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Fabeln in "Die Bescheidenheit" von Freidank

Title: Fabeln in "Die Bescheidenheit" von Freidank

Term Paper , 2022 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Pascal Heberlein (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Wenn nun Sprüche und Sprichwörter das ausdrücken, was sowieso bekannt ist, dann stellt sich die Frage, ob auch in Sprüche verpackte Fabeln etwas sind, was allgemein verstanden werden kann. Dieser Frage möchte die Arbeit nachgehen: Konnten die Hörerinnen und Hörer bzw. die Leserinnen und Leser, die die diversen Fabelhintergründe nicht kannten, Freidanks Sprüche verstehen, die sich genau auf jene Fabeln beziehen?

Um diese Frage zu beantworten, sollen zunächst der Autor – Freidank – und sein Werk „Die Bescheidenheit“ vorgestellt werden und das Typische des Inhalts und der Form beschrieben werden. Im Folgenden sollen dann explizit die Fabel-Sentenzen betrachtet werden und jede einzelne auf ihre Verständlichkeit hin analysiert werden.

Sprichwörter und Sprüche entstammen der Erfahrung, sie drücken das aus, was die Menschen, in deren Zeit und Kultur sie gesprochen sind, bereits kennen. Bei wohl kaum einem anderen Autor des deutschsprachigen Mittelalters entspricht dieser Allgemeinplatz der Wahrheit wie bei Freidank. Seine „Bescheidenheit“ ist eine Sammlung solcher dem Leben entspringenden Sprüche, die im Grunde Allbekanntes erzählen. Doch Freidank ist dabei nicht ausschließlich ein Betrachter des Lebens, der seine Beobachtungen in Sprüche fasst, nein, er bezieht sich immer wieder auch auf andere literarische Quellen, deren Inhalt er in seine typische Form verpackt. Zu diesen Quellen gehören auch unterschiedliche Fabeln, die in verschiedenen Überlieferungen das Mittelalter erreichten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Werk

2.1 Der Autor

2.2 Zur Verbreitung

2.3 Über den Inhalt

2.4. Die Form

3 Fabeln in der Bescheidenheit

3.1 Tierische Sentenzen

3.2 Fabel-Sentenzen

3.3 Analyse der Fabel-Verständlichkeit

4 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die in Freidanks Bescheidenheit enthaltenen Fabel-Sentenzen für ein mittelalterliches Publikum auch ohne detaillierte Kenntnis ihres spezifischen Fabelhintergrundes verständlich waren. Dabei wird analysiert, inwieweit das in den Sentenzen vorausgesetzte Alltagswissen ausreichte, um die beabsichtigte moralische Botschaft zu entschlüsseln.

  • Biografie und Wirken des Autors Freidank
  • Struktur und Form der mittelalterlichen Gnomik
  • Rolle von Tierfiguren und Fabeln in den Sentenzen
  • Analyse der didaktischen Funktion und Verständlichkeit
  • Vergleich zwischen Fabeltradition und freidankscher Adaption

Auszug aus dem Buch

3.3 Analyse der Fabel-Verständlichkeit

Mit diesen Voraussetzungen kommen Dicke und Grubmüller auf insgesamt 29 Sentenzen in der Bescheidenheit, die sie in ihrem Fabelkatalog auflisten. Diese sollen im Folgenden dahingehend untersucht werden, ob ihre vermeintliche Botschaft auch mit fehlender Kenntnis über ihren Fabelhintergrund verstanden werden konnten.

In der Tat gibt es einige Fabel-Sentenzen, die so verfasst sind, dass sich der Sinn unmittelbar allen Hörenden oder Lesenden erschlossen haben dürfte. Dabei ist der Fabelhintergrund dergestalt adaptiert, dass Allerweltwissen ausreicht, um die offensichtliche Botschaft zu verstehen. Dies trifft auf folgende Sentenz besonders deutlich zu:

Bî rede erkenne ich tôren,

den esel bî den ôren. (82, 10f.)

