Dieses Sachbuch gibt nach einer umfassenden theoretischen Einführung in Trauer, Trauerphasen und die Bevölkerungs- und Altersstruktur in Deutschland einen Überblick über die Themen Sterben und Tod, Palliativ- und Hospizpflege (u.a. Sterbebegleitung und Trauerreden) und Sterbehilfe.
Trauern und Sterben sind keine Krankheiten - aber Themen, die jeden Menschen und jeden Helfenden existentiell betreffen. Sowohl die Trauer als auch das Sterben sind Prozesse, Ausnahmezustände fern der alltäglichen Routine. Den Wenigsten ist klar, dass jedem Abschied auch ein Neubeginn innewohnen kann, dass die Zeit danach nicht automatisch einsam, traurig, desillusioniert oder ambivalent sein muss, sondern die jeweilige Lebensqualität unter Anpassung an die Gegebenheiten auch ein persönlicher Gewinn, eine positive Veränderung sein und werden kann. Nichts anderes als diese Veränderung der eigenen Denkweise (Perspektiven- und Paradigmenwechsel) und der Umgang mit der jeweiligen Thematik sind entscheidend für die individuelle Weiterentwicklung.
Auch jene aufmerksamen Interessierten, die noch keine nachhaltig verändernden Verlusterfahrungen erlebt haben, können sich durch das Aneignen von Handlungsstrategien und psychologischen Techniken (Aktives Zuhören, Aufmerksamkeitsbewusstsein, Empathie, türöffnendes Verhalten, Validationstechniken und andere Copingstrategien) ein umfangreiches Wissen aneignen, das ihnen selbst, aber auch ihrer zukünftigen Klientel sehr nützlich sein kann bei der effektiven Bewältigung von Trauer. Bildungsarbeit kann hier dienlich sein, noch nicht vollständig aufgearbeitete negative Gefühle und eventuelle destruktive Einstellungen zu überdenken und selbstkritisch (durch Selbstreflexion) zu hinterfragen und auf diese Weise freigesetzte Positivismen zur (Neu-) Gestaltung seines eigenen Lebens ebenso zu nutzen wie bei der Arbeit bzw. dem Umgang mit Trauernden und Sterbenden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1 Trauer
- 1.1.1 Trauerphasen
- 1.1.2 Komplizierte Trauer
- 1.1.3 Wünschenswerte Verhaltensweisen und Handlungskompetenzen von Trauerbegleiter*innen
- 1.1.4 Wünschenswerte Persönlichkeitsentwicklung im Umgang mit Trauernden und ihren An- und Zugehörigen
- 1.1.5 Selbstpflege für Helfende
- 1.1 Trauer
- 2. Die Geschichte der Hospizbewegung
- 2.1 Palliative Care
- 2.1.1 Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland
- 2.2 Gesellschaftliche und staatliche Akzeptanz und Anerkennung der Palliativ- und Hospizpflege
- 2.3 Zahlen und Fakten der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland
- 2.4 Hospiz- und Palliativgesetz
- 2.5 Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung
- 2.1 Palliative Care
- 3. Bevölkerungs- und Altersstruktur in Deutschland
- 3.1 Patienten- und Betreuungsverfügungen/Vorsorgevollmachten
- 3.1.1 Muster einer Vorsorgevollmacht mit Betreuungs- und Patientenverfügung (gemäß der Bundesnotarkammer)
- 3.1.2 Aussagen der Bundesärztekammer
- 3.1 Patienten- und Betreuungsverfügungen/Vorsorgevollmachten
- 4. Sterben und Tod
- 4.1 Unsichere und sichere Todeszeichen
- 4.2 Organspende
- 4.3 Sterbenstypen
- 4.4 Die 12 Rechte der Sterbenden
- 4.5 Beschwerden und Zustände in den Sterbephasen
- 4.6 Sterbephasen
- 4.6.1 Was passiert konkret, wenn ein Mensch stirbt?
