Die Bedeutung des Todes im Werk von Anna Seghers


Examensarbeit, 2009
95 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 „Leben und Zugrundegehen“

2 Allgemeine Überlegungen zur Todesthematik im Werk von Anna Seghers

3 Werkanalyse
3.1 Frühwerk – Die Flucht aus dem gewöhnlichen Leben
3.1.1 Grubetsch – „Gewöhnliche Tode“
3.1.1.1 Anna
3.1.1.2 Grubetsch
3.1.2 Aufstand der Fischer von St. Barbara – Selbstverwirklichung im Moment des Todes
3.1.2.1 Kedennek
3.1.2.2 Andreas Bruyn
3.1.2.3 Marie
3.1.3 Die Gefährten – Tod als Märtyrer
3.1.3.1 Märtyrer
3.2 Exilwerk – „Der eiserne Bestand“
3.2.1 Die schönsten Sagen vom Räuber Woynok – Tod und Freiheit
3.2.2 Das siebte Kreuz – Der Tod als Prüfstein humaner Werte
3.2.2.1 Bachmann und Wallau
3.3 Spätwerk – Die Suche nach der Identität
3.3.1 Der Prophet – Selbstbehauptung im Tod
3.3.2 Überfahrt – Tod durch Identitätsverlust

4 Die zukunftsweisende Funktion des Todesmotivs im Werk von Anna Seghers

Literaturverzeichnis

1 „Leben und Zugrundegehen“

1„Nur in Zeiten, in denen gar nichts mehr möglich ist, geht das Leben wie ein Schatten dahin. Doch in den Zeiten, in denen das Ganze möglich wird, steckt schlechthin alles Leben und Zugrundegehen.“2

Wie kann man von diesen Zeilen auf Anna Seghers’ Verständnis von Leben und Tod schließen?

Zunächst einmal sind hier zwei verschiedene Formen des Daseins beschrieben: In Zeiten, die keine Hoffnung auf eine Entwicklung oder Besserung zulassen, in denen das Leben des Einzelnen derart eingeschränkt und in seiner persönli- chen Entfaltung durch äußere Zwänge behindert wird, siecht das Leben bedeu- tungslos „wie ein Schatten dahin“3. In Zeiten, die jedoch Raum für Verände- rung bieten, nimmt das Leben des Einzelnen die unterschiedlichsten Formen an. Aus der Gewissheit, dass in solchen Zeiten gänzlich alles möglich wird – die persönliche Verwirklichung eines erfüllten Lebens gleichermaßen wie ein absolutes Scheitern – resultiert ein starkes Lebensgefühl, durch welches das Dasein einen Sinn erhält.

Wirft man einen Blick auf das Leben und Werk von Anna Seghers als einer Autorin mit sozialistischem Hintergrund, stößt man unwiderruflich auf den Gedanken an Revolution und sozialen Kampf, den sie hinter der Formulierung „Zeiten, in denen das Ganze möglich wird“4, verbirgt. Im Laufe dieser Arbeit wird das eingangs angeführte Zitat erneut aufgegriffen, um dann genauer auf den hier dargestellten Bedeutungszusammenhang zwischen Leben und Tod eingehen zu können.

Die Thematik des Todes im Werk von Anna Seghers fand innerhalb der Seg- hers-Forschung bisher kaum Beachtung. Konkret äußert sich nur Friedrich Alb- recht in seinem Aufsatz „Zur Todesproblematik bei Anna Seghers“5zu diesem Aspekt ihrer Werke. Ob es sich um den Tod eines kommunistischen Revoluti- onärs, eines einfachen Bauern gegen seine Unterdrücker oder um das Sterben eines antifaschistischen Widerstandskämpfer handelt – meist ist der Tod in den Werken von Anna Seghers untrennbar mit dem Schicksal ihrer Figuren ver- bunden. Angesichts dieser Häufigkeit müsste das mangelnde Interesse an der Todesthematik im Werk von Anna Seghers verwundern. Albrecht erklärt dies damit, dass der Tod schließlich „zu den Grundtatsachen menschlicher Exis- tenz“ gehöre und somit „eine Erzählerin, die sich derart entschieden immer wieder in die Brennpunkte der Kämpfe unseres Jahrhunderts – und frühere[r] dazu – begibt“6, dem Sujet Tod zwangsläufig immer wieder begegne. Beschäf- tigt man sich aber mit dem Gesamtwerk von Anna Seghers, fällt nicht nur die Vielzahl der beschriebenen Todesszenen auf, sondern vor allem die Hingabe, mit der sie sich der Gestaltung dieser Momente widmet. Auch Christiane Zehl Romero misst dem Todesmotiv, zumindest in den frühen Erzählungen von An- na Seghers, eine zentrale Rolle in deren Werk bei, wenn sie darauf hinweist, dass „das Todesmotiv im Werk vielfältigere Dimensionen annahm“ und „nie verschwand.“.7 Leider ist es nicht möglich auf Autorenkommentare zurückzu- greifen, die Aufschluss darüber geben würden, worin für Anna Seghers die eigentliche Bedeutung des Todes lag. Betrachtet man die Werke in ihrer Ge- samtheit, sind jedoch klare Gemeinsamkeiten in der Gestaltung der Sterbemo- mente zu erkennen, die einige Grundüberlegungen von Anna Seghers hinsicht- lich der Behandlung dieses Themas deutlich machen. Die besondere Sorgfalt der Autorin bei der literarischen Gestaltung des Todes rechtfertigt eine genaue Untersuchung der Frage, welche Haltung zum Tod sich wirklich hinter den Werken verbirgt.

Ziel dieser Untersuchung ist es somit nicht nur, die Sterbemomente in ihrer Vielschichtigkeit und Häufigkeit zu betonen, sondern vor allem zu hinterfra- gen, was Anna Seghers in der Gestaltung des Todes immer wieder zum Aus- druck bringt. Dabei spielt ihr politisches Interesse eine gleichermaßen große Rolle, wie die ständig wechselnden Lebensumstände der Autorin. Die im Fol- genden untersuchten literarischen Werke weisen zwar keine autobiographische Prägung auf, die einen uneingeschränkten Rückschluss von literarischer Fikti- on auf ihre Person möglich werden ließe. Wie diese Untersuchung jedoch nachweisen wird, gewähren die Todesmomente in Anna Seghers’ Werken zweifelsfrei immer wieder Einblicke in ihre persönlichen Gedanken. Es ist so- mit anzunehmen, dass eigene Erfahrungen und Überlegungen in ihre Werke miteinflossen und daher ein biographischer Hintergrund in die Interpretation ihrer Werke und der darin auftretenden Tode miteinbezogen werden kann.8 Christa Wolf charakterisierte Anna Seghers einmal mit den Worten: „Anna Seghers: Deutsche, Jüdin, Kommunistin, Schriftstellerin, Frau, Mutter.“9 Vor allem ihr kommunistischer Standpunkt war es, der ihr Erleben zeitgeschichtli- cher Realität vorrangig prägte. Ihre Mitgliedschaft in KPD und Bund für prole- tarisch- revolutionäre Schriftsteller wie auch ihr Dasein als Ehefrau eines spä- ter kurzzeitig im Konzentrationslager internierten ungarischen Kommunisten ließen Anna Seghers ihre Epoche von einem marxistisch orientierten Weltbild aus betrachten. Diese Arbeit geht daher davon aus, dass ihre Auffassung von Leben und Tod entscheidend von ihrer Anhängerschaft der kommunistischen Partei Deutschlands und ihrer sozialistischen Überzeugung geprägt wurde. Will man die Bedeutung des Todes im Werk von Anna Seghers erfassen, ist es in Anbetracht ihres kommunistischen Hintergrundes unerlässlich, die marxisti- sche Todesdeutung in diese Untersuchung miteinzubeziehen und zu überprü- fen, inwieweit Anna Seghers’ Darstellungen diesem Bild entsprechen.

