In dieser Arbeit geht es um die Fragen: Wie verhält sich der Vorstand der FC Bayern München AG gegenüber relevanten Stakeholder- Gruppen und deren Erwartungen an das Unternehmen? Wie bewertet der Vorstand die Beziehung und das Machtverhältnis zwischen der FC Bayern München AG und seinem Stakeholder-Geflecht?
Der FC Bayern München ist weltweit eine der bekanntesten und wertvollsten Fußballmarken. Das Fußballunternehmen steht nach eigener Aussage für Leistungsorientierung, sportlichen Erfolg, Selbstbewusstsein, internationale Aktivität, wirtschaftliche Solidität, aber auch für Innovation im Marketing. Allerdings scheint das Interesse an einer Erschließung von internationalen Märkten erst ab 2009/2010 vermehrt in den Fokus des Unternehmens gerückt zu sein. Nationale und internationale sportliche Erfolge und der dadurch rasant gestiegene internationale Bekanntheitsgrad des Vereins innerhalb der letzten Dekade ließen den Verein das Potenzial einer Fokussierung und Teilnahme am internationalen Wettbewerb erkennen. Das zeigt sich eindrücklich an der international wachsenden Zahl an Fanclubs. Zur Steigerung der Bekanntheit und Präsenz im asiatischen und nordamerikanischen Markt eröffnete das Unternehmen im Jahr 2014 die erste Niederlassung in New York und 2016 die erste in Shanghai. Ein Trend, der bei anderen Unternehmen vermutlich auf deutlich größere Unterstützung stoßen würde, aber beim FCB eine wiederkehrende Ursache für Konflikte darstellt.
Das Konfliktpotenzial liegt aus organisationstheoretischer Perspektive in dem originären Zweck der Organisation und den institutionellen Erwartungen an die Verhaltensweisen der Organisation, die aufgrund des anfänglichen Zwecks vorausgesetzt werden. Konkret bedeutet das, dass der FCB in erster Linie ein Sportverein ist, der den originären Zweck der körperlichen Ertüchtigung und der Unterhaltung erfüllt. Auch wenn dieser ursprüngliche Zweck schon lange nicht mehr im Vordergrund steht, ist der FCB, wie jede andere Organisation auch, auf den Zuspruch von Legitimität angewiesen. Legitimität ermöglicht einer Organisation den Fortbestand und kann gewonnen, erhalten, verloren und wiedergewonnen werden. Legitimität ist kein dauerhafter Zustand und basiert auf dem Zuspruch der Anspruchsgruppe mit dem größten Interesse an einem Fortbestand des Vereins. Bei Fußballclubs sind es in erster Linie die Fans, die die relevante und legitimierende Anspruchsgruppe darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIE
2.1. STAKEHOLDER-THEORIE
2.1.1. GRUNDLAGEN
2.1.2. NETZWERKEIGENSCHAFT DES STAKEHOLDER-GEFLECHTS
2.1.3. SOZIALE NETZWERKE ALS ANALYSERAHMEN DES STAKEHOLDER-GEFLECHTS
2.2. NEOINSTITUTIONALISMUS
2.2.1. GRUNDLAGEN
2.2.2. ISOMORPHIE-MECHANISMEN
2.2.3. DIE ENTKOPPLUNG UND STRATEGISCHE REAKTIONSMÖGLICHKEITEN
3. METHODIK
3.1. FALLBEISPIEL 1: DER KATAR ANTRAG
3.2. FALLBEISPIEL 2: DER FC BAYERN CAMPUS
4. ERGEBNISDARSTELLUNG
4.1. FALLBEISPIEL 1: ROLLE → STRATEGISCHE REAKTION
4.1.1. FORDERUNG UND BETROFFENE STAKEHOLDER-GRUPPEN
4.1.2. EINORDNUNG IN DIE VERKNÜPFUNGSDIMENSION
4.1.3. ÜBERPRÜFUNG DER VERKNÜPFUNGSDIMENSION
4.2. FALLBEISPIEL 2: STRATEGISCHE REAKTION → ROLLE
4.2.1. FORDERUNG UND BETROFFENE STAKEHOLDER-GRUPPEN
4.2.2. EINORDNUNG IN DIE VERKNÜPFUNGSDIMENSION
4.2.3. ÜBERPRÜFUNG DER VERKNÜPFUNGSDIMENSION
5. DISKUSSION
5.1. EINSCHÄTZUNG ZUR MODELLTAUGLICHKEIT
5.2. FORSCHUNGSPOTENZIAL
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld der FC Bayern München AG zwischen nationalen Stakeholder-Interessen und dem Streben nach internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Ziel ist es, das Verhalten des Vorstands gegenüber kritischen Stakeholder-Gruppen anhand organisationstheoretischer Ansätze (Stakeholder-Theorie und Neoinstitutionalismus) zu analysieren und eine methodische Verknüpfung der Konzepte von Rowley und Oliver zur Bewertung strategischer Reaktionen zu prüfen.
