Römischer Bestattungsbrauch am Beispiel des göttlichen Kaisers Augustus

Der Pater Patriae – Im Tode zwischen Republik und Principat


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

52 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Die letzten Tage des Kaisers
1) Augusti Mißtrauen
2) Letzte Verfügungen
3) Das Ende naht
4) Auf dem erbebett
5) Augusti Tod

III. Die Bestattung des Kaisers
1) Der Leichnam wird nach Rom überführt
2) Vorbereitungen für die Bestattungszeremonie
3) Allgemeine Volkstrauer
4) Republikanische Bestattungsriten
Exkurs: Griechisch-römische Bestattungsbräuche
a) Jedermanns Pflicht zur Bestattung
b) Heimkehr der elen
g) lons Mäßigungsgebot bei Trauerfeiern
d) Erste Handlungen nach dem Tod
i) hließen von Mund und Augen
ii) Reinigung und Konservierung
iii) Das letzte Hemd
iv) Blumen und Kränze
v) hmucklose Trauer
e) Trauer und Totenklage
z) Besondere Ehrbezeugungen
h) Die Prothesis
q) Das Leichenbegängnis
i) Auf dem Marktplatz
i) Die Rostra
ii) Die Leichenrede
iii) Die räumliche Trennung von Lebenden und Toten
k) Am Rogus
i) Grabbeigaben
ii) Zur rechten Zeit der Verbrennung
iii) Römer in Flammen
l) Verbrennen oder Begraben
i) Alter Wein auf neue heite
ii) Auf heiße Glut folgt Grabeskühle
iii) Homerische Feuerteufel
iv) Verbrennung und Brandopfer
m) Ça ça, geschmauset!
n) Trauer und Beileid
x) Zusammengefaßt
o) Ahnenkult
i) ulpturen und Bilder
ii) L´art pour l´art und Familiengeschichte
iii) Literarische lbstzeugnisse
5) Die Feierlichkeiten für Augustus
a) Der natsbeschluß
b) Die Testamentsverlesung
c) Die Grabreden
d) Die Bestattung

IV. Die Apotheose des Kaisers

V. Kommentar
1) Augustus als Pater Patriae
2) Heldenschau im Buch VI der Aeneis
3) Vergils gelungene Inszenierung des Princeps auf der Bühne des Welttheaters

VII. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Begräbnis des römischen Kaisers Augustus. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Begräbniszeremoniell, welches mit früheren Bestattungen adeliger Römer verglichen wird.

Eine ausführliche vergleichende Darstellung wird Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den letzten Tagen der Verstorbenen, der Beisetzung selbst und der Apotheose verblichener Herrschergestalten aufzeigen. Der Befund über den Monarchen Augustus stützt sich in der Hauptsache auf die Berichte von Sueton,[1] Cassius Dio[2] und Tacitus,[3] die in ihrem Urteil über den ersten gefestigten Kaiser jeweils der Zeit gemäß variieren. Näher betrachtet wird das Zeremoniell seiner Beisetzung unter Berücksichtigung des Übergangs von der Republik zum Prinzipat,[4] der Rolle des Kaisers als pater patriae und seinem daraus abgeleiteten Traditionsverständnis und der konstruierten Ahnenreihe bis hin zu Romulus bei Vergils Heldenschau im Buch VI der Aeneis.

II. Die letzten Tage des Augustus

1) Augusti Mißtrauen

Am Ende seines Lebens konnte der Kaiser Augustus auf eine bewegte und erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Seine res gestae, die der Nachwelt mit dem Monumentum Ancyranum überliefert sind, sprechen eine deutliche Sprache. Der Herrscher bemüht sich um ein mildes, bescheidenes und gerechtes, aber entschlossenes und unübertroffenes Bild seiner selbst im Urteil der Geschichte.[5] Sein letzter Wille bestimmt die Augustusrezeption späterer Generationen bis heute.

Cassius Dio berichtet von einer zunehmenden Altersunsicherheit des einst so stolzen und starken Herrschers. So soll er in den letzten Jahren seines Lebens vielfach von Stimmungen, aber auch von Einflüsterungen abhängig gewesen sein. Von Furcht und Aberglauben getrieben entwickelte Augustus Züge von Unsicherheit und Eitelkeit.[6] Als in Rom zahlreiche Schmähschriften in Umlauf waren,[7] befahl er, diese einzuziehen und auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Die Verfasser ließ er ermitteln und teilweise bestrafen.[8]

Er versah jedoch die Staatsgeschäfte darum nicht müßiger. So erlaubte er den Rittern, sich um das Volkstribunat zu bewerben. Da er erfuhr, daß auf einzelne Personen Schmähschriften geschrieben werden, so ließ er Untersuchungen anstellen, die in der Stadt vorgefundenen von den Aedilen,[9] außerhalb der Stadt aber von den jeweiligen Ortsobrigkeiten verbrennen, und einige der Verfasser sogar zur Strafe ziehen.[10]

(Cass. Dio LVI 27, 1.)

Unter seiner Herrschaft soll es „Hunderte, ja sogar Tausende von Verbannten gegeben haben, die man aus Rom und aus Italien ausgewiesen hatte.“[11] So hielt er sich seine Widersacher vom Leibe, traf jedoch in fortgeschrittenem Alter Verfügungen, daß die Verbannten, welche offenbar einen bequemen Lebenswandel pflegten und die ihnen auferlegte Residenzpflicht nicht allzu genau nahmen, in ihrer Bewegungsfreiheit und persönlichen Habe strengen Beschränkungen zu unterliegen haben. Bengtson wähnt, diese Anordnungen seien aus Angst vor Anschlägen ergangen.[12]

2) Letzte Verfügungen

Altersmüde erbat sich der greise Kaiser im Jahre 13 n. Chr. einen Beraterstab von zwanzig Personen, die ihm zu Hause zur Seite standen, um nicht jedesmal den beschwerlichen Weg zum Senatsgebäude auf sich nehmen zu müssen. Die Beschlüsse dieser „Senatskommission“, welcher neben Tiberius und den amtierenden und designierten Konsuln auch die Enkel des Kaisers, nämlich Germanicus und möglicherweise auch Drusus angehörten, sollten die Wirkung von Senatsbeschlüssen haben.[13] Somit konnte gewährleistet werden, daß auch auf die letzten Tage des Herrschers keine Alleingänge seitens des Senates zu erwarten waren.

