Möglichkeiten der Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

Zur Studienarbeit „Möglichkeiten der Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen“

1 EINLEITUNG

2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN

3 SPRACHFÖRDERUNG

4 PRAKTISCHE UMSETZUNG DER SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESSTÄTTEN

5 SCHLUSS

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

„Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache, und wir haben sie, um zu sprechen.“

Theodor Fontane (1819–1898)

Sprache ist keine sporadische Anwendung, die nicht von jedem gebraucht wird. Sondern sie ist ein ständiger Begleiter den jeder Mensch benötigt. Sprache ermöglicht das Denken, was schon im Kindesalter beginnt und subjektive sowie objektive Erfahrungen ordnen und verarbeiten kann. In ihr verbirgt sich aber eine noch größere und bedeutsamere Fähigkeit – das Sprechen. Durch Sprechen ermöglicht man Menschen die Versprachlichung ihrer Gefühle, Gedanken und ihres Wissens. Sie können sich austauschen und zusammenarbeiten. Um die Versprachlichung allerdings zu ermöglichen, soll man die Entwicklung der Sprache von Anfang an fördern. Deshalb hinterfrage ich die Möglichkeiten der Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen. Mit meiner Arbeit möchte ich zum einen allgemein die Sprache mit all ihren Möglichkeiten und Aufgaben untersuchen und zum anderen die Umsetzung in Kindertageseinrichtungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse und Begründungen erläutern. Um ein theoretisches Grundverständnis zu schaffen werden die Sprache, der Spracherwerb mit den verschiedenen Erwerbsarten sowie die Sprachentwicklung und deren Phasen erläutert. Um die Sprachförderung umfassend zu behandeln wird auf deren Definition, die Ziele und Prinzipien eingegangen. Zudem werden Strategien und Programme genannt. Um die sprachliche Förderung in Kindertageseinrichtungen einzubinden, wird zunächst über die Entscheidung von Fördermaßnahmen informiert. Dann werden die Fördermöglichkeiten von kommunikativen Kompetenzen, Sprachwahrnehmung, Sprechfertigkeiten, Wortschatzerwerb und -erweiterung, grammatikalischen Kompetenzen sowie die Literacy-Erziehung mit Anwendungsbeispielen aufgezeigt und auch das Sprachverhalten der pädagogischen Fachkraft untersucht.

2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN

2.1 Was ist Sprache?

„Sprache ist immer wechselseitiges, dialogisches Sprechen zwischen Zweien, Sprache realisiert sich in Anrede und Erwiderung. Die Existenzform der Sprache ist daher der Dialog“ (Humboldt 1827, 1994 / Jakubinskij 1923, 2004 / Slama-Cazacu 1977, zitiert nach Bertau 2006, S. 22).

Durch Sprache gelingt die Auseinandersetzung des Menschen mit der Welt und sich selbst (vgl. Koller 2020, S. 273) und die damit verbundene soziale und gesellschaftliche Teilnahme (vgl. Köhler 1992, S. 321). Sie ermöglicht die Kommunikation, mit welcher das Mitteilen, die Verständigung sowie die Kooperation zwischen mindestens zwei Kommunikationspartnern möglich ist. Sprache bietet die Möglichkeit auf Bildung, da sie wichtige Inhalte auf bspw. kultureller Ebene in Form von Wissen sowie Werten vermittelt. Durch Sprache wird die Kognition ermöglicht und gefördert und das menschliche Denken strukturiert. Auch Handlungen werden durch die Sprache regulativ ermöglicht und gesteuert. Die Sprache dient zudem der persönlichkeitsbildenden Funktion, sodass sie die Identitätsfindung und -entwicklung fördert. Sprache kann auf verschiedenen Ebenen genutzt werden. Dazu zählt die verbale und auditive Ebene als Lautsprache, die Schriftsprache mit dem Lesen und Schreiben und die Gebärdensprache, welche ausschließlich über das Sehen funktioniert (vgl. Hansen / Heidtmann 2007, S. 262). Die Sprachbenutzung entwickelt sich aus drei Ebenen. Bei der phonetisch-phonologischen Ebene geht es um die Laute der Wörter und deren Reduktion als Vereinfachung im sprachlichen Gebrauch. In der semantisch-lexikalischen Sprachebene verbindet sich die Sprache mit dem Sinn dahinter, wodurch auch die Abspeicherung geschieht. Zum Spracherwerb gehört ebenso die syntaktisch-morphologische Ebene, in welcher die Wörter zusammengesetzt werden, in Abhängigkeit zueinanderstehen und auch die grammatikalische Regelung erfolgt. Damit die Sprache allerdings angewendet werden kann, bedarf es der Fähigkeit und Offenheit zur Kommunikation gegenüber dem Gesprächspartner, was die pragmatisch-kommunikative Ebene beinhaltet (vgl. Adler 2011, S. 39f.). Die sprachliche Aneignung und Verwendung ist ein ständig fortlaufender Prozess der Sozialisation, welcher nie stehen bleibt (vgl. Köhler 1992, S. 321). Zudem bezeichnet Ferdinand de Sausure die Sprache als „System von Zeichen und Regeln“ (Köhler 1992, S. 321).

