Eine Doppelstunde zu den Themen "Gedenktag für die Opfer des Holocaust" und "Wie ist die Bibel entstanden?" (11. Klasse Gymnasium, Fach Evangelische Religionslehre)


Unterrichtsentwurf, 2019

43 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Unterrichtsentwurf
1.1 Bedingungsanalyse
1.2 Didaktische Überlegungen und Begründungen
1.3 Begründung der didaktischen Stufung und des gewählten Methodenkonzepts
1.4 Verlaufsplan
1.5 Reflexion des durchgeführten Unterrichts

2. Individuelle Praktikumsreflexion im Fach Evangelische Religionslehre

Anhang

Dokumentation der verwendeten Unterrichtsmaterialien

Dokumentation der erwarteten Schülerleistungen

Dokumentation der tatsächlichen Schülerleistungen

Quellenverzeichnis

1. Unterrichtsentwurf

Im Folgenden betrachte ich die Doppelstunde vom 29.01.2020, wobei die erste Stunde das aktuelle Thema „75. Gedenktag für die Opfer des Holocaust“ zum Inhalt hat, sowie zusätzlich eine Stunde von 05.02.2020, welche das Thema der zweiten Stunde vom 29.01.20 „Die Entstehung der Bibel“ thematisch und methodisch fortsetzt und abschließt. Die Betrachtung der 3. Stunde ist für den Zusammenhang des Unterrichtsentwurf unerlässlich.

1.1 Bedingungsanalyse

1.1.1 Analyse der Lerngruppe und der Lernbedingungen

Die geplante Stunde wird in der 11. Klasse eines beruflichen Gymnasiums gehalten. Die 11. Klasse des beruflichen Gymnasiums dient als eine Art Einführungsphase, bei welcher die SchülerInnen Fächer und Stoffe kennenlernen und der unterschiedliche Kenntnisstand in den einzelnen Fächern und bei den Arbeitsmethoden angeglichen werden soll. Der unterschiedliche Kenntnisstand resultiert daraus, dass alle SchülerInnen bevor sie auf die AGS kamen an anderen Schulen (Regelschule, Gymnasium) lernten oder sogar schon im Arbeitsleben standen, bevor sie sich entschlossen die allgemeine Hochschulreife nachzuholen. Durch diese Situation geprägt bekommen die SchülerInnen zum Halbjahr und am Ende der 11. Klasse zwar ein Zeugnis, jedoch gehen die Noten, welche die SchülerInnen während dieser Jahrgangsstufe erhalten, nicht in die Abiturnote ein. Dadurch wird der Leistungsdruck von den Schülern genommen und die Kenntnisstände können angeglichen werden ohne bestimmte SchülerInnen zu vernachlässigen. Der evangelische Religionsunterricht orientiert sich daran und greift so die Lernbereiche der Regelschule und des Gymnasiums des Faches Evangelische Religionslehre der vorangegangenen Klassenstufen auf, um so eine Anschlussfähigkeit für alle SchülerInnen zu ermöglichen.

Die von mir unterrichtete Religionsgruppe besteht aus 17 Schülern, von denen 7 Mädchen und 10 Jungen sind. Das durchschnittliche Alter beträgt 17 Jahre.

Die Schüler sind aus drei verschieden Stammkursen, wobei jeder Kurs eine andere Fachrichtung besitzt (Daten- und Informationstechnik, Elektrotechnik oder Gesundheit und Soziales). Auffällig, aber nicht unverständlich, ist, dass die SchülerInnen aus demselben Stammkurs eher/ lieber miteinander interagieren als stammkursübergreifend.

In der Klasse ist ein Moslem, welcher ein hohes Vorwissen bezogen auf das Christentum zu haben scheint. In der Klasse sind 4 Wiederholer der 11. Klasse. Diese hatten bereits Unterricht bei der einzigen Religionslehrerin der Schule. Alle anderen Schüler hatten in ihren vorhergehenden Schulen andere Lehrkräfte. Dies scheint der Hauptgrund zu sein, weshalb die Schüler auf sehr unterschiedlichen Niveaus sind, was das Allgemein- und das religiöse Wissen betrifft.