- 4.6.2 Allgemeine Handhabungsempfehlungen für die Pflege
- 4.6.3 Maßnahmen nach Eintritt des Todes
- 4.6.4 Rituale und Bedeutung
- 4.6.5 Religiös geprägte Rituale im Zusammenhang mit Sterben und Tod
- 5. Palliativ- und Hospizpflege
- 5.1 Sterbephasen und Stufenmodelle
- 5.2 Nahtoderfahrungen
- 5.3 Kommunikation mit Sterbenden und Trauernden
- 5.4 Sterbeorte (bei begleitetem Sterben)
- 5.5 Sterbebegleitung und Hospizkultur Kinder
- 5.5.1 Kinderhospizarbeit in Deutschland
- 5.6 Umgang und Kommunikation mit „verwaisten" Eltern
- 5.7 Umgang mit der Trauer von Kindern
- 5.7.1 Entwicklungsphasen nach Erik Homburger Erikson
- 5.7.2 Entwicklungsphasen und kritische Lebensereignisse nach Robert J. Havighurst
- 5.7.3 Rechte der Kinder
- 5.8 Bedeutung von Religiosität und Spiritualisierung im Trauer- und Sterbeprozess
- 5.8.1 Trauerreden
- 5.8.1.1 Beispiel für eine Trauerrede
- 5.8.1 Trauerreden
- 5.9 Bestattungen
- 6. Sterbehilfe
- 6.1 Aktive Sterbehilfe in Deutschland
- 6.2 Passive Sterbehilfe in Deutschland
- 6.3 Aktive Sterbehilfe in Europa
- 6.4 Euthanasie in Europa
- 7. Leistungsspektrum von Trauer- und Sterbebegleiter*innen
- 8. Begriffserklärungen
- 8.1 Loslassen als Chance eines Neubeginns
- 9. Literaturverzeichnis
- 10. Hinweise zum Buch
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Publikation befasst sich umfassend mit der personen- und klientenzentrierten Pflege und Betreuung am Lebensende. Sie beleuchtet die komplexen Prozesse des Abschiednehmens, Loslassens, der Trauer- und Sterbebegleitung und richtet sich an Betreuungskräfte im Rahmen ihrer Zusatzqualifizierung gemäß §§43b, 53b SGB XI. Das primäre Ziel ist es, ein tiefgehendes Verständnis für die existenzielle Bedeutung von Trauer und Sterben zu vermitteln und praktische sowie ethische Orientierung für deren Begleitung zu geben, um die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen am Lebensende zu verbessern.
- Trauerphasen und Komplizierte Trauer
- Geschichte und Entwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung
- Rechtliche Grundlagen und Vorsorgevollmachten im Sterbeprozess
- Sichere und unsichere Todeszeichen sowie Sterbehilfedebatte
- Spezifische Aspekte der Kinderhospizarbeit und des Umgangs mit Kindertrauer
- Bedeutung von Religiosität, Spiritualität und Ritualen am Lebensende
Auszug aus dem Buch
Die 12 Rechte der Sterbenden
Die Rechte eines Sterbenden wurden in Michigan, USA, anlässlich eines Seminars zum Thema Sterbende Menschen und Helfende Menschen an der Wayne Universität in Detroit Michigan erarbeitet. Diese Rechte beschreiben auf eine sehr direkte Art die Leitsätze der Hospizbewegung und der Palliativmedizin. Sie stellen in ihrer Aussage das solide Fundament jedes Handelns für sterbende Menschen, unabhängig ihrer Diagnose dar.
▪ Das Recht, als lebender Mensch behandelt zu werden und sich ein Gefühl der Hoffnung zu bewahren, egal, wie subjektiv diese Hoffnung auch sein mag.
▪ Das Recht, Gedanken und Gefühle zum Thema Tod auf seine Weise zum Ausdruck zu bringen.
▪ Das Recht, an allen, die eigene Pflege betreffenden Entscheidungen teilzuhaben.
▪ Das Recht, von mitfühlenden, sensiblen und kompetenten Menschen gepflegt zu werden, die sich bemühen, die Bedürfnisse der/s Kranken zu verstehen.
▪ Das Recht, den Prozess des Todes zu verstehen und auf alle Fragen ehrliche und vollständige Antworten zu bekommen.
▪ Das Recht zu Sterben.
▪ Das Recht, Trost in geistigen Dingen zu suchen.
▪ Das Recht, körperlich schmerzfrei zu sein.
▪ Das Recht der Kinder, am Tod teilzuhaben.
▪ Das Recht, friedlich und in Würde zu sterben.
▪ Das Recht, nicht einsam zu sterben.
▪ Das Recht, zu erwarten, dass die Unantastbarkeit des Körpers nach dem Tod respektiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Trauer und Sterben als existenzielle Prozesse ein, die eine individuelle Weiterentwicklung auch durch positive Veränderungen in Zeiten des Verlustes ermöglichen, und betont die Rolle von erfahrenen Begleitern.
2. Die Geschichte der Hospizbewegung: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Hospizbewegung und Palliativversorgung von den Anfängen bis zur heutigen gesetzlichen Verankerung und breiten gesellschaftlichen Anerkennung in Deutschland.
3. Bevölkerungs- und Altersstruktur in Deutschland: Hier werden demografische Veränderungen in Deutschland analysiert und die entscheidende Bedeutung von Patienten- und Betreuungsverfügungen sowie Vorsorgevollmachten für die Selbstbestimmung hervorgehoben.
4. Sterben und Tod: Das Kapitel definiert Todeszeichen und Sterbetypen, erläutert die Rechte Sterbender, beschreibt typische Beschwerden in Sterbephasen und beleuchtet die vielfältigen Rollen von Ritualen im Sterbeprozess.
5. Palliativ- und Hospizpflege: Dieses Kapitel behandelt die Sterbephasen nach Kübler-Ross, erforscht Nahtoderfahrungen, gibt Empfehlungen zur Kommunikation mit Sterbenden, diskutiert Sterbeorte und widmet sich speziell der Kinderhospizarbeit sowie dem Umgang mit trauernden Kindern und ihren Eltern.