2.2 Begriffsklärung von Spracherwerb

Als biologische Basis wird die Fähigkeit zur Sprache betitelt, welche seit Beginn des menschlichen Lebens vorhanden ist und sich durch den Spracherwerb entwickeln kann (vgl. Adler 2011, S. 28). Grundvoraussetzung stellt ebenso die Bindung und Beziehung zwischen den Kindern und ihren Eltern ab Beginn der Geburt dar, um den Kleinen die Notwendigkeit von Sprache zu zeigen und sie darin zu befähigen (vgl. Jungmann / Albers 2013, S. 51). Sprache findet schon im Säuglingsalter durch das Schreien statt, welches von Eltern und anderen Mitmenschen als Mitteilung und Dialog gedeutet wird (vgl. Wirts 2013). Der Spracherwerb ist ein über mehrere Jahre fortlaufender Prozess, welcher sich im Kindes- und Kleinkindalter unbewusst fortentwickelt und an die weitere physische und psychische Entwicklung des Kindes bindet (vgl. Adler 2011, S. 28). Der Erwerb befähigt zum kommunikativen Austausch sowie dem Gefallen an der sozialen Interaktion und wird durch die Beobachtung und den aktiven Versuch von Sprache erlernt (vgl. Wirts 2013). Allerdings ist er abhängig von der Interaktion und Qualität des Sprechenden bzw. der Sprachausgabe (vgl. Jungmann / Albers 2013, S. 51). Der Erwerb gelingt durch das implizite und explizite Lernen. Das implizite Lernen geschieht im Unterbewusstsein durch Aufsaugen von Wissen und bestimmten Inhalten. Während beim expliziten Lernen der Erwerb von Sprache durch Aufmerksamkeit und Bewusstsein auf das Lernen gelingt und die Inhalte gezielt in die Erinnerung gerufen werden können (vgl. List 2006, S. 16). Sprachen können verschieden erworben werden, wie folgend dargestellt ist.

2.2.1 Muttersprache

Wie der Begriff schon sagt, handelt es sich bei der Muttersprache um den Erwerb der Sprache, welche die Mutter seit Anfang der kindlichen Entwicklung spricht und dem Kind durch Vertrauen gegenüberbringt. Die Muttersprache stellt die Erst- und Primärsprache dar und ist zugleich Basis für den Spracherwerb, da diese Sprache als Erste erlernt wird (vgl. Adler 2011, S. 111).

2.2.2 Erstspracherwerb

„Unter Erstsprache ist die erste, von einem Menschen erworbene Sprache zu verstehen“ (Oskaar 203, S. 13, zitiert nach Adler 2011, S. 111). Diese unterscheidet sich von der Muttersprache durch den eigenständigen Erwerb des Kindes, welchen es durch das Zuhören seiner Hauptbezugsperson erlernt und nicht zwingend nur von der Mutter (vgl. Adler 2011, S. 111). Die Erstsprache bleibt nicht standesgemäß die Hauptsprache als Starke, sondern kann sich durch eine weitere erlernte Sprache als die Schwächere entwickeln (vgl. Adler 2011, S. 112).

