Spätestens seit den Ausgrabungen unter der Basilika St. Peter Mitte des letzten Jahrhunderts ist die Frage nach dem Aufenthalt und Martyrium Petri in Rom wieder aufgetaucht. Diese Frage ist auch untrennbar mit der Frage des römischen Primates verbunden. Wenn der Träger der Verheißung Jesu nie in Rom war und auch nicht durch seine Nachfolge Christi das Martyrium erlitten hat, wenn St. Peter gar nicht auf dem Petrusgrab erbaut wurde, stellt sich die Frage nach dem Primat des Papstes ganz neu.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit einigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Martyrium und zur Grablege des Apostelfürsten.
Inhaltsverzeichnis
0 EINLEITUNG
1 WAR PETRUS JE IN ROM? HAT ER DORT DAS MARTYRIUM ERLITTEN?
1.1 DIE "QUO VADIS?"-LEGENDE
1.2 DER URSPRUNG DER RÖMISCHEN CHRISTENGEMEINDE
1.3 LITERARISCHE ZEUGNISSE DES FRÜHEN CHRISTENTUMS
1.3.1 Das Neue Testament
1.3.2 Nicht-kanonische Schriften
1.3.3 Schriften des Zweiten Jahrhunderts
2 IST ER DORT AUCH BEGRABEN WORDEN?
2.1 LITERARISCHE ZEUGNISSE
2.1.1 Der Gaius-Brief
2.1.2 Depositio Martyrum
2.1.3 Die Damasus-Inschrift (-> andere Variante?)
2.2 ARCHÄOLOGISCHE ZEUGNISSE
2.2.1 Ausgrabungen unter St. Peter in Rom
2.2.2 Verschiedene Meinungen in der Forschung
3 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historisch und archäologisch umstrittene Frage, ob der Apostel Petrus tatsächlich in Rom gelebt hat, dort als Märtyrer starb und ob seine sterblichen Überreste unter der Basilika St. Peter lokalisiert werden können.
- Historische Analyse des petrinischen Aufenthalts in Rom
- Untersuchung literarischer Quellen von der Antike bis zum 3. Jahrhundert
- Kritische Auswertung archäologischer Ausgrabungsberichte unter St. Peter
- Diskussion der Konzepte von Martyrium und frühchristlicher Grablege
- Gegenüberstellung divergierender Forschungspositionen
Auszug aus dem Buch
1.1 Die "Quo vadis?"-Legende
Die wohl bekannteste Überlieferung des petrinischen Martyriums in Rom ist die „Quo vadis?“-Legende. Die auf das 2. nachchristliche Jahrhundert datierbare Tradition, die man später in dem Papst Linus zugeschriebenen Martyrium beati Petri apostoli am vollständigsten wiederfindet, beschreibt dass Petrus betrübt aus Rom fliehen möchte und ihm währenddessen in der Stadtpforte Christus erscheint. Nachdem Petrus ihm seine Ehrfurcht bezeugt hat, fragt er ihn: „Quo vadis, Domine?“. Christus entgegnet ihm, er komme nach Rom, um sich abermals kreuzigen zu lassen. Als Petrus erfährt, dass der Herr wieder gekreuzigt werden solle, entscheidet er sich, umzukehren und ihm zu folgen. Nachdem der Herr verschwunden war, verstand Petrus, dass Christus in ihm gekreuzigt und leiden werde. Wie die Überlieferung berichtet, kehrte Petrus daraufhin Gott lobend nach Rom zurück.
Die seltsamerweise sehr geringe Rezeption fasst FASOLA so zusammen: „Von dieser Episode bleibt seltsamerweise nur eine spätere archäologische Dokumentation übrig. Doch musste sie, mehr als die anderen der Gefangenschaft Petri, die altchristlichen Gläubigen erschüttert haben.“ Als einzige Reminiszenz an diese Tradition steht bis heute die „Quo vadis?“-Kirche, die ein Abbild der Fussabdrücke Christi sein eigen nennt. Laut FASOLA darf man „diesem archäologischen Stück ... offenbar gar keinen historischen Wert beilegen.“ Auch wenn interessanterweise die Ausmaße der Fußabdrücke mit denen auf dem Turiner Grabtuch fast genau übereinstimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
0 EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die wissenschaftliche Relevanz der Petrusfrage im Kontext des römischen Primats und stellt die methodische Vorgehensweise anhand literarischer und archäologischer Quellen vor.
1 WAR PETRUS JE IN ROM? HAT ER DORT DAS MARTYRIUM ERLITTEN?: Dieses Kapitel analysiert legendarische Traditionen, neutestamentarische Hinweise und frühchristliche Schriften, um die Plausibilität eines römischen Aufenthalts und Martyriums des Petrus zu prüfen.
2 IST ER DORT AUCH BEGRABEN WORDEN?: Hier werden literarische Belege wie der Gaius-Brief und archäologische Befunde der Ausgrabungen unter St. Peter auf ihre Aussagekraft bezüglich der Grablege des Apostels hin untersucht.
3 FAZIT: Das Fazit fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, der mehrheitlich von der Historizität des Aufenthaltes und Martyriums ausgeht, betont jedoch die Schwierigkeit einer eindeutigen Identifikation der Gebeine.
Schlüsselwörter
Petrus, Rom, Martyrium, Apostelgrab, Archäologie, St. Peter, Primat, Literarische Zeugnisse, Gaius-Brief, Tropaion, Frühchristentum, Ausgrabungen, Reliquien, Forschungskonsens, Vatikan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die historisch bedeutsame Frage nach dem Aufenthalt, dem Martyrium und der Grablege des Apostels Petrus in Rom.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die kritische Untersuchung literarischer Quellen des frühen Christentums sowie auf die Interpretation der archäologischen Funde unter der Vatikanischen Basilika.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein angemessenes Gesamtbild der kontroversen Fragestellungen zu zeichnen und zu prüfen, ob der Aufenthalt und die Bestattung des Petrus in Rom wissenschaftlich gesichert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Klärung verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der literarischen Überlieferung sowie eine Auswertung archäologischer Berichte und deren unterschiedlicher Interpretationen durch die Forschung vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der historischen Wahrscheinlichkeit des Aufenthalts und Martyriums sowie die Diskussion der Identifikation des Petrusgrabes anhand antiker Zeugnisse und moderner Ausgrabungen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Petrus, Rom-Aufenthalt, Martyrium, Apostelgrab, Tropaion, Ausgrabungen, frühchristliche Quellen.
Wie bewerten die untersuchten Forscher die archäologischen Ausgrabungen unter St. Peter?
Die Einschätzungen variieren stark: Während einige Forscher die freigelegte Aedicula als das historisch bezeugte Tropaion identifizieren, betonen andere die fehlende Eindeutigkeit hinsichtlich der menschlichen Überreste.
Welche Rolle spielt der sogenannte „Gaius-Brief“ für die Argumentation?
Der Gaius-Brief gilt als eines der ältesten Zeugnisse, das mit den „Siegeszeichen“ (tropaia) explizit auf die Gräber der Apostelfürsten verweist und somit eine zentrale Stütze für die Lokalisierung des Petrusgrabes auf dem Vatikan darstellt.
- Arbeit zitieren
- cand. theol. Christian Baltes (Autor:in), 2008, Petrus in Rom. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Aufenthalt, Martyrium und Grablegung Petri in Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125193