City-Bound und Kommunikation

Watzlawick, City-Bound und die Verbindung anhand eines Fallbeispieles


Hausarbeit, 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. City-Spirits e.V. - die Institution

3. Fallbeispiel

4. CITY BOUND
4.1 Eine erlebnispädagogische Methode im Sozialraum Stadt
4.2 Die Herausforderung eines Kurses

5. Kommunikation nach Paul Watzlawick
5.1 Begriffsklärung und -erläuterung
5.2 Die Kommunikation als Prozess

6. Entwicklung von Gesprächsfähigkeiten
6.1 Entwicklungen von Gesprächsfähigkeiten

7. Eine Methode der Kommunikationsoptimierung
7.1 Vorbereitung der Problemlösung
7.1.1 Ist-Analyse
7.1.2 Ziel-Analyse
7.2 Durchführung der Problemlösung
7.3 Nachbereitung der Problemlösung

8. Optimierung des Gesprächsverhaltens am Beispiel der Falldarstellung

9. Fazit

10. Literatur

11. Anhang

1. Einleitung

„Das wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.“

Karl Jaspers (1883-1969), dt. Philosoph

Sprechen, Hören, Verstehen prägen einen Menschen von seiner Geburt bis zu seinem Ableben. Keine Begegnung kann ohne Kommunikation stattfinden und keine Begegnung wird einen Menschen nicht beeinflussen. Menschen müssen kommunizieren, sich austauschen und erwarten eine respektvolle Unterhaltung. Der „Bettler“ muss wissen was er sagen kann, um Geld zu bekommen genauso wie der Manager wissen muss was er sagt, um seine Mitarbeiter zu besserer Arbeit zu motivieren. Vor allem in Situationen wenn eine Person etwas von einer anderen möchte, wird eine höfliche und respektvolle Kommunikation erwartet. Die Möglichkeit eine respektvolle Kommunikation zu erlernen und ihre Bedeutung für andere wahrzunehmen haben viele Kinder und Jugendliche nicht mehr. An dieser Stelle setzt die erlebnispädagogische Methode City Bound an.

Da es noch keine fachwissenschaftlichen Beiträge zu dem Zusammenhang zwischen Erlebnispädagogik im Sozialraum Stadt und Kommunikation gibt, drängt sich die Frage auf: Welche Aspekte hat City Bound als erlebnispädagogische Methode die Kommunikation von Kindern und Jugendlichen zu verbessern?

Damit ein leichterer Einstieg in das Thema stattfinden kann, soll zu Beginn ein ausführliches Beispiel eines City Bound Programms beschrieben und folgend die erlebnispädagogische Methode City Bound näher erklärt.

Aufgrund der Komplexität des Themas Kommunikation sowie dem Rahmen dieser Arbeit soll sich diese dann mit dem theoretischen Ansichten Watzlawicks auseinandersetzen. Im Anschluss möchte ich einen theoretischen Ansatz zur Gesprächsoptimierung vorstellen sowie ein Modell für diesen Ansatz. Abschließend soll die eine Verbindung zwischen meinem Fallbeispiel und der Methode City Bound und den theoretischen Ansätzen der Kommunikation hergestellt und diskutiert werden.

Um einen ersten Einblick in die Thematik zu eröffnen, beginnt meine Arbeit mit der Vorstellung des Vereins bei dem ich tätig bin, dem City-Spirits e.V. in Marburg.

2. City-Spirits e.V. - die Institution

Der Verein City-Spirits e.V. ist ein Zusammenschluss aus drei Grundgedanken, die der Förderung von Kindern und Jugendlichen dienen sollen. Diese Förderung findet ausschließlich im urbanen Raum und in der Auseinandersetzung mit diesem statt. Nach dem Motto ‚anders sehen – neu verstehen’ soll das Potenzial des stetigen Lebensraumes ‚Stadt’ insofern genutzt werden, dass gegebene alltägliche Ressourcen erkannt und zum Lernen herangezogen werden. Die Stadt bietet eine Fülle an verbaler und nonverbaler Kommunikationsmöglichkeit und somit Anreize für das soziale Lernen verknüpft mit erlebnispädagogischen Aspekten. Lernen erfolgt durch Handeln.

