Da die Forschung dieses Thema noch kaum berücksichtigt hat, ist die Ehe und im speziellen die Ehe der Königin und des Königs in Schillers "Don Karlos" Gegenstand dieser Arbeit. Im Folgenden wird die Frage thematisiert, wie die Ehe dargestellt wird. Durch Beantwortung dieser Frage lässt sich direkt auf die Ansichten Schillers über die Ehe schließen, und somit beansprucht die Fragestellung eine Relevanz in der Literaturgeschichte. Die Schlussfolgerungen, welche ich aus der Beantwortung der zentralen Fragestellung ziehe, führen mich zu folgender zentralen These: die Ehe wird fast ausschließlich als negativ dargestellt, was sich vor allem an der Ehe der Königin und des Königs zeigt.
Den Hauptteil dieser Arbeit gliedere ich in zwei Überabschnitte: das explizite Thematisieren von Ehe und das formensprachliche Veranschaulichen von Ehe. Das explizite Thematisieren unterteile ich in das Thematisieren der Ehe allgemein und das konkrete Thematisieren der Ehe der Königin und des Königs. Dieser Teil der Arbeit dient zur Veranschaulichung der verschiedenen Ansichten der Figuren über die Ehe. Somit trägt er zur Beantwortung der zentralen Fragestellung bei, indem er die konkret im Text geäußerten Meinungen verdeutlicht und vergleicht. Die explizite Rede über das königliche Ehepaar unterteile ich nochmals in das Thematisieren durch die Ehepartner selbst und durch andere Figuren, da es einen Unterschied macht, die Ehe selbst mitzuerleben oder nur von außen zur beurteilen. Im zweiten Teil des Hauptteils beschäftige ich mich mit dem formensprachlichen Veranschaulichen von Ehe durch die Figurendarstellung, die Figurenkonstellation, die Schauplatzdarstellung bzw. Schauplatzkonstellation und die Handlungsdarstellung. Diesen Unterpunkten widme ich jeweils einen Abschnitt. Durch diesen Teil des Hauptteils wird verdeutlicht, welche Ansichten über die Ehe bzw. Merkmale der Ehe von Königin und König durch verschiedene formensprachliche Mittel zu Tage gebracht werden. Um die zentrale Fragestellung zu beantworten, betrachte und analysiere ich alle Textstellen, die entweder explizit oder implizit etwas zu Thema äußern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Explizites Thematisieren von Ehe
2.1 Ansichten über die Ehe im Allgemeinen
2.2 Die Ehe von Elisabeth und Philipp
2.2.1 Explizites Thematisieren durch die Ehepartner
2.2.2 Explizites Thematisieren durch andere Figuren
3. Formensprachliches Veranschaulichen von Ehe
3.1 Figurendarstellung
3.2 Figurenkonstellation
3.3 Schauplatzdarstellung/ Schauplatzkonstellation
3.4 Handlungsdarstellung
4. Schluss und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion der Ehe in Friedrich Schillers Drama Don Karlos, wobei der Fokus auf der negativen Inszenierung der königlichen Ehe zwischen Elisabeth und Philipp liegt. Angestrebt wird eine fundierte literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl explizite Aussagen als auch formensprachliche Gestaltungsmittel wie Figurendarstellung und Konstellationsanalysen einbezieht, um Schillers Haltung zur höfischen Heiratspolitik offenzulegen.
- Thematisierung der Ehe als Mittel der höfischen Politik
- Analyse der Lieblosigkeit in der Ehe von Elisabeth und Philipp
- Untersuchung des Ehebruchs (vermeintlich oder real) als Vertrauensbruch
- Kontrastierung von Figurencharakteren und deren Auswirkungen auf die Paarbeziehung
- Erarbeitung der formensprachlichen Veranschaulichung (Mimik, Schauplatz, Sprache)
Auszug aus dem Buch
2.1 Ansichten über die Ehe im Allgemeinen
Die erste Begegnung des Textes mit dem Thema Ehe findet sich in Akt 1/ Kapitel 3. Die Königin und ihre Hofdamen spazieren die Allee in Aranjuez entlang. Im Laufe ihres Gesprächs kommen sie darauf zu sprechen, dass die Prinzessin Eboli bald die Braut von Gomez werden soll. Die Königin soll ein gutes Wort für ihn einlegen, doch sie kann das nur, wenn sie weiß, ob er auch ein würdiger Mann ist. Die Herzogin von Olivarez bejaht dieses mit der Begründung, dass er in der Gunst des Monarchen stehe. Doch die Königin legt darauf keinen Wert, sie will nur wissen ob er fähig ist zu lieben und geliebt zu werden. Die Herzogin und die Königin haben zwei verschiedene Definitionen des Begriffs „würdig“. Nur Eboli kann der Königin beantworten, ob Gomez würdig ist. Die Prinzessin steht, wie im Nebentext beschrieben, nur stumm und verwirrt da. Bis die Gefühle aus ihr herausbrechen und sie sich zu Füßen der Königin wirft. Eboli wirkt durch diese Reaktionen, die im Nebentext beschrieben werden, glaubwürdig. Sie fleht die Königin an sie nicht „aufzuopfern“. Die Prinzessin wirkt sehr belastet durch die Zwangsheirat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Ehe als literarisches Thema in Don Karlos ein und stellt die zentrale These auf, dass die Ehe im Drama vornehmlich als negativ präsentiert wird.
