In der Antike gab es nicht nur die von den Römern und Griechen praktizierte Monogamie,
sondern daneben auch weitere Eheformen. In einer Reihe von Kulturen existierte Polygamie
– eine Form der Ehe, bei der ein Partner ständig mit mehreren Partnern des anderen
Geschlechts zusammenlebt. Aufgrund ihrer Kontakte zu anderen Kulturen der antiken Welt,
wussten Griechen und Römer sehr wohl, dass neben ihrer monogamen Eheform auch
Polygynie – die eheliche Verbindung eines Mannes mit mehreren Frauen – und die seltenere
Form der Polyandrie – die eheliche Verbindung einer Frau mit mehreren Männern praktiziert
wurden. Auch war in einigen Kulturen die Geschwisterehe üblich.
Polygamie ist nach wie vor ein aktuelles Thema, denn sie wird auch heute noch
beispielsweise in Tibet praktiziert. Hier sind sowohl Polygynie als auch in anderen Gegenden
Polyandrie verbreitet. Üblich ist, dass bei der Polygynie ein reicher Mann mehrere
Schwestern heiraten kann und dass bei der Polyandrie eine Frau mehrere, meistens zwei,
Brüder heiratet. Die Eheform der Polyandrie hat ihren Ursprung in der tibetischen Feudalzeit.
So konnte ein männliches Familienmitglied zur Sklavenarbeit herangezogen werden, während
das Land der Familie weiterhin von dem weiteren männlichen Familienmitglied bestellt
werden konnte.1
Im Folgenden sollen exemplarisch anhand mehrerer Kulturen verschiedene polygamische
Eheformen der Antike beleuchtet werden. Zentrale Fragen, die beantwortet werden sollen,
sind zum einen, welche Gründe Polygamie hat und zum anderen, unter welchen Bedingungen
und Voraussetzungen sie auftritt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Polyandrie bei den Kelten
2. Polyandrie bei den Spartanern
3. Polygynie in Mesopotamien
4. Polygynie bei den Makedoniern
5. Polygynie bei den Persern
6. Geschwisterehe in Ägypten
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht exemplarisch verschiedene polygame Eheformen in antiken Kulturen, um die sozio-politischen sowie rechtlichen Gründe und Voraussetzungen für deren Auftreten zu analysieren und aufzuzeigen, dass Monogamie keineswegs die einzige, ubiquitäre Eheform der Antike war.
- Verbreitung polygamer Eheformen in der antiken Welt
- Einfluss sozio-ökonomischer Bedingungen auf die Wahl der Eheform
- Die Rolle der Polygamie als machtpolitisches Instrument in Herrscherhäusern
- Unterscheidung zwischen matrilinearer und patrilinearer Besitzvererbung als Ursache für unterschiedliche Ehemodelle
- Bedeutung der Geschwisterehe und Leviratsehe innerhalb antiker Gesellschaftsstrukturen
Auszug aus dem Buch
4. Polygynie bei den Makedoniern
Die makedonischen Könige waren polygam. Ein Beleg dafür ist bei Plutarch zu finden, der erwähnt, dass Polygynie bei den Makedoniern nicht verboten, sondern üblich war. „Furthermore, Demetrius (I, Poliorcetes) did a thing that was not prohibited, but customary for the kings of Macedon from Philip and Alexander: he made many marriages, just as did Lysimachus and Ptolemy, and he cept alle the women he married in honor.“
Gründe für Polygynie bei den Makedoniern waren, dass Eheschließungen – mit zumeist Frauen fremder oder eroberter Länder – als diplomatisches Mittel der Könige dienten. Ein weiterer Grund war, dass die makedonische Armee von Mitgliedern des Königshauses angeführt wurde. Man brauchte also möglichst viele männliche Nachkommen, um durch Feldzüge nicht die Fortexistenz des Herrscherhauses zu gefährden. Daneben spielte auch Prestigedenken eine Rolle, denn viele Frauen zu haben war ein Zeichen des herausragenden Status der Könige.