Neben dem Erlebnisaspekt sind für die Anwendung im schulischen Bereich vor allem die Lerninhalte bezogen auf Schulfächer und das soziale Lernen interessant.

Ziel und Zweck des Vereins ist die Förderung von Kindern und Jugendlichen mittels sozialpädagogischer Arbeit.

Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere

1. durch das Leiten und Fördern von erlebnispädagogischen und erfahrungsorientierten Prozessen und Programmen für Kinder und Jugendliche, um soziale und/ oder kommunikative Kompetenzen zu verbessern und fördern;
2. durch Vermittlung von schulischer Bildung mit Hilfe von erlebnispädagogischen und erfahrungsorientierten Prozessen und Programmen für Kinder und Jugendliche;
3. durch gesellschaftspolitische Bildungsarbeit in Form von Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Publikationen zur Problematik der Jugendhilfe;
4.durch die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Gruppierungen, Vereinen, Verbänden und Parteien zum Zweck der Entwicklung und Erprobung neuer Modelle für die erlebnispädagogisch orientierte Jugendhilfe.

3. Fallbeispiel

Im Rahmen meiner Tätigkeit arbeitete ich mit einer neunten Klasse einer Hauptschule aus Marburg zusammen. Es waren 9 Jungen und 10 Mädchen in der Klasse, davon 11 SchülerInnen mit Immigrationshintergrund. Diese buchte beim City-Spirits e.V. ein dreitägiges City Bound Programm, welches in Köln stand fand. Die im Voraus formulierten Ziele betrafen primär eine Kommunikationsverbesserung der Schüler und sekundär die Stärkung von Selbstvertrauen sowie die Förderung der Eigeninitiative und Organisationskompetenz. Das primäre Ziel der Kommunikationsverbesserung beinhaltete hauptsächlich die Kommunikation in Beziehung mit anderen Menschen z.B. „Wie spreche ich Menschen an damit von ihnen etwas bekomme?“ und „Wie reagieren andere Menschen auf mich wenn ich sie anspreche?“

Drei Tage Aktionen in und mit dem städtischen Leben außerhalb der vertrauten Umgebung bedeuteten wenig Zeit für viele Inhalte. Köln hat fast eine Million Einwohner und stellte für die SchülerInnen ein Abenteuer da.

Nach der Ankunft und der Zimmerverteilung begann das Programm mit einer Morgenrunde und der Einführung in den Stadt- und S-Bahnplan in einem Seminarraum der Jugendherberge.

In der Morgenrunde wurde das Programm in seinen Grundzügen erklärt sowie auch die Ziele der einzelnen SchülerInnen gesammelt.

Die erste Aufgabe die die Gruppe bekam lautete: “Lichtet 20 Personen auf einem Foto ab. Die Personen müssen sich eigens für euch positionieren. Es sollten drei Nationalitäten, zwei Sonnenbrillen, zwei Kinder sowie eine Person über 50 Jahren auf dem Foto zu sehen sein.“ Die spontanen Rückmeldungen der SchülerInnen zeigten, dass eine Hemmschwelle vorhanden war. Einige formulierten, dass es eine peinliche Aufgabe wäre, Menschen wegen so einem Anliegen anzusprechen. Einige Jungen meinten dagegen, dass es eine sehr einfache Aufgabe sei. Die Aufgabe wurde dann ohne das Mitwirken oder die Beobachtung von uns Teamern erledigt.

