Unterrichtskonzeption "Willkommen und Abschied"

Eine didaktische Arbeit


Studienarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pädagogisch-psychologische Anmerkungen

3. Didaktische und methodische Überlegungen
3.1. Lehrplananalyse
3.2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtssequenz
3.3. Sachanalyse
3.3.1. Die Epoche des Sturm und Drang
3.3.2. Goethes Beziehung zu Friederike Brion
3.3.3. „Willkommen und Abschied“ - Ein Gedicht Goethes für Friederike Brion
3.4. Fachdidaktische Analyse
3.5. Methodische Vorüberlegungen

4. Beschreibung des Unterrichtsverlaufs

5. Materialien zur Stunde

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Goethe ist im Unterricht zwar ein Standardthema, aber dennoch kann man immer aus seinen Werken einen neuen Aspekt herausarbeiten. Die Person Johann Wolfgang von Goethe lässt spannende und auch für Jugendliche interessante und nachvollziehbare Themengebiete zu. Goethe eignet sich auch fantastisch für fächerübergreifende Unterrichtskonzepte, da er unter anderem auch Arbeiten zu medizinischen Aspekten und zur Farbenlehre in der Kunst vorlegte.

In der vorliegenden Stunde versuche ich eine Verbindung zwischen der Person Goethes und dem Inhalt seiner Werke herzustellen.

2 Pädagogisch-psychologische Anmerkungen

Die Klasse 10 b am X-Gymnasium ist eine außergewöhnliche zehnte Klasse: Die Schüler sind sehr aufmerksam während des Unterrichts und begierig zu lernen. Des Weiteren besteht eine sehr gute Kommunikation mit dem Lehrer. Die Schüler arbeiten aktiv mit. Es gibt kaum einen Schüler, der sich gar nicht am Unterrichtsgeschehen beteiligt. Jedoch muss man anmerken, dass die Disziplin und Aufmerksamkeit im Unterricht auch dadurch gewährleistet wird, dass „Störquellen“, durch eine Umstellung des Sitzplans, getrennt wurden. Der Leistungsstand und die Vielfältigkeit der Klasse ist sehr hoch. Die Schüler wissen und können sehr viel und sind für neue didaktische Methoden offen.

3 Didaktische und methodische Überlegungen

3.1 Lehrplananalyse

In der zehnten Jahrgangsstufe setzen sich die Schüler mit Literatur und Sachtexten auseinander. In diesem Komplex sollen sich die Schüler mit der Literatur aus Sturm und Drang bzw. der Aufklärung beschäftigen.[1] Von der literaturgeschichtlichen Epoche Sturm und Drang sollen dabei Epochenmerkmale und einige ausgewählte Werke Unterrichtsgegenstand sein. „Die Beschäftigung mit Werken des Sturm und Drang oder der Aufklärung sowie der Gegenwart, auch im thematischen Vergleich, führt zur Auseinandersetzung mit den dargestellten Lebensentwürfen und Weltbildern.“[2] Somit entwickeln die Schüler ein vertieftes und differenziertes Verständnis für Themen und Probleme auch dadurch, dass sie die Werke in ihren literaturgeschichtlichen Zusammenhängen sehen und unter ästhetischen Gesichtspunkten bewerten lernen. In der Folge werden Interpretationsansätze zunehmend selbständiger. Des Weiteren sollen die Schüler biographische Hintergründe kennen lernen und in ihre Interpretation mit einbeziehen können. Dieser Aspekt betrifft besonders die Erlebnislyrik des Sturm und Drang.

Darüber hinaus sollen die Schüler der Jahrgangsstufe zehn selbst gestalterisch tätig werden.[3] Indem sie sich in die Epochenmerkmale nochmals vertiefen und die Grundstimmung des Gedichtes aufgreifen, soll ein Gedicht fortgesetzt werden. In dieser kreativen Arbeit wird Interpretation, theoretisches Wissen und der Umgang mit Sprache miteinander verknüpft.

3.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtssequenz

In der vorangegangenen Stunde wurden die Epochenmerkmale des Sturm und Drang und der Aufklärung, mithilfe eines Arbeitsblattes, erarbeitet und gegenübergestellt. Der Lehrer hat sich entschlossen beide Epochen zu behandeln, aber beginnt zunächst den Sturm und Drang zu vertiefen. In der vorliegenden Stunde lernen die Schüler ein Gedicht des Sturm und Drang kennen: Willkommen und Abschied von Goethe in seiner ersten Fassung. In der Folgestunde wird der Lehrer die zweite Fassung dieses Gedichts von Goethe ausgeben, welches auch in der Zeit des Sturm und Drang entstand, und wird diese beiden Fassungen vergleichen.

