Körperpflege bei pflegebedürftigen, multimorbiden Menschen. Ein Unterrichtsentwurf (Pflegeausbildung)


Unterrichtsentwurf, 2021

27 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Analyse der Kontextbedingungen

2 Analyse des Lerngegenstandes unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten

3 Analyse des Lerngegenstandes unter didaktischen Gesichtspunkten
3.1 Exemplarische Bedeutung
3.2 Gegenwartsbedeutung
3.3 Zukunftsbedeutung
3.4 Struktur des Inhalts
3.5 Zugänglichkeit

4 Ziele der Unterrichtseinheit

5 Pädagogisch-didaktische Begründungen nach dem AVIVA-Modell

6 Unterrichtsverlaufsplanung

Literaturverzeichnis

Anhang (Skript)

Erwartungshorizont

Anmerkung der Redaktion: Große Teile des Anhangs wurden aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

Abkürzungsverzeichnis

d.h. das heißt

bzw. beziehungsweise

CE Curriculare Einheit

DQR Deutscher Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen

MfSuI und MfKJuSBW Ministerium für Soziales und Integration, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

UE Unterrichtseinheit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mindmap zum Unterrichtsentwurf

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Lernziele für die UE angelehnt am DQR – Fachkompetenz

Tabelle 2: Lernziele für die UE angelehnt am DQR - Personale Kompetenz

Tabelle 3: Unterrichtsverlaufsplanung

1 Analyse der Kontextbedingungen

Bedingungsanalyse (Vgl. Koch-Priewe, Köker, und Störtländer 2016, 115).

Pflegebedürftigkeit bedeutet den Verlust oder das Fehlen der Fähigkeit, eigene Lebensaktivitäten zu planen und zu gestalten. Damit ein Mensch in diesem Zustand leben kann, werden medizinische und pflegerische Maßnahmen notwendig, um vitale Funktionen aufrecht zu erhalten. Dazu zählen etwa die Herz-Kreislauffunktion, die Atmung und der Ernährungszustand. Die Pflege unterstützt die Durchführung notwendiger Therapien und kann darüber hinaus zusätzliche Impulse geben, um die Selbstbestimmungsfähigkeit der Pflegebedürftigen zu steigern (Buchholz und Schürenberg 2009, 26). „Pflegebedürftig im Sinne des SGB XI sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate […] bestehen“ (§ 14 Abs. 1 SGB XI).

Die Versorgung von pflegebedürftigen Patient*innen, mit multimorbiden (lateinisch: multus = viel; Morbus = Krankheit) Krankheitsbildern verlangt allen Auszubildenden in der generalistischen Pflegeausbildung gerade zu Beginn viel ab. Neben der ersten Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als angehende professionell Pflegende, findet für viele der Lernenden dazu parallel der erste Kontakt mit dem pflegerischen Handlungsfeld und der pflegerischen Berufspraxis statt. Dieser Unterrichtsentwurf richtet sich an Lernende im ersten Ausbildungsdrittel und wird daher in der Curricularen Einheit (CE) 02 des Landeslehrplans verortet: „Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung unterstützen“. Insbesondere unter dem Schwerpunkt „02 B Menschen in der Selbstversorgung unterstützen“ (MfSuI und MfKJuSBW 2020, 11). Dabei wird davon ausgegangen, dass die Lernendengruppe für verschiedene Einrichtungen und Versorgungsbereiche im Orientierungseinsatz vorbereitet wird. Die Auszubildenden müssen bereits im Orientierungsansatz pflegerische Beobachtungen treffen können und patientenorientiert Unterstützung bei der Körperpflege, dem Ankleiden und der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme durchführen.

