Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Seele und Zeit nach Aristoteles zusammenhängen und welche Rolle dabei die Veränderung spielt. Es wird untersucht, ob es Zeit geben könne, ohne, dass es intellektuelle Seelen gibt.
Im Fokus der Diskussion stehen die Rekonstruktion des Aristotelischen Arguments von Mario Mignucci und Ursula Coopes Werk Aristotle on Time und dessen Kapitel Time and Soul. Dabei werden die dargelegten Interpretationen und Argumentationen wiedergeben, analysiert und kritisch hinterfragt. Weitere Kommentatoren werden am Rande erwähnt.
Aristoteles‘ Definition der Zeit ist grundlegend für moderne Theorien der Zeit. Doch auch in der heutigen Zeit gibt es keine Einigkeit bezüglich der Deutung seiner Theorien. Bis heute beschäftigen sich zahlreiche Kommentatoren mit den Kapiteln 10 - 14 des vierten Buchs der Physik. Besonders umstritten ist dabei das Kapitel 14 und der dort beschriebene Zusammenhang zwischen Zeit und Seele.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Seele bei Aristoteles
3. Veränderung und Zeit
4. Zeit als eine Zahl
5. Diskussion – der Zusammenhang zwischen Zeit und Seele
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das aristotelische Verständnis des Zusammenhangs zwischen Zeit und Seele, insbesondere basierend auf Kapitel 10-14 des vierten Buches der Physik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Zeit ohne intellektuelle Seelen existieren kann und welche Rolle die Veränderung in diesem Gefüge spielt.
- Analyse der Begriffsdefinitionen von Zeit, Seele und Veränderung bei Aristoteles.
- Rekonstruktion der Argumentationen von Kommentatoren wie Mario Mignucci und Ursula Coope.
- Untersuchung der wechselseitigen Abhängigkeit von Zeit und Seele.
- Kritische Auseinandersetzung mit der These, dass Zeit eine universelle Ordnung darstellt, die zahlbare Aspekte erfordert.
- Diskussion der Notwendigkeit intellektueller Seelen für die Existenz und Zählbarkeit der Zeit.
Auszug aus dem Buch
3. Veränderung und Zeit
In diesem Kapitel geht es um topos. Dieser Begriff wird von einigen Kommentatoren und Übersetzern als Bewegung oder Prozess, von anderen als Veränderung übersetzt. In dieser Arbeit wird er nur als Veränderung erwähnt.
Für Aristoteles ist die Klarstellung, dass Zeit nicht einfach eine Art Veränderung sei, von großer Bedeutung (Vgl. Phys. IV 10, 218 b). Dabei unterstützt er seine These mithilfe von zwei weiteren Behauptungen.
Als erstes stellt er fest, dass eine Bewegung oder Veränderung nur im sich verändernden Ding sei, während die Zeit überall und in Allem gleich ist (Vgl. Coope, 2006, S. 34; Vgl. Phys. IV 10, 218 b). Aus der ersten Aussage kann man einige definitionsgebende Kriterien erkennen. Veränderung ist immer orts- und dinggebunden, wodurch sie ausschließlich an einem bestimmten Ort in der sich ändernden Sache sein kann (Vgl. Phys. IV 10, 218 b). Des Weiteren kommt man zum Schluss, dass dadurch, dass die Zeit überall und in Allem ist, während die Veränderung nur an einem Ort und nur in einem bestimmten sich veränderndem Ding sein kann, es nur eine Zeit geben, wobei die Anzahl der Veränderungen nicht beschränkt sei. Zeit sei universell – es gibt nur eine Zeit für viele Veränderungen und nicht für jede einzelne Veränderung eine Zeit (Vgl. Coope, 2006, S. 35f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die aristotelische Zeit- und Seelenproblematik sowie Erläuterung der Zielsetzung und methodischen Vorgehensweise unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur.
2. Seele bei Aristoteles: Definition der Seele als erste Wirklichkeit eines organischen Körpers und Erläuterung der Bedeutung der intellektuellen Seele (nous).
3. Veränderung und Zeit: Abgrenzung der Zeit von der Veränderung durch Kriterien wie Universalität gegenüber Ortsgebundenheit und die Unabhängigkeit von Geschwindigkeit.
4. Zeit als eine Zahl: Erörterung der aristotelischen Bestimmung von Zeit als Zahl der Veränderung im Hinblick auf das Davor und Danach sowie die Rolle des Jetzt-Punktes.
5. Diskussion – der Zusammenhang zwischen Zeit und Seele: Kritische Untersuchung der These, ob Zeit ohne (intellektuelle) Seelen existieren könnte, inklusive Gegenpositionen verschiedener Kommentatoren.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Argumentationen von Mignucci und Coope sowie Einordnung der Komplexität des aristotelischen Zeit-Seele-Zusammenhangs.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Zeit, Seele, Veränderung, Physik, Intellekt, Nous, Zahl, Zählbarkeit, Metaphysik, Ursula Coope, Mario Mignucci, Bewegung, Jetzt-Punkt, Universalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem aristotelischen Verständnis der Zeit und deren Verbindung zur menschlichen Seele, aufbauend auf den physikalischen Schriften des Philosophen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Begriffe Zeit, Veränderung, Bewegung sowie die Funktion der Seele als zählendes Prinzip.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob Zeit bei Aristoteles als unabhängig von beeseelten Wesen existieren kann oder ob eine zählende Instanz (die Seele) zwingend notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Rekonstruktion und kritische Analyse, bei der vorliegende Interpretationen aus der Forschungsliteratur, insbesondere von Mignucci und Coope, verglichen und gewürdigt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Abgrenzung von Zeit und Veränderung, die Definition der Zeit als Zahl sowie die strittige Frage der ontologischen Priorität der Seele gegenüber der Zeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentral sind Aristoteles, Zeit, Seele, Veränderung, Nous, Zahl, Zählbarkeit und die Interpretation von Coope und Mignucci.
Wie unterscheidet Aristoteles Zeit und Veränderung laut der Arbeit?
Zeit ist bei Aristoteles universell und gleichförmig, während Veränderung stets an spezifische Orte und veränderliche Dinge gebunden ist.
Welche Rolle spielt der "Jetzt-Punkt" bei der Definition der Zeit?
Der Jetzt-Punkt dient als Grenze zwischen Davor und Danach und ermöglicht die Kontinuität sowie die Zählbarkeit innerhalb des Zeitflusses.
Warum kritisieren manche Kommentatoren die Interpretation von Mignucci?
Mignucci wird vorgeworfen, seine Analyse zu isoliert zu betrachten und das Argument des 14. Kapitels der Physik nicht hinreichend in Aristoteles' gesamtes metaphysisches Weltbild einzubetten.
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- Nama Menge (Author), 2021, Der Zusammenhang zwischen Zeit und Seele bei Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243303