Noch im selben Jahr ließ er sich auf weitere zehn Jahre zum fünften Mal das proconsulare Imperium übertragen – widerwillig und wohlwissend, daß diese Amtszeit nicht von langer Dauer sein werde. Daher machte er am 3. April des Jahres 13 n. Chr. sein definitives[14] Testament.[15]

Dieses lag in zweifacher Ausfertigung vor, sodaß ein Exemplar den Vestalinnen zur sicheren Verwahrung übergeben und die Kopie C. Sallustius Crispus, einem engen Vertrauten des Kaisers und Freund des Tiberius, ausgehändigt wurde.[16] Zusätzlich existierten noch drei weitere Schriftstücke, die gemeinsam mit dem Testament verwahrt wurden.

Sein Testament hatte er unter den Konsuln Lucius Plancus und Gaius Silius am 3. April, ein Jahr und vier Monate vor seinem Tode, abgefaßt und in zwei Bänden teils eigenhändig geschrieben, teils von seinen Freigelassenen Polybios und Hilario schreiben lassen. Die Vestalinnen, bei denen es verwahrt worden war, legten es jetzt zusammen mit drei ebenfalls versiegelten Schriftrollen vor. Alle diese Schriftstücke wurden im Senat eröffnet und verlesen. (Suet. Aug. 101,1.)

Neben seinem letzten Willen enthielten die Schriftrollen zum einen eine Anordnung über sein Begräbnis (mandata de funere), dann seinen Tatenbericht (res gestae), der an seinem Mausoleum angebracht war, und schließlich eine Auflistung über die Hilfsquellen des Reiches in Form eines Handbuches (breviarium totius imperii).[17]

Nun wurden aber noch vier Bücher hereingebracht, und Drusus verlas sie. Im ersten standen nähere Anweisungen für sein Leichenbegräbnis; im zweiten waren sämtliche Taten, die er vollbracht, aufgezeichnet, sie sollten nach seinem Befehl auch auf ehernen Säulen eingegraben und diese rings um sein Heroenheiligtum aufgestellt werden; (2) das dritte Buch enthielt eine Rechenschaft über militärische Gegenstände, die öffentlichen Einkünfte und Ausgaben, die in den Schatzkammern ruhenden Geldbeträge und alles, was sonst dergleichen sich auf die Reichsverwaltung bezog. (3) Das vierte Buch endlich befaßte sich mit Aufträgen und Anweisungen für Tiberius und für den Staat.[18]

(Cass. Dio LVI 33,1-3.)

3) Das Ende naht

Glaubt man den Quellen, so war es für eine solche Nachlaßregelung des Kaisers höchste Zeit, da diesem die Vorsehung sein nahendes Ende in Form unheilverheißender Zeichen ankündigte. Schon am 23. September 13. n. Chr., also am letzten Geburtstag des Augustus, trug sich Merkwürdiges zu. So soll sich nach dem Bericht des Cassius Dio ein Geisteskranker auf einen für Iulius Caesar bestimmten Sessel niedergelassen und sich dessen Krone aufs Haupt gesetzt haben.[19]

Der Vorgang erfüllte alle mit Schrecken; schien er doch eine gewisse Bedeutung für Augustus zu haben, was sich dann auch in der Tat als richtig herausstellte. (2) Denn im Jahre darauf … begab sich der Kaiser nach Kampanien, richtete die Spiele in Neapel aus und starb dann zu Nola. Vorzeichen aber, die ihm das Schicksal ankündigten, waren in nicht geringer Zahl eingetreten und unschwer zu deuten.

(Cass. Dio LVI 29,1-2.)

Im Todesjahr des Princeps häuften sich angeblich die Ereignisse. Cassius Dio berichtet von einer totalen Sonnenfinsternis am 18. April 14 n. Chr., sodaß der Himmel von Feuer gerötet gewesen sei, glühende Funken herabfielen und blutrote Kometen ihre bedrohlichen Bahnen am Firmament zogen. Der Senat, der angesichts der Erkrankung des Kaisers zusammentreten wollte, fand das Senatsgebäude verschlossen, auf dem Dach eine Eule, die klagend ihren Ruf ertönen ließ.[20] Am merkwürdigsten mußte dem damaligen Betrachter folgendes von mehreren Seiten verbürgte Ereignis erscheinen:

Auch schlug ein Blitz in sein Standbild auf dem Capitol und tilgte den ersten Buchstaben seines Namens Caesar. Infolgedessen erklärten die Wahrsager, er werde am hundertsten Tage danach eines irgendwie göttlichen Zustandes teilhaftig. Diese Prophezeiung wollten sie daraus ableiten, daß der Buchstabe „C“ bei den Lateinern soviel wie „einhundert“ bedeutet und der gesamte Namensrest[21] bei den Etruskern „Gott“ heißt.

(Cass. Dio LVI 29,4.)

Zu diesem wunderlichen Geschehen, auf welches bezüglich der Apotheose noch einmal gesondert eingegangen wird, bemerkt Bengtson augenzwinkernd: „Der moderne Historiker tut gut, sich hier des Urteils zu enthalten, denn all diese Vorzeichen sind natürlich erst bekannt geworden, als der Kaiser nicht mehr unter den Lebenden weilte.“[22]

Auf seine letzten Tage begab sich Augustus gemeinsam mit Tiberius, der eine Reise nach Illyrien unternehmen wollte, nach Benevent. Obwohl er unterwegs erkrankte, zeigte sich der Kaiser von seiner heitersten Seite und war stets zu scherzen aufgelegt.

