Diese Arbeit befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen deutscher naturwissenschaftlicher Forschung und dem Aufschwung und Niedergang des chilenischen Salpeterhandels schwerpunktmäßig zur Zeit des deutschen Kaiserreichs. Es erscheint nicht sinnvoll, ausschließlich diese Jahre zu betrachten, da der Aufschwung der Salpeterwirtschaft bereits nach den Pazifikkriegen 1879 bis 1883 begann, in denen Chile die bolivianischen beziehungsweise peruanischen Provinzen Atacama und Tarapaca eroberte und sich somit reiche Salpetervorkommen sicherte. Dass Nitrate sich hervorragend als Düngemittel eignen, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt, nachdem der deutsche Naturwissenschaftler Justus von Liebig um 1840 die Agrikulturchemie begründet hatte. Das in Lateinamerika vorkommende Natriumnitrat war infolgedessen ein begehrter Rohstoff. Daher wuchsen die Exportraten des Rohstoffes Salpeter in die Industrienationen rasant. Das Deutsche Reich war ein Hauptabnehmer.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Anfänge im 19. Jahrhundert
- Justus von Liebig und die Agrikulturchemie
- Entwicklung des chilenischen Salpeterhandels
- Chemische Forschung im Kaiserreich
- Stickstoffforschungen
- Das Haber-Bosch-Verfahren bis 1913
- Forschungen als Spielball deutscher Machtpolitik im Zuge des Ersten Weltkrieges
- Die chemische Industrie im Krieg und das Stickstoffmonopol
- Die Bindung der chilenischen Wirtschaft an den Rohstoff Salpeter und die Folgen
- Der Salpeterhandel bis zum Ersten Weltkrieg
- Handel und Export während des Ersten Weltkrieges
- Der Zusammenbruch und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen
- Perzeption des Zusammenhangs zwischen Salpeterhandel und deutscher Forschungsentwicklung
- Chile
- Deutschland
- Perzeptionen in der Literatur
- Aspekte der Dependenztheorie am Beispiel der wirtschaftlichen Entwicklung Chiles
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die wechselseitigen Beziehungen zwischen der naturwissenschaftlichen Forschung in Deutschland und dem Aufstieg und Fall des chilenischen Salpeterhandels, insbesondere während des Deutschen Kaiserreichs. Der Fokus liegt auf den Auswirkungen der Forschung auf den Handel und umgekehrt. Der Zeitraum wird jedoch über die Kaiserzeit hinaus erweitert, um den Kontext des Aufschwungs der Salpeterwirtschaft zu erfassen.
- Die Entwicklung der Agrikulturchemie und ihre Bedeutung für die Nutzung von Salpeter.
- Die Rolle deutscher Wissenschaftler und Unternehmen im chilenischen Salpeterhandel.
- Die Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens und seine Bedeutung für die deutsche Unabhängigkeit von chilenischem Salpeter.
- Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Zusammenbruchs der chilenischen Salpeterwirtschaft.
- Die Wahrnehmung des Zusammenhangs zwischen Salpeterhandel und deutscher Forschung in Chile und Deutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beschreibt den bekannten Zusammenhang zwischen deutscher chemischer Forschung und der chilenischen Salpeterwirtschaft und skizziert den Forschungsansatz der Arbeit. Das erste Kapitel behandelt die Anfänge im 19. Jahrhundert, einschließlich der Rolle von Justus von Liebig und der Entwicklung des chilenischen Salpeterhandels. Das zweite Kapitel fokussiert auf die chemische Forschung im Kaiserreich, insbesondere die Stickstoffforschung und die Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens. Es wird die Bedeutung des Salpeters als Rohstoff für Düngemittel und Sprengstoffe hervorgehoben. Das dritte Kapitel analysiert die Bindung der chilenischen Wirtschaft an den Salpeterexport und die Entwicklungen vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg. Das vierte Kapitel befasst sich mit der jeweiligen Wahrnehmung des Zusammenhangs zwischen Salpeterhandel und deutscher Forschungsentwicklung in Chile und Deutschland, sowie die Darstellung in der Literatur.
Schlüsselwörter
Chilenischer Salpeter, deutsche naturwissenschaftliche Forschung, Agrikulturchemie, Justus von Liebig, Haber-Bosch-Verfahren, Erster Weltkrieg, Wirtschaftsgeschichte, Dependenztheorie, Chile, Deutsches Kaiserreich, Stickstoff.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Einfluss hatte Justus von Liebig auf die Salpeterwirtschaft?
Justus von Liebig begründete um 1840 die Agrikulturchemie und entdeckte, dass Nitrate wie der chilenische Salpeter hervorragende Düngemittel sind, was die weltweite Nachfrage nach diesem Rohstoff auslöste.
Was war das Haber-Bosch-Verfahren und warum war es so bedeutend?
Das Haber-Bosch-Verfahren ermöglichte die künstliche Fixierung von Stickstoff aus der Luft. Es machte Deutschland unabhängig von chilenischen Salpeterimporten, was sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Rüstungsindustrie (Sprengstoff) im Ersten Weltkrieg entscheidend war.
Warum brach die chilenische Salpeterwirtschaft zusammen?
Der Zusammenbruch wurde primär durch die Entwicklung des synthetischen Stickstoffs in Deutschland verursacht, wodurch der natürliche Salpeter vom Weltmarkt verdrängt wurde, was Chile in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte.
Welche Rolle spielte der Salpeter im Ersten Weltkrieg?
Salpeter war ein strategischer Rohstoff für die Munitionsproduktion. Da die Alliierten die Seewege nach Chile blockierten, war die deutsche Forschung gezwungen, die synthetische Produktion massiv voranzutreiben.
Was besagt die Dependenztheorie am Beispiel Chiles?
Sie beschreibt die Abhängigkeit Chiles von einem einzigen Exportrohstoff und den Industrienationen. Als die Forschung im Zentrum (Deutschland) einen Ersatz fand, kollabierte die Peripherie (Chile), die keine diversifizierte Wirtschaft besaß.
- Arbeit zitieren
- Katharina Loeber (Autor:in), 2008, Naturwissenschaftliche Forschung in Deutschland in Zusammenhang mit der chilenischen Salpeterwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123165