Die hier beschriebene fiktive Lernendengruppe setzt sich aus 20 Auszubildenden zusammen, mit einer Altersverteilung von 17-47 Jahren. 13 Auszubildende haben ihren Orientierungseinsatz auf Stationen in einem Klinikum, 4 in der stationären Altenhilfe und 3 auf einer neonatologischen Station. 14 der Auszubildenden sind weiblich und sechs männlich. Das Engagement der Gruppe ist zum Beginn der Ausbildung noch hoch. Die Lernatmosphäre noch nicht ganz optimiert, da die Auszubildenden noch in der Vorstellungsphase sind und sich noch keine richtigen Gruppen gebildet haben. Sich momentan kennen zu lernen ist aktuell für die meisten wichtiger als die Lerninhalte. Drei der Auszubildenden haben bereits Praktika in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung und erweckten dadurch ihr eigenes Interesse eine pflegerische Ausbildung zu absolvieren. Abgesehen davon gibt es kein Vorwissen zu pflegerischen Tätigkeiten. 17 der Auszubildenden lernten Deutsch als Muttersprache. Drei aus der Lernendengruppe haben einen Migrationshintergrund und deswegen leichte Schwierigkeiten dem Unterricht immer zu folgen.

Ich selbst absolvierte mein Examen als Altenpflegekraft im Jahr 2019 und befinde mich aktuell im dritten Semester des Bachelorstudiengangs „Pflegepädagogik“. Neben der Ausbildungszeit habe ich ein Jahr Berufserfahrung als Vollzeitkraft einer stationären Altenpflegeeinrichtung absolviert und war während der Ausbildung als Ausbildungsbotschafter im Namen der Einrichtung an allgemeinbildenden Schulen unterwegs, um Schulklassen den Pflegeberuf vorzustellen.

Die Körperpflege stellt für mich den zentralen Berührungs- und Kommunikations- und Beziehungspunkt für professionell Pflegende und ihren Klient*innen dar und kann insbesondere bei Menschen mit demenziellen Veränderungen oder anderen degenerativen kognitiven Krankheitsbildern dafür sorgen, dass pflegebedürftige Menschen durch die Hilfe professionell Pflegender wieder selbstbestimmter leben können. Es wird versucht die Auszubildenden in dieser Unterrichtseinheit (UE) auf die ersten Erfahrungen in der Berufspraxis vorzubereiten, ohne sie zu sehr mit der tatsächlichen Breite der Thematik zu überfordern.

2 Analyse des Lerngegenstandes unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Mindmap zum Unterrichtsentwurf

3 Analyse des Lerngegenstandes unter didaktischen Gesichtspunkten

Im Folgenden Kapitel wird die Didaktische Analyse nach der bildungstheoretischen Didaktik von Wolfgang Klafki durchgeführt. Dafür wird die Thematik unter Anbetracht von fünf Leitfragen analysiert, die es ermöglichen den Bildungsgehalt eine Bildungsinhaltes konkret für die eigene Lernendengruppe zu ermitteln. (Vgl. Koch-Priewe, Köker, und Störtländer 2016, 110-113: Hoffman 2020, 13).

3.1 Exemplarische Bedeutung

Das Elementare

In der Frage nach der Exemplarischen Bedeutung geht es darum, welchen allgemeine Sinn- und Sachzusammenhang ein Inhalt vertritt und welcher durch den Inhalt erschlossen werden kann (Koch-Priewe, Köker, und Störtländer 2016, 110-113). Das Elementare ist dementsprechend ein Beispiel, dass über sich selbst hinausweist und allgemeine Sachverhalte aufdeckt (Oelke und Meyer 2013, 65). Die Körperpflege ist in diesem Kontext, eine der alltäglichen Haupttätigkeiten jeder Pflegekraft am Patient*innenbett. Eine Einführung in die Körperpflege ist auch eine Einführung in die pflegeberufliche Praxis und kann Sicherheiten, Argumentations- und Handlungsbegründungen in den Praxiseinsätzen stärken. Die Körperpflege bietet darüber hinaus, unabhängig vom Setting des Orientierungseinsatzes, eine Möglichkeit die erste pflegeberufliche Praxis zu reflektieren. Die erste Auseinandersetzung mit der Pflegebedürftigkeit allgemein trifft für viele der Auszubildenden mit dem Beginn des Orientierungseinsatzes zeitgleich zusammen. Ein Kontakt mit Menschen mit Behinderungen oder Multimorbidität und Berührungen bei der Körperpflege, die unvorbereitet, etwa bei der Intimpflege, als grenzüberschreitend wahrgenommen werden können, geben Anlass zur Reflexion. Gefühle von Ekel und Scham und eigene Beobachtungen über Neigungen zu Nähe und Distanz der Auszubildenden können als Basis für die ersten Überlegungen des professionellen Selbstbildes dienen (Vgl. MfSuI und MfKJuSBW 2020, 11).