Als er nun im Begriff war, Tiberius nach Illyrien zu entlassen und ihn bis Beneventum zu geleiten, hielten ihn Antragsteller mit immer neuen Fällen beim Rechtsprechen fest, so daß er schließlich ausrief – was später auch bald zu den Vorzeichen gerechnet wurde –, auch wenn ihn alles aufhalten wolle, werde er dennoch fortan nicht in Rom bleiben.[23] So begann er seine Reise und gelangte bis Astura. Von dort schiffte er sich wegen eines günstigen Windes entgegen seiner Gewohnheit des Nachts ein und zog sich einen Durchfall zu, die erste Ursache seiner Erkrankung. Dann besuchte er die Küste von Kampanien und die nahegelegenen Inseln, verbrachte auch vier Tage in der Abgeschiedenheit von Capri, völlig der Muße und dem Frohsinn hingegeben.

(Suet. Aug. 97,3.)

4) Auf dem Sterbebett

Als sich seine Krankheit verschlimmerte, schleppte sich der Kaiser noch bis nach Nola, wo er in seinem Vaterhaus Aufnahme fand und sich alsbald zum Sterben bereiten sollte. Sueton behauptet, er habe sich lange mit Tiberius unter vier Augen unterhalten,[24] jedoch mag es sein, „daß hier die Hofversion der Ereignisse unmittelbar vor dem Tod des Kaisers vorliegt.“[25] Doch auch als von Krankheit geschwächter Greis behielt der Monarch Haltung und Würde. An seinem letzten Tag ließ er sein Äußeres ordentlich herrichten und befahl seine Freunde zu sich.

An seinem letzten Lebenstage fragte er zu wiederholten Malen, ob seinetwegen draußen bereits Unruhe herrsche. Auch verlangte er einen Spiegel, ließ sich das Haar kämmen und die herabgesunkenen Kinnladen zurechtrücken. Danach rief er seine Freunde und fragte sie, ob er denn wohl die Komödie seines Lebens anständig gespielt habe, und endete mit der Schlußformel:

„Wenn aber nun sehr gut gespielt ist, dann klatscht Beifall und gebet alle uns mit Freude das Geleit.“

Darauf schickte er alle hinaus.

(Suet. Aug. 99,1.)

Der Vergleich mit dem Mimus, dem Nachspiel auf dem Theater, zeigt, daß Augustus sein Leben nicht als Tragödie verstanden wissen wollte, sondern fröhlich und zufrieden aus der Welt schied. Anders hingegen wertet Cassius Dio diesen letzten Aufzug des Kaisers. Er berichtet:

Gleich den Possenreißern am Ende eines Komödienspiels verlangte er aber auch von seinen Freunden einen gewissen Beifall und verspottete höchst nachdrücklich das ganze Menschenleben.

(Cass. Dio LVI 4.)

Dieses Urteil fällt sicherlich zu negativ aus. „In heiterer Stimmung hatte er seine letzte Reise von Rom nach Benevent angetreten, und es wäre ganz verfehlt, anzunehmen, Augustus habe die Reise als einen Übergang in die jenseitige Welt aufgefaßt. Ungebrochenen Geistes und mit hoher Befriedigung blickte er auf das von ihm Geleistete zurück.“ schlußfolgert dagegen Bengtson.[26] Für historisch hält Bengtson ebenfalls die letzten Worte des Kaisers, die er liebevoll an seine Ehefrau Livia richtet. Der Chronist berichtet:

Und während er sich bei den eben aus Rom Angekommenen nach der kranken Tochter des Drusus erkundigte, starb er plötzlich unter den Küssen der Livia mit den Worten: „Livia, gedenke unserer Ehe und lebe wohl.“ So wurde ihm der leichte Tod zuteil, den er sich immer gewünscht hatte.

(Suet. Aug. 99,1.)

5) Augusti Tod

So also starb Augustus im Alter von fast 76 Jahren. Bengtson schreibt in dessen Biorgaphie:

„Der Kaiser konnte in dem Bewußtsein sterben, seine Pflicht gegenüber dem Staat voll erfüllt zu haben. Er hatte der Welt Frieden gegeben, dessen sie am meisten bedurfte.“[27] Auf Drängen seiner Frau Livia sicherte er deren Sohn Tiberius die Nachfolge und übergab das Reich in geordneten Verhältnissen seinen Erben. Cassius Dio konnte sich jedoch nicht zurückhalten, mit dem Tode des Monarchen ein langlebiges Gerücht in die Welt zu setzen, welches des Kaisers Gattin in ein sehr schlechtes Licht rückte.

Augustus erkrankte nun und starb. Im Zusammenhang mit seinem Ableben geriet Livia in einigen Verdacht; er war nämlich heimlich zu Agrippa auf die Insel hinübergefahren und schien sich mit ihm auch ganz und gar ausgesöhnt zu haben. (2) Livia aber war, wie man sagt, in Furcht, Augustus möchte ihn zurückholen und zum Herrscher machen, und so bestrich sie einige Feigen mit Gift, die noch an den Bäumen hingen, von wo Augustus gewöhnlich eigenhändig die Früchte brach; dann verzehrte sie selber jene, die nicht bestrichen waren, und bot gleichzeitig die vergifteten ihrem Gatten.

(Cass. Dio LVI 30,1-2.)

Diese Version, die von Tacitus gestützt und von Aurelius Victor im 4. Jahrhundert n. Chr. aufgegriffen wird, ist bezüglich des Wahrheitsgehaltes über einen gewaltsamen Tod des Herrschers wohl eher nicht haltbar. Tacitus erzählt:

Während man dies und ähnliches so dahinredete, verschlimmerte sich die Krankheit des Augustus, und manche argwöhnten eine Vergiftung durch seine Gattin. Denn das Gerücht hatte sich verbreitet, wenige Monate zuvor sei Augustus mit Wissen Auserwählter allein in Begleitung des Fabius Maximus nach Planasia gefahren, um Agrippa zu besuchen: viele Tränen dort auf beiden Seiten und Liebesbeteuerungen hätten die Hoffnung genährt, der junge Mann werde dem Haus des Großvaters wiedergegeben werden. (…) Die erste Untat der neuen Regierung war des Postumus Agrippa Ermordung.