2.2.3 Zweitspracherwerb

Eine Zweitsprache kann nach oder gleichzeitig zur Erstsprache erworben werden. Der Erwerb funktioniert durch die Verkehrssprache und findet nicht unter einem bewussten Lernen statt, weshalb er sich von der Fremdsprache unterscheidet (vgl. Adler 2011, S. 112).

2.2.4 Bilingualismus

Der Bilingualismus ist Teil des Zweitspracherwerbs, er umfasst die gleichzeitige Aneignung von zwei Sprachen seit der Geburt des Kindes. Er befähigt zum Sprechen und Verstehen von zwei Sprachen gleichzeitig (vgl. Adler 2011, S. 112).

2.3 Sprachentwicklung

2.3.1 Begriffsklärung von Sprachentwicklung

Die Sprachentwicklung beginnt bereits mit dem erläuterten Spracherwerb, nämlich schon in der Schwangerschaft der Mutter (vgl. Dux / Sievert 2012, S. 7). Sprache entwickelt sich durch das Zusammensetzen einzelner Laute zu einem Konstrukt, welches durch kontinuierliche Wiederholung verinnerlicht wird (vgl. Dux / Sievert 2012, S. 8). Zudem bildet sie sich nicht nur durch den Menschen selbst heraus, sondern ebenso durch die Umwelt wie zum Beispiel mit nahen Bindungspersonen durch Hören und Nachahmen (vgl. Dux / Sievert 2012, S. 7). Laut Bunse und Hoffschildt (2014) muss Sprachentwicklung begleitet und unterstützt werden (vgl. Beckerle 2017, S. 19). Daher ergeben sich aus der Beobachtung der Sprachentwicklung individuelle Fördermöglichkeiten (vgl. Beckerle 2017, S. 49). Zudem unterstützt und fördert Bildung die Entwicklung der Sprache (vgl. Beckerle 2017, S. 16), welche auch durch additive Förderung sowie alltagsintegrierte Konzepte optimiert werden kann (vgl. Beckerle 2017, S. 25/30).

2.3.2 Phasen der Sprachentwicklung

Schon im Mutterleib entwickeln sich zur Sprache notwendige Körperteile wie Lippen, Zunge und Gaumen und das Kind nimmt seit dem 5. Schwangerschaftsmonat äußere Geräusche und Stimmen wahr (vgl. Dux / Sievert 2012, S. 10; Sachse 2016, S. 558). Erster sprachlicher Ausdruck bei Babys zeigt sich durch das Schreien, womit sie Bedürfnisse und Gefühle signalisieren. Ungefähr ab dem achten Monat stellen Kinder Erfahrungen mit abgegebenen Lauten her, welche allerdings noch keine inhaltlichen Bedeutungen haben. Anschließend versuchen sich Babys mit der Nachahmung und können bestimmte Bedeutungen mit Wörtern unter anderem durch Mimik und Gestik verknüpfen. Nach der Vollendung des ersten Lebensjahres können viele Kinder schon erste Worte sprechen und diese mit Klang und Assoziationen verbinden (vgl. Dux / Sievert 2012, S. 11). Danach entwickelt sich der Wortschatz fortlaufend und mit der kontinuierlichen Steigerung der Wörter bilden sich erste Kurzsätze, welche sich anschließend zu ganzen und verschachtelten Sätzen ausbauen (vgl. Sachse 2016, S. 558).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten der Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V1220519
ISBN (Buch)
9783346645609
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Sprachförderung, Kita, Kindertageseinrichtung, Sprechen, Förderung, Kinder, Frühkindliche Bildung, Bildung, Entwicklung, Sprachentwicklung, praktische Umsetzung
Arbeit zitieren
Luisa Becker (Autor:in), 2020, Möglichkeiten der Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1220519

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