Das Fundamentale

Fundamentale Erfahrungen ermöglichen grundlegende Einsichten in die wahrgenommene Wirklichkeit der Welt (Oelke und Meyer 2013, 65). Die Körperpflege bei pflegebedürftigen Menschen bietet dabei eine Möglichkeit für den Kommunikations- und Beziehungsaufbau, insbesondere bei Patient*innen mit kognitiven Einschränkungen. Das Konzept der Basalen Stimulation kann „pflegebedürftigen Menschen Be-rührungen mit sich, den Pflegenden und anderen sie umgebenden Personen ermöglichen. Mit und ohne Hände sollen sie ihr eigenes Leben, sowie die aktuelle, sie umgebende belebte und unbelebte Umwelt «be-greifen» können“ (Buchholz und Schürenberg 2009, 61). Auszubildende können erste Erfahrungen über Berührungsqualität reflektieren und ein Bild für die eigentliche Tiefe und Bandbreite dieser pflegerischen Tätigkeit gewinnen. Der Fokus wäre hier Anknüpfungspunkte zu schaffen und nicht zu überfordern.

Das Exemplarische

Die UE soll exemplarisch vom besonderen Einzelfall einen Zusammenhang ersichtlich werden lassen, der allgemeine Einblicke innerhalb der Thematik ermöglicht (Oelke und Meyer 2013, 65). Am Beispiel „Körperpflege bei pflegebedürftigen, multimorbiden Menschen“ lässt sich etwa auch die Planung, Durchführung und Evaluation des Pflegeprozesses behandeln. Dabei müsste der Anspruch auf den frühen Zeitpunkt innerhalb der Ausbildung angepasst werden. Auszubildende können jedoch schon in theoretischen Überlegungen darüber nachdenken, welche Ressourcen notwendig sind, um die Körperpflege durchzuführen, welche Prophylaxen dabei unabdingbar sind und wie wichtige Informationen, wie Hautveränderungen, an Pflegefachpersonen in der Praxis weitergegeben werden müssen.

Die Körperpflege ist zudem beispielhaft für die Unterstützung der täglichen Lebensaktivitäten der Zupflegenden. Sie kann Überlegungen anstoßen, was noch notwendig ist, um die Lebensfunktionen und -aktivitäten zu erhalten. Letztlich kann die fachlich richtige und patient*innenorientierte Durchführung der Körperpflege als Reflexionsanlass für professionelles Handeln gesehen werden. Grundprinzipien, wie die Einhaltung von Hygieneregeln, die Orientierung am Patient*innenwunsch und die eigene Haltung bei der Durchführung dieser Maßnahme, kann exemplarisch für jede weitere pflegerische und behandlungspflegerische Maßnahme in der eigenen Berufspraxis betrachtet werden.

3.2 Gegenwartsbedeutung

Die Gegenwartsbedeutung beschäftigt sich damit, welche Bedeutung das Thema für Lernende bereits hat (Hoffmann 2020, 16). Der erste Kontakt mit der Pflegepraxis liegt bei den meisten Auszubildenden noch vor ihnen. Diejenigen, die ein Praktikum absolviert haben, führten dabei eher alltagsbetreuende Tätigkeiten und noch keine pflegerischen durch. Der erste Kontakt mit Pflegebedürftigkeit, Multimorbidität und Menschen mit Behinderung steht dem größten Teil der Lernendengruppe noch bevor. Das überwiegende Bild über die tatsächliche Berufspraxis ist womöglich durch ein diffuses „Menschen helfen wollen“ und eine Unkenntnis über tatsächliche Arbeitsabläufe geprägt. Womöglich besteht eine Abwehrreaktion gegen die Thematik. Die Grundpflege kann als trivial wahrgenommen werden, weil das gesellschaftliche Bild über die Pflege mit Vorurteilen behaftet ist und das Kennenlernen innerhalb der Gruppe momentan als wichtiger angesehen wird. Aus pädagogischer Sicht wäre es wünschenswert, dass die Lernenden die professionelle Bedeutung und Verantwortung verstehen, die ihnen exemplarisch durch die Durchführungsverantwortung der Körperpflege bei pflegebedürftigen Menschen, zuteilwird.

