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Die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung von Enite in Hartmanns "Erec"

Title: Die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung von Enite in Hartmanns "Erec"

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Lisanne Schuster (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Wie in den meisten mittelalterlichen Artusepen beginnt die Haupthandlung mit einer Störung der "vreude" am Hof, hier ausgelöst durch den jungen Ritter Erec. Dieser bringt durch sein "verligen" mit der wunderschönen Enite Schande über seinen Hof. Das hätte jedoch von Enite verhindert werden können. In diesem Roman wird ein Kommunikationsproblem zwischen den beiden Hauptfiguren deutlich, dass - ebenso wie die Schande des Hofes - auf einer Âventiurefahrt behoben werden muss. Enite soll lernen, sich nicht allein auf ihren visuellen Reiz zu verlassen, sondern im entscheidenden Moment auch verbal zu kommunizieren, was für das gute Funktionieren einer Partnerschaft unerlässlich ist.
In der Arbeit wird gezeigt, wie Enite, die sich zuerst allein auf ihre "schoene" verlässt, mit ihrem Erec zu einer Gemeinschaft im Zeichen der "guoten minne" gelangt. Dies lässt sich an der Veränderung, bzw. Entwicklung der sinnlichen Wahrnehmung von Enite dokumentieren.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Rolle der sinnliche Wahrnehmung von Enite in Hartmanns „Erec“

1. Chancen und Gefahren der schoene (V. 1 – 3052)

a) Chancen

„Und als er dar zuo ane sach/ die schoenen vrouwen Êniten, / daz half im vaste strîten: / wan dâ von gewan er dô/ sîner krefte zwô.“ (V. 935 – 939)

b) Gefahren

2. Schoene vs. guote minne (V.3053 – 6617)

a) Betonung der optischen Wahrnehmung von Enite im ersten Teil des Ausrittes

b) Betonung der akustische Wahrnehmung von Enite im zweiten Teil des Ausrittes

3. Die Bewährung der guoten minne (V. 6618 – 10135)

a) Guivreiz

b) Mabonagrin

III. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Protagonistin Enite im Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue von einer rein optischen Identität zu einer aktiven, kommunikativ handelnden Partnerin in einer höfischen Ehegemeinschaft heranreift. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf den Wandel der sinnlichen Wahrnehmung, durch den Enite lernt, ihre Rolle in der „guoten minne“ zu finden und verbale Kommunikation als essenzielles Element der Partnerschaft zu etablieren.

  • Die Entwicklung der Wahrnehmung Enites von der reinen Schönheit hin zur verbalen Ausdrucksfähigkeit.
  • Die Problematik der einseitigen Visualität und der Gefahr durch „verligen“ am Artushof.
  • Die symbolische Bedeutung der Âventiurefahrt als Lernraum für die Bewährung der Minnegemeinschaft.
  • Das Spannungsfeld zwischen weiblicher Schönheit und der Notwendigkeit aktiver Kommunikation.
  • Die Rolle der sinnlichen Erfahrungen (optisch vs. akustisch) für die höfische Partnerschaft.

Auszug aus dem Buch

b) Gefahren

Doch gibt es im ersten Teil des Romans schon zahlreiche Hinweise auf die Gefahr, die von einem allzu einseitigen und oberflächlichen Verlass auf die Augenwahrnehmung und die optischen Reize ausgeht. Diese kann nämlich täuschen. Sowohl Enite als auch Erec werden aufgrund ihres Äußeren von Iders falsch eingeschätzt. Er nennt Enite eine dürftiginne (V. 694), verkennt also eindeutig ihre Schönheit. Erec hält er für ein Kind, wird allerdings von beiden eines Besseren belehrt. Diese Falscheinschätzung nutzt den Helden zwar in diesem Fall, doch erhält sie durch die deutliche Parallele zu der Falscheinschätzung Iders durch die Königin und Erec selbst – Iders wirkt durch seine Kleidung wahrhaft ritterlich (V.14 – 17) – einen stark negativen Beigeschmack und warnenden Charakter.

Als Vorausdeutung auf die Gefahr durch das Fehlverhalten des verligens lässt sich die überraschende Reaktion der edlen Artusritter auf Enites Aussehen interpretieren. Am Artushof dann erhält Enite ihr angemessene wunderschöne Kleidung und vom König den Kuss, der sie als schönste Frau ausweist und ist damit legitimes Mitglied des Hofes. Nun kann sie den Artusrittern vorgestellt werden. Diese aber erschrecken sich angesichts ihrer atemberaubenden Schönheit, sie vergessen sich sogar selbst:

„dô diu maget in gie, / von ir schoene erschrâken die/ zer tavelrunde sâzen/ sô daz si ir selber vergâzen/ und kapheten die maget an.“ (V. 1736 – 1740)

Die erfahrenen Ritter erkennen sofort die Gefahr, die von so großer Schönheit ausgeht. Und bereits bei ihnen zeigt sich diese negative Wirkung, heißt es doch, wenn die Artusritter ihrer selbst vergessen, dass sie wahrscheinlich gerade all diejenigen guten Eigenschaften vergessen, die sie zu dem machen, was sie sind. So starren sie Enite geradezu an.