Trotz der verschiedenen Wissensniveaus scheinen alle Schüler motiviert zu sein und das Fach Religion ernst zu nehmen. Die Schüler arbeiten bis auf wenige Ausnahmen ruhig und konzentriert. Das Arbeitsklima ist dadurch sehr positiv. Die Mitarbeit hängt von dem besprochenen Thema ab, ist jedoch meistens gut bis durchschnittlich. Am meisten scheinen die SchülerInnen sich für aktuelle Themen zu interessieren. Dass ich oft aktuelle Themen und moderne Blickwinkel auf „ältere“ Themen (wie Gleichnisse) in meinen Unterricht miteinbezog, meldeten mir die SchülerInnen einstimmig positiv zurück. Auch der Einsatz von vielen verschiedenen Medien scheint die SchülerInnen zu motivieren. Zusätzlich motivierend sind kleine Spiele und Bewegungsübungen, da die Klasse vor allem zu Beginn der 1. Stunde sehr müde und träge ist.

Ein Großteil der SchülerInnen ist sehr interessiert an Diskussionen und will seine eigenen Meinungen und Sichtweisen vor der Klasse publik machen und verteidigen.

Diese 11. Klasse unterrichtete ich kurz nach den Herbstferien 2019 beginnend jeden Mittwoch die 1. und 2. Stunde. So bin ich zum Zeitpunkt der hier geschilderten Stunden schon sehr vertraut mit der Klasse. Das von mir eingeschätzte Lehrer-Schüler-Verhältnis ist durchgehend positiv. Die eingeschätzte Beziehung ist durch Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Empathie geprägt. Im Rahmen eines von mir durchgeführten schriftlichen Feedbacks in dieser Religionsgruppe bekam ich viele positive Rückmeldungen für die ruhige, entspannte Art mit der Klasse umzugehen. Jedoch mein Durchsetzungsvermögen, z.B. bei Störungen, lässt zu wünschen übrig, was die SchülerInnen mir auch rückmeldeten.

Die Schüler sind durch ihre „eigentliche“ Lehrerin vor allem die Arbeitsmethode der Textarbeit gewöhnt. Lesen und Bearbeiten der gegebenen Texte erledigen alle ruhig und ordentlich. Bei Verstehensproblemen wenden sie sich selbstständig an die Lehrkraft. Außerdem sind die Schüler die Methode der Gruppenarbeit gewöhnt. In Kleingruppen arbeiten sie meistens laut, aber produktiv. Beim Ergebnisvergleich verschiedener Gruppen lassen sich jedoch öfter mittelgroße Leistungsunterschiede feststellen. Die Methoden Textarbeit und Gruppenarbeit sind für die geplante Stunde zentral. Die Schüler haben noch keine Erfahrungen mit der Methode „Blitzlicht“.

Als Klassensatz existieren die Lehrbücher „Kursbuch Religion“ (Calwer Verlag) und „Perspektiven Religion“ (Vandenhoeck & Ruprecht), wobei keines passende Materialien für die Unterrichtsthemen enthält, welche in den hier vorgestellten Stunden bearbeitet werden.

Der Raum, in welchem der Religionsunterricht stattfindet, ist relativ leer und wirkt dadurch kühl und nicht besonders einladend. Die SchülerInnen baten darum im Unterricht (, wenn es sich anbietet,) etwas für die Wände zu gestalten.