(Tac. ann. I 5,1/6,1.)

Verständlich sind zwar die Bedenken der Livia, daß eine Aussöhnung zwischen Augustus und dem in die Verbannung geschickten Feldherrn und Kaiserenkel Agrippa die Nachfolge ihres Sohnes Tiberius, der nicht der gemeinsamen Ehe entsprang, gefährden würde, jedoch ist eine solche Bluttat nicht weiter belegt. Dennoch könnte es sich hier um eine Analogie zum Ableben des Vorgängers des Augustus, Iulius Caesar, handeln, da auch an anderen Stellen in den Kaiserbiographien ähnliche Erzählmuster und Handlungsabläufe zu verzeichnen sind. Seit der biographischen Geschichtsschreibung Suetons waren solche Dubletten üblich. Vielmehr starb der Kaiser in hohem Alter, weil „seine Lebenskräfte aufgezehrt waren“[28] zu einer Zeit, da er die Verhältnisse in seinem Reich geordnet und Vorsorge für die Rezeption seiner Taten nach dem Tode getroffen hatte.

Jedenfalls rief er seine Gefährten zusammen, teilte ihnen all seine Wünsche mit und erklärte zum Schluß: „Ich übernahm Rom als eine Ziegelstadt und überlasse sie euch als eine Marmorstadt.“ Damit wies er nicht genau auf das Aussehen der städtischen Bauwerke, vielmehr auf die Stärke des Reiches.

(Cass. Dio LVI 30,3-4.)

Mit seinen Res gestae hat er der Nachwelt ein Selbstzeugnis über seine Tüchtigkeit als Staatsmann und Feldherr hinterlassen, die keinen Zweifel an seiner Größe gestatten. Würdevoll konnte der Monarch im höchsten Greisenalter[29] die Bühne des großen Welttheaters verlassen und sich des langanhaltenden Applauses der römischen Öffentlichkeit gewiß sein. Auf dem Zenit seiner Macht gesellte sich Augustus an die Seite seiner Ahnen, um nun ebenfalls Teil einer kultischen Verehrung zu werden.

III. Die Bestattung des Kaisers

1) Der Leichnam wird nach Rom überführt

Nachdem das Auge des Augustus brach, setzte sich sein Leichenzug von Nola nach Bovillae in Bewegung. Dabei wurden die sterblichen Überreste des Kaisers wegen der Sommerhitze aus Furcht vor Verwesungserscheinungen immer nur nachts transportiert. Angeblich soll Livia seinen Tod vorerst noch geheimgehalten haben, weil sie befürchtete, es könnte in Rom zu Umsturzversuchen kommen, solange ihr Sohn sich nicht im Zentrum der Macht befinde, um diese für sich zu beanspruchen.[30]

Zunächst geleiteten den Sarg die Dekurionen, also die Stadträte der Munizipien und Kolonien, bis Bovillae, einem kleinen Ort in der Nähe Roms. Hier decken sich die Berichte von Sueton und Cassius Dio über den Heimgang des Kaisers.

Augustus´ Leiche trugen von Nola aus nacheinander die ersten Bürger jeder Stadt, und als sie in die Nähe Roms gelangte, übernahmen sie die Ritter und brachten sie zur nächtlichen Stunde in die Stadt hinein.

(Cass. Dio LVI 31,2.)

Analog dazu schreibt Sueton etwas ausführlicher:

Seinen Leichnam trugen die Decurionen der Kleinstädte und Kolonien von Nola bis nach Bovillae, wegen der Jahreszeit des Nachts, während er am Tage in der Basilika oder im größten Tempel der jeweiligen Stadt aufgebahrt wurde. Von Bovillae an übernahm den Leichnam der Ritterstand, trug ihn nach Rom hinein und bahrte ihn im Vorhof seines Hauses auf.

(Suet. Aug. 100,2.)

2) Vorbereitungen für die Bestattungszeremonie

Jetzt, wo der Monarch verschieden war, galt es, seiner ehrend zu gedenken und den Nachlaß zu verteilen. Dabei soll sich nach Sueton und Cassius Dio der Senat zunächst etwas übereifrig gebärdet haben, weil sich scheinbar niemand nachsagen lassen wollte, er hätte dem Verstorbenen nicht die ihm gebührende Ehrerbietung erwiesen.

Der Senat ging bei der Ausgestaltung der Trauerfeierlichkeiten und bei der Ehrung seines Andenkens in seinem Eifer so weit, daß einige unter anderem meinten, der Trauerzug müsse durch das Triumphtor geführt werden, wobei die in der Kurie aufgestellte Siegesgöttin voranziehen und Kinder beiderlei Geschlechts aus den vornehmsten Familien einen Trauergesang singen sollten, andere hingegen, am Tage der Bestattung solle man die goldenen Ringe abnehmen und dafür eiserne anlegen, wiederum einige andere, seine Gebeine sollten von Priestern der höchsten Kollegien eingesammelt werden. Es gab sogar jemanden, der dazu rief, den Namen des Monats August auf den September zu übertragen, weil Augustus im letzteren geboren, im ersteren aber gestorben sei. Ein anderer empfahl, die gesamte Zeit vom Tage seiner Geburt bis hin zu seinem Tode das Jahrhundert des Augustus zu nennen und als solches in den Kalender einzutragen.

(Suet. Aug. 100,2-3.)

3) Allgemeine Volkstrauer

Offensichtlich mußte der Monarch in hohem Ansehen gestanden haben und von Volk und Senat nicht nur geachtet, sondern auch aufrichtig geliebt worden sein; zumindest dann, wenn man den Ausführungen Suetons Glauben schenken will. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus geht ein gutes halbes Jahrhundert später mit der Trauergemeinde hart ins Gericht.[31]

Aber in Rom stürzte sich alles in die Knechtschaft, Konsuln, Senatoren, Ritter. Je angesehener einer war, desto größer war seine Heuchelei und Eilfertigkeit, und mit wohleinstudierter Miene, um nicht froh zu erscheinen über den Tod des Herrschers noch allzu traurig über den neuen Anfang, mischten sie Tränen und Freude, Klagen und Schmeichelei.