Daneben wurde ihr Weltbild durch ein starkes Interesse an den Philosophen Karl Jasper, Sören Kierkegaard sowie Edmund Husserl geprägt.10Anhand der Werkanalyse wird sich zeigen, dass sich vor allem in dem Todesbegriff ihrer

Literarische Konstrukte im Spannungsfeld von Phänomenologie und Existenzphilosophie. Frankfurt a.M. (u.a.): Lang-Verlag, 2002 (Hamburger Beiträge zur Germanistik; Bd.36, zugleich phil. Diss. Hamburg 2001), S. 20-32 zum Bestand der Privatbibliothek von Anna Seghers. Siehe auch Zehl Romero: Anna Seghers. 1900-1947, S. 105.

Frühwerke die Kerngedanken ihrer früheren Dozenten Karl Jaspers und Sören Kierkegaards wiederfinden. Da Anna Seghers den Tod jedoch nie zu dem ei- gentlichen Thema ihrer Werke gemacht hat, verfolgte sie auch nie das Ziel ei- ner Problematisierung des Todes vor dem Hintergrund der philosophischen Frage nach seinem Sinn.

Neben den genannten persönlichen und politischen Komponenten, die in die Interpretation des Todesthemas innerhalb dieser Arbeit miteinbezogen werden, spielt der zeitgeschichtliche Hintergrund des Schaffens von Anna Seghers eine wichtige Rolle. In einem durch zwei Weltkriege, das Aufkommen von Mas- senvernichtungswaffen und der sozialistischen Revolution gezeichneten Jahr- hundert sah sich der Mensch mit der Frage konfrontiert, welchen Wert dem Leben des Einzelnen in Zeiten des Massenmordes noch beigemessen werden kann. Da Anna Seghers in ihren Werken immer wieder Fragen und Probleme ihrer Zeit aufgriff, weisen auch die Todesdarstellungen zeitgeschichtliche Be- züge auf. Weil sich das Zeitverständnis von Anna Seghers vor allem in dem von ihr entworfenen Menschenbild äußert und sich dieses mit den Veränderun- gen der Realität weiterentwickelte,11 geht die Untersuchung der Todesbedeu- tung in ihren Werken eng mit der Darstellung ihres humanistischen Konzepts einher.

Neben der Frage, welche politischen, persönlichen oder zeitgeschichtlichen Beweggründe Anna Seghers dazu veranlasst haben könnten, sich so häufig mit dem Tod in ihren Werken zu befassen, gilt es zu überprüfen, ob sie sich inner- halb der Todesproblematik an literarischen Vorbildern orientiert oder an zeit- genössische Todesrezeptionen angelehnt hat.

Um sich diesen Grundgedanken zu nähern, ist es hilfreich, einen kurzen Über- blick darüber zu geben, wie dieses Thema im Spiegel der zeitgenössischen Li- teratur behandelt wurde, um zu hinterfragen, inwiefern sich die Darstellung des Todes bei Anna Seghers innerhalb dieser Todesrezeptionen einordnen lässt.

Viele Autoren des 20. Jahrhunderts versuchten, über die Behandlung des To- desthemas die krisenüberschatteten Ereignisse ihrer Zeit aufzugreifen. Bereits geschilderte Erfahrungen, wie die des Ersten und Zweiten Weltkrieges und dem damit aufkommenden Tod durch Massenvernichtungswaffen, lassen die literarischen Todesdarstellungen dieser Zeit oftmals illusionslos und grausam erscheinen. Den von den Autoren des 20. Jahrhundert oftmals aufgegriffenen Darstellungen eines grausamen Todes auf dem Schlachtfeld, des leidvollen Sterbens im Lazarett oder eines quälenden Hungertodes liegt immer eine mög- lichst wirklichkeitsgetreue Beschreibung zugrunde. Thomas Anz spricht von „der klinisch-wissenschaftlichen Kälte des Sterbemilieus“12, mit welcher der Tod im 20. Jahrhundert zum Thema innerhalb der Literatur gemacht worden sei. Durch die als Folge der Urbanisierung geschaffene Anonymität des Lebens in den Großstädten tritt der Tod im Laufe des 20. Jahrhunderts dann in einer neuen Rolle in den Blickpunkt der Literatur: „Der Tod als Befreier der Men- schen, die keinen anderen Ausweg aus dem Dasein in einer inhumanen Gesell- schaft sehen.“13 In Ansätzen ist dieser Gedanke auch im Werk von Anna Seg- hers zu erkennen, wenn sie den Tod eines Menschen als dessen Befreiung aus dem gewöhnlichen Alltag beschreibt. Jedoch liegt dieser Darstellungsform des Todes eher ihre Auseinandersetzung mit der Frage zugrunde, wann es dem Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft möglich ist, seine Individualität zu be- wahren. Oftmals gelingt es ihren Figuren erst im Moment des Todes, das ge- wöhnliche Leben, welches sich nie von den anderen Lebensläufen dieser Zeit unterschied, endlich individuell werden zu lassen.

Eine nähere Anlehnung an zeitgenössische Todesrezeptionen ist im Werk von Anna Seghers nicht erkennbar. Ihre Ausführungen haben nichts gemein mit den wirklichkeitsgetreuen Sterbeszenen, die im Realismus oder Naturalismus zum Tragen kommen.14 Obwohl ihre Figuren meist einen gewaltsamen Tod sterben, erleben sie ihn nicht als einen Moment der Schmerzen, Niederlagen und Desillusionierung, sondern als einen Augenblick der Stärke und Selbst- verwirklichung. Ihre vielmehr ästhetischen Todeskonzeptionen lassen Anna Seghers nicht in der besagten Tradition ihrer Schriftstellerkollegen erschei- nen.15

Innerhalb der Interpretation des Todes bei Anna Seghers hilft damit weder der Blick auf zeitgenössische Todesrezeptionen weiter, noch sind merkliche Bezü- ge zu literarischen Todesbildern älterer Werke zu erkennen. Obwohl Anna Seghers die Bedeutung großer literarischer Vorbilder für ihr eigenes Schaffen immer wieder hervorhob16, weisen ihre Todesdarstellungen allenfalls Paralle- len zur klassischen und romantischen Literatur auf, wenn diese innerhalb des Todesphänomens eine Selbstverwirklichung des Menschen zum Ausdruck bringt.17Im Laufe der literarischen Moderne entstandenen „Todesbilder von desillusionierender Hässlichkeit“18, wie sie dem Leser etwa in den „Budden- brooks“ von Thomas Mann begegnen. Hier wird der „hässliche Tod“19 ge- genüber einem Leben in Würde und Ästhetik hervorgehoben. Eine solche To- desdarstellung unterscheidet sich stark von der bei Anna Seghers betonten Äs- thetik des Todes. Auch ein Blick auf Rilkes „Aufzeichnungen des Malte Lau- rids Brigge“, durch den die literarische Auseinandersetzung mit dem Tod maß- geblich vorangetrieben wurde, lässt zwar den gemeinsamen Gedanken einer durch den Tod gewonnenen Identität erkennen, weist jedoch sonst keine merk- liche Ähnlichkeit zu Anna Seghers’ Todesbildern auf.20 Auf einen Autor, des- sen Werke sie, wie sie eigens betonte, nachhaltig prägten, soll jedoch verwie- sen werden: den russischen Autor Fjodor Michajlowitsch Dostojewskij.21 Er beschreibt den Tod als Moment, in welchem das Individuum der Monotonie des Alltags entflieht und zu sich selbst kommt.22 Vergleicht man das Werk von Anna Seghers mit dem Werk Dostojewskijs, stellt man fest, dass sich beide mit der Frage auseinandergesetzt haben, in welcher Beziehung der Tod zum ge- wöhnlichen Leben und dem Erreichen von Individualität steht.23

Die im Rahmen dieser Arbeit gewonnenen Ergebnisse bauen auf einigen Grundüberlegungen zum Todesthema bei Anna Seghers auf, die der Werkana- lyse thesenartig vorausgeschickt werden. Die eigentlichen Deutungsansätze des Todes im Werk von Anna Seghers werden somit in Kapitel 2 dieser Arbeit nochmals explizit formuliert. Kapitel 3 dieser Arbeit, das sich der Werkanaly- se widmet, baut auf den im vorangegangenen Kapitel aufgestellten Thesen auf und wird diese anhand der einzelnen Werke beweisen. Mit der Deutung des Todes anhand der Werke werden auch die humanistischen Konzepte in ihren Entwicklungen voneinander abgegrenzt und analysiert. Da der Tod stets im Zusammenhang mit dem ganzen Lebens einer Figur betrachtet werden muss, wird die Analyse des von Anna Seghers entworfenen Menschenbildes einen nicht unerheblichen Teil der Untersuchung ausmachen. Dennoch muss betont werden, dass der Fokus innerhalb der Interpretation der Werke eindeutig auf der Todesproblematik liegt und damit nicht alle bedeutungsanalytischen As- pekte eines Werkes erfasst werden. Im letzten Kaptitel soll zu einem abschlie- ßenden Urteil bezüglich der Frage nach der Bedeutung des Todes im Gesamt- werk von Anna Seghers gelangt werden.