Etwa 40 Minuten später kam die Gruppe recht vergnügt wieder und präsentierte uns sehr stolz das gemachte Polaroidbild. Wir setzten uns mit der Gruppe in den Seminarraum, um über die Aktion zu sprechen. Alle erzählten, dass es Spaß gemacht hat aber auch dass es anstrengend war. Sabine (17 Jahre) meinte, dass es ihr schwer gefallen sei, die Menschen anzusprechen vor allem nachdem die ersten, die sie angesprochen hat nicht mitmachen wollten und sie schon etwas deprimiert war. Ich fragte nach ob sie dann etwas geändert hat als sie die Absagen bekommen hat. Sabine äußerte, dass sie dann freundlicher war und vielleicht auch nicht mehr so „plump“ wie zu Beginn. Serat (16 Jahre) sagte, dass ihre Aufgabe, die Menschen die mitmachen wollte zu unterhalten, recht einfach war und dass sie keine Probleme hatte sich mit den fremden Menschen zu unterhalten. Die Aussagen der Beteiligten ähnelten sich sehr, viele hatten die gleichen Probleme wie Sabine aber waren am Ende doch froh und stolz die Aufgabe geschafft zu haben.

Die zweite Aktion am Nachmittag diente der Orientierung in einer Großstadt im U-Bahn- und S-Bahnsystem.

Der zweite Tag begann mit einer Morgenrunde. Viele der Schüler äußerten, dass sie sehr müde sind aber sich auf den Tag und die neuen Aufgaben freuen würden, weil der letzte Tag Spaß gemacht hatte. Nur Fabio (17 Jahre) meinte, dass er keine Lust hat und eigentlich lieber im Bett liegen würde. Auf nachfragen sagte er, dass es am vergangenen Tag gelegen hat, weil niemand den er angesprochen hat, mitmachen wollte. Allerdings konnte oder wollte er sich nicht selber einschätzen ob es an ihm oder an den Menschen gelegen hat. Die Gruppe überzeugte ihn es noch einmal zu versuchen, weil es eine andere Aufgabe und andere Menschen geben würde.

Die Aufgabe am Vormittag war „ein öffentliches Kaffeetrinken“ auf der Domplatte. Dabei sollen die TeilnehmerInnen Menschen zu einem Kaffee einladen und sie ein bisschen unterhalten. Die Aktion sollte solange laufen bis Tee und Kaffee leer sind. Kaffee, Dekoration, Tisch und Bänke wurden von uns gestellt. Wir als Teamer ließen die SchülerInnen alleine bei den Vorbereitungen und der Durchführung. Wir schauten nur einmal für fünf Minuten während der Aktion zur Gruppe und hielten uns im Hintergrund.

Nach der Aktion trafen wir uns wieder im Seminarraum. Ich empfand die Stimmung in der Gruppe als positiv und zufrieden. Die Schüler erzählten, dass die Aufgabe am Anfang total nervig war, weil die Menschen dachten, dass ihnen irgendwelche Produkte „aufgeschwatzt“ werden sollen. Fabio und Marcel (18 Jahre) sagten, sie hätten irgendwann nur noch Touristen angesprochen, weil die Kölner, die sie zuvor angesprochen haben immer abgelehnt hatten. Marcel freute sich darüber, dass sie aus allen Alterschichten Menschen angesprochen und dass die „Omas“ richtig lustig waren. Fabio meinte, dass er sich schon anders verhalten hat als am Vortag und nun Menschen ihm zugehört haben sowie auch viele auf einen Kaffee mitgekommen sind.