1.1.2 Schlussfolgerungen für die Planung des Unterrichts

Da die SchülerInnen gesprächig, diskussionsfreudig und aufgeschlossen sind, achte ich bei der Planung des Unterrichts vor allem darauf ihnen viel Raum für den Austausch ihrer eigenen Ideen und Meinungen zu lassen. Sie sollen sich gedanklich mit einem Thema auseinandersetzen können und lernen begründet zu ihrer Meinung/Sichtweise Stellung zu nehmen. Das versuche ich durch Aufgaben, welche dem Anforderungsbereich III1 entstammen, umzusetzen. So sollen sie zu eigenständigen Wertungen, Begründungen und Urteilen kommen, durch Aufgabenstellungen wie „Bewerte!“, „Nimm Stellung!“, „Interpretiere!“. Die Diskussionsfreudigkeit der SchülerInnen kann anschließend an eine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema in Form von Ganzklassengesprächen, Kleingruppengesprächen oder Partnergesprächen gut umgesetzt werden. Bei der Planung einer Unterrichtsstunde in dieser Klasse achte ich schlussfolgernd besonders darauf, dass den SchülerInnen genug Zeit zum Austausch ihrer Meinungen gelassen wird, jedoch sind die Diskussionen geführt von mir und es werden nur begründete Meinungen akzeptiert.

In Bezug auf die Themenauswahl orientiert sich eine Lehrkraft am Lehrplan, jedoch werden dabei einige Freiheiten gelassen. Diese Freiheiten nutze ich bei der Planung einer Unterrichtsstunde für diese Klasse, um aktuelle Themen zu behandeln. Die SchülerInnen sind motivierter und interessierter, wenn Inhalte aus ihrer Lebenswelt besprochen werden. Außerdem kann so teilweise eine Relevanz von Unterrichtsinhalten für die reale Lebenswirklichkeit der SchülerInnen hergestellt werden. In der geplanten Unterrichtsstunde soll die Kompetenz „Beurteilung“ durch das zu diesem Zeitpunkt sehr aktuelle Thema des Gedenktags für die Opfer des Holocaust umgesetzt werden.

Da ich die Bitte der SchülerInnen etwas für ihren kahlen Raum gestalten zu dürfen, umsetzen will, plane ich zum Thema „Die Entstehung der Bibel“ eine Kleingruppenarbeit, bei welcher als Ergebnis mehrere Plakate herauskommen sollen. Mit diesen können die SchülerInnen die Wände ihres Raumes schmücken. Da hierbei besonders Wert auf die Ergebnisse der SchülerInnen gelegt wird, plane ich für die Erarbeitung die den Schülern bekannten Methoden der Kleingruppenarbeit vorrangig verbunden mit Textarbeit einzusetzen. Die SchülerInnen sind mit diesen vertraut und sollten bei ihrer Umsetzung keine Probleme haben, damit sie sich vermehrt auf die Gestaltung der Plakate konzentrieren können.

Motivierend vor allem zu Beginn der ersten Stunde soll die Themeneinleitung in Form eines Spiels „Blitzlicht“ bieten, bei welchem sich die SchülerInnen bewegen müssen.

1.2 Didaktische Überlegungen und Begründungen

1.2.1 Auswahl und Begründung der Inhalte (Sachanalyse)

Da die Religionsgruppe äußerst an aktuellen Themen und an einem Lebensweltbezug des Unterrichts interessiert ist, entschied ich mich für den 75. Gedenktag für die Opfer des Holocaust als Thema der ersten Stunde. Am Montag den 27.01.2020 fand der Gedenktag statt, also zeitlich unmittelbar vor der Religionsstunde am 29.01.2020. Durch die Aktualität des Themas konnten einzig Internetquellen zur Recherche herangezogen werden.