3.3 Sachanalyse

3.3.1 Die Epoche des Sturm und Drang

Der Sturm und Drang ist eine Komplementärbewegung zur Aufklärung, die zeitlich etwa 1770-1780 einzuordnen ist. Diese literaturgeschichtliche Epoche beschreibt nicht nur die Schreibhaltung eines Menschen, sondern auch die Lebenshaltung.

Das Wort Sturm in dem Zusammenhang Sturm und Drang kann sowohl auf das Innere, als auch auf die äußeren Umstände eines Menschen zielen. Drang kann äußeres und auch inneres Drängen bedeuten.[4].

Der Sturm und Drang ist eine Bewegung, die für sich beansprucht anders zu sein und sich von der Literatur der Aufklärung abheben will. Die Epoche zeichnet sich folgendermaßen:

1. „Sturm und Drang ist Literatur, die politisch sensibilisiert neue Themen sucht [...] oder alte Themen zur Anschauung bringt [...].“[5] Das, was die Autoren in der Gegenwart vermissen, finden sie in der Geschichte.
2. Die Epoche ist philosophisch, theologisch und ästhetisch im Geist der Aufklärung geprägt und wendet sich kritisch gegen die Gegenwart.[6]
3. Eine besondere literarische Gattung dieser literaturgeschichtlichen Bewegung ist die Erlebnislyrik.
4. Des Weiteren ist für den Sturm und Drang bezeichnend, dass die Autoren sich nicht arrangieren, sondern sich kritisch äußern wollen.
5. Die Bewegung des Sturm und Drang „entsteht in einer Zeit großer sozialer und kultureller Umbrüche.“[7] “Ein Anzeichen des tiefgreifenden Wandels, der sich zu vollziehen begann, ist die Veränderung zahlreicher Begriffe des öffentlichen Lebens wie z.B. Bürger, Freiheit, Republik oder Revolution, [...].“[8]
6. Die Autoren setzen sich über Regeln hinweg und arbeiten mit neuen Techniken. Markant für die Literatur ist auch, dass die Gattungsgrenzen ignoriert werden.
7. „Das Wort Genie tritt in die Ästhetik ein, zugleich mit Vorbildern, die dem Begriff Leben verleihen: Homer und Shakespeare.
8. Des Weiteren spricht man in der Ästhetik des Sturm und Drang von der Natur und der Leidenschaft. Das Motiv der Natur und Leidenschaft in der Literatur des Sturm und Drang spiegelt sich unter anderem bei Goethes Sesenheimer Liedern wieder.

3.3.2 Goethes Beziehung zu Friederike Brion

Goethe lernte durch seinen Freund Weyland Mitte Oktober 1770 die Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Zu diesem Zeitpunkt ist Friederike ein 18- jähriges Mädchen. Sie wird als selbstständig, tüchtig, humorvoll und mit beiden Beinen im Leben stehend beschrieben.[9]

Nach der Begegnung mit Friederike schrieb Goethe einen Brief an sie, in dem er die Hoffnung auf ein Wiedersehen formulierte, zu welchem es im November und Dezember kam.[10] Die Zeit vom 18. Mai bis zum 23. Juni 1771 verbracht Goethe im Pfarrhaus in Sesenheim.[11] In dieser Zeit fertigte er Architekturskizzen des Pfarrhauses an.

„Als Goethe in der Arbeit für seine Doktorarbeit steckt, verringern sich die Besuche in Sesenheim, [...].[12] Jedoch findet ein regelmäßiger Briefkontakt zwischen Goethe und Friederike statt. „Es ist anzunehmen, daß Goethe Sesenheim zum letztenmal im August 1771 besuchte [...].“[13] Allerdings war die Beziehung schon vorher problematisch geworden. Friederikes und Goethes Liebe war so offensichtlich geworden, „dass, auch wenn solche Erwartungen niemals ausgesprochen worden sind, im Sesenheimer Kosmos das Ganze nur auf eine Verlobung, zuletzt auf eine Heirat hinauslaufen konnte, eine für den Vater Goethes gewiss gänzlich unstandesgemäße Verbindung.“[14] Somit verlies Goethe Friederike Brion. Nach der Trennung lebt Friederike bis zu dem Tod ihres Vaters in Sesenheim. 1785 zieht sie zu ihrem Bruder, welcher ebenfalls Pfarrer war und starb im Alter von 61 Jahren.[15] Von ihrem späteren Leben hat Goethe nichts gewusst.