2 Allgemeine Überlegungen zur Todesthematik im Werk von Anna Seghers

Um der Untersuchung des Todesthemas anhand der Werke einen Ausgangs- punkt zu verschaffen, sollen innerhalb dieses Kapitels die Grundüberlegungen, von denen die vorliegende Arbeit ausgeht, thesenartig vorgestellt werden.

Zunächst befasst sich diese Arbeit mit der grundlegenden Behauptung, dass die Momente des Todes im Werk von Anna Seghers eine wichtige Rolle für die Gesamtauslegung des jeweiligen Romans spielen. Die über das Todes- bewusstsein einer Figur zum Ausdruck gebrachten Gefühle unterstreichen häu- fig die Aussage eines ganzen Romans.

Darüber hinaus wird die Interpretationen des Todes in den verschiede- nen Werken nachweisen, dass Anna Seghers in den Todesdarstellungen ihrer Werke immer wieder Inhalte beschreibt, die auch ihr Gesamtwerk und dessen übergreifende Aussage zur Grundlage hat. Im Verlauf der Arbeit sollen diese von Anna Seghers in der Todesthematik immer wieder aufgegriffenen Inhalte benannt werden:

Die von Anna Seghers entworfenen Todeskonzeptionen weisen deutli- che Bezüge zu dem marxistisch orientierten Weltbild der Autorin auf. Der Marxismus begreift den Menschen in seiner Existenz nicht als Individuum, sondern als Gattungswesen.24 Für die marxistische Todesauffassung heißt dies, dass der Tod für das Individuum keine Bedeutung hat, da die menschliche Gat- tung als solche weiter besteht. Nach der marxistischen Lehre glaubt der Mensch zwar weder an Gott noch an ein Leben nach dem Tod,25 „dennoch aber stirbt dieser Materialist, als wäre die ganze Ewigkeit sein“26. Ernst Bloch be- gründet dies im sozialen Bewusstsein, innerhalb dessen der Tod eine neue Be- deutung erhalte: den Opfertod. Der Kommunist habe damit „schon vorher auf- gehört, sein Ich so wichtig zu nehmen, er hatte Klassenbewusstsein“.27 Der Sinn des Todes liegt hier im Sterben für die kommunistische Sache selbst. Die- ses Bewusstsein, oder wie Ernst Bloch es bezeichnet „der rot-atheistische To- desmut“28, verleiht dem sterbenden Kommunisten eine außerordentliche Kraft, die ihn über sein eigenes Ende hinweg sehen lässt. Auch Anna Seghers be- schreibt in ihren Werken immer wieder eine innere Kraft des Menschen29, die den Sterbenden über die eigentlichen Qualen oder Ängste hinweghebt und ihn in Stärke der eigenen Überzeugungen sterben lässt. Vor diesem Hintergrund einer sozialistischen Überzeugung, für die der Sterbende sein Leben opfert, erklärt sich auch die große Häufigkeit des Märtyrer-Todes kämpfender Revolu- tionäre in ihrem Gesamtwerk.

Trotz des marxistisch geprägten Weltbildes von Anna Seghers weisen die Todesdarstellungen in ihren Werken weitere Aspekte auf, die mit ihrem marxistischen Gedankengut alleine nicht erklärt werden können. Wie sich an- hand der Werkanalyse aufzeigen lässt, sind die Todesdarstellungen bei Anna Seghers entgegen der sozialistischen Todesauffassung unmittelbar mit dem Aspekt einer Individualisierung verbunden. Oftmals werden im Tod ihrer Figu- ren Sehnsüchte sichtbar, die ein Leben lang ungenutzt verkümmerten. Da das Bewusstsein zu sterben „der Selbstbeurteilung eine erweiterte Perspektive“ verleiht, „die das vergangene Leben in ein unerwartetes Licht stellt“30, nutzt Anna Seghers den Todesmoment, um dem Leser das Innere der Figur zu offen- baren. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser Grundzug ihrer Todes- darstellungen auch dem Einfluss der Werke Dostojewskijs zu verdanken ist. So erklärt sich die Todesproblematik bei Dostojewskij, ähnlich wie bei Anna Seg- hers, in der durch den Tod entstehenden Selbstfindung des Menschen, der nunmehr endlich „der Monotonie und Nivellierung der Lebensläufe“31 ent- kommt und das gewöhnliche Leben zur Individualität führt. Wie sich anhand der Werke aufzeigen lässt, setzt sich Anna Seghers stark mit der im Verhalten des Individuums zur Gemeinschaft liegenden Problematik auseinander. Spätes- tens im Todesmoment, als dem persönlichsten aller Momente, tritt der innere Zwiespalt vieler ihrer Figuren, die zwischen dem Wunsch nach Individualität und dem Leben in der Gemeinschaft hin und hergerissen sind, deutlich hervor. Auch diese Thematik findet sich tief verankert im Werk Dostojewskijs wieder und macht eine Anlehnung von Anna Seghers an sein Werk sehr wahrschein- lich.32 Ein wesentlicher Inhalt, den Anna Seghers innerhalb der Todesproble- matik immer wieder aufgreift, liegt damit in dem Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft. Der Tod offenbart den Wunsch ihrer Figuren nach der Indi- vidualisierung eines oftmals monoton verlaufenen Lebens, innerhalb dessen durch die erforderliche Anpassung an die Gemeinschaft kein Raum für eine Selbstverwirklichung vorhanden war.

Des Weiteren geht diese Untersuchung davon aus, dass sich bestimmte Überlegungen von Anna Seghers zum Thema Leben und Tod in ihrem Interes- se für Philosophie begründen.33 Die bereits geschilderten Grundzüge der To- desproblematik in ihrem Werk erinnern stark an den Umgang der Existenzphi- losophie mit dem Thema Tod:34 Der existenzialistische Ansatz35 basiert auf dem Glauben, dass eine Gewissheit der eigenen Existenz nur über bestimmte Erfahrungen zu erreichen ist. Solche Erfahrungen werden in der Existenzphilo- sophie „Grenzsituationen“36 genannt. Karl Jaspers zufolge ist das Wissen vom Tod eine solche Grenzsituation.37 Nur sofern der Mensch die bestehende Kluft erkennt, die zwischen dem Sein und den Dingen liegt, auf die er sich bezieht38 und er den Widerspruch der eignen Existenz zum Ganzen akzeptiert, kann er zu einem wahren Existenzbewusstsein gelangen.39 Nur durch die Erkenntnis der bestehenden Widersprüchlichkeit zwischen der begrenzten eigenen Exis- tenz und dem unendlichen Ganzen kann der Mensch zu einer illusionslosen Sicht als Basis seiner Handlungsentscheidung gelangen. Der Mensch muss sich demnach seiner eigenen Begrenztheit erst bewusst werden, damit er sich zur ihr verhalten kann. Die Begrenztheit seines Daseins kann der Mensch zwar nicht überwinden – er kann sie nur als Grundlage seines Bestehens begreifen und als solche akzeptieren, sofern er existenzialistische Entscheidungen trifft. Glei- chermaßen wie nach dem Ansatz der Existenzphilosophie das Scheitern also als Grundbedingung menschlicher Existenz zu verstehen ist, bindet Anna Seg- hers in ihren Werken den Tod als festen Bestandteil des gelebten Lebens mit ein. Meist erfährt das Leben der Figuren sogar erst im Todesmoment die ent- scheidende Aussagekraft. So vermerkte auch Friedrich Albrecht in Bezug auf Anna Seghers und ihre Figuren, „in der Art ihres Sterbens meinte sie die Wahrheit ihres Lebens am tiefsten erkennen zu können“40. So wird der bevor- stehende Tod und das dadurch hervorgerufene Bewusstsein für die Figuren bei Anna Seghers zu einer Vollendung des Schicksals. In diesem Sinne führt der Tod oder die Konfrontation mit dem Tod die Figuren im Werk von Anna Seg- hers zu einem Bewusstwerden der eigenen Existenz.