Am 27.01.2020 jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz-Birkenau. In Deutschland ist der 27.01. seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Feiertag.2 Zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde er durch die Vereinten Nationen im Jahre 2005 erklärt. Diese Erklärung bezieht sich auf die „Universal Declration of Human Rights“, und vor allem auf die Artikel 1, 3 und 18.3 Diese Artikel der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagen, dass alle Menschen frei und gleich geboren sind (Artikel 1), sowie jeder Mensch das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person hat (Artikel 3). Wichtig im Zusammenhang mit dem Gedenktag der Opfer des Holocaust ist wohl auch Artikel 18, welcher besagt: „Jeder Mensch hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, die Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, die eigene Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“4 Der Gedenktag soll daran erinnern, dass jeder Mensch diese Rechte besitzt.

Der 27.01. wurde vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog5 ausgewählt, weil an diesem Tag die Rote Armee im letzten Jahr des zweiten Weltkriegs das Konzentrationslager Monowitz, das Stammlager Ausschwitz und das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau befreite. Wieso die Befreiung Ausschwitz als repräsentativ für die Opfer des Holocaust steht, fasst ehemaliger Bundestagspräsident Dr. Norbert Langer während seiner Rede zum 70. Gedenktag (2015) zusammen: „[…] Das Verbrechen hingegen hat seine Orte – in den Konzentrationslagern, in den Vernichtungslagern. An diesen authentischen Stätten wird emotional erfahrbar, was rational immer unvorstellbar bleibt. Wie kein anderer Ort steht Auschwitz als Synonym für das, was Menschen Menschen antun können.“6

Der Deutsche Bundestag veranstaltete eine Gedenkstunde anlässlich des Gedenktags an dem auch Rivlin (Staatspräsident Israels) teilnahm. Zum Auftakt ergriff Bundestagspräsident Schäuble das Wort und erläuterte warum es auch heute noch oder besonders heute wichtig ist den Opfern des Holocaust zu gedenken: „Ich wünschte, ich könnte, erst recht vor unserem Gast aus Israel, heute mit Überzeugung sagen: Wir Deutschen haben verstanden. [...] Doch wie kann ich das sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten, wenn das Gift des Nationalismus wieder in Debatten einsickert - auch bei uns."7 Der Bundestagspräsident spricht damit den immer noch in Deutschland bestehenden Antisemitismus an, welchen uns Taten wie der Anschlag 2019 in Halle demonstrieren, bei welchem aus rechtsextremistischen Gründen versucht wurde in eine Synagoge einzudringen und die jüdischen Bürger zu erschießen. Da das dem Täter nicht gelang, tötete er zwei Passanten.8 Doch das ist nur ein Beispiel unter vielen. Die Polizei Deutschland bestätigt eine stark ansteigende Prozentzahl antisemitischer Straftaten. Im Jahr 2018 stieg die Zahl um 20% im Vergleich zum Vorjahr.9 Doch nicht nur in Form von Straftaten äußert sich die wieder steigende Judenfeindlichkeit, sie findet auch Eingang in unsere heutige Politik. AfD Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland bezeichnet die Jahre zwischen 1933-1945 als „Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen erfolgreichen Geschichte“10 und versucht so die Tragödie der NS-Zeit herunterzuspielen.

Gegen das Vergessen der über 6 Millionen Opfer des Holocaust soll das Projekt des Künstlers Gunter Demnig entgegenwirken. Dieses künstlerische Projekt mit dem Namen „Stolpersteine“ begann er im Jahre 1992. Im Zuge dessen werden im Boden kleine Messingtafeln eingebettet auf welchen Lebensdaten von Menschen vermerkt sind, welche Opfer des Holocaust wurden. Diese Gedenktafeln, sind in die Straße eingelassen vor den Häusern der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, ermordet, ausgestoßen, deportiert oder in den Selbstmord getrieben wurden. Insgesamt gibt es bis jetzt über 75000 Stolpersteine in über 20 europäischen Ländern.11 Der deutsche Rapper Trettmann veröffentlichte 2019 ein Lied mit dem Titel „Stolpersteine“12, in welchem er beschreibt wie er auf dem Nachhauseweg einen Solperstein im Boden entdeckt und darüber nachdenkt, wer diese Person gewesen sein kann. Außerdem kritisiert er in diesem Zusammenhang den noch immer bestehenden Antisemitismus in Deutschland.