Goethe schreibt in seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit über seine Zeit in Sesenheim und seine Beziehung zu Friederike. Jedoch sind Goethes Aussagen sehr umstritten. Er schreibt Folgendes über die Beziehung:

Als Weyland und Goethe am Pfarrhaus in Sesenheim ankamen, fanden sie nur den Vater der Familie vor. Dort erfuhren sie, dass die Mutter und die Kinder bei der Feldarbeit wären. Goethe beschreibt das Auftreten Friederikes bei ihrer ersten Begegnung wie folgt:

Schlank und leicht, [...], schritt sie, und beinahe schien für die gewaltigen blonden Zöpfe des niedlichen Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das artige Stumpfnäschen forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorgen geben könnte; der Strohhut hing ihr am Arm, und so hatte ich das Vergnügen, sie beim ersten Blick auf einmal in ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit zu sehn und zu erkennen.[16]

„Friederikes Gestalt, der wir in „Dichtung und Wahrheit“ begegnen, ist nicht, [...], von der Natur abgeschrieben, sondern Goethe hat ein Wesen, welches in Erinnerung an Friederike in seiner Phantasie aufstieg, so weit wieder mit allerlei kleinen Zügen seiner Freundin ausgestattet, bis es ihr täuschend ähnlich sah.“[17] Die Zeit, die Goethe mit Friederike Brion verbrachte und deren Trennung wird im elften Buch seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit beschrieben.

So stark ich auch ritt, überfiel mich doch die Nacht. Der Weg war nicht zu verfehlen und der Mond beleuchtete mein leidenschaftliches Unternehmen. Die Nacht war windig und schauerlich, ich sprengte zu, um nicht bis morgen früh auf ihren Anblick warten zu müssen.[18]

An dieser Passage wird besonders die Leidenschaft Goethes deutlich, die er für die Pfarrerstochter empfand.

Goethe schreibt in seiner Autobiographie häufig, wie glücklich die Zeit mit Friederike war. Dennoch wollte er Abstand von ihr bis er sich schließlich von Friederike Brion trennte.

[...]


[1] http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26211, Datum: 15.11.2008.

[2] Ebd.

[3] Vgl.: Ebd.

[4] Vgl.: Luserke, Matthias: Sturm und Drang. Autoren- Texte- Themen. Stuttgart: Reclam 1997, S.25.

[5] Ebd., S.10.

[6] Vgl.: Ebd., S.10

[7] Ebd., S.14.

[8] Karthaus, Ulrich: Sturm und Drang. Epoche- Werke- Wirkung. München: Beck 2000, S.26.

[9] Boyle, Nicholas: Goethe. Der Dichter in seiner Zeit. Band I 1749-1790. München: Beck 1995, S.126.

[10] Ebd., S.126.

[11] Ebd., 126

[12] www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/goe/goe_1_3_3.htm. Stand vom: 01.08.2006

[13] Boyle, Nicholas: Goethe. Der Dichter in seiner Zeit. Band I 1749-1790. München: Beck 1995, S.128.

[14] www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/goe/goe_1_3_3.htm. Stand vom: 01.08.2006

[15] www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/goe/goe_1_3_3.htm. Stand vom: 01.08.2006

[16] Goethe, Johann Wolfgang: Dichtung und Wahrheit. Eine Auswahl. Schafarschik, Walter (Hrsg.). Stuttgart: Reclam 1993, S. 124.

[17] Grimm, Herman: Das Leben Goethes. Neu bearbeitet und eingeleitet von Buchwald, Reinhart. Stuttgart: Kröner 1959, S. 56f..

[18] Goethe, Johann Wolfgang: Dichtung und Wahrheit. Eine Auswahl. Schafarschik, Walter (Hrsg.). Stuttgart: Reclam 1993, S.130.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Unterrichtskonzeption "Willkommen und Abschied"
Untertitel
Eine didaktische Arbeit
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (I. f. deutsche Philologie)
Veranstaltung
Kompaktseminar an Gymnasien
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V124065
ISBN (eBook)
9783640296514
ISBN (Buch)
9783640325641
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fiedericke Brion, Goethe, Willkommen und Abschied, Dichtung und Wahrheit, Sesenheimer Zeit
Arbeit zitieren
Marjana Schäftlein (Autor), 2008, Unterrichtskonzeption "Willkommen und Abschied", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124065

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