Diese vorliegende Hausarbeit widmet sich den gegenseitigen Beziehungen zwischen Journalisten und Politikern und geht dabei insbesondere auf die Bundespolitik und die viel beschworene "Hauptstadtberichterstattung" in Berlin als Untersuchungsarena ein. Dazu wird in den ersten Kapiteln das Selbstbild von Journalisten und Politikern in der politischen Kommunikation untersucht und in die Diskussionen um die so genannte "Amerikanisierungs-These" eingeführt. Dabei werden die die Aufgaben von Journalisten in der klassischen Rollenteilung der Demokratie beleuchten, die Diskussionen um "Journalisten als vierte Macht im Staate" dargestellt und in die Selbstregulierungsinstrumente von Journalisten eingeführt. Auf der anderen Seite wird die Rolle der Politiker in der modernen Parteiendemokratie untersucht und beschrieben, wie sie diese Rolle ausfüllen – gerade vor dem Hintergrund der immer wieder beschriebenen "Medieninszenierungen" und den Beschleunigung des Medienbetriebes.
Anschließend möchte ich diese theoretischen Überlegungen mit aktuellen Beispielen aus der Bundespolitik füllen und versuchen zu untersuchen, ob die so genannten "Alpha-Journalisten" aus dem Hauptstadtjournalismus wirklich selbstständig Macht in der
„Mediendemokratie“ ausüben oder Opfer von „Medieninszenierungen“ sind. Auf der anderen Seite möchte ich mit weiteren Praxisbeispielen die Rollen von Bundespolitikern untersuchen – zwischen "Agenda-Settern" in der Bundespolitik und Getriebenen des Hauptstadtjournalismus. In der abschließenden Diskussion der Untersuchungen möchte ich die Frage diskutieren, ob wir tatsächlich in einer "Mediokratie" leben, die von Journalisten dominiert wird und Politiker somit zur Staffage geworden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltliche Einleitung / Relevanz des gewählten Themas
1.1 Inhaltliche Einleitung und Gliederung der Hausarbeit
1.2 Aktuelle Debatte um Parteien- und Mediendemokratie sowie Mediokratie
2. Selbstverständnis von Journalisten und Politikern
2.1 Journalismus als unabhängige Gewalt und Kontrollinstanz
2.2 Politik als gestaltende Macht und Agenda-Setter
2.3 Die Amerikanisierungsthese und ihre Realität in Deutschland
3. Darstellung der Zusammenarbeit in der Bundespolitik
3.1 Alpha-Journalisten als Agenda-Setter und Opfer von Fehlinformationen
3.2 Bundespolitiker als Selbstinszenierte und Getriebene der Medien
4. Diskussion der beidseitigen Beziehungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Journalisten und Bundespolitikern im Berliner Politikbetrieb, um zu analysieren, ob sich das Machtgefüge in einer sogenannten „Mediokratie“ zugunsten einer Seite verschoben hat.
- Analyse des journalistischen Selbstverständnisses und der Rolle der „Alpha-Journalisten“.
- Untersuchung der Politikerrolle zwischen „Agenda-Setting“ und Selbstinszenierung.
- Diskussion der „Amerikanisierungs-These“ im Kontext der deutschen politischen Kommunikation.
- Reflexion über Vertrauensverlust und notwendige Professionalisierung in der Medien-Politik-Symbiose.
- Bedeutung der aktiven Bürgerbeteiligung in der modernen Mediendemokratie.