Da die Religionsgruppe kein besonders hohes Vorwissen zum Thema Bibel mitzubringen schien, bat mich die „eigentliche“ Lehrerin der Klasse, dieses Thema mit den Schülern zu bearbeiten. Das fehlende Vorwissen kam in Stunden zutage, in denen das Thema „Gerechtigkeit in der Bibel“ an Beispielen biblischer Geschichten wie Buch Hiob, „Die Arbeiter im Weinberg“ oder „Der barmherzige Samariter“ besprochen wurde. Das mangelhafte Vorwissen auf Gebieten wie Bibelaufbau, Bibelgeschichten und Bibelentstehung erschwerte an manchen Stellen das flüssige Unterrichten. Deshalb soll den Schülern die Bibel nähergebracht werden. Vor allem sollen sie ihre Entstehung und ihren Aufbau kennen lernen. In den hier näher beschriebenen Stunden geht es zum ersten Mal konkret um die Bibel und ihre Entstehungsgeschichte. Dieses ziemlich weitreichende Thema unterteilte ich in vier Schwerpunkte: die Entstehung des AT, die Entstehung des NT, Bibelübersetzungen und die Wirkungsgeschichte der Bibel.

Die Entstehung des Alten Testaments zog sich über 1000 Jahre und begann laut Konsens der Forschung ca. im 2. Jahrtausend v. Chr.13 Dafür ist es zentral zu verstehen, dass das Alte Testament nicht von einem einzelnen Autor stammt, sondern mehrere Geschichten und Autoren zu einem Werk verknüpft wurden14. Aus den verschiedenen Erzählkreisen wie der zweiten Schöpfungsgeschichte, der Abraham-Sara-Erzählung, des Jakobzyklus, der Josefnovelle, der Sintflutgeschichte und Teile des Auszug aus Ägypten wird ein „Geschichtswerk“, welches „die Anwesenheit des Volkes Israel in Palästina als Wille des Gottes Jahwe und als Ziel der gemeinsamen Geschichte dieses Gottes mit seinem Volk beschrieb“.15 Im 7. Jh. V. Chr. kommt ein von Jahwe-Priestern verfasstes Werk, mit Vorschriften und Rechtstexten zum angemessenen Verhalten, dazu: das Deuteronomium (Dtn). Durch den Untergang des israelitischen Reichs entstand eine weitere Schrift: das exilische Geschichtswerk, welches von der Schöpfung bis zum Untergang des Reiches 587 v. Chr. reicht und diesen Untergang als Folge der Missachtung der im Dtn formulierten Regeln sieht. Hinzu kommt die sogenannte Priesterschrift, welche auch als Geburt des Monotheismus angesehen werden kann. Im 5. Jh. v. Chr. kommt es zu einer Vermengung der hier beschriebenen Schriften und somit zu dem uns vorliegenden Pentateuch.16

Im Gegensatz zum Alten Testament entstand das Neue Testament in einer relativ kurzen Zeitspanne. Die ältesten Schriften, die Paulusbriefe, lassen sich ca. auf das Jahr 50 n. Chr. datieren. Obwohl andere Forscher der Meinung sind, dass der 1. Thessalonicher die erste Schrift des NT darstellt, welcher aber circa um dieselbe Zeit entstanden sein muss wie der erste Paulusbrief.17 Trotz der Diskussion um die älteste Schrift des NT, die jüngste Schrift ist wenig umstritten und nicht länger als rund 80 Jahre nach der ersten verfasst wurden: 2. Petrusbrief, ca. 130 n. Chr.18 Die Evangelien stellen eine Besonderheit des NT dar. Die Evangelien sind 40-70 Jahre nach dem Tod Jesu entstanden und fügen unterschiedliche Quellen über sein Leben und seine Taten zu neuen Werken zusammen.19 Die umfassende Entstehungsgeschichte der Evangelien wird kritisch betrachtet. Die Forschung kommt jedoch zu dem Konsens, „dass Mt und Lk einerseits MK und andererseits eine sogenannte Logienquelle vorlagen“.20 Damit beschäftigt sich die Forschung unter dem Gebiet des synoptischen Problems.21 Neben den Evangelien sind auch die Paulusbriefe zentral, jedoch ist heute umstritten, ob wirklich alle Briefe tatsächlich von Paulus stammen. Es wird angenommen, dass zum Beispiel 1. und 2. Timotheus nicht von Paulus, sondern von seinen Schülern sind.22