Der nun benannte Grundzug einer Individualisierung des Menschen in seinem Todesmoment ist um ein wesentliches Element ihres gesamten epi- schen Schaffens erweiterbar: Anna Seghers reduziert das im Tod sichtbar wer- dende Innere eines Menschen auf einen ,festen menschlichen Bestand’ an Grundeigenschaften, wie einem natürlichen Gefühl für Recht und Unrecht, so- zialer Verantwortung und einer Widerstandskraft gegen menschliche Unterdrü- ckung. Die Realität zeigte ihr, wie schwer es ist, diesen menschlichen Bestand auch im Tod oder in unmittelbarer Konfrontation mit diesem zu bewahren. Die Schwierigkeit eines jeden Menschen, seinen inneren Wesensmerkmale nicht zu verraten, obwohl es äußere Umstände verlangen würden, hebt sie in ihren Werken immer wieder im Moment des Todes einer Figur hervor. Der Tod wird damit zum Bewährungsakt der Menschlichkeit.

Neben Menschen, die dieser Bewährung nicht standhalten und ihren ,inneren Kern’ verraten, beschreibt Anna Seghers in ihren Werken immer wie- der Menschen, die ihren inneren Überzeugungen und ihrem Wesenskern bis in den Tod hinein treu bleiben. Indem Anna Seghers diese beiden Möglichkeiten, vor denen jeder Mensch steht, in ihren Werken immer wieder in Kontrast zu- einander stellt, ist innerhalb der Todesthematik folgende Auseinandersetzung zu erkennen: Verliert eine Figur ihren inneren Wesenskern, ist sie fortan nichts als eine leblose Hülle. Die Figur stirbt in diesem Sinne einen Tod, der bereits im Leben beginnt. Bleibt eine Figur jedoch ihrem Innersten bis in den Tod hi- nein treu, überkommt diese ein Gefühl der Gewissheit einer „Kraft [...], die plötzlich ins Masslose wachsen kann, ins Unberechenbare“41.

Daneben lassen die Werke von Anna Seghers, wie sie eigens bekundete, auf ihre persönliche Sicht blicken42 und erlauben damit, ihre Wirklichkeitsre- zeption auch in dem von ihr entworfenen Menschenbild zu suchen. Wie die Werkanalyse zeigen wird, laufen innerhalb der Entwicklung ihres entworfenen Menschenbildes und den darin beschriebenen Todesszenen erkennbare Paralle- len zu ihrer eigenen Weltsicht, die sich innerhalb ihres Lebens durch oft dras- tische Veränderungen weiterentwickelte. Innerhalb der Deutung des Todes wird damit davon ausgegangen, dass in der Todeskonzeption oftmals Parallelen zur biographischen Situation von Anna Seghers erkennbar sind.

Als sozialistischer Schriftstellerin, die auch während der Ereignisse des zweiten Weltkriegs und den nachfolgenden Entwicklungen den Glauben an ihr Heimatland nicht verlor43, unterliegt das Todesthema folgendem in ihrem Ge- schichtsbewusstsein verankerten Grundgedanken: Die sichere Zuversicht auf am allerklarsten aus seinem Werk, auch ohne spezielle Biographie.“ In: Christa Wolf spricht mit Anna Seghers. In: Anna Seghers. Über Kunstwerk und Wirklichkeit. Bd. II: Er- lebnis und Gestaltung. Hrsg. v. Sigrid Bock. Berlin: Akademie-Verlag, 1971 , S. 35-44, hier S. 36. eine „Entwicklung, vor welcher jeder Moment des sozialen Kampfes in Tri- umph oder Niederlage nur eine Etappe des Weges ist, der sein Ziel nicht ver- fehlen kann“44. Der körperliche Tod eines Einzelnen, der für die soziale Ge- rechtigkeit gestorben ist, kann niemals eine Niederlage sein und wird von Anna Seghers daher auch nicht als Ende, sondern als weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Welt beschrieben.

3 Werkanalyse

Um die Bedeutung des Todes in Anna Seghers’ Gesamtwerk zu erfassen, wur- den jeweils Werke aus ihrem Früh-, Exil- und Spätwerk zur Interpretation aus- gewählt. Die getroffene Auswahl der Werke unterlag dem Anspruch an mög- lichst unterschiedlichen Werken, innerhalb des Todesthemas gleiche Bedeu- tungsinhalte nachzuweisen. Jeder der drei Phasen ihres Schaffens wird in die- ser Arbeit ein einleitendes Kapitel gewidmet, durch welches der zeitgeschicht- liche und persönliche Hintergrund von Anna Seghers und den in dieser Zeit entstandenen Werken näher beschrieben werden soll. Obwohl in diesen Kapi- teln somit weniger konkret auf das Todesthema als auf die Autorin selbst ein- gegangen wird, erweist sich diese Vorgehensweise als zweckmäßig, wenn man davon ausgeht, dass die Todesproblematik in ihren Werken vor dem Hinter- grund zeitgeschichtlicher und persönlicher Ereignisse der Autorin erschlossen wird. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die aufgeführten Thesen, von de- nen die vorliegende Untersuchung ausgeht, nicht immer differenziert vonei- nander behandelt werden können. Die Annahmen zur Behandlung des Todes- themas in den zugrunde liegenden Werken bauen meist aufeinander auf. Es kann somit nicht Anspruch der Werkanalyse sein, die genannten Thesen je- weils alle an einem Werk nachzuweisen. Vielmehr soll nachgewiesen werden, dass die einzelnen Inhalte, die Anna Seghers über das Todesthema zum Aus- druck bringt, stets die in ihrem Gesamtwerk vertretenen Grundzüge ihrer Le- bensauffassung unterstützen. Den verschiedenen Todesdarstellungen liegen immer wieder ähnliche Inhalte zugrunde, mit denen sich Anna Seghers ein Le- ben lang beschäftigte.

Die bereits in Kapitel 2 aufgeführten Grundmerkmale der Todesdarstellungen werden nun an den einzelnen Werken erläutert. Schließlich wird die Analyse der einzelnen Todesdarstellungen in ihrem Vergleich eine für das Gesamtwerk von Anna Seghers sinntragende Bedeutung aufweisen, welche im letzten Kapi- tel dieser Arbeit in der abschließenden Gesamtbeurteilung des Todesthemas zum Tragen kommt.

3.1 Frühwerk – Die Flucht aus dem gewöhnlichen Leben

Um die ausgewählten Werke der frühen Schaffensperiode von Anna Seghers auf die Bedeutung der darin auftretenden menschlichen Sterbeweisen zu unter- suchen, ist es hilfreich zu erläutern, vor welchem persönlichen und geschichtli- chen Hintergrund sich ihr Frühwerk gestaltet. Innerhalb dieses Kapitels sollen daher wesentliche für das Frühwerk bedeutende Aspekte ihrer persönlichen Entwicklung vorgestellt werden. Denn erst durch die Kenntnis der in dieser Lebensphase gewonnenen Ansichten und Überzeugungen wird eine Analyse ihrer Figurengestaltung und der damit verbundenen Todesthematik nachvoll- ziehbar.