(Tac. ann. I 7,1.)

4) Republikanische Bestattungsriten

Unabhängig von der Aufrichtigkeit der Trauernden verfolgte eine solche Zeremonie dennoch wichtige Zwecke. In der Zurschaustellung der Taten des Verstorbenen, erfahren die Angehörigen und Zurschaustellenden die gleichen Ehrbezeugungen wie der Tote selbst. Bei Polybios findet sich eine Darstellung von Begräbniszeremonien für bedeutende Männer noch aus republikanischer Zeit.[32]

Wenn in Rom ein angesehener Mann stirbt, wird er im Leichenzug in seinem ganzen Schmuck nach dem Markt zu den sogenannten rostra, der Rednertribüne, geführt, meist stehend, sodaß ihn alle sehen können, nur selten sitzend. Während das ganze Volk ringsherum steht, betritt entweder, wenn ein erwachsener Sohn vorhanden und anwesend ist, dieser, sonst ein anderer aus dem Geschlecht die Rednertribüne und hält eine Rede über die Tugenden des Verstorbenen und über die Taten, die er während seines Lebens vollbracht hat. Diese Rede weckt in der Menge, die durch sie an die Ereignisse erinnert wird und sie wieder vor Augen gestellt bekommt, und zwar nicht nur bei den Mitkämpfern, sondern auch bei den nicht unmittelbar Beteiligten, ein solches Mitgefühl, daß der Todesfall nicht als ein persönlicher Verlust für die Leidtragenden, sondern als ein Verlust für das Volk im ganzen erscheint. Wenn sie ihn dann begraben und ihn die letzte Ehre erwiesen haben, stellen sie das Bild des Verstorbenen an der Stelle des Hauses, wo es am besten zu sehen ist, in einem hölzernen Schrein auf. Das Bild ist eine Maske, die mit erstaunlicher Treue die Bildung des Gesichts und seine Züge (?) wiedergibt. Diese Schreine öffnen sie bei den großen Festen und schmücken die Bilder, so schön sie können, und wenn ein angesehenes Glied der Familie stirbt, führen sie sie im Trauerzug mit und setzen sie Personen auf, die an Größe und Gestalt den Verstorbenen möglichst ähnlich sind. Diese tragen dann, wenn der betreffende Konsul oder Praetor gewesen ist, Kleider mit einem Purpursaum, wenn Censor, ganz aus Purpur, wenn er aber einen Triumph gefeiert und dementsprechend Taten getan hat, goldgestickte. Sie fahren auf Wagen, denen Rutenbündel und Beile und die anderen Insignien des Amtes, je nach der Würde und dem Rang, den ein jeder in seinem Leben bekleidet hat, vorangetragen werden, und wenn sie zu den rostra gekommen sind, nehmen alle in einer Reihe auf elfenbeinernen Stühlen Platz. Man kann sich nicht leicht ein großartigeres Schauspiel denken für einen Jüngling, der nach Ruhm verlangt und für alles Große begeistert ist. Denn die Bilder der wegen ihrer Taten hochgepriesenen Männer dort alle versammelt zu sehen, als wären sie noch am Leben und beseelt, wem sollte das nicht einen tiefen Eindruck machen? Was könnte es für einen schöneren Anblick geben?

(Polyb. VI 53.)

Das heißt, daß jedesmal, wenn ein bedeutender Mann in Rom gestorben ist, diesem ein Ehrenbegräbnis zuteil wurde. Zunächst brachte man den Leichnam auf das Forum, und stellte ihn in meist sitzender, selten auch liegender Position zur Schau. Umringt wird der Tote von seinen Angehörigen und der älteste Sohn hält, wenn möglich, eine ihn und seine Taten preisende Trauerrede, um ihn der Nachwelt im Gedächtnis zu halten. Dabei hat diese Lobrede ausdrücklich öffentlichen Charakter, daß der Verlust sich nicht nur auf die Trauergemeinde beschränkt ist, sondern alle Menschen in der Öffentlichkeit bewegt. Da Polybios voraussetzt, daß der Ablauf der üblichen Zeremonien jedermann bekannt sei, wird eine nähere Darstellung griechisch-römischer Bestattungsriten vonnöten sein.

Exkurs: Griechisch-römische Bestattungsbräuche

a) Jedermanns Pflicht zur Bestattung

Das Begräbnis eines Verstorbenen galt in der alten Welt als das wichtigste Ereignis, mit einem erloschenen Leben endgültig abzuschließen, da hierdurch nach allgemeiner Ansicht die Seele zur Einkehr in den Hades freigegeben wurde.[33] Selbst einem in der Schlacht getöteten Feinde gebührte eine schlichte Bestattung. Pausanias[34] berichtet:

Es geschah aber auch, wie sie (sc. die Marathonier) erzählen, daß ein Mann bei der Schlacht dabei war, nach Aussehen und Tracht wie ein Bauer; dieser tötete viele Barbaren mit dem Pflug und war nachher verschwunden. Und als die Athener anfragten, gab ihnen der Gott kein anderes Orakel darüber, sondern befahl ihnen nur, Echetlaios als Heros zu verehren. Auch ein Siegesmal aus Marmor ist dort errichtet. Die Athener behaupten, sie hätten auch die Perser begraben, da es in jedem Fall ihre Pflicht sei, einen menschlichen Leichnam zu begraben, doch konnte ich kein Grab finden. Es war weder ein Grabhügel noch sonst ein Mal zu sehen, sondern sie trugen sie zu einer Vertiefung und warfen sie nur so hinein.