Diese Anspielung auf den äsopischen Fabelstoff, bei dem sich der Esel eine Löwenhaut überstülpt und trotzdem schnell als Esel erkannt wird, muss man nicht kennen, sofern man weiß, wie Eselsohren aussehen – was als Alltagswissen vorausgesetzt werden kann. Auch die folgende Sentenz geht auf eine Fabel der Äsop-Tradition zurück. In dieser preist eine Äffin vor Jupiter (bzw. vor dem Löwen) die Schönheit ihrer Kinder an.

Ez wænet dicke ein effîn,

si sî schœner denn diu künegîn. (126, 25f.)

Der Sinn der Sentenz dürfte gewiss auch ohne die Kenntnis des Fabelhintergrunds erschlossen werden können, schlichtweg, da eine Äffin nicht schöner als eine Königin ist und diese Behauptung Majestätsbeleidigung wäre.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Fragestellung, ob die moralischen Fabel-Sentenzen Freidanks für sein Publikum auch ohne spezifisches Vorwissen der zugrunde liegenden Fabeltradition zugänglich waren.

2 Zum Werk: Dieses Kapitel stellt Leben und Wirken Freidanks vor, beleuchtet die historische Verbreitung der Bescheidenheit und analysiert die typische Form der knappen, lehrhaften Kurzgnomik.

3 Fabeln in der Bescheidenheit: Hier werden die tierischen Motive und Fabel-Sentenzen untersucht, wobei geklärt wird, wie Freidank Fabelstoff adaptierte und inwieweit das Alltagswissen der Hörer zur Interpretation beitrug.

4 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Freidank verständliche Sentenzen schuf, die kaum auf exklusives Fabel-Hintergrundwissen angewiesen waren, da er die Botschaften meist allgemeingültig formulierte.

Schlüsselwörter

Freidank, Bescheidenheit, Mittelalter, Fabeln, Sentenzen, Kurzgnomik, Äsop, Didaktik, Literaturanalyse, Tierdichtung, Alltagswissen, Moraldichtung, Rezeptionsgeschichte, Mittelhochdeutsch, Textverständnis.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Rezeption und Verständlichkeit der Fabel-Sentenzen in Freidanks Werk Bescheidenheit im 13. Jahrhundert.

Welche Literaturepoche wird hier behandelt?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die deutsche Literatur des Mittelalters, insbesondere auf die Gattung der Spruchdichtung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszufinden, ob die moralischen Appelle der Fabeln auch von Hörern verstanden wurden, die den komplexen äsopischen Traditionshintergrund nicht kannten.

Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?

Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Sentenzen durch und gleicht diese mit existierenden Fabelkatalogen ab.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Autors und seines Werkes sowie eine detaillierte Analyse der Interaktion zwischen Fabelvorlagen und Freidanks adaptierten Texten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Freidank, Bescheidenheit, Fabel, Sentenz, Didaktik und Rezeptionsästhetik.

Warum spielt der Wolf in den untersuchten Sentenzen eine so große Rolle?

Der Wolf dient bei Freidank häufig als zentrales negatives Exempel, dessen moralische Bösartigkeit sowohl aus der Fabeltradition als auch aus biblischen Bezügen für das Publikum leicht erkennbar war.

Welches ist laut Arbeit die am schwersten zu entschlüsselnde Sentenz?

Die Sentenz über den "Hovewart" und den "wint" wird als besonders schwierig bewertet, da der Sinn laut Autor ohne Kenntnis der zugrundeliegenden Fabel kaum erschließbar ist.

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Details

Title
Fabeln in "Die Bescheidenheit" von Freidank
College
University of Hamburg  (Institut für Germanistik)
Course
Fabeln im Mittelalter
Grade
1,0
Author
Pascal Heberlein (Author)
Publication Year
2022
Pages
19
Catalog Number
V1245752
ISBN (PDF)
9783346679857
ISBN (Book)
9783346679864
Language
German
Tags
Fabeln Mediavistik Freidank Bescheidenheit Renner Tristan Grubmüller Sentenz Kurzgnomik ÄdL Ältere deutsche Literatur Literatur Mittelalter Minne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Pascal Heberlein (Author), 2022, Fabeln in "Die Bescheidenheit" von Freidank, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245752
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