Die Bibel ist das am häufigsten übersetzte Buch der Welt. Sie existiert heute in mehr als 670 Sprachen. Das Alte Testament wurde auf Hebräisch verfasst, jedoch löste Aramäisch nach dem babylonischen Exil (539 v. Chr.) Hebräisch als Alltagssprache ab. Gottesdienste wurden trotzdem noch auf Hebräisch gehalten, jedoch wurden Teile der Bibel ins Aramäische übersetzt. Die älteste bekannte Übersetzung ist der Targumim, welcher Teil der Schriftrollen des Toten Meeres und ca. 200 v. Chr. entstanden ist. Später wurde das AT ins Griechische übersetzt (Septuaginta), an dieses Werk anlehnend entstand die Übersetzung des Hieronymus ins Lateinische (Vulgata). Luther orientierte sich an den Originalsprachen und übersetzte die Bibel ins Deutsche, um sie dem Volk zugängig zu machen.23

Warum gerade die Bibel das wohl bekannteste Buch der Welt ist, ist eine interessante und schwierig zu beantwortende Frage. Da die Bibel das weitverbreitetste Buch der Welt ist, übt sie zu allen Zeiten einen Einfluss auf die Menschen aus, welcher sich vermehrt in Kunst, Literatur und Musik niederschlägt.24 Sehr bekannte Beispiele dafür sind die Johannespassion von Bach, Da Vincis Abendmahl, Michelangelos Pieta oder Goethes Faust.25

1.2.2 Der Zugang der Lehrkraft

Das Unterrichtsfach Evangelische Religionslehre dient meiner Meinung nach vor allem dazu den teilnehmenden Schülern Werte und Normen zu vermitteln, welche durch das Christentum geprägt sind, aber ihre Allgemeingültigkeit im Leben eines jeden Menschen besitzen sollten. Mir ist es wichtig, dass die Beschäftigung mit dem Thema Holocaust bzw. NS-Zeit die SchülerInnen dazu bringt, nicht zu vergessen, was vor nicht allzu langer Zeit in unserem Land passierte und zu welchen schlimmen Taten Menschen in der Lage sein können. Diese Epoche unserer Geschichte sollte nicht vergessen werden, denn „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“26 Die aktuellen politischen Entwicklungen machen die Beschäftigung mit der NS-Zeit noch dringender. Dieses Thema wird zwar im Geschichtsunterricht besprochen, aber das in einer nicht ausreichenden Weise. Dass das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen ist und Jesus selbst Jude war, unterstützt mich in meiner Sichtweise, dass der Religionsunterricht der richtige Ort ist, um über Antisemitismus nachzudenken und zu sprechen. Als dieses Thema prägendstes Ereignis empfinde ich den Besuch des Konzentrationslager Ausschwitz, welchen meine Religionslehrerin mit meiner damaligen Religionsgruppe in der 11. Klasse unternahm. Das möchte ich in meiner späteren Lehrerlaufbahn auch umsetzten.