Die Forschung begreift unter dem Frühwerk von Anna Seghers die Jahre zwi- schen 1926 und 1932. Um den biographischen Hintergrund dieser Jahre näher zu beleuchten, soll hier mit dem Jahr 1920 begonnen werden. In diesem Jahr verließ Anna Seghers, damals noch unter ihrem Namen Netty Reiling bekannt, ihre Heimatstadt Mainz und zog nach Heidelberg, um dort ihr akademisches Studium zu beginnen. Die Wahl ihrer Studienfächer reichte von Geschichte und Kunstgeschichte über die Sprachwissenschaft bis hin zur Sinologie. Ihre Abwendung vom bürgerlichen Leben hin zur Sozialistin vollzog sich in einem Prozess, der sich, wenn man ihr Gesamtwerk betrachtet, über ihren kompletten Lebensweg erstreckte. Der Grundstock für diese Entwicklung wurde jedoch in den Jahren ihres Studiums gelegt. Während sie sich in ihrer Schulzeit noch mit Autoren der Klassik beschäftigte45, entwickelte sie nun ein Interesse an vor- wiegend französischen und russischen Autoren des Realismus, wobei hier be- sonders die Werke Dostojewskijs auf sie einwirkten.46 Seine Romane ließen sie nachdenken über die „eigenen blässlich-kleinbürgerlichen Sippen, die zu kei- nem starken Gefühl, zu keinem Gefühlsausbruch fähig waren“47. Die Züge sei- ner Figuren, welche von innerer Zerrissenheit, von Versuchungen und dem unbändigen Wunsch nach Freiheit geplagt waren, finden sich auch in den Figu- ren bei Anna Seghers wieder.48 Da Dostojewskij „aus der düsteren Wirklich- keit, aus unbeachteten Menschen, wahre, verborgene Dramen an den Tag“49 brachte, wurde auch ihr eigener Blick auf die gesellschaftlichen Gegensätze ihrer Zeit gelenkt. Damit gewann Anna Seghers ihr Geschichtsverständnis nicht über die theoretisch-ideologischen Schriften von Marx und Engels, son- dern über andere Literatur, deren Wirkung sie folgendermaßen beschrieb:

„Eine Wirklichkeit ist uns aus den Büchern gekommen, die wir im Leben noch nicht gekannt haben. Für uns war es eine erre- gende, eine revolutionäre Wirklichkeit. Ich spreche jetzt nicht von der politischen Revolution, die ja nah war, zeitlich nah war damals, sondern ich spreche von einem revolutionären Heraus- wühlen, in Bewegung gehen des menschlichen Schicksals, etwas durch und durch Unkleinbürgerliches.“50

Im Spiegel der Forschung wird in diesem Zusammenhang oftmals von einer „Desillusionierung“51 gesprochen, die Anna Seghers erfuhr, indem sie sich von den humanistischen bürgerlichen Idealen abwandte und nun mit der harten Wirklichkeit ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft konfrontiert war. In einem Brief an Lukács äußerte sie: „Was hatten wir denn für ,Spiegel’ im Krieg und kurz nach dem Krieg, als wir aufwuchsen? Sie spiegelten entweder eine vergangene Welt fremder Grunderlebnisse [...] oder sie spiegelten die Gesellschaft verzerrt, als Vexierspiegel.“52 Ihr neues Zeitverständnis wurde in den Jahren ihres Stu- diums jedoch nicht nur durch die Beschäftigung mit realistischer Literatur ge- schärft53, sondern vor allem durch die Bekanntschaft mit revolutionären Stu- denten, die vor den politischen Missständen in ihren Ländern geflüchtet waren. Die Berichte dieser ausländischen, politisch aktiven Studenten eröffneten Anna Seghers politisch-weltanschauliche Einsichten, die wohl im starken Kontrast zu ihren bisherigen bürgerlichen Lebensinhalten standen54 und in ihrem Begreifen der sozialistischen revolutionären Bewegung einen starken Eindruck hinterlie- ßen: „Und seine Zeugen, erschöpft von dem Erlebten, doch ungebrochen und kühn, uns überlegen an Erfahrungen, auch an Opferbereitschaft im großen und Hilfsbereitschaft im kleinen, waren für uns wirkliche, nicht beschriebene Hel- den“55. Unter den emigrierten Studenten befand sich auch der ungarische Jude und Kommunist László Radványi, den Anna Seghers 1925 heiratete. Durch ihn trat sie in Kontakt mit der zeitgenössischen kommunistischen Bewegung und wurde mit den Ideen des Marxismus vertraut gemacht. Drei Jahre später wurde sie Mitglied der KPD. Ob es für Anna Seghers einen unmittelbaren Anlass gab, in die KPD einzutreten, ist zwar aufgrund der diesbezüglich nicht vorhandenen eigenen biographischen Kommentare nicht feststellbar – ihr Bekennen zum Kommunismus ist jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Zusammen- spiel der genannten Veränderungen und neuer Einflüsse in ihrem Leben zu- rückzuführen. In Deutschland waren zudem die Auswirkungen der russischen Oktoberrevolution in Form von Aufständen und kommunistischen Unruhen zu spüren. All dies führte dazu, dass Anna Seghers in dieser Zeit einen schärferen Blick auf ihr soziales Umfeld gewann. So bemerkte sie mit der Zeit, „dass es Menschen gab, die schlechter als andere gekleidet wa- ren, dass es Menschen mit schlechten Schuhen gab. Ich scheute mich, bessere Schuhe zu tragen als diese. Ich sah mit erschro- ckenen Augen, wie man durch die Stadt einen Gefesselten führte...“56

Sie gewann ein großes Interesse für die sozialen Probleme ihrer Zeit, welches jedoch nicht mit einem politisch-ideologischen Bewusstsein zu verwechseln ist. Ihr Verständnis für Politik beschränkte sich nach eigener Aussage auf die Erkenntnis, „dass es ein Oben und Unten, ein Hoch und Niedrig gibt“57. Anna Seghers bewegte sich jedoch nicht nur im politischen Milieu, sondern erhielt in ihren Studienjahren auch philosophische Kenntnisse. An ihrer Universität lehr- ten eine Reihe bekannter Soziologen und Philosophen. So ist durchaus davon auszugehen, dass bestimmte philosophische Grundgedanken, wie die ihres wohl berühmtesten Dozenten Karl Jaspers, Eingang in ihr Denken fanden. Ins- besondere an ihrem Frühwerk „Grubetsch“ wird sich in der Analyse zeigen, dass Anna Seghers die von Jasper vertretenen Ideen zur Existenzphilosophie in ihr Werk mit einbezog.58 Somit wird die Rolle des Todes insbesondere in den frühen Werken im Zusammenhang mit der Existenzphilosophie zu untersuchen sein.

Der Versuch, einen Blick auf Anna Seghers´ frühe Entwicklung und ihre in dieser Lebensphase enthaltenen Anschauungen zu werfen, folgte dem Zweck, den Zugang zu ihren Werken zu erleichtern, in denen sie diese Eindrücke ge- staltete und bewältigte. Die Entwicklung zur sozialistischen Schriftstellerin nahm ihren Anfang in der bloßen „gefühlsmäßige[n] Parteinahme für die Un- terdrückten und eine Ahnung sozialgeschichtlicher Zusammenhänge“59 und veranlasste sie dazu, sich in ihren Werken fortan dem Alltagsleben der unteren Schichten zu widmen. Auch wenn es nicht ihre eigenen Erfahrungen sind, die sich in den folgenden Werken spiegeln, so war es doch ihre persönliche „Hoff- nung, aus dem Gefangensein in einer als sinnentleert empfundenen krisenhaf- ten Welt ausbrechen und ein ganz anderes, ein menschenfreundliches Leben führen zu können“60. Dies ist der wohl entscheidendste Grundzug, den die To- desdarstellungen ihrer Frühwerke zum Ausdruck bringen.

