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Probleme des Anlagenbaus in fremden Kulturen

Title: Probleme des Anlagenbaus in fremden Kulturen

Seminar Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Alexandra Mörz (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
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[...] In den Anfängen des internationalen Anlagenbaus wurde meist ein großer Fehler begangen: man versuchte, die durchaus bewährten westlichen Modelle eins-zu-eins in das jeweilige Entwicklungsland zu übertragen. Sehr schnell jedoch musste man feststellen, dass eine Vermittlung von Know-how nicht durch die Imitation von westlichen Modellen möglich ist (Niebler 1972:142). Als Hauptziel des Technologietransfers konnte nicht länger die „absolute Innovation“ (Havemann 1979:134) fungieren. Die adäquate Anpassung westlicher Technologien an die äußeren und kulturellen Umstände des Entwicklungslandes steht heute im Vordergrund, was eine technologische Umgestaltung der Produkte, sowie Veränderungen bei der Produktselektion und –konstruktion mit sich bringt (Havemann 1979:134).
Die größte Schwäche im internationalen Anlagenbau stellt jedoch der menschliche Kontakt dar, der von westlicher Seite meist durch Überheblichkeit und Voreingenommenheit gegenüber den Einheimischen geprägt ist (Niebler 1972:143). Dies hängt zumeist mit der mangelhaften Schulung der Mitarbeiter im Vorfeld zusammen. Nach Hofstede entstehen die Hauptprobleme im zwischenmenschlichen Kontakt durch divergierende Individualismus- und Kollektivismus-Werte, durch Unterschiede in der Machtdistanz, sowie bei der Maskulinitäts- und Femininitäts-Dimension und der Ungewissheitsvermeidung (Hofstede 2001:310). Die „...reichen Geberländer neigen kulturell gesehen mehr zu Individualismus und die Länder, die Hilfe erhalten, sind eher kollektivistisch geprägt.“ (Hofstede 2001:310). Die Machtdistanz ist tendenziell in westlichen Ländern niedriger als in Entwicklungsländern, und „auch bei den Dimensionen Maskulinität/Femininität und Unsicherheitsvermeidung kann eine Kluft bestehen, aber in diesen Fällen stellt man sie in beiden Richtungen fest.“ (Hofstede 2001:311).
Ziel dieser Arbeit ist es nun, sowohl die rein technisch-organisatorischen, als auch die sozialorganisatorischen Probleme des Anlagenbaus in fremden Kulturen aufzuzeigen, wobei letztere an zwei Fallbeispielen verdeutlicht werden. Abschließend werde ich darauf eingehen, wie die immer noch beträchtlichen Defizite, die vor allem im interkulturellen Kontakt entstehen, verbessert werden könnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Probleme des Anlagenbaus aus technisch-organisatorischer Sicht

2.1 Probleme der Akquisition

2.2 Probleme in der Angebots- und Vertragserstellung

2.3 Probleme bei der Auftragsabwicklung

2.3.1 Technische Problemfaktoren

2.3.2 Organisatorische Problemfaktoren

2.3.3 Probleme beim Betrieb der Anlage

3. Probleme des Anlagebaus aus sozialorganisatorischer Sicht

3.1 Motivation der Mitarbeiter

3.2 Qualifikation der Mitarbeiter

3.3 Kooperation der Mitarbeiter

4. Konkrete Fallbeispiele

4.1 Rourkela

4.2 Saudi Arabien

4.3 Abschließende Analyse der Fallbeispiele

5. Schlussbemerkungen

6. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Ziel dieser Arbeit ist es, die technisch-organisatorischen sowie die sozialorganisatorischen Herausforderungen des internationalen Anlagenbaus in fremden Kulturen zu identifizieren und zu analysieren, um Wege zur Verbesserung des interkulturellen Kontakts aufzuzeigen.

  • Technisch-organisatorische Risiken im internationalen Anlagenbau
  • Sozialorganisatorische Probleme und interkulturelle Herausforderungen
  • Analyse von Fallbeispielen in Indien und Saudi-Arabien
  • Kulturelle Einflussparameter nach Hofstede
  • Strategien zur Vorbereitung und Betreuung von Auslandspersonal

Auszug aus dem Buch

4.1 Rourkela

Ende der 50er Jahre wurde in Rourkela im Norden Indiens mit einem Budget von 1,2 Milliarden DM innerhalb von fünf Jahren ein Hüttenwerk errichtet. An dessen Bau und Betrieb waren grob geschätzt ca. 1500 Deutsche, die sogenannten „Rourkela-Deutschen“ beteiligt, die von ihren Stammfirmen, unter anderem von Krupp, Demag und Mannesmann nach Indien entsandt wurden (Röh 1967:175). Rourkela war damals die größte deutsche Baustelle in einem Entwicklungsland, und dementsprechend viele Schwierigkeiten ergaben sich bei diesem Transferprojekt (Sperling 1965:10). Diese lagen, wie man schon vermuten kann, vor allem im menschlichen- und zwischenmenschlichen Bereich.