- Analyse des Stakeholder-Geflechts und dessen Netzwerkeigenschaften
- Anwendung des Neoinstitutionalismus zur Erklärung von Legitimationsstrategien
- Untersuchung der Fallbeispiele "Katar-Antrag" und "FC Bayern Campus"
- Verknüpfung von Rollenmodellen mit strategischen Reaktionsmöglichkeiten
- Diskussion der Modellanwendbarkeit in der Praxis des Profifußballs
Auszug aus dem Buch
3.1. Fallbeispiel 1: Der Katar Antrag
Seit 2011 verbringt die Herrenmannschaft des FCB-Profifußballs das jährliche Winter-Trainingslager in Katar. Dieser Umstand wurde schon im Jahr 2011 kritisch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Grund dafür waren die Berichte von diversen NGOs über die prekäre Menschenrechtslage in dem Wüstenstaat. Die Gründe, die der Vorstand zum damaligen Zeitpunkt für die Entscheidung angab, waren zum einen die guten Wetterbedingungen in Katar während der Winterzeit und zum anderen das Ziel, über den Fußball als gemeinsamen Nenner, zum Botschafter westlicher Werte in dem Emirat zu werden. Ein Unterfangen, welches bei den Vereinsmitgliedern des FCB vorerst auf geringen Widerstand stieß. Das änderte sich ab dem Zeitpunkt, in dem der FCB im Rahmen einer Pressemitteilung bekannt gab, dass der Doha-Airport nun zu einem Platin-Partner und damit zu einem wichtigen Sponsor werden würde. Aufgrund des sich im Staatseigentum des Emirats befindlichen Flughafens wurden sowohl unter Fans und Vereinsmitgliedern als auch in der Öffentlichkeit erste Stimmen laut, welche Zweifel an den Zielen des FCB in Katar äußerten. Dazu kam die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit, die sich aufgrund der WM-Vergabe für 2022 bereits zunehmend auf Katar richtete. Die Vorwürfe der Terrorismusfinanzierung, moderner Sklaverei und Ausbeutung von Gastarbeitern in Form des Kafala-Systems, eingeschränkter Pressefreiheit und der rechtlichen Benachteiligung von Frauen und Homosexuellen erhöhten über die letzten Jahre den öffentlichen Druck auf die FCB AG bezüglich ihrer Partnerschaft mit dem Emirat. Anfang 2018 wurde der bestehende Sponsoring-Vertrag mit dem Doha-Airport durch einen neuen Sponsoring-Vertrag mit der Fluglinie Qatar-Airways ersetzt, welche sich ebenfalls zu 100 % im katarischen Staatseigentum befindet und den ausgelaufenen Sponsoring-Vertrag mit Lufthansa als Airline-Partner ersetzte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Problematik des Balanceakts zwischen wirtschaftlichen Interessen und den Erwartungen der Fans des FC Bayern München ein.
2. THEORIE: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Stakeholder-Theorie und des Neoinstitutionalismus erläutert, um ein Analyseinstrumentarium für das Management von Erwartungen zu schaffen.
3. METHODIK: Dieses Kapitel verknüpft die Konzepte von Rowley und Oliver, um Analyseinstrumente für die Fallbeispiele zu entwickeln und kontextualisiert diese.
4. ERGEBNISDARSTELLUNG: Anhand der Fallbeispiele "Katar Antrag" und "FC Bayern Campus" werden die strategischen Reaktionen der FCB AG analysiert und den theoretischen Modellen zugeordnet.
5. DISKUSSION: Die Ergebnisse werden im Kontext des internationalen Wettbewerbs und der Stakeholder-Bindung diskutiert, wobei die Tauglichkeit des Modells reflektiert wird.
Schlüsselwörter
FC Bayern München AG, Stakeholder-Theorie, Neoinstitutionalismus, Katar-Sponsoring, FC Bayern Campus, Legitimität, Isomorphismus, Netzwerkanalyse, Organisationale Felder, Strategische Reaktionsmöglichkeiten, Compromiser, Commander, Unternehmenskommunikation, Konfliktmanagement, Stakeholder-Geflecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die FC Bayern München AG auf divergierende Erwartungen ihrer nationalen Stakeholder reagiert, während sie gleichzeitig internationale Wachstums- und Anpassungsstrategien verfolgt.
Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?
Zentral sind die Dynamik von Stakeholder-Beziehungen, die Bedeutung der Legitimität für Organisationen und die Anwendung von Isomorphie-Mechanismen im Kontext des professionellen Fußballs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das strategische Verhalten des Vorstands gegenüber Stakeholdern durch eine verknüpfte Anwendung von Rowleys Rollenmodell und Olivers Reaktionsmöglichkeiten praktisch überprüfbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine qualitative Analyse, indem er theoretische Konzepte in einem strukturierten Analyserahmen zusammenführt und diesen auf zwei spezifische Fallbeispiele der FCB AG anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die methodische Herleitung der Analyseinstrumente und die detaillierte Ergebnisdarstellung der Fallbeispiele Katar-Antrag und FC Bayern Campus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Stakeholder-Geflecht", "Legitimität", "Entkopplung", "Isomorphismus" und spezifische Rollenbezeichnungen wie "Compromiser" und "Commander" geprägt.
Warum wird das Katar-Sponsoring als Konfliktpotenzial identifiziert?
Das Sponsoring kollidiert mit den moralischen Ansprüchen vieler Vereinsmitglieder und Fans, die den FC Bayern als wertegeleiteten Verein sehen und die Partnerschaft mit einem staatlich kontrollierten Unternehmen aus Katar kritisch betrachten.
Was offenbart die Analyse des FC Bayern Campus hinsichtlich des Vorstandsverhaltens?
Die Analyse zeigt ein Vorgehen, das in Drucksituationen zu einer defensiven oder manipulativen Strategie neigt, um das öffentliche Bild der Legitimität aufrechtzuerhalten, während interne Abläufe von dieser offiziellen Darstellung entkoppelt scheinen.
- Citation du texte
- Julius Enzensperger (Auteur), 2022, Das Machtverhältnis der FC Bayern München AG zu ihren Stakeholdern. Ein Balanceakt zwischen nationalen Stakeholder-Interessen und internationalen Anpassungsbemühungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1235827