3.1.1 Grubetsch – „Gewöhnliche Tode“

61Ein böser Hof, und in dem Hof ein Mann, der es versteht, die geheimen Wün- sche der Menschen nach Zugrundegehen zu erraten und jedem in seiner Weise zu erfüllen.“62 Mit diesen Worten beschreibt Anna Seghers ihre erste Erzäh- lung63, die sie 1927 veröffentlichte.64 Die Erzählung handelt von einem ver- wahrlosten Hof, dessen Bewohner in Armut und Abgeschiedenheit von der Außenwelt am Rande des sozialen Abgrundes leben. Die Menschen im Hof verbringen ihren Alltag in Trägheit, Abgestumpftheit und Langeweile. Sie ge- hen keiner sinnvollen Beschäftigung nach und es fehlt ihnen jegliche Perspek- tive auf eine Besserung ihrer Lebenssituation.

Einmal im Jahr kehrt ein Mann namens Grubetsch zur Überwinterung in den Hof zurück, da er die restliche Zeit als Flößer auf dem nahegelegenen Fluss arbeitet. Die jährliche Rückkehr des Fremden bedeutet für die Bewohner des Hofes stets etwas Außergewöhnliches in ihrem trostlosen Alltag, dessen einzi- ge Abwechslung der Besuch von „Munks Schenke“ ist. Obwohl Grubetsch als ein „blasser, unansehnlicher“65 und alles andere als ein groß gewachsener Mann bezeichnet wird, übt er eine große Anziehungskraft auf jeden der Be- wohner aus. Die Hofbewohner verbringen ihre Zeit mit Herumlungern, Lan- geweile und Warten auf einen ersehnten Umschwung, der eine Veränderung der gegebenen Zustände zur Folge hätte. Im Gegensatz zu späteren Werken begreift Anna Seghers in dieser Sehnsucht nach Veränderung der Verhältnisse jedoch nicht den Gedanken der sozialen Revolte, sondern eine rein menschlich motivierte Flucht aus dem gewöhnlichen Leben. All dies sehen die Hofbewoh- ner in Grubetsch gegeben. Er verkörpert die Freiheit des ungebundenen Aben- teurers, dem es als Einzigem gelingt den trostlosen Hof für ein interessanteres Leben in der Außenwelt zu verlassen. Plötzlich jedoch verliert Grubetsch die- sen Glanz in den Augen der Hofbewohner und sie empfinden in seiner Gegen- wart nur noch „dieses widerwärtige Ding in der Kehle“66. Letztlich bringen die Hofbewohner Grubetsch um, indem sie ihm ein Messer in den Rücken ram- men.

Für Anna Seghers war in diesem Werk weniger das Aufzeigen sozialer Miss- stände von Belang, als die Darstellung „von einem tiefen Gefühl des Ungenü- gens am Leben“67. Die Bewohner des Hofes leiden daher in erster Linie nicht an ihrer sozialen Not, sondern an der Leere und Sinnlosigkeit, die ihr Dasein bestimmen. Das triste Leben in diesem Hof und der banale Alltag reduziert die Menschen in ihren Handlungen auf ein instinktives Verhalten. Indem sie sich nicht mit ihren Handlungen auseinandersetzen, kann man dieses auch nicht als überdacht oder rational motiviert bezeichnen. Die Ermordung von Grubetsch erscheint wie eine spontane Laune der Bewohner und wird nicht weiter im Text begründet. Es finden sich auch keine Hinweise auf mögliche Reaktionen auf das Sterben Grubetschs. Recht barbarisch wirkt es, wenn es lediglich heißt:

„Die anderen bückten sich über den Tisch, schleiften Grubetsch darüber und stopften ihn schnell weg, irgendwohin.“68 Die von Seghers gezeichneten Men- schen werden getrieben von Zwängen und menschlichen Urtrieben. Besonders der Sexualtrieb nimmt den Bewohnern, die dieser Macht restlos ausgeliefert zu sein scheinen, jegliche Autonomie. So heißt es in einer Szene zwischen einem Ehepaar: „Sie legten sich auf das Bett, faßten sich an, ließen sich los, faßten sich wieder an [...]. Sie hatten keine Lust, aber eine Faust faßte sie von außen, stieß sie ineinander, wie sehr sie sich wehrten.“69 Innerhalb dieser beschriebe- nen Leere und Sinnlosigkeit des Daseins der Hofbewohner hebt Anna Seghers die Unveränderbarkeit eines solchen Lebens am deutlichsten innerhalb der To- desthematik hervor. So ist der Mord an Grubetsch die auf die Spitze getriebene Gier der Hofbewohner nach Abwechslung, welche letztlich auch durch den herbeigeführten Tod von Grubetsch nicht zu befriedigen ist .

Vor dem Hintergrund des in dieser Erzählung gezeichneten Menschenbildes, gezeugt von der völligen Passivität und dem fehlenden Willen, das eigene Le- ben in die Hand zu nehmen, sollen in den folgenden beiden Kapiteln, die To- desdarstellungen der Figuren Grubetsch und dem Mädchen Anna untersucht werden.

3.1.1.1 Anna

Das Mädchen Anna lebt mit ihrem Bruder Martin und dessen Frau Marie im Hof. Dem Leser wird sie als sehr zurückhaltend, „von beinah wunderbarer Ma- gerkeit“ als „nur ein ganz kärgliches, zerschlissenes Ding“ vorgestellt.70 Im Gegensatz zu den übrigen Hofbewohnern fürchtet sie sich vor dem Hof. Der Hof erscheint ihr „wie eine Schlucht, in deren Winkel wilde Tiere versteckt sind“71. Dies unterscheidet Anna von den übrigen abgestumpften Bewohnern des Hofes, auf die der Zustand dieses Anwesens in seiner heruntergekomme- nen Atmosphäre schon so weit abgefärbt hat, dass sie dem Wesen des Hofes voll entsprechen. Während Annas Wohnsituation bei ihrem Bruder zu Beginn der Erzählung noch relativ harmonisch zu sein scheint, vor allem weil hier im Gegensatz zu anderen Bewohnern ein bescheidener Wohlstand vorhanden ist, ist dieses friedliche Bild des Zusammenlebens am Ende vollkommen zerstört. Durch die Begegnung mit Grubetsch wird Anna bewusst, wie eingeschränkt ihr Leben im Vergleich zu Grubtschs freizügigem Dasein ist. Wie sehr sich Anna nach einer Veränderung in ihrem Leben sehnt, wird gleich zu Beginn der Er- zählung sehr deutlich, als Grubetsch nach dem Sommer in den Hof zurückkehrt und eine Hofbewohnerin lächelnd feststellt: „Der Grubetsch ist wieder da, [...] jetzt wird es wieder ein Unglück geben“72. Anna erscheint diese Ankündigung eher verlockend, als beängstigend, wenn sie sich frägt: „Was ist das, ein Un- glück? Ist es wie der Hof dort unten und wie das Zimmer dort hinten? Oder gibt es auch noch andere Unglücke, rote glühende leuchtende Unglücke? Ach, wenn ich so eins haben könnte!“73 Der bereits erwähnte Kommentar von Anna Seghers über Grubetsch als einen „Mann, der es versteht, die geheimen Wünsche der Menschen nach Zugrundegehen zu erraten und jedem in seiner Weise zu erfüllen“74, offenbart sich in der Figur Annas in ganz besonderem Maße. Grubetsch allein ist es, der Annas Situation begreift:

[...]


1 Seghers, Anna: Das siebte Kreuz. Roman aus Hitlerdeutschland. Hrsg. v. Helen Fehervary und Bernhard Spies. Berlin: Aufbau-Verlag, 2000 (Anna Seghers. Werkausgabe; Das erzählerische Werk 1 /4), S. 369.