Sperling unterscheidet bei den Rourkela-Deutschen das Montage- vom Betriebspersonal, und stellt fest, dass die Mitglieder des Montage-Personals teilweise vorher schon über Auslandserfahrungen verfügten. Die Gruppe setzte sich aus vielen Ausländern zusammen, und die meisten Männer waren unverheiratet (Sperling 1965:14f). Hinsichtlich der Motivation der Monteure nennt Sperling fünf Hauptmotive: den „Wandertrieb“ sowie ein großes Bedürfnis nach Freiheit, Abenteuerlust, Fluchtgründe (z.B. vor bevorstehenden Unterhaltszahlungen, Schulden), die Kompensation von unüberwindlich erscheinenden Problemen, die Aussicht auf ein besseres Leben in Indien (z.B. Dienstboten) sowie eine überdurchschnittliche Bezahlung (z.B. Auslandszulage von 20 % plus Spesen) (Sperling 1965:16ff). Die Möglichkeit der beruflichen Fortbildung spielte bei den Überlegungen, nach Indien zu gehen, beim Montage-Personal nur eine untergeordnete Rolle (Sperling 1965:19).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des internationalen Anlagenbaus und führt in die Problematik ein, dass technologische Imitation westlicher Modelle ohne kulturelle Anpassung und interkulturelle Sensibilisierung zu Scheitern führt.

2. Probleme des Anlagenbaus aus technisch-organisatorischer Sicht: In diesem Kapitel werden Herausforderungen bei der Akquisition, Vertragserstellung und Auftragsabwicklung, insbesondere in Bezug auf klimatische, infrastrukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen, detailliert untersucht.

3. Probleme des Anlagebaus aus sozialorganisatorischer Sicht: Das Kapitel widmet sich den menschlichen Faktoren, wobei Motivation, Qualifikation und die Kooperation zwischen westlichem Personal und der einheimischen Bevölkerung als Kernherausforderungen hervorgehoben werden.

4. Konkrete Fallbeispiele: Anhand der Projekte in Rourkela und Saudi-Arabien wird verdeutlicht, welche zwischenmenschlichen und kulturellen Spannungsfelder trotz technischer Planung entstehen und welche Lehren daraus gezogen werden können.

5. Schlussbemerkungen: Hier werden Empfehlungen zusammengefasst, wie durch interkulturelle Vorbereitung, Personalauswahl und Betreuung vor Ort die menschlichen Probleme im Auslandseinsatz minimiert werden können.

6. Literatur: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen auf, die zur Analyse der interkulturellen Projektmanagement-Thematik herangezogen wurden.

Schlüsselwörter

Anlagenbau, Interkulturelle Kommunikation, Technologietransfer, Auslandsentsendung, Projektmanagement, Entwicklungsländer, Kulturelle Sensibilisierung, Motivation, Auslandserfahrung, Rourkela, Saudi Arabien, Arbeitsorganisation, Interkultureller Kontakt, Fremdheit, Personalwesen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die vielfältigen technischen, organisatorischen und insbesondere menschlichen Probleme, die beim Bau von Industrieanlagen in fremden Kulturen und Entwicklungsländern auftreten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der technisch-organisatorischen Abwicklung von Projekten, den soziokulturellen Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit Einheimischen und der Bedeutung einer fundierten interkulturellen Vorbereitung des Personals.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Ursachen für Defizite im internationalen Anlagenbau aufzuzeigen, wobei insbesondere die interkulturellen Reibungspunkte in den Fokus rücken, um Ansätze zur Verbesserung dieser Prozesse zu liefern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur zum Projektmanagement und nutzt zwei historische Fallbeispiele (Rourkela und Saudi-Arabien), um die Probleme empirisch zu verdeutlichen und theoretisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die technisch-organisatorischen Risiken (Akquisition, Klima, Logistik) und anschließend die sozialorganisatorischen Aspekte (Motivation, interkulturelle Kompetenz) erörtert, bevor diese Erkenntnisse an Fallstudien validiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Anlagenbau, Technologietransfer, interkulturelle Kommunikation, Auslandsentsendung, Projektmanagement sowie kulturelle Sensibilisierung.

Welche Rolle spielen die kulturellen Dimensionen nach Hofstede in der Analyse?

Hofstedes Dimensionen wie Machtdistanz und Individualismus dienen dazu, die Unterschiede zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern theoretisch zu erklären und aufzuzeigen, warum es bei der Zusammenarbeit zu Konflikten kommt.

Was sind die Hauptgründe für das Scheitern von interkulturellen Teams in den Beispielen?

Hauptursachen sind mangelnde kulturelle Vorbereitung, unangemessenes Verhalten (z.B. Arroganz), Sprachbarrieren sowie die fehlende Bereitschaft, die Interessen und Werte der einheimischen Kultur zu verstehen und zu respektieren.

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Details

Title
Probleme des Anlagenbaus in fremden Kulturen
College
LMU Munich  (Institut für Interkulturelle Kommunikation)
Course
Entwicklungshilfe, Know-how-Transfer und Technikexport in fremde Kulturen
Grade
1,7
Author
Alexandra Mörz (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V122417
ISBN (eBook)
9783640276509
ISBN (Book)
9783640282449
Language
German
Tags
Entwicklungshilfe Know-how Transfer Technikexport Export Kulturen Rourkela
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Mörz (Author), 2004, Probleme des Anlagenbaus in fremden Kulturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122417
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