In meiner Arbeit werde ich speziell auf die Dialogizität in diesem Werk eingehen. Zunächst werde ich kurz erläutern, was unter dem Begriff der Dialogizität zu verstehen ist und wie die Forschung mit diesem Begriff umgeht (Kap. 2). Danach werde ich einen Überblick über die Satire geben, indem ich kurz auf die Struktur und Inhalt eingehe (Kap. 3.1). In den folgenden Abschnitten werde ich einerseits die Dialogizität beschreiben, die sich durch den Kontrast von Erwartung und Realität ergibt (Kap. 3.2) und andererseits durch das Beurteilen von zeitgenössischen Literaten (Kap. 3.3). Im 4. Kapitel werde ich die anderen Satiren Boileaus erwähnen, die III. Satire in das Gesamtwerk einordnen und den Dichter in Bezug auf seine Vorbilder beurteilen.
Inhaltsverzeichnis
1. Literaturhistorischer Hintergrund
2. Klärung der Begriffe Dialog und Dialogizität
3. Untersuchung der Dialogizität in der III. Satire
3.1 Struktur der Satire
3.1.1 Die Vorgeschichte
3.1.2 Das Essen
3.1.3 Der Streit
3.1.4 Die Flucht
3.2 Dialogizität zwischen der Erwartung der Persona und der Realität
3.3 Dialogizität zwischen der Persona und zeitgenössischen Literaten
4. Boileau und seine Satiretradition
4.1 Einordnung der III. Satire in das Werk Boileaus
4.2 Die Satiretradition von Boileau
5. Zusammenfassung
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Proseminararbeit untersucht die Dialogizität in der „III. Satire“ (Le Repas ridicule) von Nicolas Boileau-Despréaux. Ziel ist es, durch eine literaturwissenschaftliche Analyse des Werkes aufzuzeigen, wie der Autor durch die Darstellung von Diskrepanzen zwischen Erwartung und Realität sowie durch die satirische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Literaten eine polyphone Struktur schafft, die über einen einfachen Dialog hinausgeht.
- Grundlagen und Definition der Begriffe Dialog und Dialogizität nach Bachtin.
- Strukturelle Analyse der III. Satire (Vorgeschichte, Essen, Streit, Flucht).
- Untersuchung des Kontrasts zwischen den Erwartungen der Persona und der tatsächlichen Realität des Gastmahls.
- Analyse der literarischen Verspottung von Zeitgenossen im Kontext der damaligen Satiretradition.
- Einordnung des Werkes in das Gesamtschaffen Boileaus und dessen literarische Vorbilder.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Das Essen
Der nun folgende Teil (Verse 29-156) schildert sehr ausführlich die verschiedenen Gerichte und die Unterhaltung am Tisch. Zunächst wird jedoch der Eingeladene vom Gastgeber mit einer Umarmung empfangen, was ihm seltsam und unangenehm vorkommen muss, da er bereits seit langer Zeit versucht, dem hôte aus dem Weg zu gehen und die Einladung nur aus Höflichkeit angenommen hat. Nachdem er erfahren hat, dass die angekündigten Persönlichkeiten Molière und Lambert nicht kommen, wird er stattdessen von „deux nobles Campagnards“(V. 43) mit umständlichen höfischen Floskeln begrüßt. Durch die verärgerte Reaktion der Persona wird deutlich, dass diese langen Begrüßungszeremonien zur damaligen Zeit verpönt waren. Die Ankunft- und Begrüßungsszene endet mit dem Vers 44. Im nächsten Unterabschnitt (Verse 45-88) beginnt das Mahl mit einem Hahn, der zur Verwunderung der Persona von allen Anwesenden als Kapaun angesehen wird. Diese Beschönigung bzw. das bewusste Ignorieren des unterdurchschnittlichen Mahls zieht sich durch die ganze Satire und zeigt, dass die vermeintlichen Feinschmecker keinen Wert auf Qualität legen. Im Anschluss schildert der Eingeladene die bedrückende Enge am Tisch, und nicht zuletzt wegen der Rede des hôte, in welcher er Mignot lobt, der die Suppe zubereitet hat, wird ihm immer unwohler: „Car Mignot, c’est tout dire, et dans le monde entier, Jamais empoisonneur ne sceut mieux son métier.“ (V. 67/68)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Literaturhistorischer Hintergrund: Einführung in die Person Nicolas Boileau-Despréaux als Vertreter der französischen Klassik und erste Vorstellung seines Werkes Repas ridicule.
2. Klärung der Begriffe Dialog und Dialogizität: Differenzierung zwischen dem alltagssprachlichen Dialogbegriff und dem literaturwissenschaftlichen Konzept der Dialogizität (Polyphonie) nach Bachtin.
3. Untersuchung der Dialogizität in der III. Satire: Umfassende Analyse der Struktur sowie der inhaltlichen und sprachlichen Kontraste in Boileaus dritter Satire.
4. Boileau und seine Satiretradition: Einordnung der Satire in das Gesamtwerk Boileaus und Kontextualisierung seines Schaffens innerhalb der antiken und zeitgenössischen Satiretradition.
5. Zusammenfassung: Resümee der zentralen Ergebnisse bezüglich der Dialogizität, der strukturellen Gliederung und der satirischen Absichten des Autors.
6. Bibliographie: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Nicolas Boileau-Despréaux, III. Satire, Le Repas ridicule, Dialogizität, Polyphonie, Michail Bachtin, Französische Klassik, Satire, Persona, Gastmahl, Literaturkritik, Intertextualität, Bienséance, Literaturgeschichte, Antiphrase.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse der „III. Satire“ von Nicolas Boileau-Despréaux und untersucht, wie der Autor das Konzept der Dialogizität einsetzt, um ein Gastmahl satirisch darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die strukturelle Analyse der Satire, der Kontrast zwischen Erwartung und Realität sowie die gezielte Verspottung von zeitgenössischen Literaten durch den Autor.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Boileau durch die Anwendung von Dialogizität und ironischen sprachlichen Mitteln seine Kritik an den gastronomischen Exzessen und dem literarischen Geschmack seiner Zeitgenossen vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Theorie der Dialogizität (Polyphonie) von Michail Bachtin basiert und diese auf die Gattung der Satire anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte strukturelle Untersuchung der Satire, die Analyse der Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität sowie eine Untersuchung der gezielten Literaturverspottung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Dialogizität, Polyphonie, französische Klassik, Satire und die Analyse des Werkes Repas ridicule charakterisieren.
Inwiefern spielt der "literarische Streit" eine besondere Rolle?
Der literarische Streit bildet den Höhepunkt der Satire, in dem Boileau erstmals explizit Namen kritisiert, was damals einen Tabubruch und eine Abkehr von der geltenden bienséance darstellte.
Warum wird in der Arbeit das Konzept der "Antiphrase" thematisiert?
Die Antiphrase wird als zentrales sprachliches Mittel identifiziert, da Boileau die von den Gästen gelobten Poeten durch die Persona ironisch abwertet und so seine tatsächliche (gegenteilige) Meinung ausdrückt.
- Citation du texte
- David Münch (Auteur), 2005, Untersuchung der Dialogizität in der III. Satire von Nicolas Boileau-Despréaux, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122642