Jedes Jahr verlässt eine mehr oder minder große Zahl an Jugendlichen die allgemeinbildenden Schulen und stößt bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf ein Problem. Die allgemeine Lehrstellenknappheit lässt das Angebot weit geringer ausfallen, als die Nachfrage besteht. So wurde im Jahr 2006 nur die Hälfte der Bewerber um eine Ausbildungsstelle fündig.
Dabei sind nicht alle Bewerber gleichermaßen ohne jegliche Alternative verblieben, einige der in der Statistik aufgeführten Jugendlichen nahmen einen Bildungsgang an einer BFS auf, oder entschieden sich für eine weitergehende Schule.
Zeitgleich blieben aber auch 15.500 Lehrstellen unbesetzt.
Diese Differenz ist angesichts des Lehrstellenmangels eine beachtliche Zahl. Die Gründe für die Nichtbesetzung sehen die Unternehmen oft in der mangelnden Ausbildungsreife der Jugendlichen. Um dieser Ausbildungsunreife zu begegnen, wurde ein System geschaffen, das die Schwellen beim Übergang in eine Ausbildung möglichst niedrig halten soll. Dieses Übergangssystem beinhaltet viele verschiedene Maßnahmen, deren Effizienz häufig in Frage gestellt werden.
Das Ziel dieser Arbeit ist, der Frage nachzugehen, welche Personengruppen am stärksten von den veränderten Anforderungen auf dem Ausbildungsmarkt betroffen sind. Darüber hinaus soll dargestellt werden, wo die grundlegenden Probleme beim Übergang in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt liegen. Nach einer kurzen Vorstellung der Maßnahmen zur Berufsvorbereitung, die auch als Übergangssystem bezeichnet werden, wird die Problematik, die diese mit sich bringen, genauer erörtert.
Abschließend wird dargestellt, ob die Maßnahmen überhaupt eine Hilfestellung bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt darstellen, oder nur als vieldiskutierte Wartschleife, oder besser, als arbeitsmarktpolitisches Instrument dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übergänge in Zeiten der Arbeitsmarktkrise
3. Das Dilemma der Benachteiligtenförderung, oder, wohin mit den Jugendlichen?
4. Deutschland einig Einwanderungsland – Das Problem mit dem Migrationshintergrund
5. Berufsvorbereitung als Teil des Berufsbildungssystems
5.1 BVJ/BGJ
5.2 Berufsfachschulen
5.3 BQF – Strukturreform der Benachteiligtenförderung
5.4 EIBE - Eingliederung in die Arbeitswelt
6. Aktive Arbeitsmarktpolitik oder das Ende der Jugendarbeitslosigkeit? – Maßnahmen der BA
6.1 EQJ – Einstiegsqualifizierung Jugendlicher
6.2 Zum Modellprojekt QuAS – Moderne Fördermaßnahmen der BA
7. Fazit – Förderung statt Bildung?
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Personengruppen zu identifizieren, die am stärksten von den veränderten Anforderungen auf dem Ausbildungsmarkt betroffen sind, sowie die grundlegenden Probleme beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu analysieren. Zudem wird kritisch hinterfragt, ob die verschiedenen Maßnahmen der Berufsvorbereitung eine echte Hilfestellung bei der Eingliederung darstellen oder lediglich als arbeitsmarktpolitische Warteschleifen fungieren.
- Problematiken beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Ausbildung
- Einfluss des Migrationshintergrunds auf die Bildungs- und Vermittlungschancen
- Analyse verschiedener Maßnahmen der Berufsvorbereitung (BVJ/BGJ, BFS, EIBE)
- Evaluation der Effizienz von Förderinstrumenten wie EQJ und QuAS
Auszug aus dem Buch
3. Das Dilemma der Benachteiligtenförderung, oder, wohin mit den Jugendlichen?
Das Recht auf Bildung ist nicht erst mir der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes deklariert worden. Zimmer (2005) schreibt, das in 12 von 16 Landesverfassungen ein Recht auf Bildung, bzw. Berufsausbildung verankert ist. So hat zum Beispiel in Bayern jeder Bewohner „Anspruch darauf, eine seinen erkennbaren Fähigkeiten und seiner inneren Berufung entsprechende Ausbildung zu erhalten“ (Artikel 128 (1) Verfassung des Bundeslandes Bayern. In Sachsen-Anhalt wird es sogar noch etwas genauer deklariert: „Das Land sorgt dafür, dass jeder einen Beruf erlernen kann.“ (Artikel 25 (1)).
Die Brisanz dieser Paragraphen wird deutlich, wenn man sich die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit genauer anschaut. Betrachtet man Abbildung 2, wird man schnell feststellen, dass Deutschland im Jahr 2000 weit unter dem EU-Durchschnitt bei der Jugendarbeitslosigkeit lag (ca. 7,5 %) und damit teilweise auch unter der damaligen Arbeitslosenquote lag. Schaut man sich jedoch die Zahlen von 2005, bzw. 2004 an, wird man feststellen müssen, dass es in Deutschland, entgegen dem allgemeinen Trend, in nur 5 Jahren einen sprunghaften Anstieg von ca. 7,5 % gab. Dies sollte als alarmierendes Zeichen wahrgenommen werden, zeigt es doch einen sehr negativen Trend an (vgl. Rothe/Tinter, 2007).