6. Sterbehilfe: Eine umfassende Erörterung der aktiven, passiven Sterbehilfe und der Suizidassistenz in Deutschland und anderen europäischen Ländern, einschließlich der jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen.
7. Leistungsspektrum von Trauer- und Sterbebegleiter*innen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die vielfältigen Methoden und Kompetenzen, die Trauer- und Sterbebegleiter einsetzen, um Betroffene und ihre Angehörigen professionell und empathisch zu unterstützen.
8. Begriffserklärungen: Dieses Kapitel bietet umfassende Definitionen zentraler Fachbegriffe im Kontext von Palliative Care, Sterben und Trauer, um ein klares Verständnis der Thematik zu gewährleisten.
8.1 Loslassen als Chance eines Neubeginns: Eine tiefgehende Reflexion über den oft schmerzhaften Prozess des Loslassens, der als notwendige Chance zur persönlichen Weiterentwicklung, zur Schaffung neuen Sinns und zum selbstbestimmten Neubeginn im Leben verstanden wird.
Schlüsselwörter
Palliativpflege, Hospizbewegung, Trauerbegleitung, Sterbebegleitung, Loslassen, Patientenverfügung, Sterbephasen, Palliative Care, Kindertrauer, Euthanasie, Schmerztherapie, Selbstpflege, Endlichkeit, Thanatologie, Lebensqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der personen- und klientenzentrierten Pflege und Betreuung am Lebensende, insbesondere dem Abschiednehmen, Loslassen, der Trauer- und Sterbebegleitung sowie der Zusatzqualifizierung für Betreuungskräfte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Trauerprozesse, die Geschichte und Entwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte des Sterbens, sowie konkrete Handhabungsempfehlungen für die Begleitung Sterbender und Trauernder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die existenzielle Bedeutung von Trauer und Sterben zu vermitteln und praktische sowie ethische Orientierung für deren Begleitung zu geben, um die Lebensqualität am Lebensende zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und zusammenfassenden Darstellung etablierter Konzepte und Erkenntnisse aus Psychologie, Medizin, Soziologie und Rechtswissenschaften, ergänzt durch praktische Empfehlungen und Modelle (z.B. Kübler-Ross, Erikson, Havighurst).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Hospizbewegung, gesetzliche Rahmenbedingungen (Hospiz- und Palliativgesetz), demografische Veränderungen, Patientenverfügungen, Todeszeichen, Sterbephasen, Kommunikation mit Sterbenden und Trauernden, Kinderhospizarbeit, Sterbehilfe und das Leistungsspektrum von Trauer- und Sterbebegleiter*innen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Palliativpflege, Hospizbewegung, Trauerbegleitung, Sterbebegleitung, Loslassen, Patientenverfügung, Sterbephasen, Palliative Care, Kindertrauer, Euthanasie, Schmerztherapie, Selbstpflege, Endlichkeit, Thanatologie, Lebensqualität.
Wie unterscheidet sich die Betreuung von Kindern am Lebensende von der Erwachsenenbetreuung?
Kinderhospize sind auf das gesamte Familiensystem ausgerichtet und berücksichtigen alters- und entwicklungsentsprechende Gesichtspunkte sowie die spezifischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, deren Lebenserwartung verkürzt ist.
Welche Rolle spielen Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen in Deutschland?
Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen ermöglichen es Bürgern, ihren Willen bezüglich medizinischer und pflegerischer Maßnahmen sowie rechtlicher Vertretung für den Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit festzulegen, wobei der mutmaßliche Wille des Betroffenen stets oberste Prämisse ist.
Was versteht die Arbeit unter "komplizierter Trauer" und wann ist professionelle Hilfe erforderlich?
Komplizierte Trauer umfasst übermäßig lang anhaltende, verzögerte, übertriebene oder larvierte Trauerreaktionen, bei denen Betroffene starken Leidensdruck erfahren oder selbstschädigendes Verhalten zeigen. In solchen Fällen ist professioneller Handlungsbedarf angezeigt, z.B. eine personen-zentrierte Therapie.
Welche Bedeutung haben Rituale im Sterbe- und Trauerprozess?
Rituale sind individuelle Handlungen, die eine zeitliche Rahmenstruktur und soziale Funktion bieten. Sie vermitteln Sicherheit, geben Gefühlen Raum (Wut, Trauer, Dankbarkeit), haben eine Botschaftsfunktion und vermitteln Verlässlichkeit, Zuversicht und Zusammengehörigkeitsgefühl als Teil der aktiven Trauerbewältigung.
- Citation du texte
- Sabine Schmidt (Auteur), 2022, Personen- und Klienten-zentrierte Pflege und Betreuung (Zusatzqualifizierung für Präsenz- und Betreuungskräfte gemäß §§43b, 53b SGB XI), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1223229