Auszug aus dem Buch
3.2 Bundespolitiker als Selbstinszenierte und Getriebene der Medien
Auch Politiker sehen sich in der politischen Kommunikation aber auch im politischen Alltag in ihrem Wahlkreis einer veränderten Realität gegenüber, gerade vor dem Hintergrund des Vertrauensverlustes der Politik und ihrer Repräsentanten, der in den letzten Jahren rapide eingesetzt hat. Weßels fand dazu in seinen Umfragen erschreckende Zahlen heraus, die den Bundespolitikern durchaus bewusst sind: „Infratest dimap ermittelte mit lediglich 17 Prozent Bürgern, die den Abgeordneten noch vertrauen, einen Vertrauenstiefpunkt. Vertreter aller Parteien mahnen größere Transparenz und Kontrolle an, um verspieltes Vertrauen wieder zurück zu gewinnen. Dabei ist den Abgeordneten des Deutschen Bundestags bewusst, dass Vertrauen schnell zu verlieren ist, es aber vieler Faktoren bedarf, um wieder gewonnen zu werden, wie eine Befragung unter ihnen zeigt.“
Diese Verdrossenheit kommt zum einen durch das politische System und seine Skandale aus den letzten Jahren zustande, zum anderen auch durch eine ungenügende Kommunikation zum Bürger. Diesem Misstand wird nunmehr versucht durch politische Inszenierung der TV-Duelle, öffentlichkeitswirksamer Kampagnen wie der „Roten-Socke Kampagnen“ oder Inszenierungen von Spitzenkandidaten zu begegnen: „Auch wenn es politische Inszenierungen seit jeher gegeben hat, wird Politikvermittlung immer mehr von Formen bestimmt, die einer sachlichen Beschäftigung mit dem Allgemeinwohl nicht mehr gerecht werden. Politiker versuchen mit Auftritten und Talkshows und Boulevardmagazinen ihre zunehmend politikverdrossenen Bürger zu erreichen. Politische Informationen und Entertainment vermischen sich.“ Die Politiker wissen dabei, dass sie mit den aktuellen Nachrichten aus Gesellschaft, Sport oder Pop mithalten müssen und konkurrieren um die öffentliche Aufmerksamkeit der Bürger, was gerade bei den beiden TV-Duellen im Jahre 2002 mit jeweils 15 Millionen Zuschauern sowohl für die Politiker als auch für die Medien eine absolute Win-Win-Situation ergab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Inhaltliche Einleitung / Relevanz des gewählten Themas: Das Kapitel führt in die Fragestellung der wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Medien und Politik ein und skizziert die methodische Vorgehensweise.
2. Selbstverständnis von Journalisten und Politikern: Hier werden die theoretischen Rollenbilder beider Akteure beleuchtet, inklusive der Amerikanisierungsthese und ethischer Standards.
3. Darstellung der Zusammenarbeit in der Bundespolitik: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand von Praxisbeispielen, wie Journalisten als Agenda-Setter agieren und Politiker zunehmend auf Inszenierung setzen.
4. Diskussion der beidseitigen Beziehungen: Im Fazit wird die Ausgangsthese kritisch bewertet und eine verstärkte medienethische Verantwortung sowie Bürgerbeteiligung gefordert.
Schlüsselwörter
Mediokratie, Parteiendemokratie, Journalismus, Bundespolitik, Agenda-Setting, Amerikanisierungsthese, Politikvermittlung, Vertrauensverlust, Alpha-Journalisten, Medieninszenierung, politische Kommunikation, Berliner Republik, Massenmedien, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, bürgerliches Engagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die komplexen, symbiotischen Beziehungen zwischen Medienvertretern und politischen Akteuren im Berliner Politikbetrieb.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Rollenbilder von Journalisten und Politikern, der Einfluss der Amerikanisierung auf Wahlkämpfe und die mediale Inszenierung von Politik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wer in der neuen Mediokratie von wem stärker abhängig ist und ob Journalisten zu den dominierenden Akteuren geworden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (wie das Modell der Mediokratie) mit aktuellen Praxisbeispielen aus der Bundespolitik verknüpft.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert, wie Alpha-Journalisten die Agenda setzen und wie Politiker versuchen, durch zunehmende Medieninszenierung und PR-Strategien auf den Vertrauensverlust in der Bevölkerung zu reagieren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Mediokratie, politische Kommunikation, Agenda-Setting, Medieninszenierung und Vertrauensverlust.
Warum ist das Vertrauen der Bürger in die Politik so stark gesunken?
Der Autor führt dies auf Skandale innerhalb des politischen Systems sowie auf eine unzureichende Kommunikation zurück, die zunehmend durch Entertainment und leere Inszenierungen geprägt ist.
Welche Rolle spielen „Alpha-Journalisten“ in Berlin?
Diese kleine Gruppe einflussreicher Meinungsmacher prägt durch ihre Berichterstattung maßgeblich die politische Agenda und übt damit erheblichen Einfluss auf die politische Landschaft aus.
Wie reagieren Politiker auf den veränderten Medienbetrieb?
Sie setzen verstärkt auf eigene Web-Formate, Podcasts und gezielte PR-Kampagnen, um die mediale Vermittlung zu steuern und ihre Wähler direkt anzusprechen.
- Quote paper
- Dipl.-Pol. Björn Richter (Author), 2008, Journalisten und Politiker in der neuen Mediokratie: Wer ist vom wem abhängig?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124944