(Paus. I 32, 5.)[35]

Natürlich konnten die Feinde kein Heldenbegräbnis erwarten, dennoch entspricht die Grube, in die man sie hineinwarf, der Bitte des Palinurus decke meinen Leib mit Erde[36] (Verg. Aen. VI 365.) an Aeneas, damit dessen Seele Ruhe finde, denn die Unbegrabenen mußten hundert Jahre unstet umherirren.[37] Selbst dann, wenn der Leichnam eines Gefallenen nicht geborgen werden konnte, hatten sowohl Hellenen als auch später die Römer, die deren Bräuche übernahmen, ihre speziellen Verfahrensweisen, wie sie der Pflicht, der Seele Ruhe und Frieden zu verschaffen, genügen konnten. Ohne Begräbnis war es um die Seele des Verstorbenen schlecht bestellt, was dessen Hinterbliebene nicht nur mit Sorge erfüllte, sondern diese sogar zu einer Bestattung verpflichtete.

Ach, nun, wer weiß wo? liegst du (sc. Euryalus) den latinischen Hunden, Liegst du, den Vögeln ein Fraß. Nicht konnte die Mutter das Grab dir Richten, die Augen dir schließen und nicht die Wunden dir waschen, Nicht mit dem Kleid dich decken, das emsig Tag ich und Nacht dir Webte, mir so am Stuhl die Sorgen der Jahre beschwichtend.

(Verg. Aen. IX 485-489.)

b) Heimkehr der Seelen

Für die Seele der Toten war es enorm wichtig, durch Bestattung und Opfer endgültig in die Unterwelt gebannt zu werden. Andernfalls war sie verdammt, ruhelos unter den Lebenden umherzuirren und diesen in feindlicher Absicht das Leben schwer zu machen. Daher konnten in früher Zeit Verstöße gegen diese Regelung sogar mit dem Tod bestraft werden. Selbst einen Fremden, dessen Leiche man zufällig am Wegesrand fand, mußte ein Reisender beerdigen, wenngleich auch nur symbolisch durch dreimaliges Bewerfen mit Erde.

Schon in archaischer Zeit war es Brauch, wie wir bei Homer[38] erfahren, die Namen der in der Fremde gefallenen Kameraden, deren Leichen nicht geborgen werden konnten, dreimal laut zu rufen, damit deren Seelen den in die Heimat Zurückkehrenden folgen, wo ihnen ein leeres Grab errichtet und geopfert wird.

Weiter ging nun die Fahrt, wir waren traurig im Herzen, Froh, daß dem Tod wir entronnen; doch fehlten uns liebe Gefährten. Ich aber ließ die doppelt geschweiften Schiffe nicht fahren, Ehe nicht dreimal ein jeder jeden der armen Gefährten Rief, die im Felde gefallen, vernichtet durch die Kikonen. (Hom. Od. IX 62-66.)

Vergil, der in seiner Aeneis weitgehend dem Homerischen Vorbild folgt, bestätigt die Dauerhaftigkeit dieses Brauches.[39]

g) Solons Mäßigungsgebot bei Trauerfeiern

Bereits ein gutes halbes Jahrtausend vor Augustus sah sich Solon veranlaßt, bezüglich der Bestattungsriten seiner Zeitgenossen in Athen Gesetze zu erlassen, deren Telos hauptsächlich auf das rechte Maß abzielte, da bei den Trauerfeiern übertriebene Schmerzensbekundungen und verschwenderische Prunksucht der Hinterbliebenen bei der Inszenierung der Beisetzung üblich schienen.[40]

Ähnliche Bestimmungen haben sich in ganz Griechenland nachweisen lassen. Plutarch, ein Zeitgenosse des Augustus, scheint dem Kaiser mit der Überlieferung der Solonischen Gesetze im Hinblick auf dessen pompöses Begräbnis mahnende Worte ins Stammbuch geschrieben zu haben.[41]

Man lobt bei Solon auch dasjenige Gesetz, welches jede nachteilige Äußerung über einen Toten verpönt. Es ist eine fromme Pflicht, die Abgeschiedenen für heilig zu halten.

[...]


[1] Sueton: Kaiserbiographien, übers. u. hrsg. v. Otto Wittstock (Schriften und Quellen der alten Welt, Bd. 39), Berlin 1993.

[2] Cassius Dio: Römische Geschichte, Bd. IV, Bücher 51-60, übers. u. hrsg. v. Otto Veh, (Bibliothek der alten Welt. Griechische Reihe), Zürich/München 1986.

[3] Tacitus: Annalen. Lateinisch und deutsch, übers. u. hrsg. v. Erich Heller, 2. durchgs. u. erw. Aufl. (Sammlung Tusculum), Zürich/München 1992.

[4] Vgl.: Sion-Jenkis, Karin: Von der Republik zum Prinzipat. Ursachen für den Verfassungswechsel in Rom im historischen Denken der Antike (Palingenesia, Bd. 69), Stuttgart 2000.

[5] Vgl.: Augustus: Res gestae. Tatenbericht (Monumentum Ancyranum). Lateinisch, Griechisch und Deutsch, übers. u. hrsg. v. Marion Giebel, bibliogr. rev. Aufl. Stuttgart 2004.

[6] Vgl. Bengtson, Hermann: Kaiser Augustus. Sein Leben und seine Zeit, München 1981, S. 256.; Im allgemeinen liefert die Augustusbiographie Bengtsons nur schwache und mehr mutmaßende als belegte Befunde über die einzelnen Stationen im Leben des Kaisers.

[7] Bengtson behauptet a.a.O., daß über Augustus selbst solche Pamphlete kursierten und stützt sich dabei auf Cass. Dio LVI 27, 1. Die Quelle spricht jedoch nur von einzelnen Bürgern/Personen.

[8] Vgl.: Cass. Dio LVI 27, 1.

[9] Def.: „Magistrat Romain, qui avoit inspection sur les édifices publics, sur les jeux, etc.“, in: Dictionnaire de L'Académie française, 5. Aufl., Paris 1798, S. 465.

[10] Cassius Dio: Römische Geschichte, Bd. 6, Bücher 44-61, übers. u. hrsg. v. Leonhard Tafel, Stuttgart 1834.

[11] Bengtson: Augustus, a. a. O.

[12] Ders.: Augustus, S. 257.

[13] Ebd.