2. Explizites Thematisieren von Ehe: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie die Figuren des Dramas – sowohl allgemein als auch spezifisch bezogen auf das Herrscherpaar – über die Institution der Ehe urteilen und diese durch ihre explizite Rede als lieblos und politisch motiviert kennzeichnen.
3. Formensprachliches Veranschaulichen von Ehe: Dieser Hauptteil analysiert, wie durch dramaturgische Mittel wie Figurendarstellung, Konstellationen, Schauplätze und Handlungsverläufe implizit verdeutlicht wird, dass die Ehe von Elisabeth und Philipp durch tiefe Konflikte und einen Mangel an Vertrauen geprägt ist.
4. Schluss und Ausblick: Das Fazit bestätigt, dass die Zwangsheirat im Werk ausschließlich negativ besetzt ist, und schlägt vor, die Beziehung zwischen Elisabeth und Karlos in zukünftigen Arbeiten weiter zu untersuchen.
Schlüsselwörter
Don Karlos, Friedrich Schiller, Ehe, Zwangsheirat, Literaturwissenschaft, höfische Heiratspolitik, Elisabeth von Valois, König Philipp, Ehebruch, Figurenkonstellation, Sturm und Drang, Weimarer Klassik, Lieblosigkeit, Vertrauensbruch, Drameninterpretation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Ehe im Drama Don Karlos von Friedrich Schiller und konzentriert sich dabei insbesondere auf die Beziehung zwischen König Philipp und der Königin Elisabeth.
Welches ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Ehe im Text sowohl explizit durch Äußerungen der Figuren als auch implizit durch formensprachliche Mittel als eine vollkommen negative, lieblose Gemeinschaft dargestellt wird.
Was sind die thematischen Schwerpunkte der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik an der höfischen Heiratspolitik, der Analyse der Kommunikation zwischen Ehepartnern und der Rolle des vermeintlichen bzw. tatsächlichen Ehebruchs für das Vertrauensverhältnis.
Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?
Es wird eine textnahe Analyse durchgeführt, die sowohl die expliziten Aussagen der Figuren als auch implizite formensprachliche Elemente wie Figurendarstellung, Figurenkonstellation und Schauplatzgestaltung systematisch untersucht.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in das explizite Thematisieren der Ehe durch die Figuren sowie eine Untersuchung der formensprachlichen Mittel, die das Scheitern und die Kälte der königlichen Ehe verdeutlichen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Zwangsheirat, politische Interessen, Kontrastfiguren, Lieblosigkeit, Kommunikationsschwierigkeiten und der Verlust von Vertrauen stehen im Zentrum der Analyse.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Königs in der Öffentlichkeit von der im privaten Kreis?
Der König versucht vor dem Hof den Schein einer funktionierenden, liebevollen Ehe zu wahren, während er in Momenten der Isolation oder im Gespräch mit Vertrauten sein tiefes Unglück und seine Zweifel an der ehelichen Treue eingesteht.
Welche Funktion hat das Thema des Ehebruchs in der Untersuchung?
Der Ehebruch fungiert als zentraler Katalysator für das Misstrauen des Königs gegenüber der Königin; er zerstört die eheliche Bindung nachhaltig und untermauert die Zerstörung des Vertrauens zwischen den Eheleuten.
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- Anonym (Autor), 2017, Form und Funktion der Ehe in Friedrich Schillers "Don Karlos", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1235889