Alexander der Große beispielsweise war mit der Perserin Barsine, der Baktrierin Rhoxane, Stateira und Parysatis verheiratet. Zudem ehelichte er bei der Massenhochzeit von Susa zwei weitere Perserinnen aus königlichem Haus. Man kann von einer gezielten Heiratspolitik Alexanders sprechen, denn es ging im um Selbstinszenierung, wenn er Prinzessinnen unterworfener orientalischer Völker heiratete. Seine Absicht war die Gründung einer orientalisch-makedonischen Dynastie. Dass die Frauen seiner Feinde in seinen Besitz übergingen, war ein starkes Machtsymbol für Alexander, seine Persischen Frauen waren also Sieges-Symbole. Ferner wollte er sich dadurch als rechtmäßiger Herrscher seines Imperiums legitimieren. Der Vorteil seiner vielen Ehefrauen war, dass sie – im Gegensatz zu Konkubinen – Alexander legitime Erben gebären konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der antiken Eheformen abseits der Monogamie und Darlegung der Forschungsabsicht, Gründe für die Verbreitung von Polygamie aufzuzeigen.
1. Polyandrie bei den Kelten: Untersuchung der bei Caesar belegten Polyandrie in Britannien und deren Einordnung in das damalige Gesellschaftsgefüge.
2. Polyandrie bei den Spartanern: Analyse der spartanischen Ehepraxis, in der Polyandrie und das „Ausleihen“ von Ehefrauen zur Sicherung matrilinearen Besitzes dienten.
3. Polygynie in Mesopotamien: Darstellung der patriarchalisch geprägten Polygynie im alten Mesopotamien und Israel, häufig motiviert durch Kinderlosigkeit oder ökonomische Notwendigkeiten.
4. Polygynie bei den Makedoniern: Erläuterung der politischen Heiratspolitik der makedonischen Könige, die Polygynie als Instrument der Machtfestigung und Bündnispolitik nutzten.
5. Polygynie bei den Persern: Analyse der polygynen Strukturen im persischen Herrscherhaus als Mittel zur Machtkonzentration und Sicherung legitimer Nachfolge.
6. Geschwisterehe in Ägypten: Untersuchung der vor allem im ägyptischen Herrscherhaus praktizierten Geschwisterehe als Mittel der Herrschaftssicherung und göttlichen Legitimation.
Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die Polygamie primär als Mittel der Besitz- und Existenzsicherung sowie als machtpolitisches Instrument identifiziert.
Schlüsselwörter
Antike, Polygamie, Polygynie, Polyandrie, Monogamie, Eheformen, Herrscherhaus, Machtpolitik, Geschwisterehe, Leviratsehe, Besitzsicherung, Matrilinearität, Patrilinearität, Sozialstruktur, Rechtsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Eheformen der Antike, wobei der Fokus insbesondere auf den von der christlich geprägten Monogamie abweichenden Praktiken wie Polygamie, Polyandrie und Geschwisterehe liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden in den Kapiteln behandelt?
Die Arbeit untersucht kulturelle Unterschiede in der Ehepraxis bei Kelten, Spartanern, Mesopotamiern, Makedoniern, Persern und Ägyptern sowie die Rolle des gesellschaftlichen Status und der wirtschaftlichen Verhältnisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Polygamie in der Antike weit verbreitet war, und die politischen, sozialen sowie rechtlichen Voraussetzungen zu identifizieren, die diese Eheformen begünstigten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von antiken Quellen (u.a. Caesar, Herodot, Plutarch, Xenophon) und moderner fachspezifischer Literatur zur Sozialgeschichte der Antike.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fallstudien, die jeweils eine spezifische Kultur und deren dominante abweichende Eheform (z.B. Polyandrie in Sparta oder Polygynie in Mesopotamien) beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zentrale Begriffe sind Antike, Polygamie, Polygynie, Polyandrie, Machtpolitik, Besitzsicherung und Herrschaftslegitimation.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen matrilinearer und patrilinearer Vererbung eine so wichtige Rolle?
Die Vererbungsmuster bestimmen maßgeblich, ob eine Gesellschaft eher Polygynie (patrilinear) oder Polyandrie (matrilinear) begünstigt, um das Familienvermögen zusammenzuhalten oder zu sichern.
Inwiefern beeinflusste der Status der Herrscher die Verbreitung von Polygamie?
Bei Herrschern diente Polygamie oft als gezieltes diplomatisches Machtmittel zur Bindung einflussreicher Familien und zur Sicherung legitimer männlicher Erben, während sie im Volk häufig ökonomischen Zwängen entsprang.
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- M.A. Franziska Hirschmann (Author), 2007, Eheformen in der Antike, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123275