Aus dem Gutachten meiner Betreuerin:
Herr Dyllick-Brenzinger stellt in seiner Diplomarbeit die Frage, warum wir Unternehmensberatungen brauchen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die europäische Beraterbranche in den letzten Jahrzehnten stark und überproportional zum Rest der Ökonomie gewachsen ist. Er beantwortet die Frage mit der Notwendigkeit der Reduktion gestiegener Transaktionskosten, die ein neues Geschäftsfeld eröffnet hat, welches von
Unternehmensberatungen bedient wird.
Herr Dyllick-Brenzinger gibt zunächst einen Überblick über die Branche, indem er ihre historische Entwicklung aufzeigt, ihre Besonderheiten herausstreicht und sich der Abgrenzung des Aufgabenfeldes von Unternehmensberatungen und dem Problem der Leistungsmessung widmet.
In Kapitel 6 gibt er einen gründlichen Überblick über die Transaktionskostentheorie und argumentiert in Abschnitt 7.1, dass die Transaktionskosten an Bedeutung gewonnen haben. In Abschnitt 7.2 skizziert Herr Dyllick-Brenzinger die Theorie der Wissenshierarchien nach Garicano (2000) und diskutiert die Wirkung von Reorganisationsmassnahmen auf die Transaktionskosten in Abschnitt 7.3. Kapitel 8 widmet sich der Frage, ob die Beratungsleistung besser intern oder extern erbracht wird. In Abschnitt 8.3 wird diese Frage vor dem Hintergrund der Transaktionskostentheorie erörtert.
In Kapitel 9 versucht Herr Dyllick-Brenzinger eine Einschätzung der Zukunftsperspektiven der Branche und schließt die Arbeit mit einem kurzen Fazit in Kapitel 10 ab.
Bemerkenswert ist, dass Herr Dyllick-Brenzinger an den Stellen, an denen er im Rahmen der Literaturrecherche keine Antworten fand, selbst mit einer eigens entwickelten Befragung von Vertretern der Branche ansetzt, die er gewissenhaft auswertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Relevanz der Arbeit
1.2 Ziel- und Fragestellung dieser Arbeit
1.3 Aufbau und Vorgehensweise
2. Theoretische Einordnung des Untersuchungsgegenstands
2.1 Der diffuse Begriff der Unternehmensberatung
2.1.1 Dienstleistungscharakteristika
2.1.2 Teildisziplinen der Beratung
2.1.3 Empfänger von Beratungsleistungen
2.2 Wirtschaftliche Bedeutung von Unternehmensberatungen
3. Geschichte der Unternehmensberatung
3.1 Ursprung der Unternehmensberatung
3.2 Entwicklungen der Unternehmensberatung
3.3 Vom Berater zum Partner
3.4 Boom der letzten 30 Jahre
3.5 Startschwierigkeiten des 21ten Jahrhunderts
4. Evaluation von Beratungsleistungen
4.1 Versuche der Leistungsmessung
4.2 Schwierigkeiten der Leistungsmessung
4.3 Leistungsmessung in der Realität
5. Aufgaben und Rollen von Unternehmensberatungen
5.1 Kategorisierung aus Sicht der Wissenschaft
5.1.1 Schein (1988)
5.1.2 Nees/Greiner (1985)
5.1.3 Turner (1982)
5.2 Kategorisierung aus Sicht der Praxis
6. Transaktionskostentheorie
6.1 Grundgedanke der Transaktionskosten
6.2 Ursachen für Transaktionskosten
6.3 Interne und externe Transaktionskosten
6.3.1 Markttransaktionskosten
6.3.2 Unternehmenstransaktionskosten
6.4 Transaktionsfaktoren
6.5 Grenzen der Transaktionskostentheorie
7. Warum brauchen wir Unternehmensberatungen?
7.1 Warum werden Beratungsdienstleistungen nachgefragt?
7.2 Modell der Wissenshierarchien
7.3 Wirkungen von Unternehmensberatungen im Modell der Wissenshierarchien
7.3.1 Ausgangssituation
7.3.2 Interne Kostenreduzierung
7.3.3 Externe Transaktionskosten
8. Externe oder interne Berater?
8.1 Stimmen von Wissenschaftlern und Beratern
8.1.1 Bower (1983)
8.1.2 Schwenker (2008)
8.1.3 Kelley (1979)
8.2 Entwicklung der externen und internen Beratungen
8.3 Transaktionskostentheorie und die Vorteile von externen Beratern
8.3.1 spezifische Investitionen
8.3.2 Verhaltens- und Umweltunsicherheit
8.3.3 Häufigkeit der Transaktionen
8.3.4 Anpassung der internen an die externen Beratungen
9. Zukunfsperspektiven der Unternehmensberatung
9.1 Mögliche Entwicklungen in der Unternehmensberatung
9.1.1 Fortschreitendes Wachstumsszenario
9.1.2 Rezessionsszenario
9.2 Zukunftsaussichten und Herausforderungen aus Beratersicht
10. Abschlußbetrachtung
10.1 Ergebnis
10.2 Ausblick
A. Beraterbefragung
A.1 Aufbau und Ziele der Beraterbefragung
A.2 Ergebnisse der Beraterbefragung
A.2.1 Informationen über die Teilnehmer
A.2.2 Fragebogen Seite 1: Aufgaben eines Unternehmensberaters
A.2.3 Fragebogen Seite 2: Ist die Leistung von Beratern messbar?
A.2.4 Fragebogen Seite 3: Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit dem Kunden
A.2.5 Fragebogen Seite 4: Zukunft, Bedrohungen und Herausforderungen der Branche
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Entstehung und Entwicklung der Unternehmensberatungsbranche mithilfe der Transaktionskostentheorie wissenschaftlich zu begründen und zu erklären, warum Unternehmen auf externe Beratung zurückgreifen.