Enites und Erecs Beziehung bleibt zu Anfang ausschließlich auf Körperlichkeit fixiert, bei der verbale Kommunikation natürlich keinerlei Rolle spielt. Erec ist von Enites Schönheit geradezu verzaubert. Sie können die gemeinsamen Nächte kaum erwarten und ertragen es nicht, den anderen nicht zu sehen (V. 1840 – 1860).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Kommunikationsproblem zwischen Erec und Enite ein und stellt die These auf, dass Enites Entwicklung von der visuellen Präsenz zur verbalen Kommunikation für das Gelingen der Ehe entscheidend ist.

II. Die Rolle der sinnliche Wahrnehmung von Enite in Hartmanns „Erec“: Dieses Kapitel analysiert detailliert den Wandel Enites im Kontext des Ausritts, wobei zwischen den Chancen der Schönheit und den Gefahren einseitiger Fixierung unterschieden wird.

1. Chancen und Gefahren der schoene (V. 1 – 3052): Untersucht den Anfang des Romans, in dem Enites Schönheit Erec zwar zum Sieg verhilft, die Beziehung jedoch durch einseitige Visualität und mangelnde Kommunikation in die Krise führt.

2. Schoene vs. guote minne (V.3053 – 6617): Beleuchtet den Lernprozess während der Âventiurefahrt, bei der das Sehen durch die Notwendigkeit des Sprechens ergänzt und Enites Rolle als aktive Akteurin gestärkt wird.

3. Die Bewährung der guoten minne (V. 6618 – 10135): Beschreibt den erfolgreichen Abschluss von Enites Bewährung, in der sie ihre Fähigkeit zur ganzheitlichen Kommunikation beweist und Erec als Partnerin auf Augenhöhe zur Seite steht.

III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Hartmann einen komplexen Roman geschaffen hat, der die notwendige Balance zwischen Minne und höfischen Pflichten durch verbale Ausgewogenheit thematisiert.

Schlüsselwörter

Erec, Enite, Hartmann von Aue, Minne, sinnliche Wahrnehmung, Kommunikation, Visualität, Artusroman, Âventiure, Höfische Gesellschaft, Ehekonzept, schoene, guote minne, Triuwe, Identitätsfindung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Protagonistin Enite im Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue, wobei der Fokus auf ihrer Wandlung von einer rein optisch wahrgenommenen Schönheit hin zu einer aktiven Partnerin liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte der „schoene“ (Schönheit) und der „guoten minne“ (gute Minne), die Bedeutung von visueller versus akustischer Wahrnehmung sowie das Problem der mangelnden Kommunikation in der Partnerschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Enite durch den Lernprozess während der Âventiurefahrt erkennt, dass eine gelungene Ehe neben der ritterlichen Tugend und Schönheit zwingend verbale Kommunikation benötigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse und Interpretation der Versstellen des Erec, unter Einbezug mediengeschichtlicher Studien und Forschungsliteratur zur höfischen Literatur des Mittelalters.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der initialen Probleme (die einseitige Fixierung auf Schönheit), den Lernprozess während des Ausritts (die Einführung des Sprechgebots als erzieherische Maßnahme) und die abschließende Bewährung der Minnegemeinschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Minne, Kommunikation, Wahrnehmung, Artusroman, Erec, Enite, Triuwe und den Kontrast zwischen visueller und akustischer Präsenz charakterisiert.

Warum ist das Redeverbot für Erec und Enite so wichtig?

Das Redeverbot fungiert als erzieherische Choreografie, die Enite zwingen soll, ihre schüchterne Zurückhaltung abzulegen und Kommunikation als essenzielle Form der Beziehungspflege und Gefahrenabwehr zu begreifen.

Wie symbolisiert das Pferd die Entwicklung Enites?

Das geschenkte Pferd, das halb schwarz und halb weiß ist, symbolisiert die gelungene Synthese von Gegensätzen, ähnlich wie Enite ihre eigene Rolle zwischen passiver Schönheit und aktiver Treue/Tugend vereint hat.

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Details

Title
Die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung von Enite in Hartmanns "Erec"
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,7
Author
Lisanne Schuster (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V122622
ISBN (eBook)
9783640276691
ISBN (Book)
9783640277599
Language
German
Tags
Hartmann Erec Enite Wahrnehmung Kommunikation Artusepik verligen ere minne aventiure höfischen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisanne Schuster (Author), 2003, Die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung von Enite in Hartmanns "Erec", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122622
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