Es muss also gehandelt werden. Doch woher kommen diese Zahlen? Warum sind mehr Jugendliche als noch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ohne Arbeit? Wie in Abschnitt 2 bereits erläutert spielt die Bildungsbeteiligung eine erhebliche Rolle bei der Besetzung von Berufen und Ausbildung (vgl. z.B. Rothe/Tinter, 2007 S. 14). Da eine Ausbildung im Dualen System, bzw. nach BBiG und HwO die zukünftige „Chance“ auf Arbeitslosigkeit erheblich verringert, sollten wir zunächst den Ausbildungsmarkt, und damit ist der des Dualen Systems gemeint, näher betrachten, denn genau hier gibt es einen enormen Verdrängungswettbewerb, der allgemein, aber auch regional unterschiedlich erhebliche Benachteiligungen für viele Jugendliche entstehen lässt (Vgl. BMBF, 2005 S. 12). Dabei sind diejenigen, die nur einen niedrigen, oder gar keinen allgemeinbildenden Abschluss haben ganz unten auf „der Leiter“ anzusiedeln, wenn die Jugendlichen noch dazu in einer wirtschaftlich schwachen Region wohnen, verschärft sich deren Lage noch einmal gewaltig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Lehrstellenknappheit und die daraus resultierende Problematik der Ausbildungsunreife, um das Ziel der Arbeit, die Effizienz des Übergangssystems zu hinterfragen, zu begründen.
2. Übergänge in Zeiten der Arbeitsmarktkrise: Dieses Kapitel zeigt auf, dass trotz sinkender Lehrstellenknappheit Jugendliche mit niedrigen Bildungsabschlüssen weiterhin erhebliche Schwierigkeiten beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt haben.
3. Das Dilemma der Benachteiligtenförderung, oder, wohin mit den Jugendlichen?: Es wird diskutiert, wie trotz verfassungsrechtlich verankerter Bildungsansprüche die Jugendarbeitslosigkeit steigt und die Ausbildungsmarktchancen, insbesondere für Hauptschulabsolventen, sinken.
4. Deutschland einig Einwanderungsland – Das Problem mit dem Migrationshintergrund: Das Kapitel analysiert die strukturellen Benachteiligungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und deren Auswirkungen auf die Bildungs- und Vermittlungschancen.
5. Berufsvorbereitung als Teil des Berufsbildungssystems: Hier werden verschiedene vollzeitschulische Maßnahmen der Berufsvorbereitung wie BVJ, BGJ, BFS und EIBE in ihrer Struktur und Wirksamkeit untersucht.
6. Aktive Arbeitsmarktpolitik oder das Ende der Jugendarbeitslosigkeit? – Maßnahmen der BA: Dieses Kapitel bewertet Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, insbesondere das EQJ-Programm und das Modellprojekt QuAS, hinsichtlich ihrer Integrationsleistung in den Ausbildungsmarkt.
7. Fazit – Förderung statt Bildung?: Das Fazit stellt die Wirksamkeit des Übergangssystems in Frage und fordert eine grundlegende Reform des Bildungssystems statt einer reinen Verlagerung in Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Übergangssystem, Berufsvorbereitung, Ausbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildungsmarkt, Benachteiligtenförderung, Migrationshintergrund, Duales System, Bildungsabschluss, EQJ, Qualifizierungsbausteine, Arbeitsmarktpolitik, Schwellen, Berufsbildung, Fördermaßnahmen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch das Übergangssystem von der allgemeinbildenden Schule in den ersten Arbeitsmarkt in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Lehrstellenknappheit, die Ausbildungsunreife von Jugendlichen, die Rolle der sozialen Herkunft und des Migrationshintergrunds sowie die Effizienz der verschiedenen Förderprogramme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifizierung der am stärksten betroffenen Personengruppen und die Klärung der Frage, ob die Maßnahmen zur Berufsvorbereitung tatsächlich eine Brücke in den Arbeitsmarkt bilden oder lediglich als Warteschleife dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und relevanter Bildungsstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schulische Berufsvorbereitungsmaßnahmen (BVJ, BGJ, BFS), Programme wie EIBE, EQJ und Modellprojekte wie QuAS hinsichtlich ihrer Konzeption und Integrationswirkung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Analyse ist durch Begriffe wie Übergangssystem, Benachteiligtenförderung, Ausbildungsmarkt, Migrationshintergrund und berufliche Orientierung gekennzeichnet.
Warum wird das EQJ-Programm im Vergleich zu anderen Maßnahmen als effizienter wahrgenommen?
Das EQJ-Programm zeichnet sich durch einen hohen Praxisbezug in Betrieben aus, was laut Analyse zu einer deutlich höheren Einmündungsquote in reguläre Ausbildungsverhältnisse führt.
Welche Rolle spielt die regionale Wirtschaftslage bei der Ausbildungssuche?
Die regionale Arbeitslosenquote beeinflusst die Erfolgswahrscheinlichkeit der Jugendlichen massiv; in wirtschaftlich schwachen Regionen sinken die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erheblich, insbesondere für Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf das deutsche Bildungssystem?
Der Autor schlussfolgert, dass die institutionellen Probleme des Bildungssystems nicht durch isolierte Förderprogramme behoben werden können, sondern eine grundlegende Reform von der Grundschule an erforderlich ist.
- Citation du texte
- Kilian Bardey (Auteur), 2008, Von der Schule zum Ausbildungsplatz. Eine Kritik am Übergangssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123390