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Albrecht, Friedrich: Zwischen den Grenzpfählen der Wirklichkeit. Zur Todesproblematik bei Anna Seghers. In: Friedrich Albrecht: Bemühungen. Arbeiten zum Werk von Anna Seghers 1965 – 2004. Bern: Lang-Verlag, 2005, S. 233 – 260.

6 Albrecht: Zur Todesproblematik, S. 233.

7 Zehl Romero, Christiane: Anna Seghers. Eine Biographie 1900-1947. Berlin: Aufbau- Verlag, 2000, S. 68f.

8 Vgl. Spies, Bernhard: Wo kommen die Geschichten her? Wirklichkeitserfahrung, gesellschaftliche Zielvorstellungen und die Ästhetik des Erzählens bei Anna Seghers. In: Argonautenschiff 10 (2001), S. 129-144 zum „inneren Motivkomplex der Anna Seghers“.

9 Wolf, Christa: Gesichter der Anna Seghers. Zu einem Bildband. In: Christa Wolf. Anna Seghers. Das dicht besetzte Leben. Briefe, Gespräche und Essays. Hrsg. v. Angela Drescher. Berlin: Aufbau-Verlag, 2003, S. 166 – 173, hier S. 168.

10 Vgl. Suhl, Nicole: Anna Seghers: Grubetsch und Aufstand der Fischer von St. Barbara. Literarische Konstrukte im Spannungsfeld von Phänomenologie und Existenzphilosophie. Frankfurt a.M. (u.a.): Lang-Verlag, 2002 (Hamburger Beiträge zur Germanistik; Bd.36, zugleich phil. Diss. Hamburg 2001), S. 20-32 zum Bestand der Privatbibliothek von Anna Seghers. Siehe auch Zehl Romero: Anna Seghers. 1900-1947, S. 105.

11 Vgl. Batt, Kurt: Anna Seghers. Versuch über Entwicklung und Werke. Frankfurt a. M.: Röderberg-Verlag, 1973.

12 Anz, Thomas: Der schöne und der häßliche Tod. Klassische und moderne Normen literari- scher Diskurse über den Tod. In: Klassik und Moderne. Die Weimarer Klassik als histori- sches Ereignis und Herausforderung im kulturgeschichtlichen Prozeß. Hrsg. v. Karl Rich- ter und Jörg Schönert. Stuttgart: Metzler-Verlag, 1983, S. 409-432, hier S. 423.

13 Daemmrich, Horst S. und Ingrid: Tod. In: Themen und Motive in der Literatur. Ein Hand- buch. Tübingen: Francke-Verlag, 1987, S. 314-318, hier S. 316.

14 Vgl. auch Joist, Alexander: Auf der Suche nach dem Sinn des Todes. Todesdeutungen in der Lyrik der Gegenwart. In: Theologie und Literatur. Hrsg. v. Karl-Josef Kuschel und Georg Langenhorst. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 2004 (Theologie und Literatur; Bd. 18). S. 29-37 zu damals typischen Darstellungen des Kriegstodes innerhalb der expres- sionistischen Lyrik, welche im Kontext des Ersten Weltkrieges aufkamen.

15 Vgl. Ariès, Philippe: Geschichte des Todes. München und Wien: Carl Hanser-Verlag, 1980, S. 397f. zur Ästhetisierung des Todes.

16 Vgl. Anna Seghers. Eine Biographie in Bildern. Hrsg. v. Frank Wagner (u.a.). Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag, 1994, S. 50: „Das Tagebuch von Tolstoi hatte ich ziemlich genau gelesen. Von deutschen Autoren machten besonders Eindruck auf mich: Büchner, die No- vellen von Kleist, die Prosa von Heine, Volksmärchen usw.“.

17 Vgl. Schneider, Christian Immo: Das Todesproblem bei Hermann Hesse. Marburg: Elwert- Verlag, 1973 (Marburger Beiträge zur Germanistik; Bd. 38), S. 15 zur Auslegung des To- des im klassisch-ethischen Humanitätsgedanken.

18 Vgl. Anz: Der schöne und der häßliche Tod. In: Klassik und Moderne, S. 422: Er stellt die Gegenüberstellung des schönen und des hässlichen Todes als ein Grundcharakteristikum des Beginns der literarischen Moderne dar.

19 Zur Bedeutung des Todes bei Thomas Mann, siehe Grote, Katja: Der Tod in der Literatur

der Jahrhundertwende. Der Wandel der Todesthematik in den Werken Arthur Schnitzlers, Thomas Manns und Rainer Maria Rilkes. Frankfurt a.M. (u.a.): Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1996, S. 83-110 am Beispiel seines Romans “Die Buddenbrocks“.

20 Vgl. Anz: Der schöne und der häßliche Tod. In: Klassik und Moderne, S. 423: Rilkes Be- mühung lag darin, dem „anonymen und technisierten Sterben in der veränderten Welt einer Großstadt- und Massengesellschaft“ seine Individualität zurückzuverleihen. Die Bedeu- tung des Sterbens in einer Welt der Massenexistenz liegt für Rilke darin, dass jeder Mensch seinen eigenen Tod stirbt und damit erst hier wirkliche Identität gewinnt.

21 Vgl. Seghers, Anna: Woher sie kommen, wohin sie gehen. Über den Ursprung und die Weiterentwicklung einiger Romangestalten Dostojewskijs, besonders über ihre Beziehun- gen zu Gestalten Schillers. In: Anna Seghers. Woher sie kommen, wohin sie gehen. Essays aus vier Jahrzehnten. Hrsg. v. Manfred Behn. Darmstadt und Neuwied: Luchterhand- Verlag, 1980, S. 207-255.

22 Vgl. Freynik, Thomas: Die Todesproblematik im Schaffen von F.M. Dostojewskij. Ham- burg: Kovac-Verlag, 2000 (Schriftenreihe Poetica; Bd. 47), S. 102.

23 Vgl. Freynik: Die Todesproblematik im Schaffen von F.M. Dostojewskij, S. 99-104 zum Thema „Tod und Individualität“.

24 Vgl. Condrau, Gion: Der Mensch und sein Tod. Certa moriendi condicio. 2. überarbeitete Auflage. Zürich: Kreuz-Verlag, 1991, S. 203.

25 Vgl. Rommel, Kurt: Religion und Kirche im sozialistischen Staat der DDR. Diss. Kiel 1975, S. 13: „Der Materialismus ist eine philosophische Lehre, derzufolge die Materie der Grund und die Substanz aller Wirklichkeit ist“.

26 Bloch, Ernst: Verschwinden des letalen Nichts im sozialistischen Bewusstsein. In: Der Tod in der Moderne. Hrsg. v. Hans Ebeling. Frankfurt a.M.: Syndikat-Verlag, 1984 (Taschen- bücher Syndikat, EVA; Bd. 36), S. 102-105, hier S. 103.

27 Bloch: Verschwinden des letalen Nichts im sozialen Bewusstsein. In: Der Tod in der Moderne, S. 103.

28 Ebd.

29 Seghers: Das siebte Kreuz, S. 10: „die einzige Kraft [...], die plötzlich ins Maaslose wach- sen kann, ins Unberechenbare“.

30 Daemmrich: Themen und Motive in der Literatur, S. 314.

31 Freynik: Die Todesproblematik im Schaffen von F.M. Dostojewskij, S. 102.

32 Zum Zwiespalt im Menschen bei Dostojewskij vgl. Anna Seghers: Woher sie kommen, wohin sie gehen, S. 227f.

33 Vgl. Suhl: Grubetsch und Aufstand der Fischer von St. Barbara, S. 20-32 zum Bestand von Anna Seghers’ Privatbibliothek. Ihr Interesse galt vor allem den Philosophen Edmund Husserl, Sören Kierkegaard und Karl Jaspers.