Dass das Thema NS-Zeit/Holocaust ziemlich emotional geprägt (sowohl für mich als auch für die SchülerInnen) ist, könnte eine Schwierigkeit im Unterricht darstellen. Diskussionen könnten schneller ausufern, gegensätzliche Positionen zum Thema könnten aufeinanderprallen. Ich kann mir vorstellen, dass sich SchülerInnen mit unterschiedlichen Meinungen schnell in langen Diskussionen verlieren oder dass sogar Streit ausbricht. Mit dem Thema Antisemitismus muss man vor allem als Lehrkraft behutsam und überlegt umgehen, da man nie weiß, welche politischen oder weltanschaulichen Meinungen unter den Schülern vertreten sind. Deshalb setze ich mich vor der Unterrichtsstunde mit dem Thema „Hate Speech“ in der Schule auseinander und wie man mit diesem umgehen kann.

Bei dem Thema „Entstehung der Bibel“ sehe ich keine emotionalen oder politisch/weltanschaulichen Barrieren. Jedoch liegt die Schwierigkeit dabei die SchülerInnen für dieses doch relativ trockenen Thema zu begeistern. Da mir selbst die durch Seminare vermittelte Methode Exegese Freude bereitet, versuche meine Begeisterung auf die SchülerInnen zu übertragen.

1.2.3 Didaktische Reduktion

Da die SchülerInnen sehr interessiert an aktuellen Themen und dem Weltgeschehen sind, plane ich den Gedenktag für die Opfer des Holocaust im Unterricht zu bearbeiten. Das Thema Holocaust bzw. NS-Zeit ist ein weitreichendes Thema, welches niemals in einer Unterrichtsstunde besprochen werden kann. Ich gehe davon aus, dass die SchülerInnen der 11. Klasse einiges Vorwissen (z.B. aus dem Geschichtsunterricht) zum Thema allgemein mitbringen. In der Stunde werde ich mich darauf beschränken den Schülern den Gedenktag und damit verbunden die aktuelle Relevanz eines Nichtvergessens näherzubringen. Wem soll an diesem Tag gedacht werden?, Wieso gibt es diesen Gedenktag?, Seit wann gibt es ihn und wer hat ihn ins Leben gerufen? sind Fragen, welche im Unterricht geklärt werden sollen. Es wird davon abgesehen eine genaue chronologische Abfolge des Gedenktags 2020 zu bietet, weil das den zeitlichen Rahmen sprengen würde und nicht so interessant für die SchülerInnen wäre. Dass weitere Aktionen gegen das Vergessen wirken, soll am Beispiel des Projekts „Stolpersteine“ gezeigt werden. Als Einstieg wird das Lied „Stolpersteine“ von Trettmann gespielt werden, während die SchülerInnen den Text mitlesen können. Dieses Lied passt perfekt zu dem Thema der Stunde, da es das Projekt „Stolpersteine“ aufgreift, sowie einen Bezug zum aktuellen Antisemitismus herstellt. Außerdem stammt der Musiker aus der Lebenswelt der SchülerInnen, was sie zusätzlich motiviert.

[...]


1 Beschluss der Kultusministerkonferenz (2006)

2 Festgelegt durch den deutschen Bundestag.

3 Vgl. United Nations General Assembly (2005). 60/7. Holocaust remembrance. Zugriff am 07.03.2020. Verfügbar unter https://www.un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/60/7

4 Bickel, M. (2018). Deine Rechte auf einen Blick. Alle 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Zugriff am 28.01.2020. Verfügbar unter https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte

5 Vgl. Herberger, M./ Institut für Rechtsinformatik (n. d.). Bundesgesetzblatt 1996 Teil I Seite 17. Proklamation des Bundespräsidenten vom 3. Januar 1996. Zugriff am 28.01.2020. Verfügbar unter http://archiv.jura.uni-saarland.de/BGBl/TEIL1/1996/19960017.1.HTML