Lara (17 Jahre) berichtete von ihren Erfahrungen während der Aufgabe. Sie hat sich sehr zurück gehalten, weil sie nicht wusste über was sie sich mit den Menschen dann am Tisch unterhalten soll, weil sie die gar nicht kennt. Außerdem hatte sie nach den vielen Absagen keine Lust mehr, weil die Menschen so unfreundlich zu ihr waren und sie kein Verlangen nach mehr negativen Menschen mehr hatte. Auf die Nachfragen ob sie freundlich oder eher „ungehobelt“ die Menschen gefragt hatte, kam nur ein Schulterzucken. Nachdem Lara das ausgesprochen hatte, stimmten ihr viele zu, vor allem Susanne und Ricarda (beide 16 Jahre). Im Anschluss als jeder etwas zu der Aktion gesagt hatte, sprachen wir darüber wie man Menschen ansprechen sollte wenn man von ihnen etwas möchte. Es kamen viele Wortbeiträge, wie zum Beispiel nett und höflich sein, lächeln, bitte und danke sagen, genau erklären was man von ihnen möchte. Wir sammelten die Beiträge auf der Flipchart, um am Nachmittag noch einmal rauf gucken zu können. Nach dem Mittag und einer längeren Pause gingen wir mit den SchülerInnen und einer Eierpackung an das Rheinufer. Die neue Aufgabe war es: Tauscht in Kleingruppen zwei Eier in einer und einer halben Stunde, um euch selber ein Picknick zu zubereiten, denn das Abendessen ist abbestellt.

Ungläubige Blicke und Stirnrunzeln zeigten sich uns, allerdings sagten wir nur noch, dass wir die Getränke, die Decken besorgen und uns in einer und einer halben Stunden wieder dort treffen. Wir verteilten die Eier und als keine Fragen mehr da waren, gingen wir die Sachen besorgen.

Zur verabredeten Zeit tauchten alle Kleingruppen aus den Seitengassen auf. Einige sahen fröhlich aus und andere erschöpft, aber alle hatten gefüllte Tüten und Kartons bei sich. Die Jungen und Mädchen packten ihre Sachen auf die Decke. Wir konnten sie kaum stoppen ihre Geschichten zu erzählen. Wir wollten auch noch auf die letzten warten, um dann die Aktion gemeinsam auszuwerten.

Als alle angekommen waren, sollten die einzelnen Kleingruppen erzählen wie es gelaufen ist, wo sie waren, was sie organisieren konnten und wie sie mit den Menschen geredet haben. Die Grundaussage in der ganzen Gruppe war, dass sie sich nicht hätten vorstellen können für ein Ei etwas zu bekommen bzw. mit einem Ei so viel Essen zu organisieren. Aber als sie angefangen haben erst einmal das Ei zu tauschen und dafür viel bekommen haben, fing es an interessant zu werden. Sie wollten alle viel besorgen, weil sie nicht wussten ob die anderen auch so viel bekommen würden. Die Strategie der einzelnen Gruppen war verschieden, einige waren eher bei Imbissen, andere versuchten es in Supermärkten und wieder andere haben sogar auch in Feinkostläden etwas getauscht.

Alle erzählten uns, dass sie immer extrem nett waren, weil sie sonst nichts bekommen hätten. Einige von den Jugendlichen empfanden dies schon als „schleimig“ und fühlten sich dabei nicht so wohl die ganze Zeit nett mit fremden Menschen zu reden. Allerdings sagte Giovanni (17) mit einer sehr ruhigen Art: „Du musst so sein wenn du etwas von andern Menschen möchtest. Wenn du es nicht bist, dann kriegst du Nichts und hast Pech.“ Dieser Satz war die Kernaussage der ganzen Aktion. Ich empfand die Atmosphäre so als hätten es alle in diesem Moment verstanden. Die Jugendlichen hatten viel zu viel organisiert aber es war für mich und ich denke auch für viele andere noch ein schöner und sie kommunikativer Abend. Die vielen übrig gebliebenen Essensachen verschenkten wir an Obdachlose weiter.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
City-Bound und Kommunikation
Untertitel
Watzlawick, City-Bound und die Verbindung anhand eines Fallbeispieles
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V122737
ISBN (eBook)
9783640279265
ISBN (Buch)
9783640283095
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
City-Bound, Kommunikation
Arbeit zitieren
Marian Stüdemann (Autor), 2008, City-Bound und Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122737

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