34 Es sei auf die Untersuchung von Nicole Suhl verwiesen, welche die existenzphilosophi- schen Grundzüge bei Anna Seghers anhand zweier Werke konkret erläutert: Siehe dazu Suhl, Nicole: Anna Seghers: Grubetsch und Aufstand der Fischer von St. Barbara. Literari- sche Konstrukte im Spannungsfeld von Phänomenologie und Existenzphilosophie. Frank- furt a.M. (u.a.): Lang Verlag, 2002 (Hamburger Beiträge zur Germanistik; Bd. 36, zugleich phil. Diss. Hamburg 2001).

35 Vgl. Jaspers, Karl: Philosophie II. Existenzerhellung. Berlin/Göttingen/Heidelberg: Sprin- ger-Verlag, 1956, S. 220-229.

36 Zu einzelnen „Grenzsituationen“ vgl. Jaspers, Karl: Psychologie der Weltanschauungen. 4. Aufl. Berlin, Göttingen, Heidelberg: Springer-Verlag, 1954, S. 256-280 und speziell zum Tod als Grenzerfahrung: S. 259-270.

37 Vgl. Jaspers, Karl: Tod. In: Der Tod in der Moderne. Hrsg. v. Hans Ebeling. Frankfurt a.M.: Syndikat-Verlag, 1984 (Taschenbücher Syndikat, EVA; Bd. 36), S. 63-70, hier S. 63.

38 Vgl. Suhl: Grubetsch und Aufstand der Fischer von St. Barbara, S. 147: Sie spricht in die- sem Zusammenhang von existenziellen Antinomien und nennt als Beispiele: Kampf (und gegenseitige Hilfe), Tod (und Leben), Zufall (und Sinn) sowie Schuld (und Entsündi- gungsbewusstsein). Zur antinomischen Struktur der Welt, Vgl. Jaspers: Psychologie der Weltanschauungen, S. 232-247.

39 Vgl. Condrau: Der Mensch und sein Tod, S. 209: Der Mensch gewinne sein “Selbst“,„wenn er sich als die Synthese von Endlichkeit und Unendlichkeit, Zeitlichem und Ewi- gem, Freiheit und Notwendigkeit realisiert“.

40 Albrecht: Zur Todesproblematik bei Anna Seghers, S. 239.

41 Seghers: Das siebte Kreuz, S. 10.

42 Seghers in einem Gespräch mit Christa Wolf (1959): „Was die biographischen Fragen angelangt: Die Erlebnisse und die Anschauungen eines Schriftstellers, glaube ich, werden

43 Vgl. Seghers, Anna: Vaterlandsliebe. Rede auf dem I. Internationalen Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur. (Paris 1935) In: Anna Seghers. Willkommen, Zukunft! Re- den, Essays und Aufsätze über Kunst und Wirklichkeit. Berlin: Akademie-Verlag, 1975, S. 177 – 179.

44 Rilla, Paul: Die Erzählerin Anna Seghers. In: Die Dichter des sozialistischen Humanismus. Hrsg. v. Helmut Kaiser. München: Dobbeck-Verlag, 1960 (Wissen der Gegenwart; Bd.7), S. 81.

45 Vgl. Albrecht, Friedrich: Die Erzählerin Anna Seghers. 1926-1932. 2. Aufl. Berlin: Rütten & Loening-Verlag, 1975 (Neue Beiträge zur Literaturwissenschaft; Bd. 25), S. 15: „Die Mutter pflegte ihr Gedichte und Partien aus Goethes Faust vorzulesen; in der Schulzeit be- eindruckten sie die Dramen Schillers (Don Carlos, Wilhelm Tell) und die Dichtungen Heinrich Heines, außerdem Werke von Lessing, Hölderlin, Büchner, Keller und die Mär- chen der Gebrüder Grimm)“.

46 Vgl. Seghers: Woher sie kommen, wohin sie gehen, S. 208: „Später, als Studentin, als ich meine Umwelt zu begreifen begann, Liebe und Leid und viele Erscheinungen der Gesell- schaft, Elend und Hunger und Kämpfe um ein besseres Leben, las ich mit Leidenschaft mehrere Romane von Dostojewski.“.

47 Seghers: Woher sie kommen, wohin sie gehen. S. 209 f.

48 Vgl. Seghers: Woher sie kommen, wohin sie gehen, S. 224.

49 Seghers: Woher sie kommen, wohin sie gehen, S. 210.

50 Seghers: „Christa Wolf spricht mit Anna Seghers“. In: Kunstwerk und Wirklichkeit II, S. 37.

51 Albrecht: Die Erzählerin Anna Seghers, S. 16.

52 Aus einem Briefwechsel zwischen Anna Seghers und Georg Lukács. (Februar 1939) In: Anna Seghers. Woher sie kommen wohin sie gehen. Essays aus vier Jahrzehnten. Hrsg. v. Manfred Behn. Darmstadt und Neuwied: Luchterhand-Verlag, 1980, S. 40-45, hier S. 42.

53 Vgl. Seghers, Anna: Eine Biographie in Bildern, S. 50: „Das Tagebuch von Tolstoi hatte ich ziemlich genau gelesen. Von deutschen Autoren machten besonders Eindruck auf mich: Büchner, die Novellen von Kleist, die Prosa von Heine, Volksmärchen usw.“.

54 Seghers, Anna: Wiedersehen mit den Gefährten. In: Über Kunstwerk und Wirklichkeit II, S. 18-19, hier S. 19: „Wir horchten erregt ihren Berichten, die damals vielen in Deutsch- land wie Greuelmärchen erschienen oder wie Vorkommnisse, die unvorstellbar in Mittel- europa waren.“.

55 Ebd.

56 Seghers, Anna: Gespräch mit Wilhelm Girnus. In: Anna Seghers. Eine Biographie in Bil- dern. Hrsg. v. Frank Wagner (u.a.). Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag, 1994, S. 29.

57 Ebd.

58 Vgl. Suhl: Grubetsch und Aufstand der Fischer von St. Barbara, S. 99-286. Siehe auch Spies, Bernhard: Rezensionen. Anna Seghers. Einflüsse von Phänomenologie und Existen- zialismus? In: Exil 22 (2003), S. 84-86.

59 Batt: Anna Seghers, S. 23.

60 Bock, Sigrid: Seghers, Anna. In: Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945. Stuttgart und Weimar: Metzler-Verlag, 1994, S. 431-434, hier S. 431.

61 Seghers, Anna: Grubetsch. 2. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag, 1981 (Anna Seghers. Gesammelte Werke in Einzelausgaben; Bd. IX), S. 66.

62 Seghers, Anna: Selbstanzeige. In: Kunstwerk und Wirklichkeit II, S. 11.

63 Abgesehen von der bereits 1924 verfassten Geschichte „Die Toten von der Insel Djal“, die jedoch erst 1979 veröffentlicht wurde.

64 1927 als Fortsetzungsdruck von der Frankfurter Zeitung veröffentlicht.

65 Seghers: Grubetsch, S. 11.

66 Seghers: Grubetsch, S. 62.

67 Zehl Romero, Christiane: Anna Seghers. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch- Verlag, 1993, S. 29.

68 Seghers: Grubetsch, S. 65.

69 Seghers: Grubetsch, S. 60.

70 Seghers: Grubetsch, S. 5.

71 Seghers: Grubetsch, S. 15.

72 Seghers: Grubetsch, S. 6.

73 Seghers: Grubetsch, S. 7.

74 Seghers, Anna: Selbstanzeige. In: Kunstwerk und Wirklichkeit II, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Todes im Werk von Anna Seghers
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
95
Katalognummer
V122840
ISBN (eBook)
9783640273881
Dateigröße
799 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Bedeutung, Todes, Werk, Anna, Seghers, Sozialistische Literatur, Exilliteratur, Das siebte Kreuz, Tod, Anna Seghers, Nachkriegsliteratur, Grubetsch, Überfahrt, Motive bei Seghers, Exilwerk
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Staatsexamen Ricarda Groß (Autor), 2009, Die Bedeutung des Todes im Werk von Anna Seghers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122840

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