6 Die Bundesregierung (27.01.2020). 27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – Gedenkstunde des Deutschen Bundestages am 27. Januar 2015 – Ansprache des Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert. Zugriff am 28.01.2020. Verfügbar unter https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/27-januar-tag-des-gedenkens-an-die-opfer-des-nationalsozialismus-gedenkstunde-des-deutschen-bundestages-am-27-januar-2015-ansprache-des-bundestagspraesidenten-dr-norbert-lammert--476240

7 Tagesschau (28.01.2020). Holocaust-Gedenken "Kein heilsames Schweigen über Auschwitz". Zugriff am 28.01.2020. Verfügbar unter https://www.tagesschau.de/inland/holocaust-gedenken-bundestag-rivlin-schaeuble-steinmeier-101.html

8 Vgl. Peikert, D. (2020). Der Anschlag von Halle und die Folgen. Zugriff am 06.03.2020. Verfügbar unter https://www.mdr.de/nachrichten/politik/regional/terror-anschlag-synagoge-halle-folgen-100.html

9 Vgl. Goldenbogen, A. & Zwilling, C. (2019). Dunkelziffern, Erfassungslücken, Konjunkturen. Antisemitisch motivierte Straftaten. Zugriff am 06.03.2020. Verfügbar unter https://www.anders-denken.info/informieren/antisemitisch-motivierte-straftaten

10 Frankfurter Allgemeine (2018). Bei AfD-Jugendorganisation: Gauland: Hitler nur „Vogelschiss“ in deutscher Geschichte. Zugriff am 28.01.2020. Verfügbar unter https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gauland-hitler-nur-vogelschiss-in-deutscher-geschichte-15619502.html

11 Vgl. Heuper, J. (n.d.). Stolpersteine. Zugriff am 07.03.2020. Verfügbar unter http://www.stolpersteine.eu/start/

12 Vgl. SoulForceRecords (2019). TRETTMANN - STOLPERSTEINE (PROD. KITSCHKRIEG) - OFFICIAL VIDEO. Zugriff am 28.01.2020. Verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=ErAeAJhOgG4

13 Vgl. Zeigan, H. (2013). Die Bibel: Entstehung, Wirkung, Botschaft; Themenheft für den evangelischen Religionsunterricht in der Oberstufe. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

14 Vgl. Zeigan (2013), S.15.

15 Zeigan (2013), S.13.

16 Vgl. Zeigan (2013), S.14.

17 Vgl. Plasger, G. (2018). Bibel: Entstehung, Überlieferung, Kanonisierung. In M. Zimmermann & R. Zimmermann (Hrsg.), Handbuch Bibeldidaktik (2. Auflage), S. 25-30. Tübingen: Mohr Siebeck. S. 27.

18 Vgl. Zeigan (2013), S.6.

19 Vgl. Zeigan (2013), S.6.

20 Plasger (2018), S.27.

21 Vgl. Zeigan (2013), S.7.

22 Vgl. Plasger (2018), S.27.

23 Vgl. Bibelübersetzung (2020). Zugriff am 25.01.2020. Verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Bibel%C3%BCbersetzung#Reformationszeit

24 Vgl. Porzelt, B. (2012). Grundlinien biblischer Didaktik. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, S. 75f.

25 Vgl. Porzelt (2012), S.33-35.

26 George Santayana, Schriftsteller/Philosoph

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Eine Doppelstunde zu den Themen "Gedenktag für die Opfer des Holocaust" und "Wie ist die Bibel entstanden?" (11. Klasse Gymnasium, Fach Evangelische Religionslehre)
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Jahr
2019
Seiten
43
Katalognummer
V1235897
ISBN (Buch)
9783346657251
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, doppelstunde, themen, gedenktag, opfer, holocaust, bibel, klasse, gymnasium, fach, evangelische, religionslehre
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Eine Doppelstunde zu den Themen "Gedenktag für die Opfer des Holocaust" und "Wie ist die Bibel entstanden?" (11. Klasse Gymnasium, Fach Evangelische Religionslehre), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1235897

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