3.3 Zukunftsbedeutung

Mögliche relevante Inhalte für die berufliche Zukunft der Auszubildenden und im Kontext der Körperpflege, könnten etwa sein: Die eigene Gesundheit bei der Arbeit und insbesondere der Körperpflege erhalten, Verantwortung für die eigene berufliche Handlung übernehmen und sich für anstehende Praxisbegleitungen und Prüfungen gut vorbereiten zu wollen. Die Körperpflege wird auch in der weiteren beruflichen Zukunft bei Menschen aller Altersstufen mit degenerativen neurologischen Erkrankungen, Bettlägerigkeit, Kommunikationseinschränkungen oder pädiatrischen Patient*innen eine Möglichkeit sein, um die Körperselbstwahrnehmung zu stärken und mit den Patient*innen als Pflegekraft in einen Dialog zu treten (Buchholz und Schürenberg 2009, 77; Teising und Jipp 2009, 2).

3.4 Struktur des Inhalts

Die Struktur des Inhaltes ergibt sich aus den vorigen beiden Bedeutungen (Oelke und Meyer 2013, 62). Folgenden Einzelmomente wären für das Thema vorstellbar.

- Kurze Vorstellung
- Einleitung: „Was braucht man für gute Pflege
- Lückentext Thema Durchführung der Körperpflege bei bettlägerigen Patient*innen
- Pause
- Durchführung von Zähneputzen beim Gegenüber
- Reflexion der eigenen Gefühle dabei
- Transfer wie fühlen sich die Patient*innen, wenn sie „komplett ausgeliefert sind“

Es wird davon ausgegangen, dass die Lernenden die Haut mit ihrem anatomischen Aufbau in vorhergehenden UE kennengelernt haben und exemplarisch über einige pathologische Hauterscheinungen bereits Kenntnisse erworben haben. Ebenso wird vorausgesetzt, dass die Lernenden erste Regeln mit einer hygienischen Arbeitsweise und der Händedesinfektion hinter sich haben.

3.5 Zugänglichkeit

Der Zugang könnte hier durch eine provokante Karikatur geschaffen werden (Abb. 1, siehe Anhang), die die Auszubildenden darin herausfordert zu überlegen, was zur Körperpflege gehört. Der Versuch wurde darauf basieren, dass Humor oder Provokation die Beteiligung an einer Diskussion zu Beginn fördert und dabei hilft erste Hemmungen über das Thema zu überwinden. Die Lehrkraft würde hierbei die Diskussion anmoderieren und die Lernenden müssten im Vorfeld eigene Überlegungen über eine richtige Körperpflege anstoßen ohne direkt Fachwissen zu benötigen.

4 Ziele der Unterrichtseinheit

Die Kompetenzen, die bei einer Pflegefachkraft angebahnt werden sollen, werden dem DQR-Niveau 4 zugeordnet. Die Auszubildenden sollen irgendwann „über Kompetenzen zur selbstständigen Planung und Bearbeitung fachlicher Aufgabenstellungen in einem umfassenden, sich verändernden Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen“ (DQR 2011, 6). Es wurden ebenfalls Lernzielformulierungen des Landeslehrplanes hinzugezogen (Vgl. MfSuI und MfKJuSBW 2020, 12).

Nach den einzelnen Kompetenzbereichen festgelegte Ziele bis zum Ende der UE

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Lernziele für die UE angelehnt am DQR – Fachkompetenz

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Körperpflege bei pflegebedürftigen, multimorbiden Menschen. Ein Unterrichtsentwurf (Pflegeausbildung)
Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1,5
Autor
Jahr
2021
Seiten
27
Katalognummer
V1254464
ISBN (Buch)
9783346745200
Sprache
Deutsch
Schlagworte
körperpflege, menschen, unterrichtsentwurf, pflegeausbildung
Arbeit zitieren
Christian Honold (Autor:in), 2021, Körperpflege bei pflegebedürftigen, multimorbiden Menschen. Ein Unterrichtsentwurf (Pflegeausbildung), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254464

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