[14] Schon für das Jahr 23 v. Chr. sind Testamentsschriften des Augustus bekannt. (Cass. Dio 53,30,1f.) Der Herrscher hatte vorgesorgt, als er schwer erkrankte und sich vor dem Hintergrund politischer Unwägbarkeiten lieber im Schutze einer Nachlaßregelung bewegte, die von Zeit zu Zeit den Umständen angepaßt wurde. So werden vor allem für das Jahr 2/1 v. Chr. weitere Testamente vermutet. (Bengtson, 251) Dies zeigt einen weitsichtigen Monarchen, der die Stabilität des Reiches auch bei seinem plötzlichen Tod gewährleisten wollte. Dennoch war es für einen Römer keine Ausnahme, sondern eher eine Selbstverständlichkeit, für den Fall der Fälle mit einem Testament seine Verbindlichkeiten zu regeln. „Als echter Römer hat Augustus sein Leben lang unter dem Schutz eines Testamentes gestanden.“ s. Bengtson, S. 263.

[15] Zum Teil soll Augustus das Testament eigenhändig verfaßt haben. An anderen Stellen haben ihm seine Freigelassenen, Polybios und Hilarion, assistiert. (Bengtson) Anderer Ansicht ist E. Hohl, der von den zwei Ausfertigungen jeweils eine dem Kaiser und den beiden Freigelassenen als eigenständige Arbeit zuweist. vgl. Hohl, Ernst: Augustus, in: Klio 30 (1937), S. 340.

[16] Vgl. Hohl, a. a. O.

[17] Über römsiche Testamentspraktiken siehe sehr amüsant Lucian Nigr. 30, in: Lucian: Werke, Bd. I, übers. v. Th. Fischer, Stuttgart 1866.: Die Pferderaserei ist in Wahrheit groß und hat bereits viele ergriffen, die sonst für wacker gelten. Hierauf berührte er (sc. Nigrinus, ein von den Stoikern aus Gründen der Askese und Läuterung verprügelter und daher entflohener Eleve) ein anderes Schauspiel (in Rom), die Schar derer, die sich um Leichenbegräbnisse und Testamente abmühn, wobei er hinzufügte, daß die Römer in ihrem ganzen Leben ein wahres Wort aussprechen, nämlich in ihren Testamenten (Anm. d. Übers.: Es war Sitte bei den Römern (sagt Sueton Octav. 56) in den Testamenten Scheltworte und Schmähungen zu äußern und über jeden beliebigen seine Meinung frei zu sagen.), damit ihnen ihre Wahrheit nicht schaden bringe. Bei diesen seinen Worten brachte es mich auch zum Lachen, daß sie ihre Einfältigkeiten sogar mit sich ins Grab nehmen wollen und ihren Stumpfsinn schriftlich eingestehen, indem die einen ihre Kleider mit sich verbrennen lassen, andere einen anderen Gegenstand, den sie im Leben wert hielten, noch andere verordnen, daß Sklaven bei ihren Gräbern verweilen sollen, wieder andere, daß ihre Grabsteine mit Blumen bekränzt würden, denn sie bleiben auch noch in ihrem Tode töricht.

[18] Cassius Dio und Sueton stimmen in ihren Angaben über die Zahl der Schriftstücke nicht überein. Cass. Dio behauptet vier, Sueton drei. Von den drei anderen Schriftrollen enthielt die eine seine Wünsche hinsichtlich der Bestattung, die zweite eine Darstellung seiner Tätigkeit, die er in Bronzetafeln eingraviert und vor dem Mausoleum aufgestellt wissen wollte, die dritte schließlich einen Überblick über das ganze Reich... (Suet. Aug. 101,4.) Bringmann/Wiegandt bezweifeln, ob es ein viertes Schriftstück mit Ratschlägen über die künftige Regierung überhaupt gegeben habe. vgl. Bringmann, Klaus/Wiegandt, Dirk (Hrsg.): Augustus. Schriften, Reden und Aussprüche (Texte zur Forschung, Bd. 91), Darmstadt 2008, S. 223, insb. S 226 (Kommentar zu 228 F).

[19] Cass. Dio LVI 29,1.

[20] Cass. Dio LVI 29,3.

[21] Vgl. Suet. Aug. 97,2.: …AESAR, (was) im Etruskischen „Gott“ bedeute.

[22] Bengtson: Augustus, S. 258.

[23] Vgl. Bengtson, S. 260; „Augustus soll sogar gesagt haben: Wenn alles auf diese Weise in die Länge gezogen wird, so habe ich keine Lust mehr, mich danach in Rom wieder sehen zu lassen.

[24] Vgl. Suet. Aug. 98,5: Bei der Rückkehr aber verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. In Nola endlich konnte er nicht mehr weiter, ließ Tiberius von seiner Reise zurückrufen und behielt ihn zu einem langen Gespräch unter vier Augen bei sich. Danach befaßte er sich nicht mehr mit irgendwelchen wichtigeren Dingen.

[25] Bengtson: Augustus, S. 261.

[26] Ders.: S. 262.

[27] Ebd.

[28] Ebd.

[29] Cass. Dio LVI 30,5: So verschied er am 19. August, an dem Tage, da er einst zum ersten Male Konsul geworden war. Gelebt hatte er 75 Jahre, 10 Monate und 26 Tage – sein Geburtstag war der 23. September – und seit seinem Sieg bei Actium die Alleinherrschaft 44 Jahre weniger 13 Tage geführt.

[30] Vgl. Cass. Dio LVI 31,1.

[31] Was auch nicht weiter verwundert, schließlich sah Tacitus im Übergang der Staatsform von der Republik zur Monarchie das Hauptübel für den allgemeinen Verfall Roms. Im Gegensatz zur biographischen Geschichtsschreibung eines Suetons gehörte der hohe Staatsbeamte zur Generation der annalistischen Historiker nach dem Vorbild Sallusts, dessen pessimistische Weltanschauung Tacitus zu teilen scheint.

[32] Polybios: Geschichte, Bd. 1, hrsg. u. übers. v. H. Drexler, Zürich/Stuttgart 1961.