- Transaktionskostentheorie als Erklärungsmodell für die Beratungsbranche
- Evaluation und Leistungsmessung von Beratungsleistungen
- Rollen- und Aufgabenverständnis von Beratern aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht
- Vergleich zwischen internen Beratungsabteilungen und externen Beratungsunternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1 Ursprung der Unternehmensberatung
Ähnlich schwierig, wie die Bestimmung einer klaren und fassbaren Definition eines Unternehmensberaters, ist es die genaue Geburtsstunde der Unternehmensberatung festzulegen. So gab es in der Geschichte der Menschheit schon immer Menschen, die über die Dienstleistungskriterien eines Beraters verfügten und anderen mit Rat und Tat zur Seite standen. Gaius Maecenas beispielsweise war im ersten Jahrhundert v. Chr. Vertrauter und politischer Berater von Augustus, dem ersten römischen Kaiser und könnte somit als Berater bezeichnet werden (Kitsopoulos, 2003).
In der Literatur werden jedoch häufig zwei andere Zeitpunkte genannt, die als die Urstunde der Unternehmensberatung gelten. Der eine ist das Jahr 1886, da in diesem Jahr das auf chemische Analysen spezialisierte Unternehmen Arthur D. Little gegründet wurde, welches als die erste Unternehmensberatung der Welt gilt (Fink/Knoblach, 2003).
Die Anfänge von Arthur D. Little lagen jedoch nicht bei der Beratung und so dauerte es einige Jahre bis Arthur D. Little neben den Tests auf Verunreinigungen seinen Schwerpunkt auf die Beratung verlagerte. Die Geschichte von Arthur D. Little soll kurz aufgezeigt werden, bevor die zweite Geburtsstunde der Beraterbranche behandelt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unternehmensberatung ein und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Theoretische Einordnung des Untersuchungsgegenstands: Das Kapitel befasst sich mit der Definition des diffusen Beratungsbegriffs und den spezifischen Charakteristika von Beratungsdienstleistungen.
3. Geschichte der Unternehmensberatung: Hier wird der historische Werdegang der Branche von den Ursprüngen bis zum aktuellen Boom beleuchtet.
4. Evaluation von Beratungsleistungen: Dieses Kapitel untersucht die wissenschaftliche Messbarkeit von Beratungsleistungen und die damit verbundenen methodischen Schwierigkeiten.
5. Aufgaben und Rollen von Unternehmensberatungen: Es erfolgt eine Kategorisierung von Beraterrollen anhand bekannter wissenschaftlicher Ansätze (Schein, Nees/Greiner, Turner) sowie eine Gegenüberstellung mit der Praxis.
6. Transaktionskostentheorie: Das Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der Transaktionskostentheorie nach Coase und Williamson dar, um den Bedarf an Organisationsformen zu erklären.
7. Warum brauchen wir Unternehmensberatungen?: Hier wird die Transaktionskostentheorie auf die Beratungsbranche angewandt und das Modell der Wissenshierarchien zur Erklärung von Beratungsleistungen genutzt.
8. Externe oder interne Berater?: Eine detaillierte Analyse der Vor- und Nachteile von internen versus externen Beratungsansätzen wird hier vorgenommen.
9. Zukunfsperspektiven der Unternehmensberatung: Abschließend werden verschiedene Szenarien für die Zukunft der Branche diskutiert.
10. Abschlußbetrachtung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Unternehmensberatung, Transaktionskostentheorie, Leistungsmessung, Beratungsevaluation, Wissenshierarchien, Externe Beratung, Interne Beratung, Managementberatung, Beratungshistorie, Beratungsrollen, Effizienzsteigerung, Kundenbeziehung, Beratungsmarkt, Strategieberatung, Managementpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die ökonomischen Gründe für die Entstehung und den Erfolg der Unternehmensberatungsbranche unter Anwendung der Transaktionskostentheorie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Geschichte der Branche, die Herausforderungen bei der Leistungsmessung, die Rollen von Beratern und die Entscheidungskriterien zwischen internen und externen Beratern ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu begründen, warum Unternehmensberatungen existieren und wie sie durch die Reduzierung von Transaktionskosten einen Mehrwert für Unternehmen generieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Neben der theoretischen Einordnung durch die Transaktionskostentheorie wird das Modell der Wissenshierarchien von Garicano/Rossi-Hansberg angewandt und durch eine eigene empirische Beraterbefragung ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretische Einordnung, historische Entwicklung, Messproblematiken, das Rollenverständnis von Beratern sowie die ökonomische Begründung für die Beauftragung externer Experten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensberatung, Transaktionskostentheorie, Wissenshierarchien, Leistungsmessung und die Differenzierung zwischen internen und externen Beratungsressourcen.
Warum fällt es Beratern schwer, ihre Leistung wissenschaftlich zu messen?
Aufgrund der Immaterialität, Indeterminierbarkeit und Einzigartigkeit von Beratungsprojekten gestaltet sich die direkte Zuordnung von Beratungshandlungen zu messbaren Betriebsergebnissen als äußerst schwierig.
Wie wirkt sich Vertrauen auf die Zusammenarbeit mit Beratern aus?
Vertrauen fungiert als unverzichtbares Gut, da aufgrund der Komplexität moderner Managementaufgaben Verträge nie vollständig sein können und der persönliche Faktor "People Business" die Zusammenarbeit maßgeblich beeinflusst.
- Citation du texte
- Christoph Dyllick-Brenzinger (Auteur), 2008, Warum brauchen wir Unternehmensberatungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122160