hohe Spannbreite zwischen den Leistungen der fünf Prozent besten und denen der fünf Prozent schwächsten Schülern in Deutschland. Mit einer Spannbreite von 366 Punkten hatte Deutschland im Bereich der Lesekompetenz die höchste Diskrepanz aller teilnehmenden Staaten zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülern zu verzeichnen[5]. Nicht ganz so erheblich, aber ebenfalls deutlich zu erkennen ist dies auch in den beiden anderen Kernkompetenzen Mathematik und Naturwissenschaften.

Auch in den beiden folgenden PISA Studien der Jahre 2003 und 2006 hat sich an dieser Ungleichverteilung der Bildung wenig geändert. Zwar hat sich das Gesamtergebnis deutscher Schüler stark verbessert (2003 erreichte Deutschland Platz 16 unter den 29 OECD Staaten und im Jahr 2006 wurde im Bereich der Naturwissenschaften mit 516 Punkten sogar ein 8. Rang erreicht, womit Deutschland erstmals signifikant über dem OECD Schnitt lag), der Anteil der Schüler die von der Studie zur sogenannten Risikogruppe gezählt wurden, war aber auch in diesen beiden Jahren in Deutschland höher als in allen anderen teilnehmenden Ländern. Zur Risikogruppe zählen dabei alle diejenigen besonders schwachen Schüler, die entweder auf oder sogar unter der niedrigsten Kompetenzstufe liegen. Ihr Anteil betrug in Deutschland bei PISA 2003 beispielsweise fast 22 Prozent.

2.3. Die Leistungen der Schüler mit Migrationshintergrund bei PISA 2003

In diesem Zusammenhang ist es weiterhin nötig, auch die Leistungen von Schülern mit Migrationshintergrund in Deutschland zu untersuchen. Bereits die in den letzten Jahren veröffentlichen Daten der amtlichen Statistik ließen deutliche Unterschiede zwischen den Leistungen ausländischer und denen deutscher Schüler im deutschen Schulsystem erkennen. So besuchten in den Jahren 1991 bis 2000 insgesamt 38,7 Prozent der Deutschen, aber nur 18,9 Prozent der Schüler ohne deutschen Pass ein Gymnasium. Spiegelbildlich hierzu zeigte sich die Entwicklung auch an Hauptschulen. Diese wurden im gleichen Zeitraum von 40,8 Prozent der ausländischen und nur von 16,3 Prozent der deutschen Schülern besucht[6]. Da es sich bei der hier erfolgten Erhebung um eine Einteilung der Schüler nach Pass – Zugehörigkeit handelte und Schüler mit deutschem Pass aber ausländischen Eltern somit als Deutsche registriert wurden, wird das Ergebnis dieser Studie sicher etwas verzerrt dargestellt. Trotzdem war bereits hier eine deutliche Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund erkennbar.

Ein realistischeres Bild als die amtliche Statistik stellten dann auch die Ergebnisse der drei PISA – Studien dar, die hier den Migrationshintergrund auf Grundlage des Geburtslandes der Eltern definieren. Dabei unterteilte PISA die Leistungen der untersuchten Migrantenkinder in zwei verschiedene Gruppen: Auf der einen Seite Schüler der ersten Generation, die nicht im Erhebungsland geboren wurden und deren Eltern ebenfalls aus dem Ausland stammen, und auf der anderen Seite Migranten der zweiten Generation, also Schüler, die im Erhebungsland geboren wurden, deren Eltern aber aus dem Ausland kommen. Demgegenüber stellte PISA die Leistungen von einheimischen, also im Erhebungsland geborenen Schülern, von denen mindestens ein Elternteil ebenfalls im Erhebungsland geboren wurde.

Die dabei erlangten Ergebnisse müssen aus deutscher Sicht durchaus als problematisch angesehen werden. Vor allem PISA 2003 zeigte eklatante Unterschiede zwischen den Leistungen der Schülern mit Migrationshintergrund und denen von einheimischen Schülern. Während die Leistungen von Schülern ohne Migrationshintergrund in allen Kernkompetenzen in etwa auf dem Niveau des OECD Durchschnitts aller einheimischer Schüler lagen, waren die der Schüler mit Migrationshintergrund in kaum einem teilnehmenden Land so schwach wie in Deutschland. Besonders überraschend war dabei die Tatsache, dass die in Deutschland geborenen Schülern der 2. Generation bei PISA 2003 deutlich schlechter abschnitten, als diejenigen der ersten, im Ausland geborenen Generation. Obwohl diese Schüler ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland verbracht haben, stellen sie die leistungsschwächste getestete Gruppe. Die Diskrepanz zwischen einheimischen Schülern und denen der 2. Migrantengeneration ist dabei in keinem Land so signifikant, wie dies in Deutschland der Fall ist.[7]

Zwar muss festgestellt werden, dass mit Ausnahme der klassischen Einwanderungsländer Australien, Kanada und Neuseeland auch alle anderen getesteten Staaten einen deutlichen Leistungsabfall derjenigen Schüler mit Migrationshintergrund zu verzeichnen hatte, die Abweichung der Leistungen von einheimischen und zugewanderten Schülern war aber in kaum einem Land so erheblich wie in Deutschland.

Das deutsche Bildungssystem hat es somit zwar geschafft, innerhalb der letzten Jahre für eine Verbesserung der allgemeinen Schülerleistungen zu sorgen, die schulische Förderung von Migrantenkindern scheint aber immer noch zu kurz zu kommen.

[...]


[1] Um das Schriftbild nicht unnötig zu verkomplizieren, sind im Folgenden mit „Schülern“ sowohl Schüler als auch Schülerinnen gemeint.

[2] Informationen und Daten zu PISA stammen aus den jeweils veröffentlichten, offiziellen Berichten

(vgl. Stanat, Baumert et al. (2002): PISA 2000: Die Studie im Überblick – Grundlagen, Methoden und Ergebnisse; Pisa Konsortium Deutschland (2007): PISA 2006: Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie)

[3] Baumert, Stanat, Watermann (2006): Herkunftsbedingte Disparitäten im Bildungswesen, S. 19-21

[4] vgl. Hurrelmann, B. (2002): Leseleistung – Lesekompetenz, S. 6

[5] vgl. Stanat, P. (2002): PISA 2000 – Die Studie im Überblick

[6] Vgl. Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland (2002) S. 22

[7] vgl. Stanat & Christensen (2006): Schulerfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im internationalen Vergleich, S. 38 und 39

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
PISA und die Folgen
Untertitel
Der Versuch einer Erklärung
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar - Bildungspolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V121986
ISBN (eBook)
9783640271887
ISBN (Buch)
9783640272136
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PISA, Folgen, Hauptseminar, Bildungspolitik
Arbeit zitieren
Norbert Lagrain (Autor), 2009, PISA und die Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121986

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