Aufgaben und Ziele der Altenbildung im gesellschaftlichen Kontext


Seminararbeit, 2009

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographisches Altern als Kennzeichen der gesellschaftlichen Situation

3 Bildung im Alter
3.1 Ziele und Aufgaben der Altenbildung
3.2 Bevorzugte Themen älterer Menschen
3.3 Bildungsbeteiligung und –interesse
3.4 Motive Älterer für bildungsrelevante Aktivitäten
3.5 Mögliche Einflussfaktoren für die Teilnahme an formellen Bildungsprozessen

4 Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Bis ins späteste Alter lernen (nicht auswendig, sondern inwendig),
das ist Genießen, das ist Leben.
Da wächst die Seele, in konzentrischen Kreisen, göttlichen Sphären zu.
(Ernst von Feuchtersleben)

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels gewinnt die Altenbildung in sozialpolitischen Debatten einen zunehmend höheren Stellenwert. Jedoch werden ältere Menschen in der Gesellschaft noch immer als nicht-produktive Gruppe mit wenig Perspektivkraft empfunden. Infolgedessen werden die Begriffe „Bildung“ und „Lernen“ mit jüngeren, im Erwerbsleben stehenden Menschen, in Verbindung gebracht. Somit steht dem durch die Forschung gut abgesicherten Tatbestand der Lernfähigkeit im Alter, eine geringe Beteiligung älterer Menschen an formellen Bildungsprozessen gegenüber.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Aufgaben und Ziele der Altenbildung im Kontext der gesellschaftlichen Bedingungen darzustellen. Darüber hinaus sollen die Bildungsinteressen von älteren Menschen aufgezeigt sowie Motive und mögliche Einflussfaktoren für die Beteiligung an organisierten Bildungsangeboten analysiert werden.

2 Demographisches Altern als Kennzeichen der gesellschaftlichen Situation

Bereits seit einigen Jahren steht der demographische Wandel der westlichen Industrienationen im Fokus von bevölkerungswissenschaftlichen Studien. Eindrucksvoll demonstrieren die verschiedenen graphischen Schaubilder der Bevölkerungspyramiden die Veränderungen der Altersstruktur in der Bundesrepublik Deutschland.

Auf Grund der vielen geborenen Kinder und einer dauerhaft hohen Sterblichkeit über alle Altersstufen hinweg, war um 1900 ein lineares Abnehmen der Bevölkerungszahl je Altersgruppe mit steigendem Alter zu verzeichnen. Graphisch lässt sich diese Altersverteilung in Form eines Dreiecks bzw. einer Pyramide darstellen. Seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts nahmen jedoch die Geburtenziffern permanent ab und ließen die zuwachsenden Geburtenjahrgänge drastisch schrumpfen. Darüber hinaus stieg die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland kontinuierlich an, so dass sich das gegenwärtige Bild der Altersstruktur in eine Tannenform gewandelt hat. Während der schmale Stamm dabei die geringen Geburtenzahlen wiedergibt, steht das stark ausgeprägte Mittelstück für einen hohen Anteil von Menschen im mittleren Erwachsenenalter.

Infolge der Zunahme der Zahl und des Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung bei gleichzeitigem Rückgang der jüngeren Kohorten, prognostiziert das Statistische Bundesamt (2006) für die Zukunft weitere gravierende Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung. Für die graphische Darstellung der Altersverteilung nimmt man für das Jahr 2035 eine Pilzform an.

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung Deutschlands (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, S.35)

1910 2005 2035

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland von heute 82,4 Millionen auf nur noch 69 Millionen im Jahr 2050 abnehmen. Während es Ende 2005 noch etwas mehr unter 20-Jährige als 65-Jährige und Ältere gab, wird 2050 die ältere Gruppe erheblich größer als die jüngere sein. Infolgedessen wird der Anteil der Personen im Erwerbsalter an der Gesamtbevölkerung von gegenwärtig 61% auf 51% im Jahr 2050 zurückgehen.

Die Auswirkungen des Demographischen Wandels wurden in den Printmedien stark kontrovers diskutiert. Provozierend ist in der Zeitschrift „DER SPIEGEL“ zu lesen: „Deutschland altert - na und?“. Auch die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ versucht in einem Artikel die künftigen Entwicklungen in Deutschland zu verharmlosen und fordert: „Demografischer Wandel - Schluss mit dem Drama!“.

Eine konträre Auffassung vertritt der Mainzer Universitätsprofessor Adrian (2003). In seinem in der Zeitschrift „FOCUS“ erschienenen Artikel, „Die Systeme kollabieren!“, möchte er die Leser für die drohenden katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sensibilisieren.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass durch die Alterung der deutschen Bevölkerung bereits in naher Zukunft vielfältige Probleme entstehen. Eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben kommt dabei der Altenbildung zu. So gilt es, durch eine verstärkte soziale Integration und Partizipation der älteren Menschen, das soziale Engagement zu fördern und somit das vorhandene Entwicklungspotential älterer Menschen noch besser zu nutzen.

3 Bildung im Alter

3.1 Ziele und Aufgaben der Altenbildung

In den westlichen Industrienationen wird alt sein noch immer mit einer irreversiblen Verringerung der physischen und kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert. Als weitere Negativfolgen werden von vielen Menschen sozialer Abstieg, Verlust von Fähigkeiten und Kontaktverarmung antizipiert. Durch forschungsmethodisch schlecht aufgebaute Studien wurden in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts diese gesellschaftlichen Vorurteile und Stereotype mit wissenschaftlichen Argumenten untermauert. Aus den Untersuchungsergebnissen entwickelte man ein Defizitmodell über das Altern, welches zum Teil noch heute das Meinungsbild der Bevölkerung dominiert. Neue Erkenntnisse der Gerontologie erfuhren in der Öffentlichkeit hingegen nur wenig Beachtung. Infolgedessen wird altern vorwiegend als ein schicksalhafter Prozess betrachtet, auf den man keinen Einfluss nehmen kann.

Obwohl in den letzten Jahren Kompensations- und kompetenzorientierte Theorien über das Altern generiert wurden und somit defizitorientierte Lern- und Leistungskonzepte in Bezug auf Ältere zunehmend in Frage gestellt wurden, haben viele Menschen, insbesondere Senioren, Vorbehalte gegenüber Engagement und Lernanstrengungen im Alter. Dabei kann es dazu führen, dass alte Menschen sich mit ihren Einstellungen und Verhaltensweisen an den am Defizitmodell orientierten Umwelterwartungen ausrichten, passiv werden und resignieren.

Folglich sehen Bau et al. (1986) die primären Ziele der Altenbildung unter einem emanzipatorischen Aspekt:

„Die Altenbildung sollte sich immer wieder bemühen, die durch gesellschaftliche Erwartungshaltung / Vorurteile und Selbstbild alter Menschen entstandenen resignativen Vorstellungen vom Alter zum Gegenstand von Lernprozessen zu machen und nach ihrer Berechtigung zu fragen.“ (Bau et al. 1986, S. 81)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aufgaben und Ziele der Altenbildung im gesellschaftlichen Kontext
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Medizin-/ Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft)
Veranstaltung
Erwachsenenbildung - Erziehungswisenschaften
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V123717
ISBN (eBook)
9783640292219
ISBN (Buch)
9783640292356
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altenbildung, Erwachsenenbildung, Erziehungswisenschaften
Arbeit zitieren
Uwe Schwender (Autor), 2009, Aufgaben und Ziele der Altenbildung im gesellschaftlichen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123717

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