[33] Dagegen jedoch Plin. n. h. VII 188: Was die Zeit nach der Bestattung betrifft, so gibt es verschiedene Meinungen über die Geister der Verstorbenen. Aus allen wird nach dem letzten Tage das gleiche, was sie vor dem ersten waren, und nach dem Tod haben Körper und Seele ebensowenig eine Empfindung wie vor der Geburt. Die gleichbleibende menschliche Eitelkeit dehnt sich sogar auf die Zukunft aus und erträumt sich selbst für die Zeit des Todes ein Leben, indem sie bald die Unsterblichkeit der Seele, bald eine Seelenwanderung und bald ein bewußtes Leben den Abgeschiedenen zuspricht, die Manen verehrt und den zum Gott macht, der auch nur ein Mensch zu sein aufgehört hat – wie wenn sich das Atmen des Menschen irgendwie von dem anderer Lebewesen unterschiede, oder nicht viele andere Wesen von längerer Dauer auf der Welt sich fänden, denen niemand eine ähnliche Unsterblichkeit im Voraus zuerkennt.

[34] Pausanias: Beschreibung Griechenlands (Manesse Bibliothek der Weltliteratur), hrsg. u. übers. v. J. Laager, Zürich 1998.

[35] Ein weiters Zeugnis liefert Paus. I 43, 3: Es gibt auch Gräber in der Stadt Megara, das eine machten sie für die Gefallenen während des Perserkrieges, das sogenannte Aisymnion aber war ebenfalls ein Heroengrab. Als Hyperion, der Sohn des Agamemnon, denn dieser war der letzte König von Megara, durch Sandion wegen seiner Habgier und Gewalttätigkeit ermordet war, beschlossen sie, nicht mehr von einem als König regiert zu werden, sondern gewählte Beamte einzusetzen und der Reihe nach aufeinander zu hören. Da ging Aisymnos, der an Ansehen keinem in Megara nachstand, zum Gott nach Delphi und fragte, wie sie glücklich leben würden. Und der Gott antwortete ihm unter anderem, auch den Megarern würde es gut gehen, wenn sie mit der Mehrheit Rat halten würden. Das bezogen sie auf die Toten und bauten dort ihr Rathaus, damit das Grab der Heroen innerhalb des Rathauses sei.

[36] Vergil: Aeneis, lat.-dt., übers. u. hrsg. v. A. Vezin (Klassiker des Abendlandes. Urtext und Übertragung), Münster 1962.

[37] Vgl.: Verg. Aen. VI 322-332: „Sohn des Anchises, als Sproß der Götter gewiß mir beglaubigt: Hier schaust du den Kozyt sich staun und die Stygischen Wasser, Deren gefürchtete Macht den Eid der Himmlischen sichert. Hier das verlassene Volk ist ohne Bestattung geblieben: Charon, der Fährmann dort setzt über, was droben bestattet. Zwischen den Schreckensgestaden und über die tosenden Wasser Bringt kein Boot die Seele, bevor im Grab ihr Gebein ruht, Und so irrt und schwirrt sie entlang am Strande die hundert Jahre, und dann erst darf das ersehnte Gewässer sie queren.“ Sprach´s, und betroffen verhielt den Schritt der Sohn des Anchises, Heiligen Mitleids voll ob solch trübseligen Schicksals.

[38] Homer: Odyssee (Sammlung Tusculum), gr.-dt., übers. v. A. Weiher, hrsg. v. A. Heubeck, 6. Aufl., München 1980.

[39] Verg. Aen. VI 498-508: Da er (sc. Vergil) ihn (sc. Deiphobus) sah, der zitternd die Greuel der Marter zu bergen Suchte, da ging er ihn an mit freundlich-vertraulichem Worte: „Waffengewaltiger Held Deiphobus, edelster Sprosse Teukrischen Blutes – o sprich: wer mochte so arg dich verletzen? Wer hat solches gewagt an dir? Mir wurde in jener Letzten der Nächte gesagt, du seist vom Mord der Pelasger Müde, nun selbst auf den Stoß der blutigen Leichen gesunken. So hab´ selbst ich am Rhoeteischen Strand dir ein Leergrab Ragend gehäuft und laut dreimal die Manen gerufen. Namen und Waffen behüten den Ort – dich aber, du Lieber, Fand ich nicht, dich scheidend in heimischem Grund zu bestatten.“

[40] Cassius Dio zufolge scheinen diese Regelungen weit über ein vertretbares Maß hinausgegangen zu sein und bedurften einer teilweisen Revision. Siehe Cass. Dio epit. LXXIV 5, 3., in: Cassius Dio: Römische Geschichte, übers. v. O. Veh, Bd. IV (libri 51-60) u. Bd. V (libri 61-80), Zürich/München 1986 (Bd. IV)/1987 (Bd. V).: (Nachdem der sich demokratisch gebende neue Kaiser Pertinax nach Commodus an die Macht gelangte) Und sogleich riefen die einen ihre Verwandten, die anderen ihre Freunde unter Tränen und Jubel zugleich ins Gedächtnis zurück, wobei selbst diese Gemütsregungen vorher verboten gewesen waren. Sodann gruben sie die Leichen aus, die jeweils der Todesart und dem verflossenen Zeitraum entsprechend noch unversehrt, zum Teil schon zerfallen waren, machten sie gebührend zurecht und setzten sie in ihren Familiengräbern bei.

[41] Plutarch: Ausgewählte Biographien, übers. v. E. Eyth, Stuttgart 1854.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Römischer Bestattungsbrauch am Beispiel des göttlichen Kaisers Augustus
Untertitel
Der Pater Patriae – Im Tode zwischen Republik und Principat
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
52
Katalognummer
V123259
ISBN (eBook)
9783640277414
ISBN (Buch)
9783640277933
Dateigröße
968 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römischer, Bestattungsbrauch, Beispiel, Kaisers, Augustus
Arbeit zitieren
Sven Lachhein (Autor:in), 2008, Römischer Bestattungsbrauch am Beispiel des göttlichen Kaisers Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123259

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